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Samstag, 24. März

24. 03. 2018  •  10 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Als ich gestern aus Bergamo kam, sah ich, dass es in Capriolo einen Gartenmarkt gibt. Nun, dachte ich mir heute morgen, es ist Samstag, es ist Frühling, da ist es nur folgerichtig, in einen Gartenmarkt zu fahren.

Gartenmarkt: Im Vordergrund Tontöpfe, dahinter Pflanzen

Ich wollte nach Pflanzen schauen, die ich in Deutschland nicht gut bekomme oder die vielleicht teurer sind. Außerdem hatte ich die Hoffnung, dass es Tontöpfe zu einem kleineren Kurs als im Dortmunder Baumarkt gibt.

So war es auch. Ich kaufte eine kleine Palme für mich und eine für die Turnschwester in Heidelberg. Dort komme ich ja auf dem Weg nach Norden vorbei. Außerdem kaufte ich Tontöpfe zu einem Schnäppchenpreis. Die großen kosteten 24 Euro, die kleinen 9 Euro. Nachdem ich bezahlt hatte, sagte die Verkäuferin: „Fahren Sie mal das Auto vor, wir helfen Ihnen beim Einladen.“

Ich fuhr das Auto vor, sie öffnete den Kofferaum und musste lachen.
„Das wird aber eng“, meinte sie.
„Ach“, sagte ich, „das kriegen wir schon hin.“
„Sie mögen gerne Wein, oder?“
„Ist nicht alles für mich.“
„Jaja.“

Wir räumten ein wenig, und dann passten Palmen und Töpfe – auch so, dass sie nicht klappern oder gegeneinander stoßen. Gut – für die Heimreise muss natürlich noch ein bisschen mehr ins Auto; ich habe ja noch Sachen im Appartment. Aber, ach – ein bisschen hier stapeln, ein bisschen dort zusammenschieben; ich habe schon mit einem Micra bei Ikea Möbel gekauft, da sollte das jetzt keine Herausforderung sein.

Danach fuhr ich zum anderen Ende des Sees nach Lovere. Der kleine Ort ist Mitglied in der Vereinigung I borghi più belli d’Italia, die schönsten Orte Italiens. Joa, ich sag mal: Es ist ganz hübsch. Die Mitgliedschaft hätten allerdings auch andere Orte verdient, denen ich auf meiner Reise begegnet bin.

Lovere: See in Lovere mit Steg parallel zum Ufer und Tannen

Positiv zu vermerken ist, dass Lovere eine Eisdiele hat, die gutes Eis macht – getestet an den Sorten Stracciatella und Latte e cereali. Allerdings war der Eisdielenmann der muffeligste Eismann Italiens. Das gibt Abzüge in der B-Note.

Der Iseosee war 2016 übrigens der Ort der Floating Piers, des Kunstwerks von Christo und Jeanne-Claude. Man konnte auf orangenen Stegen über den See bis auf die Insel Monte Isola gehen – und bis zu einer weiteren kleinen Insel, die San Paulo heißt und die der Eigentümerfamilie des Waffenherstellers Beretta gehört.

Lovere: Platz mit Brunnen

Der Weg von meinem Ort Tavernola Bergamasca bis nach Lovere führt am Ufer des Sees entlang. Je näher ich Lovere kam, desto mehr war die Straße dem Felsen abgerungen. Auf den letzten Kilometern vor dem Ort fallen die Berge senkrecht ins Meer. Die Straße ist nur so breit, dass gerade zwei Auto nebeneinander her fahren können; es gibt Einbuchtungen, damit man anhalten kann, wenn einem ein Lkw begegnet.

Noch ein Bild aus den Gassen von Lovere:

Gasse mit schmalem Haus in Lovere

Morgen letzter Tag in Italien für diese Reise. Danach Reisetag.

*

Gelesen: Auch 2018 gehört mein Uterus noch immer nicht mir – Journelle mit einer Wutrede zum Paragraphen 218, 219a, zu Informationen über Abtreibung und zu gemeinsamer Verantwortung. Just my two cents: Ich weiß von drei Frauen, dass sie abgetrieben haben. Alle drei hätten das Kind ausgetragen. Alle drei Erzeuger haben sich jedoch gegen das Kind ausgesprochen und hätten die Frauen sozial, emotional und wirtschaftlich allein gelassen. Zwei der Frauen wären sofort und unmittelbar von Armut bedroht gewesen, hätten sie das Kind ausgetragen: als mehr schlecht als recht zurechtkommende Selbstständige und als befristete Teilzeitkraft. Deshalb haben sich die Frauen damals für einen Abbruch entschieden. Zwei von ihnen haben heute Kinder. Die dritte habe ich aus den Augen verloren.

Gelesen: Warum bauen sich Menschen Stein-Käfige um den Garten? Das frage ich mich auch.

Angeguckt (via Herrn Buddenbohm): Bohnenballett

Kommentare

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  1. Alexandra sagt:

    Hm. Ich war nie in der Lage, abtreiben zu müssen, kenne aber auch Frauen, die das getan haben. Ich finde allerdings, dass es Situationen im Leben gibt, in denen das richtig sein kann. Weil der Tod nicht das Schlimmste ist, was einem Lebewesen zustoßen kann.

    Das leidige Thema der SparkassenkundIn. Wie wäre es denn, wenn wir einfach nur noch die weiblichen Formen benutzen und sagen, dass die Männer einfach mitgemeint sind? Bei dieser Übung interessiert mich vor allem, was meinen Geschlechtsgenossinnen spontan dazu einfällt.

    Und die Gabionen – ach! Ich fand die bislang immer prima – weil sie nämlich eine schnelle, preiswerte Variante der Natursteinmauer sind, die ansonsten als eigenständiges Biotop vom Aussterben bedroht ist. Was da alles an Leben einziehen kann, ist doch cool? Und der „Baustellenlook“ – naja. ICH finde, das hat einen eigenen, rauhen Charme.

    Just my 2 cents.

    Das Köpfchenwackeln der Bohnenpflanze erinnert mich in seiner suchend wirkenden Unstabiliät tatsächlich an das eines neu geborenen Säugetiers … danke für’s Zeigen!

    Und was für eine wunderbare Idee, ein bisschen Frühling aus Italien in den Kofferraum zu packen!

    1. Vanessa sagt:

      Die gefangenen Steine sind halt keine Natursteinmauern, sondern klinisch rein. Natursteinmauern wachsen mit Moos zu, beherbergen Farn und Steingartenpflanzen. Und ob Gabionen preiswert sind, lasse ich mal dahingestellt. Preistreiber sind die Steine.

    2. Alexandra sagt:

      Nja, was gespart wird, ist wohl die Arbeitszeit für’s Aufschichten. Eingekauft wäre diese sicher auch noch teurer. Und Natursteine zum Aufschichten haben auch ihren Preis. Zudem finde ich Gabionen allemal netter als diese gruseligen „Betonfertigteilmauern“ im Natursteinlook, deren Zahl soeben zuzunehmen scheint. Uuuund die Natur hat alle Möglichkeiten, die sterilen Gabionen zu besiedeln. Das geht ja bei Natursteinmauern auch nicht von jetzt auf gleich. Die sehen bloß lebendiger aus, weil sie doch meistens deutlich älter sind. So jedenfalls meine subjektive Sicht auf die Angelegenheit. ;)

  2. PaulineM sagt:

    Beim Lesen der Eisauswahl des Tages, dachte ich kurz „Stracciatella“ scheint Ihre Lieblingssorte zu sein und ich las weiter über die Insel San Paulo „die der Eigentümerfamilie des WaffeLherstellers Beretta gehört“. Fast wäre die Familie mir sympathisch geworden.

    1. Vanessa sagt:

      Stracciatella ist die Grundlage jeden guten Eises im Hörnchen.

    2. Alexandra sagt:

      Genau! Ich nenne Stracciatella auch immer zuerst, damit es unten im Hörnchen ist! :)

  3. Sandra sagt:

    Ich bin ganz traurig, dass Sie Italien jetzt verlassen. Können wir ein Crowdfunding machen für einen weiteren Monat Italien im Herbst?

    1. Vanessa sagt:

      Herbst … //*denkt nach
      Herbst wäre ganz schön, oder?
      Terminlich wäre da auch Raum.

  4. Mhs sagt:

    Och ja, ich wär dabei beim crowdfunding. Besser als Reisewege zur Kunst, was hier ja auch stattfindet ohne so zu heißen. Sach Bescheid, ich bin dabei.

    1. Vanessa sagt:

      //*notiert: Crowdfunding „Reisewege zu Kunst, Wandern und Genuss“ einstielen

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