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Donnerstag, 8. März

8. 03. 2018  •  8 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Den Morgen genutzt und ein wenig gearbeitet. Ich hatte noch Telefonate offen, unter anderem ging es um zwei Vorträge, die ich im April im Kontext einer Veranstaltung halte.

Dann war Mittag. Die Werkstatt hatte sich noch nicht gemeldet. Ich beschloss, das gute Wetter zu nutzen, zum Bolsenasee hinunter zu gehen und später von unterwegs anzurufen.

Bolsenasee von oben

Es führen mehrere Wanderwege zum Lago di Bolsena. Die Touristeninformation hatte mir eine Karte gegeben, die ich mitnahm.

Erst geht es zweieinhalb Kilometer steil bergab. Dann ist man im Tal, und der Weg verläuft sanfter. Unterwegs trifft man auf ein Kirchlein. Im Hintergrund mein Berg.

Kirche unter einem Baum, dahinter ein Berg

Nach etwa eineinhalb Stunden kam ich an den See. Dort: ein Kiosk mit Eiskarte. Das konnte kein Zufall sein! Der ältere Kioskbetreiber gratulierte mir erstmal zum Weltfrauentag und sagte dann, dass Langnese – beziehungsweise das italienische Pendant Algida – heute Sortimentswechsel hätte: Die Saison 2018 startet, alles muss raus! Da war ich doch gerne behilflich. Immer für die gute Sache unterwegs!

Ich setzte mich ans Ufer auf eine Bank und genoss mein Choc’n’Ball. Die Aussicht:

See mit Steg, intensivblaue Farbe

Danach führte der Weg am See entlang.

Vor einem Restaurant standen drei junge Männer.
„Hey“, rief einer auf Italienisch. „Bist du Holländerin?“
„Wie soll sie dich dann verstehen, du Idiot.“
„Du bist bestimmt Deutsche, oder?“, sagte der andere auf Deutsch.
„Stimmt“, sagte ich.
„Ich wohne auch in Deutschland. In Bayern. Seit vier Jahren.“
„Versteht sie dich überhaupt?“, fragte sein Kumpel auf Italienisch.
„Halt die Klappe, natürlich versteht sie mich.“ Und zu mir: „Du versteht mich doch, oder?“
„Klar“, sagte ich.
Zu seinem Kumpel: „Siehste, mein Deutsch ist gar nicht so schlecht.“
„Du kannst uns viel erzählen.“

Wir unterhielten uns ein bisschen.
Dann fragte er: „Und, wo findest du es schöner? In Italien oder in Deutschland?“
„Das Leben ist schon schön hier“, antwortete ich.
„Aber guck dir das an“, er deutete auf die Straße. „Guck dir an, wie die Straßen aussehen!“
„Mein Auto ist gerade in der Werkstatt.“
„Oh, che cazzo! Wegen einem Schlagloch? Einmal passiert es jedem!“
Da hat man doch direkt ein besseres Gefühl.

Boote am See

Auf dem Rückweg rief ich in der Werkstatt an. Morgen um 18.30 Uhr sei das Auto fertig, sagte der Mechaniker. Drücken Sie mir bitte die Daumen.

Strada Montarone: Schotterweg in Richtung Berg, rechts Weinreben

Der Weg ließ sich gut gehen. Nur die letzten zwei steilen Kilometer waren nach den vorangegangen 14 etwas beschwerlich. Aber auf mich wartete ja niemand.

Als ich oben auf meinem Berg ankam und mich die letzten Meter durch das Tor oberhalb der Piazza Vittorio Emmanuele schleppte, sah ich, dass der Abend wunderbar werden würde: Die Tür zum Paradies zur Pizzeria stand offen!

Pizzeria an steile Straße mit geöffneter Tür

Ich ging hinein, doch der Pizzabäcker winkte ab: „Der Ofen ist noch nicht heiß.“ Er ist ein sensibler Mensch, denn er hat mir sofort angesehen, welch schlimme Nachricht das für mich war. „Aber du kannst dir schonmal eine Pizza aussuchen. Ich mache sie dir dann für 19 Uhr fertig.“ Bester Mann.

Tagesaktivität:

81 Stockwerke; 16,2 Kilometer; 21.441 Schritte

Kompensationsmahlzeit: Pizza mit Prosciutto Crudo.

*

Gelesen: Der weite Weg zum Glück – Interview mit dem Glücksforscher, Psychiater und Harvard-Professor George E. Vaillant über die Ergebnisse der Grant-Studie. In der seit 75 Jahren andauernden Langzeitstudie erforscht eine Gruppe Wissenschaftler, was Menschen glücklich macht. Erkenntnisse: Man soll sich wertschätzen, aber wenig an sich denken. Viel für andere tun. Einfühlsam sein. Lieben und verzeihen. Aus Erfahrung lernen. Humor entwickeln.

Kommentare

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  1. Stör sagt:

    Für diese Erkenntnis hat Vaillant 75 Jahre gebraucht? Alle Achtung! 75 Jahre um etwas zu bestätigen, was im Grunde doch alle wissen.

  2. Iris sagt:

    Das war aber ein toller Spaziergang – 16 km! WOW!
    Und: die Daumen sind gedrückt – ganz fest.

  3. Alexandra sagt:

    Das Foto mit dem Steg, der in den See führt, das hätte ich bitte gern. So sechzig breit, vierzig hoch – auf Keilrahmen! ;)

    Nee, im Ernst – klingt alles bisher so, wie ich auch am allerliebsten Urlaub mache. Und ich genieße mit! Was sich so am Weg findet, an Aus- und Einsichten, an Menschen und Gesprächen.

    Ja. So mutt datt!

    1. Vanessa sagt:

      Das Foto kann ich zur Verfügung stellen. Ich weiß nur nicht, für welche Maße die Auflösung ausreicht.

    2. Alexandra sagt:

      Das lässt sich ja rausfinden – fraglich nur, ob das per Email geht? Wegen der Größe der Datei.

    3. Vanessa sagt:

      8 MB sind unterwegs.

  4. flyhigher sagt:

    Aaaaaah, ein Traumtagerl! Das sieht nach einem wirklichen Traumtagerl aus! Ich gönn es dir von Herzen!

    1. Vanessa sagt:

      Das war wirklich sehr schön.

Die Kommentare sind geschlossen



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