Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Mittwoch, 28. Februar

28. 02. 2018  •  14 Kommentare

Ausnahmezustand in der Emilia Romagna! Der Bürgermeister hat Recht behalten.

Als ich heute Morgen aufstand, kamen nur drei Tropfen Wasser aus dem Hahn; dann war Ende. Leitungen zugefroren! Ich frühstückte und schluffte aus meinem Scheunenappartment zu S ins Haupthaus hinüber.

Porca miseria!“, fluchte er. „Wie kann das sein? Hier im Haus haben wir Wasser. Und du nicht?“

Er dachte kurz nach. Dann sagte er: „Ich weiß, woran es liegt. Das Wasser kommt aus dem Brunnen und geht zuerst bei uns ins Haus und dann zu dir. Das Rohr, in dem das Wasser in dein Haus geht, liegt nah an der Oberfläche. Wir müssen es aufwärmen.“ Er ging zum Küchenschrank und begann, in der Schublade zu kramen. Unter Verwünschungen schob er Dinge nach links und rechts. Dann reckte er mit einer triumphalen Geste den Arm in die Luft. In der Hand: ein Crème-brûllée-Brenner.

„Das wird helfen!“, meinte er und drückte auf den Anzünder. Doch: nichts.
„Ich mache nicht oft Crème brûllée. Möchtest du eigentlich einen caffè? Ich mache uns erstmal einen caffè. Und guck nicht so skeptisch.“

Nach dem Kaffee, mit aufgefülltem Brenner und einer Rohrzange stapften wir nach draußen. S beugte sich über die steinerne Abdeckung an der Seite des Hauses und zog daran. Wieder: nichts.

Porca miseria! Der Deckel ist zugefroren!“ Wir kamen nicht einmal an die Leitung.

Er hockte sich neben das Viereck und bearbeitete die Kanten mit dem Crème-Brûllée-Brenner. Doch es half nichts: Der Deckel blieb fest. „Wir müssen ein Feuer machen“, sagte er.

Wir sammelten Laub und Äste und stapelten sie auf den Deckel. S ging in die Scheune und holte alte Obstkisten. Mit dem Brenner zündete er alles an. „Das ist schön warm“, sagte er. „Das wird helfen.“

Feuer auf Steinen

Nach drei verbrannten Obstkisten: Heureka! Der Deckel ging auf. S schippte das schwelende Laub ins Loch, direkt unter das Rohr. Wir warteten etwas. Dann ging ich ins Haus und öffnete den Hahn. Yay!

„Es läuft wieder!“, rief ich durchs Fenster nach draußen.
„Ich war mal Pfadfinder!“ rief S zurück.

*

Am Mittag fuhr ich in die Berge zum Castello di Rossena. Die Sonne schien; ich wollte in die Natur. Dieses Mal nahm ich nicht den direkten Weg in die Berge, sondern fuhr durchs Enzatal. Die Enza ist ein Nebenfluss des Po.

Enza, im Hintergrund verschneite Berge

Dass das Castello di Rossena geschlossen sein würde, wusste ich. Nichtsdestotrotz wollte ich hin, um hinauf zu steigen und hinunter zu schauen.  Ich parkte das Auto am Fuß der Burg und machte mich auf den Weg hinauf.

Rossena: Weg hinauf zu Burg

Der Schnee war tief – tiefer als unten in Quattro Castella. Er ging mir bis zur Wade und war mal bretthart gefroren, mal nicht, mal blieb ich darauf stehen, mal sank ich ein, mal nur bis zum Knöchel, mal bis zur Mitte des Unterschenkels. Doch es war immer noch besser als die schmale Rinne, die jemand freigestreut hatte: Sie war vereist.

Rossena: Aussicht von der Burg in die Berge und ins Tal

Nachdem ich das Panorama bewundert hatte, stapfte ich wieder hinunter. Der Tiefschnee machte es wunderbar einfach.

Unten ging ich ein Stück die Straße entlang und folgte einem Weg, der auf die Felder und in den Wald führte.

Rossenna, Eiszapfen an einem Holzhaus

Rossena: Ausicht auf die Burg und die Berge

Überall waren Spuren von Wild:

Rossena: Spuren von Rehen im Schnee

Auch in Quattro Castella haben wir Rehe. Die Spuren sind auf dem ganzen Hof und gehen unter meinem Schlafzimmerfenster entlang. Tagsüber sehe ich die Tiere  in der Ferne auf dem Feld.

Nachdem ich den Hügel umrundet hatte, machte ich Rast und setzte mich auf eine Schranke. Ich saß eine ganze Weile dort; so lange, wie man braucht, um ein Zitronenbonbon langsam zu lutschen.

Rossena: Aussicht von der Schrank aus

Ich schaute in die Berge und ins Tal, und es war still. Der Wind wehte Schnee von den Bäumen. Vögel durchkreuzten den Himmel. Ich atmete und schaute und irgendwann schloss ich die Augen. Erst habe ich an vieles gedacht. Dann habe ich an nichts mehr gedacht. Es war sehr schön.

Als ich die Augen wieder öffnete, war die Welt erst blau; dann war es, als wäre die voller Seifenblasen; dann wurde sie wieder klar.

Rossena: Panorama im Schnee mit Schranke

Es war kalt geworden. Der Himmel hatte sich zugezogen. Ich ging zurück zum Auto.

Auf dem Rückweg nach Quattro Castella hatte ich noch einmal einen Blick auf Canossa, über die Schneeberge an der Straße hinweg:

Blick über die Schneeberge an der Straße hinweg auf den Hügel mit der Canossa-Ruine

*

#DerKleineWissenschaftler. Ich bin einem Phänomen auf der Spur: der Milchhaut. Wenn ich daheim in Deutschland Milch für meinen Kaffee koche, gibt es keine Haut. Koche ich hier Milch, gibt es sofort welche. Ich mache das in beiden Fällen mit einem Topf auf dem Herd. Folgende Variablen habe ich für die Untersuchung dieses Phänomens als relevant identifiziert: Fettgehalt der Milch, Vorbehandlung der Milch, maximale Erhitzungstemperatur, Erhitzungsgeschwindigkeit.

Die Variable „Fettgehalt der Milch“ konnte ich schnell als nicht maßgeblich ausschließen, indem ich einmal Vollmilch und einmal Magermilch gekauft und erhitzt habe. Kein Unterschied. Die Variable „Maximale Erhitzungstemperatur“ macht auch keinen Unterschied. Die Haut bildet sich zuverlässig, egal wie warm die Milch wird.

Nach einer Lektüre tippe ich entweder auf eine geringere Vorbehandlung der italienischen im Vergleich zur deutschen Milch oder auf eine schnellere Erhitzung auf dem Gasherd. Daheim habe ich Induktion, das geht schnell. Möglicherweise entwickelt aber der Gasherd in noch kürzerer Zeit eine noch größere Hitze, so dass sich eher Haut bildet. Chemiker, die zu dieser Fragestellung etwas beitragen können, sind herzlich willkommen.

*

Angesehen: Automated Vehicles can’t save cities – darüber, wie Städte gestaltet sein sollten, damit möglichst viele Menschen sich möglichst effizient in ihnen bewegen können. Spoiler: Das Auto trägt nicht viel dazu bei.

Gelesen: Volk und Vertreter – darüber, wie bestimmte Bevölkerungsgruppen im Bundestag vertreten sind.

Gelesen: Ordnung muss sein über die Geschichte der Normen.

Dienstag, 27. Februar

27. 02. 2018  •  5 Kommentare

Den Morgen daheim verbracht. Mails gecheckt und geschrieben, die nächste Unterkunft gebucht. Ich folge der Empfehlung von S und reise am kommenden Freitag in die Nähe von Orvieto: an das Ufer des Bolsenasees nach Montefiascone.

Zur besseren Übersicht eine Karte (#serviceblog):

Landkarte mit eingezeichneten Zielen

Aktuell bin ich das obere Quadrat zwischen Parma und Modena. Am Freitag geht’s nach Süden zum zweiten Kästchen, nördlich von Rom. Ich reise übrigens nicht in große Städte.

Heute Nachmittag war ich in Reggio nell’Emilia. Da lag der Hund begraben.

Reggio Emilia

Es ist wirklich saukalt. Wer konnte, folgte den Empfehlungen des Bürgermeisters und blieb zu Hause. Wer musste, zog den Schal bis über die Nase und huschte geduckt durch die Stadt. Die Straßen waren leer, die Geschäfte waren leer, niemand hatte Lust auf irgendwas.

Reggio, Marktplatz: leer

Mit Pudelmütze und in meiner Schneezauber-Winterjacke war mir zwar obenrum warm, trotzdem war ich hinterher durchgefroren. Die Kälte kroch von den Beinen hoch.

Ich bin durch die Straßen und die Geschäfte gestreift und habe Bücher und Duftzeugs gekauft. Denn M hat hier in den Schränken toll riechende Plättchen liegen. Die wollte ich auch haben. Es gibt hier ganze Abteilungen voller Schrank- und Raumdüfte. Großartig.

Einkäufe: Bücher und Orphea-Duft

Wo wir grad beim Einkaufen sind – so sehen die Schaufenster der Metzger aus:

Schaufenfenster mit ganzen Parmaschinken

Entdeckung aus dem Supermarkt: Kinder Cards. Mit einem cuore cremoso al latte e cacao, einem Cremeherz aus Milch und Kakao. Es ist noch besser, als es sich anhört, vor allem, weil die Plättchen so dünn und zerbrechlich sind und das Herz wirklich super ist.

Kinder Cards: Verpackung

Zweite Entdeckung aus dem Supermarkt: Limonensirup. Bodendeckend ins Glas, Mineralwasser drauf. Gut.

Flasche "Sciroppo di Limone"

Abends den örtlichen Pizzabäcker ausprobiert. Margherita gibt’s dort für drei Euro, Pizza Crudo mit Parmaschinken für sechs Euro. Ich habe eine Pizza Crudo genommen, regionale Produkte unterstützen und so. Gute Wahl.

Montag, 26. Februar

26. 02. 2018  •  3 Kommentare

Heute war ich in der Stadt des guten Essens, in Parma.

Um dorthin zu gelangen, bin ich durch circa dreißig Kreisverkehre gefahren. Ich glaube, die Strecke, die ich in Kreisverkehren verbracht habe, war insgesamt länger als die Strecke außerhalb. Die  Kreisverkehre sind meist zweispurig und erfordern eine beherzte Fahrweise. Wenn man zu wenig beherzt ist, wird man angehupt. Wenn man zu viel beherzt ist, auch. Es ist nicht leicht. Manchmal folgt auf einen Kreisverkehr direkt der nächste, die Ausfahrt des einen ist die Zufahrt des anderen. Das fühlt sich dann an wie Tetris, kurz bevor die Rakete kommt.

Irgendwann erreichte ich Parma. Die erste Parkmöglichkeit, die mir angeboten wurde, hieß Barilla Center. Ein Parkplatz, der wie Pasta heißt – das hat mich direkt angesprochen, also parkte ich dort. Ein guter Griff, denn ich konnte direkt die Strada della Repubblica in die Altstadt hinablaufen.

Ich bin dann vier Stunden durch die Stadt gelaufen und habe mir alles angesehen. Parma hat einen hübschen und großen Dom, von innen wie von außen. So sieht er von außen aus:

Parma, Dom

Und so von innen:

Parma, Dom: Bögen mit Wand- und Deckengemälden

Parma, Dom: Bögen mit Wand- und Deckengemälden

Die Katholiken können wirklich gut Kirchen einrichten. Der Dom wurde zwischen 1055 und 1106 gebaut. Der Glockenturm ist zweihundert Jahre jünger. In der italienischen Wikipedia sind noch ein paar mehr Bilder. Sehr beeindruckend.

Weitere Eindrücke aus Parma:

Parma

Parma, Straßen mit Lampen

Parma, bunte Häuser

Zum Mittag habe ich ein Panino mit Prosciutto Crudo gegessen, so wie sich das in Parma gehört, und einen caffè getrunken. Es gibt viele Schinkengeschäfte hier, was nicht wirklich überraschend ist:

Prosciutteria

Auf dem Rückweg habe ich in Bibbiano angehalten. Dort gibt es eine Molkerei, die Parmesan verkauft, den bekannten Parmigiano Reggiano. Das war ein Tipp von S, bei dem ich  auf dem Hof wohne.

Latteria Sociale Moderna, Bibbiano

Latteria Sociale Moderna, Bibbiano

Ich habe jetzt eineinhalb Kilo Parmesan im Kühlschrank, außerdem Aceto Balsamico mit Trüffel und ein paar Sfoglie al Parmigiano Reggiano, Parmesanblättchen, die man zwischendurch knabbern kann.

Übrigens liegt in Parma kein Schnee, nullkommanix, auch wenn es keine 30 Kilometer von Quattro Castella weg ist. Verrückt. Muss am Appenin liegen, in dessen Ausläufern ich wohne.

*

Hier ist es weiterhin sehr kalt, heute Morgen hat zu dem Thema sogar der Bürgermeister auf dem Hof angerufen. Er hat eine Vorrichtung, mit der er alle Einwohner Quattro Castellas gleichzeitig antelefonieren kann – wenn zum Beispiel ein Krieg kommt oder wenn ein Atomkraftwerk explodiert, also bei wirklich gravierenden Dingen. Heute hat er alle Schäfchen angerufen und ihnen gesagt, dass es kalt werden soll, gravierend kalt, und dass er es als seine Pflicht als Bürgermeister ansieht, darüber zu informieren.

M und S, die Hofbesitzer, kicherten belustigt, als sie mir davon beim Abendessen erzählten. Alle Einwohner, hat der Bürgermeister gesagt, sollten ausreichend Salz kaufen, die Wege streuen und auf keinen Fall das Haus verlassen. Das ist ein Widerspruch, der den Leuten seither zu schaffen macht. S hat vorsichtshalber vier Packungen Speisesalz gekauft, die jetzt in der Küche stehen.

M und S haben mich heute eingeladen, gemeinsam mit ihnen Abendbrot zu essen. Es gab Pasta, und ich weiß nicht, wie sie es machen, aber diese kleine Pasta, gekocht von einem italienischen Fotografen in einer Küche in einem Bauernhaus in der Emilia Romagna, schmeckt besser als jede Restaurantpasta in Deutschland. Wir aßen also Pasta und dann noch ein bisschen Seewolf und Zucchini und natürlich Brot und Käse und tranken Wein. Ich weiß jetzt, wie die Familienverhältnisse in der Nachbarschaft sind, wer mit wem gut kann, wer der Mann ist, mit dem ich in Canossa gesprochen habe (den kennen M und S nämlich), wessen Haustiere sich nicht verstehen, was die Pläne des Obsthändlers sind und noch vieles mehr.

Wenn wir zusammensitzen, spricht S mit mir Englisch und M mit mir Italienisch. Ich antworte in der Sprache, in der ich gerade Wörter parat habe, was manchmal gar keine ist und manchmal beide sind, weil der Mischmasch bei mir Systemfehler verursacht. Das fällt allerdings nicht weiter auf; S und M wissen ausreichend zu erzählen.

Wir haben gemeinsam gelacht und Pläne für meine Weiterreise gemacht. Ich solle unbedingt nach Orvieto, dort sei es wunderbar, und es gebe viel zu sehen, meint S. Außerdem nach Ascoli Piceno. Das kenne niemand, S versteht nicht, warum; dort sei es wunderbar, dort solle ich hinfahren. Alternativ nach Urbino. Auf der Rückreise nach Deutschland könne ich dann in Ravenna Halt machen, das sei auch sehr schön, und wenn ich überall eine Woche bleibe, sei ich Ostern wieder zu Hause.

Das klingt nach einer Idee.

Sonntag, 25. Februar

25. 02. 2018  •  7 Kommentare

Heute Morgen schneite es. Deshalb beschloss ich, das Auto stehen zu lassen und einfach rauszugehen.

Ich machte mich auf den Weg zum Castello di Bianello, das ist die Burg oberhalb des Ortes. Um dorthin zu gelangen, muss man erst einen Kilometer in die entgegengesetzte Richtung gehen. Ansonsten müsste man durch Weinreben laufen, und das geht nicht, grundsätzlich nicht und schon gar nicht bei Tiefschnee.

Ich war gerade losgestapft, es windete und schneite mir in die Augen, als mir S im Auto entgegenkam. Ich wohne bei S auf dem Hof. Er hielt an, kurbelte das Fenster herunter und fragte, wo um alles in der Welt ich bloß hinwolle, zu Fuß und bei Schneetreiben.

„Zum Castello“, sagte ich.

S schaute mich mit einer Mischung aus Belustigung und Entsetzen an. Wenn ich in Not geriete, meinte er ernst, solle ich bitte auf jeden Fall anrufen.

Ich stapfte weiter, die Allee hinauf zur Landstraße, die Landstraße entlang und von dort in Richtung Dorf. Ich war die einzige, die Fuß unterwegs. Es schien bislang auch niemand das Haus verlassen zu haben, denn alle Einfahrten, Eingänge und Treppenstufen waren jungfräulich verschneit.

Erst später traf ich auf Fußstapfen, die Richtung Dorf führten. Wahrscheinlich auch ein deutscher Tourist.

Der Aufgang zur Burg:

Castello di Bianello: Eingangstor, im Hintergrund die Burg auf einem Berg

Das Castello ist eine von ehemals vier Burgen, die Quattro Castella umgaben. Deshalb auch Quattro, vier. Es stammt aus dem 8. Jahrhundert. Die Immobilie gehörte einst Mathilde von Tuszien, also der Dame, die auch Canossa besaß.

Mathilde muss ein Händchen für Besitzungen gehabt haben, denn ihr gehörten die Toskana, Mantua, Parma, Reggio, Piacenza, Ferrara, Modena, ein Teil von Umbrien, das Herzogtum Spoleto, der Kirchenstaat von Viterbo bis Orvieto und ein Teil der Mark Ancona. Hoffentlich konnte sie sich das alles merken.

Weg zum Castello die Bianello den Berg hinauf

Das Castello di Bianello war angesichts all dieser Liegenschaften wahrscheinlich eine Hütte, auf der man mal Rast machen und eine Limo trinken konnte. Bis heim nach Canossa sind’s schließlich noch elf Kilometer.

Um in die Burg zu gelangen, muss man den Berg hinauf („Lage! Lage! Lage!“, sage ich nur). Von unten sieht das nach nur einem kurzen Weg aus. Zwischendrin ändert sich die Perspektive.

Auf der Homepage der Castello stand, dass es sonntags immer um 12:15 Uhr eine Führung gebe. Was dort nicht stand: erst wieder ab Ende März. Das stand auf einem handgeschriebenen Schild an der Tür.

Castello di Bianello vom Innenhof aus

Nun denn, was soll’s! Es war trotzdem schön. Wenn man dort oben ist, kann man nämlich runtergucken, man hört die Kirchenglocken im Dorf, das Kreischen der rodelnden Kinder, und Spatzen fliegen um einen herum.

Castello di Bianello, Aussicht

Unterhalb der Burg gibt es einige Spazierwege. Sie sind auf einem Schild eingezeichnet. Auf dem Schild steht: Qui potete: camminare sui pratiabbracciare gli alberiannusare i fioriparlare agli animali.

Schild mit Landkarte und Schrift

Auf Deutsch: „Bitte auf den Wiesen spazieren, die Bäume umarmen, an den Blumen rieche, mit den Tieren sprechen.“ Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Ich bin dann ein Stück den Weg reingegangen. So sah das dort aus – stellen Sie sich dazu das Rauschen eines Bächleins und Vogelgezwitscher vor:

Waldweg

Ich bin dem Weg allerdings nicht sehr weit gefolgt. Denn ich stand nicht nur bis zum Stiefelschaft im Schnee – ich sank auch noch tiefer ein, so dass alles in die Schuhe schwappte.

Auf dem Bild ging’s noch; weiter hinten wurde der Boden doppelt so tief und sumpfiger, da war’s dann völlig vorbei.

Schuhe im Schnee

Bei Wanderschuhen ist es ja so: Was rein schwappt, kommt nie wieder heraus – denn die Schuhe sind dicht. Gamaschen wären gut gewesen.

Auf dem Weg heim ging ich durch Quattro Castella. Der Ort hat ein recht übersichtliches Angebot. Allerdings gibt es einen sehr gut sortierten Laden mit Reizwäsche. Der Name:

Titti intimo

Der Weg heim: windig und kalt. Der anschließende Platz auf dem Sofa: kuschelig und warm.

Samstag, 24. Februar

24. 02. 2018  •  2 Kommentare

Eigentlich wollte ich heute Morgen nur einkaufen fahren.

Ich setzte mich also in mein Auto und fuhr nach Quattro Castella. Das ist der nächste Ort in zwei Kilometern Entfernung. Doch als ich dort war, verpasste ich den Supermarkt.  Der Supermarkt ist wirklich klein und steht hinter dem ersten und dem zweiten Kreisverkehr unter Bäumen. Man sieht ihn auf den ersten Blick nicht, denn er ist praktisch nur ein normales Haus.

Ich fuhr also vorbei und weiter den Berg hinauf. Ich wusste, dass ich falsch war, aber es war auch schön, denn die Häuser wurden schnell weniger, und ich hatte einen Blick über das Tal. Also fuhr ich einfach noch weiter den Berg hinauf – die Forrestgumpigkeit, Sie wissen schon. Die Landschaft wurde noch schöner. Ich beschloss, dass ich auch später noch einkaufen kann, und entschied, jetzt erstmal dorthin zu wollen, wo der Weg hinführt. Die Landschaft weitete sich; es gab großartige Blicke über das Tal. Ich fuhr weiter und weiter, überholte zwei Radfahrer, die bergan trainierten, und als der Blick besonders schön war, hielt ich an. Das war hier:

Emilia Romagna, Berge, Schnee und Nebel im Tal

Danach fuhr ich noch ein bisschen weiter, weil: Der Weg war ja noch nicht zu Ende. So erreichte ich Canossa.

Burg von Canossa

„Der Gang nach Canossa“, das kennt man als geflügeltes Wort, und ich habe hinterher nachgeschaut, warum man das sagt: weil nämlich König Heinrich IV. im 11. Jahrhundert zu Papst Gregor wollte, um vom Kirchenbann befreit zu werden. Wenn man von der Kirche gebannt ist, darf man keine Sakramente empfangen, also nicht heiraten, nicht zur Beichte und keine Kommunion. Das ist nicht nur schlecht fürs Seelenheil, sondern war damals auch schlecht fürs Business.

Heinrich und Gregor trafen auf der Burg Canossa aufeinander, die damals Mathilde von Tuszien gehörte. Heinrich war es sehr ernst mit der Entbannung; er harrte mehrere Tage lang vor der Burg im Büßerhemd aus. Deshalb sagt man heute „Gang nach Canossa“, wenn man sich erniedrigt, um jemanden um etwas zu bitten.

Damals war Januar, und vielleicht lag so viel Schnee wie heute. Das stelle ich mir sehr unangenehm vor.

Canossa

Gestern sagte ich, es lägen rund 20 Zentimeter Schnee. Das war, glaube ich, etwas untertrieben, denn hier zum Vergleich meine Hand:

Schnee mit Hand

Ich hielt unterhalb der Burg, wo ein alter Mann Schnee schippte. Ein gutes Auto hätte ich da, sagte er, als ich ausstieg. Er habe auch eins von der Sorte, nur ein kleineres Modell, das sei ganz wunderbar. Woher ich denn käme? Ah, aus Deutschland – ob ich denn dann auch Winterreifen drauf hätte? Natürlich, sagte ich.

Er schippte und sagte, heute sei die Burg geschlossen. Zu viel Schnee auf der Straße und zu viel Schnee auf den Ästen, das falle alles runter und den Leuten auf den Kopf. Außerdem wisse niemand, wohin mit dem ganzen Schnee in der Burgruine, deshalb könne man die nicht begehen und deshalb sei zu. Ich könne aber gerne hinaufgehen, schaden tät’s nix, nur die Burg selbst, die sei halt geschlossen.

Ich ging also hinauf auf den Schneehaufen zu, den der Schneetreckerfahrer dort hingeschoben hatte, lehnte mich dagegen und guckte in die Landschaft.

Canossa

Dann bog ich rechts ab und ging zum Hof. Dort blieb ich wieder eine Weile stehen und sah ins Tal. Neben mir klatschte Schnee von den Bäumen, dick und nass. Ein beständiges Fallen und Rieseln. Sonst war es sehr still.

Canossa

Als ich zurück zu meinem Auto kam, schippte der alte Mann immer noch. Er sagte, Dienstag oder Mittwoch sei vielleicht wieder geöffnet, so genauso wisse das niemand. Es solle ja diese Eiseskälte kommen, die noch mehr Schnee bringe.

Dann kam der Schneetreckerfahrer und stieg aus, es gab ein großes Hallo, die beiden umarmnten sich und begannen zu schwatzen. Ich verabschiedete mich und machte mich auf den Weg zurück.

Auf dem Rückweg kaufte ich dann ein: Brot und Milch, Salat und was man halt so braucht. Gelernt: Hier muss man nicht nur die Äpfel und die Bananen und die Tomaten, sondern auch die Salatköpfe abwiegen.

In Quattro Castella hielt ich dann nochmal kurz an. Eingekauft hatte ich zwar schon, aber ich wollte wenigstens den nächstgelegenen Ort einmal gesehen habe. Außerdem, so steht es im Hausprospekt meiner Unterkunft, gebe es ein gutes Obstgeschäft und einen guten Bäcker, eine gute Pizzeria und gutes Eis. Das wollte ich alles erkunden, damit ich es, wenn Not am Mann ist, wenn zum Beispiel ein Pizzanotstand oder ein Eisnotstand eintritt, schnell finde.

Allerdings musste ich feststellen: Zwischen 13 und 16 Uhr ist in Quattro Castella Siesta.

Quattro Castella

Total tote Hose, alle Geschäfte haben geschlossen, und wenn du um diese Zeit auf dem Parkplatz an der Via I. Lenin parkst, hält die Oma, die gegenüber ihr Kissen aus dem Fenster schüttelt, inne und guckt dir hinterher, wie du durch den Ort gehst, denn fürs Durch-den-Ort-Gehen gibt es um diese Zeit keine Erklärung, nicht heute, nicht an einem anderen Tag, nicht mittags um Zwei. Da hilft auch kein freundliches Buongiorno, damit man auf seinem Gang weniger wunderlich wirkt.

Im Radio ist das beherrschende Thema übrigens das Wetter. Bis zu minus 30 Grad in den Bergen, Schnee im Norden, Regen im Süden. Für Quattro Castella steht für morgen eine Wolke mit drei dicken Schneeflocken in der Wettervorhersage, dazu Windchill mit gefühlten minus acht Grad.

So schaut’s direkt vor meiner Haustür aus – links das Haus, sonst Weinreben:

Quattro Castella: La Barquessa, Panoramabild

Hier geht’s rein:

Quattro Castella: La Barquessa, Zufahrt

Das ist das kleine Appartment in der Scheune. Am Vogelhäuschen ist immer große Party:

Quattro Castella: La Barquessa, Appartment in der Scheune

Wenn es morgen ungemütlich ist, bleibe ich einfach im Bett und ziehe die Decke bis zur Nase, schaue Filme aus der DVD-Sammlung und den Vögeln zu, wie sie Sonnenblumenkerne knacken.

Freitag, 23. Februar

23. 02. 2018  •  21 Kommentare

550 Kilometer geradeaus gefahren. Allerdings – Überraschung – nicht nach Norden, zurück nach Dortmund. Sondern weiter in den Süden.

Ich bin in Italien, in der Emilia Romagna. Hier sitze ich grad:

La Barquessa: Wohnzimmer

Es ist ein Geschenk an mich selbst. Denn im kommenden Monat werde ich 40 Jahre alt, und das Schönste, was man einem Menschen – und auch sich selbst – schenken kann, sind Zeit und Erlebnisse.

Weil das Leben kurz ist, weil es in der Gegenwart stattfindet und nicht in der Zukunft, weil es genau diese Dinge sind, auf die ich im Alter glücklich zurückblicken werde, weil ich im vergangenen Jahr viel gearbeitet habe, weil wenn nicht jetzt, wann dann, schenke ich mir zu meinem 40. Geburtstag: den März. Ich werde den nächsten Monat in Italien verbringen, reisen, Projekte vorbereiten, mich über die Fernuni Hagen weiterbilden, Ideen entwickeln und Kraft schöpfen.

Begleiten Sie mich. Ich werde weiterhin jeden Tag bloggen und freue mich über Tipps. Ich starte hier zwischen Parma und Emilia Romagna. Das Appartment ist für eine Woche gebucht. Und dann: Mal schauen.

Ich bin übrigens ganz normal erreichbar. Per Mail, per WhatsApp, Threema und auch über meine Festnetznummern. Sie leiten aufs Handy weiter.

*

Heute morgen startete ich in München beziehungsweise: Murmansk. Kälte, Eis, Schnee. Ich schleppte meinen ganzen Kram ins Auto: ein mittlerer Koffer mit Wintersachen beziehungsweise Allwettersachen, ein kleiner Koffer mit Frühjahrs- und Sommerkleidung, ein Korb mit Arbeits- und Studienkram, ein Korb mit Schuhen. Nicht übermäßig viel für vier bis fünf Wochen, aber eben auch nicht so wenig. Von minus 10 bis plus 20 Grad kann hier im März alles passieren – und wird es wahrscheinlich auch, wenn ich die Wettervorhersagen anschaue.

Durch Deutschland und Österreich war es kalt und diesig. Über dem Brenner kam die Sonne durch.

Brenner mit Schnee und Sonne

Das Panorama war großartig. Gipfel, Sonne und Schnee. Dank Tempolimit von 110 und wenig Verkehr hatte ich Gelegenheit zu genießen. Ich machte mir Musik an und fuhr mit Freude durch diese wunderbare Landschaft.

In Bozen fuhr ich runter: Die Hälfte der Strecke, es war Mittag, ich hatte Zeit.

Bozen: Waltherplatz

Ich stieg aus dem Auto und: Frühling! Verrückt. Die Sonne war warm, die Leute saßen draußen, tranken Kaffee und Wein und ach – es war unglaublich.

Bozen, Marktstände

Als ich das Foto machte, lernte ich K und F kennen. Wo ich herkomme, fragten sie; was ich hier mache. K, ein Herr im mitteloberen Alter, wollte mich kurzerhand heiraten. Ich sei dann seine vierte Frau, aber das solle nichts heißen, die ersten drei seien halt Pech gewesen, wir müssten auch nicht sofort die Ehe eingehen, wir könnten auch erstmal mit dem Multivan bis nach Bari fahren und wieder zurück. Wir einigten uns zunächst auf einen gemeinsamen Prosecco.

F hat ein Hotel in der Gegend. K und F waren gestern zum Jubiläum beim Vögele: 25 Jahren, es ging bis in die Nacht. Mit ihm nach Bari, das solle ich mir wirklich überlegen; warum ich überhaupt im März reise – der Mai sei doch viel wärmer. Ich erzählte von meinem Geburtstag und dem geschenkten Monat, doch K ließ sich nicht abbringen. Ich versicherte ihm, dass ich über das Projekt Multivan nachdenken werde. F sagte, ich solle doch auf dem Rückweg zumindest in seinem Hotel vorbeischauen, dort sei es wirklich schön, ein Anruf ein paar Tage vorher genüge. Er sagte mir den Namen und gab mir die Nummer. Mal schauen: vielleicht tatsächlich.

Tisch mit drei Gläsern

Wir trennten uns, ich kaufte mir noch zwei Bällchen Eis, bummelte durch die Gassen und kehrte dann zum Auto zurück.

Südlich vom Gardasee wurde das Wetter zusehends schlechter und die Temperatur sank: Von zehn Grad auf sechs Grad und dann alle zehn Kilometer um weitere 0,5 Grad, bis es erst zu schneeregnen und dann zu schneien begann.

Gegen 17 Uhr fuhr ich von der Autostrada ab, und es war tiefer Winter. Ich durchquerte auf den folgenden 30 Kilometern so viele Kreisverkehre wie im ganzen Jahr 2017 nicht. Gegen 17:30 Uhr erreichte ich La Barquessa, mein Quartier für die nächsten sieben Tage, und als ich die Fahrertür öffnete, schob ich damit den Schnee beiseite – so hoch liegt er hier.

Qui è?“, rief es aus der Küche des Bauernhauses.
Sono io, Vanessa„, rief ich zurück.
Vanessa, benvenuto!“ Komm in die Küche, trink Mocca mit uns. Wie war die Fahrt? Ist es kalt in Deutschland? Was ein langer Weg! Die Torfrau A hat dich angemeldet – wie wunderbar. Wann ist sie eigentlich zuletzt hier gewesen? Und wie oft? Was sie tue, verfolge man auf Facebook, aber was sie dort schreibe, das wisse man natürlich nicht. Ob ich mal kurz übersetzen könne? Sie sei aber noch mit Björn zusammen, oder?

So saßen wir in der Küche, der Tisch in der Mitte des großen Raums, vor uns Mokatassen und Birnen und Biscotti. 

Bevor ich das kleine Appartment in der Scheune bezog, setzten wir gemeinsam das Auto um. Einer fuhr, einer schob, denn nichts bewegte sich, so hoch steckte es im Schnee. Nun steht es in der Scheune, ich habe ausgeladen und mich eingerichtet. An wegfahren war nicht mehr zu denken. So gab es nur ein kleines Abendessen mit Resten aus München.

Jetzt Tagesausklang mit McDreamy. Italienischgewöhnung mit Untertiteln.

Italiano con Greys, mit Untertiteln

Donnerstag, 22. Februar

22. 02. 2018  •  8 Kommentare

Früher Start in den Tag. Fahrt mit dem Auto zum Park & Ride und Fahrt mit dem ÖPNV zur Freiheizhalle, zur Konferenz 48forward.

Richard Gutjahr, Anna Klose auf der Bühne

Eine durchwachsene Veranstaltung, ich bin eher gegangen. Zu wenig neue Erkenntnisse. Zu viele Speaker, die leider schlimm-denglische Pidgin-Aussprache hatten, so dass ich mich kaum auf den Inhalt konzentrieren konnte. Warum die Veranstaltung komplett in Englisch gehalten wurde, ist mir ein Rätsel: Gefühlt 99 Prozent der Besucher und 75 (80? 90?) Prozent der Speaker waren deutschsprachig. Vielleicht wirkt es einfach toller und internationaler.

Zusammenfassung: Okaye Keynote von Nico Lumma, allerdings ohne neue Erkenntnisse. Guter Impuls von Martin Wezowski, dem Chief Innovation Officer von SAP: auch nichts wirklich Neues, nur gut verpackt. Am interessanten war noch die Session des Esten Kaspar Korjus über die Idee der E-Residency  Estlands: das Konzept einer digitalen Nation, in der jeder Mensch digitaler Bürger werden kann. Ein Land ohne Territorium, in dem Firmen gegründet werden und Communites entstehen.

Ich habe die wesentlichen Gedanken der vergangenen vier Veranstaltungen mal in einem Beitrag zusammengefasst: Fünf Einsichten aus vier Konferenzen: Autonome Maschinen, digitale Nationen und worauf es in Zukunft ankommt

*

Hier ist Murmansk: Eiskälte, Wind, dampfende Gullis. Nachdem ich die 48forward frühzeitig verlassen habe, bin ich vom Hauptbahnhof zum Odeonsplatz gelaufen, um mir ein bisschen die Beine zu vertreten. Die Stoffhose war dünn, der Wind war schneidend und blies mir den Schneegriesel waagerecht in die Augen. Das war … grmpf. Ich möchte nicht jammern, aber … mimimi.

Am Park & Ride durfte ich dann das Auto freikratzen. Danach fuhr ich ins Appartment, arbeitete zwei Stunden, und als ich nochmal zum Supermarkt wollte, musste ich das Auto wieder freikratzen. Im Supermarkt war ich dann zehn Minuten, kaufte Bananen und Zeugs für die morgige Fahrt, und als ich wieder rauskam, war das Auto erneut zugefroren. Innerhalb von ein paar Minuten ist der Griesel an der Windschutzscheibe festgefroren. Oaaaar!

Tanken, Sibirien-Optik:

Tankrüssel im Auto, auf der Karosserie festgefrorener Schnee

Ja, ich bin die Fürstin der Finsternis. Ich fahre Diesel.

*

Gelacht: über Alexa Eco Silver, das Alexa für die gesetztere Nutzerschaft:

Gelesen: Kein Interesse – über Smalltalk ohne Gegenfragen.

Ich habe ein Partyspiel erfunden. Es geht so: Man geht auf eine Veranstaltung, auf der man möglichst wenige Leute kennt. Holt sich ein Bier, stellt sich irgendwo hin, wartet, bis noch jemand, der fast niemanden zu kennen scheint, mit einem Bier in der Hand zufällig neben einem steht. Den lächelt man dann freundlich an und fragt irgendwas Harmloses, zum Beispiel: »Und woher kennst du den Gastgeber?« Von diesem Moment an stoppt man die Zeit – und zwar bis zur ersten Gegenfrage. Mein persönlicher Rekord liegt bei zweiundfünfzig Minuten

Ich habe vergangenes Jahr eine zeitlang Onlinedating gemacht. zum Beispiel mit ihm: Kurzes Hin- und Hergeschreibe, launig und sympathisch, dann Telefonat. Schleppender Gesprächsanfang, von ihm kommt nichts. Ich stelle eine Frage. Er beantwortet die Frage. Pause. Ich stelle eine weitere Frage. Er beantwortet die Frage. Pause. Und Pause. Ich sage etwas. Pause. Ich stelle eine Frage. Er beantwortet die Frage. Pause. Nach dreißig Minuten frage ich ihn, wie er das Gespräch findet. Er: „Du bist die erste Frau, mit der ich keine langen Gesprächspausen hatte. Das gefällt mir sehr.“

Die anderen Geschichten – die mit dem Tüpen, der ab 16 Uhr nur noch Landwirtschaftssimulator spielt; die mit dem dressierten Hund; die mit dem Mann, der am Telefon nur weinte; die mit dem Tüpen, der nichts mit seinem zweijährigen Kind zu tun haben will; das Date mit dem Lehrer, der einen Abend lang über sein hartes Berufsleben monologisierte (ohne eine Frage zu stellen) – erspare ich Ihnen. Kuriositätenkabinett.

Gelesen: The Boys Are Not All Right – darüber, was die Amokläufe in den USA verbindet. Das ist, neben der Waffengewalt: das Geschlecht der Täter. Alle Amokläufer in den USA waren bislang Jungs.

Boys, though, have been left behind. No commensurate movement has emerged to help them navigate toward a full expression of their gender. It’s no longer enough to “be a man” — we no longer even know what that means.

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Mittwoch, 21. Februar

21. 02. 2018  •  14 Kommentare

Es ist weiterhin knackig kalt in München. Heute schneite es auch wieder leicht. Ich bin verzückt, denn das Rurgebiet kennt ja nur Regen und Matsch. Die Münchener hingegen granteln vor sich hin und brummen irgendwas von: „Sauwetter … kruzefix …. alles grau …“

*

Am Nachmittag war ich mit Sabine verabredet, die den Podcast Tee-Mosaik macht. Außerdem macht sie einen Podcast zur Blog Big, einer Bloggerkonferenz in München. Er heißt Talk Big. Sie interviewt dafür Blogger übers Bloggen. Das hat sie mit mir auch gemacht.

Talk Big - Blog Big: Kekse und Tee

Wir saßen dabei gemütlich in ihrer Wohnung; sie hatte mich nach Sendling eingeladen. Es gab Tee und Knabbereien, und weil Sabine Husten hat, haben wir ein paarmal Pause gemacht.

Die vier Schilder sind übrigens Hilfsmittel von Sabine und Katja, wenn sie den Tee-Mosaik-Podcast machen:

  • Schnecke: Zu langsam
  • Pfeil: Zurück Zum Thema
  • Ähm: Nicht so viel Ähm
  • Daumen hoch: Guter Gedanke

Wir haben die Schildchen nicht gebraucht. Die neue Staffel des Talk-Big-Podcasts startet am 1. März, die Folge mit mir ist dann irgendwann dabei.

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Ich verstehe nicht, was in Syrien passiert. Ich kann das nicht begreifen. Wer kämpft da gegen wen und warum? Kann man das überhaupt noch sagen? Wie können Menschen anderen Menschen so viel Elend bringen? Das übersteigt mein Vorstellungsvermögen.

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Ich schrieb per WhatsApp mit Sandra. Es ging um Waffeleisen und allerlei anderes, irgendwie kamen wir auf das Thema Joggingbuxen und dass Sandra nicht so ganz präsent ist, dass es verschiedene Joggingbuxen gibt: Alltagsjogger, Sonntagsjogger, Schlumperjogger – und so weiter. Und das als Bewohnerin des Ruhrgebiet! Sie bat um meine Sicht auf das Thema. Als Fashionbloggerin habe ich natürlich eine Meinung – voilà:

Alltagsjogger:
Joggingshose, die man daheim anzieht, wenn der Partner da ist.

Schlumperjogger:
Jogginghose, die man daheim anzieht, wenn niemand da ist. Kein Partner hält dieses Teil aus, ohne an Trennung zu denken. Haustiere wenden sich stumm ab.

Sonntagsjogger:
Jogginghose zum Ausgehen für gut. Für eine Ausflug zum Handballgucken oder zum Penny. Fürs Fußballgucken mit Freunden. Baumarkt ist ein Grenzfall; kommt auf’s Viertel an.

Fliegerseidenjogger, Ganzkörper:
Der Hosenanzug des kleinen Mannes. Perfekt gekleidet für Ausflüge zur Tankstelle, zur Pommesbude und an die Trinkhalle – also überall dort, wo man mit Freunden zusammensteht. Idealer Begleiter für Kirmesbesuche und Krankenhausaufenthalte. Bauchtasche nicht vergessen.

Unten Fliegerseide, oben Fleece:
Alltagsjogger, Outdoor- und Camping-Variante

Oder wie sehen Sie das?

Dienstag, 20. Februar

20. 02. 2018  •  7 Kommentare

Anstrengender, aber ergiebiger Tag.

Gegen Nachmittag noch ein bisschen durch die Stadt gelaufen. Schuhe in der Isarvorstadt:

Schuh Bertl, bayerischer Schusterladen

Ich mag es, durch die Straßen zu laufen und mir all diese Geschäfte anzugucken. Ich mag München einfach. Wenn ich mich zwischen München und Hamburg entscheiden müsste, würde es wohl München werden.

Odeonsplatz am Abend:

Feldherrenhalle am Odeonsplatz, beleuchtet mit Schnee

Hier ist weiterhin tiefster Winter mit Schnee. Mehr Münchener Winterbilder gibt es bei der Kaltmamsell.

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Patricia, formerly know as Das Nuf, hat über Ferienjobs geschrieben. Anne auch. Beide fragen sich, ob Ferienjobs sein müssen und geben ihre Antworten.

Ich habe bei der Lokalzeitung gearbeitet und bin dadurch letztendlich zu allem gekommen, was ich seither gemacht habe. Ich habe in der Kunststoffverarbeitung gearbeitet und dort gelernt, wie Überraschungen in  Nutelladeckelchen kommen und was es heißt, in drei Schichten zu arbeiten, den Akkord nicht zu brechen und die Letzte in der Nahrungskette zu sein. Ich habe im Messebau gearbeitet und dort gelernt, hart körperlich zu arbeiten und große Autos bis 7,5 Tonnen zu fahren. Ich habe in der Buchbinderei gearbeitet und gelernt, wie man sehr schnell sehr viele Papierblätter bündig schüttelt. Ich habe Nachhilfe gegeben und gelernt, wie man Menschen motiviert und ihnen etwas beibringt. Alle Jobs haben mir Erfahrungen gebracht, die ich später gebrauchen konnte. Ich habe durch diese Jobs außerdem sehr schnell versucht, Arbeit zu finden, die mir mehr einbringt als Geld.

Montag, 19. Februar

19. 02. 2018  •  6 Kommentare

Relaxday. Nicht viele Worte heute. Dafür Bilder aus der Partnachklamm, Garmisch-Partenkirchen.

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Vereiste Partnachklamm

Nach dem Weg durch die Klamm bin ich im Olympiahaus eingekehrt. Dort war es schön warm. Ich war nämlich ziemlich durchgefrostet. Außerdem gab es Käsekuchen und Milchkaffee. Das war super.

Ich setzte mich so, wie alle saßen: mit dem Blick zum Fernseher. Man will ja das Gesamtbild nicht stören.

Gaststube mit leerem Kaffeeglas, in der Fernse ein Fernseher mit Skispringen

Im Fernsehen lief: Olympia. Ausgerechnet Skispringen. Denn, Blick nach rechts aus dem Fenster:

Olympiaschanze, davor Fensterdeko

Die Deutschen gewannen Silber. Freude in der Gaststube! Fachsimpelei. Ein Prosit auf die Olympioniken.

Später sprangen draußen noch einige Nachwuchskids von der Schanze links. Das war schön zu beobachten.

Im Anschluss fuhr ich weiter nach Bad Heilbrunn, Bekannte besuchen. Sie betreiben das Hotel zum Zauberkabinett, ein sehr hübsches kleines Hotel in einer wirklich schönen Gegend. Ich war dort schon viele Male. Man kann wandern, schwimmen, winterrodeln und sommerrodeln, es gibt Bergbahnen, Bauernhöfe, Spazierwege und Seen – also alles, was man so braucht. Prima für Familien, auch das Hotel.

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Im Appartment neben mir ist ein Pärchen eingezogen. Gestern abend haben sie erstmal umgeräumt. Also: Ich dachte, sie räumen um. Irgendwann waren sie fertig mit umräumen. Später gefiel es ihnen aber nicht mehr und sie räumten erneut um.

Neben dem Hang zum Umräumen haben sie einen Hang, Stühle über Fliesen zu schieben. Die Schieberei macht ein ziemlich lautes, unangenehmes Geräusch. Es ist mir ein Rätsel, warum man so oft Stühle schieben muss und nicht einfach stillsitzen kann, aber nun denn, machste nix.

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Jetzt noch ein bisschen Gravity auf ZDF.



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