Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Willkommen im Kännchen-Blog! Nehmen Sie sich einen Keks und schauen Sie sich um. Wenn Sie mögen, besuchen Sie die Verkaufstheke und wählen Sie aus dem reichhaltigen Angebot an Texten.

Donnerstag, 5. April

Am Nachmittag in die Innenstadt gefahren und den lokalen Einzelhandel besucht. Die Aufgabe: Weingläser kaufen, außerdem einen Dekanter, Strumpfhosen, Sneaker und ein Milchkännchen für den Induktionsherd.

Dieses Konzept, bei dem man einen Haufen Läden vor sich hat, aber keine Möglichkeit, über eine Suchfunktion herauszufinden, welcher Laden welche Produkte führt, wird immer unbefriedigender. Die Herangehensweise, bei der man in Frage kommende Läden abklappert, dabei erstmal durch parfumdurchwaberte Abteilungen muss, sich dann durch zig Produkte wühlt, um festzustellen, dass das, was man braucht, nicht in benötigter Anzahl vorhanden ist. Dazu Verkaufspersonal, das belehrt, weil man ganz offensichtlich keine Ahnung von Ausschüttkanten und Beschichtungen hat, was aber bei den jungen Frauen heutzutage auch kein Wunder ist. Im Schuhgeschäft dann keine Möglichkeit, sich beim Anziehen hinzusetzen, weil alles voller Kartons steht; danach keine Möglichkeit, sich komplett anzusehen, weil alle Ganzkörperspiegel mit Regalen verdeckt sind. Verkäuferinnen, die behaupten, die gewünschten Strumpfhosen gebe es vom Hersteller nicht in der gewünschten Dichte und Größe, obwohl man genau diese Strumpfhose in genannter Dicke und Größe daheim hat, nur eben bereits verschlissen. Verkäuferinnen, die keine Alternative anbieten, obwohl man höchst einkaufswillig ist.  Der Hinweis, dass diese Kasse jetzt schließe und dass man bitte die Kasse am anderen Ende des Stockwerks aufsuchen solle, während man mit einem Arm voller Kartons in der Schlange steht, die man sich mühselig selbst zusammengesucht hat. Ein Einkaufen, bei dem man bei fünf zu kaufenden Produkten nicht ein einziges Mal Beratung oder Service erfährt. Dieses Erlebnis war in der Ballung aller Unnannehmlichkeiten wirklich schwierig. Nach zwei Stunden in der Innenstadt war ich aggro und wollte nur so schnell wie möglich nach Hause.

*

Es gibt eine Twitter-Challenge: Describe yourself like a male author would. Bitte:

When I first saw her, I was impressed by her height. Although she had told me she was tall I had imagined her smaller in all directions, more of a gentlewoman and less peasant. Nonetheless she had an aura of courtesy and friendliness. Her facial lines were sensitive and finely chiselled and offered an antithesis to her lack of elegance and body shape. She remembered me of my prep school teacher, a woman of warm-hearted openness as well as binding sternness who always made me feel like a naughty schoolboy but also left plenty of well-being in my heart. She was a woman of third sight whose subtle allure derived from gazes, affection, keen perception and a smart humor. A woman who left me more astonished (and even afraid) than attracted so no wonder she was living alone.

Der New Yorker hat einen Artikel darüber.

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Bei der Kaltmamsell über Hazel Brugger gelesen, danach auf Youtube Videos von ihr angesehen. Die einleitenden Minuten ergänzen obige Beschreibung:

 

Kommentare

15 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. flyhigher sagt:

    Die Beschreibung aus Sicht eines männlichen Autors gefällt mir. Allein den letzten Satz würde ich so nicht stehen lassen. In der ganzen Beschreibung fehlt für mein Empfinden noch die Beschreibung der Stärke und Bodenständigkeit, die du ausstrahlst. Männer, die diese Eigenschaften schätzen und lieben sind rar, und unter denjenigen, die das mögen, gibt es wiederum viele, die selbst wenig Stärke aufweisen, was dann auch wieder nicht passt. Also ist die Auswahl derer, die Stärke und Bodenständigkeit (und all die anderen liebenswerten Eigenschaften natürlich!) schätzen, und dabei selbst eine gewisse Stärke und Männlichkeit mitbringen, und wo dann auch noch das Gefühl, sich hingezogen zu fühlen, passt, ausgesprochen gering. Daher dauert die Partnerwahl halt etwas länger. ;-)

  2. Sonja sagt:

    Deine Beschreibung aus der Sicht eines männlichen Autors gefällt mir sehr gut, der letzte Satz ist allerdings sehr böse und gemein. Gut, solche gibt es ja auch. In vielen Dingen deckt sich das mit dem Moment als ich Dich zum ersten (und ich glaube einzigen?) Mal sah, unterscheidet sich aber in anderen. Also der Blick von außen ist sehr gut getroffen. Mich hast Du allerdings an keine strenge Lehrerin mit gutem Herzen erinnert, sondern an eine tatkräftige, auch groß gewachsene und lustige Freundin von früher. :)

    1. Vanessa sagt:

      Danke.

      Den letzten Satz habe ich schon mehrmals so gesagt bekommen, in verschiedenen Formulierungen von unterschiedlichen Männern. Ich empfinde ihn nicht als böse, wenngleich es beim ersten Mal verletztend war.

      Ich kann mitunter streng wirken, wenn ich nicht plauderig, sondern beruflich unterwegs bin oder um Ratschläge gebeten werde. Oder wenn ich als Trainerin agiere. Bei beidem geht es ja darum, Menschen zu fordern, und wenn man richtig fordert, tut man das immer mit genau dem passenden Maß an Über-Forderung, an dem der Andere wächst. Das wirkt dann nicht immer liebevoll – außer vielleicht rückblickend, mit zeitlichem Abstand.

      Seltsamerweise ordnen unbekannte Menschen mir tatsächlich oft den Beruf der Grundschullehrerin zu. „Und was machst du beruflich? … Lass mich raten! Grundschullehrerin?“ – „Falsch.“ – „Dann irgendwas Soziales.“ – „Nein.“ – „Nicht?!“

  3. Caramelia sagt:

    Tjo … und immer wieder bekommt man mitgeteilt „kauf im Ort – fahr nicht fort“. Wenn das Kaufen im Ort etwas einfacher und angenehmer gemacht werden würde, gäbe es eventuell weniger online Bestellungen. Vor allem der Arbeitsenthusiasmus von Verkaufspersonal bedürfte dringend eines Updates.

    Ihre Beschreibung gefällt mir sehr gut und der letzte Satz … nun ja, das kam wohl von Männern die nicht start genug waren um auf gleicher Höhe mit Ihnen zu stehen.

    1. Vanessa sagt:

      Ich möchte der Verkaufspersonal dafür gar nicht im Einzelnen verurteilen. Was ist mit den Arbeitsbedingungen? Mit der Personaldecke? Mit der Aus- und Weiterbildung? Mit der Strategie und Organisation der Filiale? Das sehe ich ja alles nicht direkt, sondern erfahre ich nur als unbefriedigendes Erlebnis.

    2. Caramelia sagt:

      Alles gute Argumente, die ich allerdings nur bedingt gelten lasse. Nur zu oft bin ich nahezu unwillig abgewimmelt / ignoriert worden, von miteinander tratschendem Verkaufspersonal … oder habe die Auskunft bekommen „sowas führen wir nicht“, nur um den Artikel nach 10 Min suchen selbst gefunden zu haben. So ein Verhalten liegt nicht an den Arbeitsbedingungen, sondern an den Leuten. Wenn mir der Job als Verkäufer nicht passt, ich das nicht machen möchte, ich keinen Kundenkontakt haben möchte, dann muss ich mich halt bemühen, mir etwas anderes zu suchen, anstatt den Job den ich habe halbherzig und lieblos auszuführen … finde ich halt.

    3. Vanessa sagt:

      Ja und nein. Meiner Erfahrung nach gibt es nie Schwarz und Weiß, sondern sehr, sehr viel Grau. Das Grau kann auch mal sehr dunkel sein; die Leute können also wirklich nicht auf den Job passen – mit mangelnder Arbeitsmoral und so weiter. Oft gibt’s viele Nuancen von Dunkelgrau bis Hellgrau.

  4. Nihilistin sagt:

    Hagel Brugger. Oh ja. Immer. Suchen Sie sich doch mal ihre AfD-Interviews im Rahmen der heute-Show raus. Seitdem habe ich meinen Glauben an die kommende Generation wieder gefunden.

  5. Jule sagt:

    Früher, also wirklich schon lange her, gab es die Firma Kopfermann auf der Brückstraße. Ein Fachgeschäft für Glas und Porzellan und, für meinen Vater sehr wichtig, weil Handwerker mit eigenem Betrieb, Werkzeuge aller Art für Profis und Heimwerker.
    Als Kind durfte ich, während Vater Fachgespräche führte, alles durchstreifen und anschauen. Die Verkäuferinnen, damals auch schon beim Werkzeug, waren sachkundig und beratend tätig. So was gibt heute nicht mehr, glaube ich. Vor Ort einzukaufen macht so keinen Spass, da wundert es nicht, dass Am…so viel Zulauf hat.
    Grüße Jule

    1. Vanessa sagt:

      Ich glaube nicht, dass es nur in eigentümergeführten Geschäften engagierte und gute Verkäufer*innen gibt. Ich habe dort bislang genauso viele und wenige Muffel getroffen wie in den großen Ketten. Es ist auch okay, wenn Verkäufer*innen mal muffelig sind, und es ist okay, wenn man etwas herumsteht. Es muss ja auch eingeräumt werden. Aber es ist ein Unterschied, ob das grad mal so ist oder ob das Geschäft offensichtlich nicht gut geführt ist. Der Tag offenbarte gut die Gründe, warum ich (nicht immer, aber auch) online bestelle.

  6. Helga sagt:

    Rein aus Interesse – wie groß sind Sie?

  7. Katrin Möws sagt:

    Als sonst immer stumme Leserin kann ich gerade nicht anders, als mich auch einmal zu Wort zu melden: Die Selbstbeschreibung ist ein unglaublich starkes Stück Prosa, das mich sehr berührt hat. Ich habe hier oft schon schallend gelacht – heute bin ich wortlos vor Bewunderung. Sehr, sehr schön. Und der letzte Satz erst recht, denn gerade das, was weiter oben als „gemein“ empfunden wurde, sagt zum einen mehr über die Schwäche des Gegenübers aus als über Sie, ist also in gewisser Weise sogar ein echtes Kompliment, und zeigt zudem einen Mut zu Ehrlichkeit und Selbstoffenbarung, der mich beindruckt. Danke dafür, und gerne mehr davon.

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