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Freitag, 26. Januar

An einer kleinen Umfrage zum Thema „Berufswahl und Berufszufriedenheit von Frauen“ teilgenommen. Im Fragebogendesign ist noch Luft nach oben – doch was ich eigentlich sagen möchte und was mir dazu eingefallen ist:

Der Fragebogen fragt, wer mich in der Wahl meines Berufs beeinflusst hat. Das ist schwierig zu beantworten, weil der aktuelle Beruf, den ich ausübe, nicht meinem Ausbildungsberuf entspricht, weil ich überdies mehrere Ausbildungen habe und auch schon in mehreren Berufsbildern gearbeitet habe. Fast immer kam der Antrieb aus mir selbst heraus.

Denn weder Eltern noch Schule noch Mitschüler haben mich explizit für etwas beeinflusst im Sinne von wirklich antreiben, anspornen, beflügeln. Unterstützt schon, also meine Entscheidung mitgetragen, aber nicht beeinflusst.

Ich erinnere, dass es seinerzeit (1990er) allerdings eine unterschwellige Beeinflussung in Schule und meinem Umfeld gegen etwas gab. Zum Beispiel fühlte ich mich seltsam und nicht richtig, wenn mir als Mädchen naturwissenschaftliche Fächer Spaß machten. Es war okay, sich für Technik zu interessieren, aber eher in einem naiven Sinne, nicht mit einem ernsthaften, beruflichen Antrieb. Ich erinnere mich, dass ich Chemie-LK wählen wollte und statt eines ermutigenden „Oh, wie toll“ oder zumindest einem gleichgültigen „Ah, okay“ Reaktionen bekam wie „Meinst du, das kannst du?“, „Das ist doch was für Jungs“ oder „Dann bist du nur mit Jungen im Kurs, das würde ich mir gut überlegen“. Meine Wahrnehmung mag natürlich auch an der Pubertät und meiner eigenen Suche nach Weiblichkeit gelegen haben; nichtsdestotrotz erinnere ich keine Ermutigung, sich für Berufe oder Themenfelder zu interessieren, die als unweiblich galten, sondern ein Beeinflussen in die andere Richtung.

Außerdem wurde in meinem Umfeld – nicht meine Eltern, sie haben mich unterstützt – eher klein gedacht; ich bin bislang immer noch die einzige in der Familie, die studiert hat. Ich erinnere mich an ein Gespräch auf einer Familienfeier, ich muss 15 oder 16 gewesen sein, jedenfalls in einem Alter, in dem es um die Berufswahl geht. Die Anwesenden gingen die Optionen für mich durch, darunter Kindergärtnerin (weil man das gut mit den eigenen Kindern vereinbaren kann)  und Bürokauffrau (weil die ja immer gebraucht werden); Berufe, die ein Studium erforderten oder die einen ambitionierteren Karriereweg als Sachbearbeiterin oder Vorzimmerdame vorsahen, waren nicht auf dem Radar. Als der Vorschlag „Zahnarzthelferin“ kam, antwortete ich: „Wenn schon, dann werde ich Zahnärztin“, woraufhin die Runde schallend – ja, tatsächlich: laut und aus voller Kehle –  lachte und mit Äußerungen wie „Ach, wie süß“ und „Hat man sowas schonmal gehört?“ abtat; für sie war der Gedanke tatsächlich völlig abwegig, lächerlich und naiv. Ich war in dem Moment sehr beschämt, es war mir unendlich peinlich; wer ist schon gerne Gespött der Anderen? Im Nachhinein wurde ich dann aber so wütend, dass ich beschloss, auf jeden Fall studieren zu gehen. Heute bin ich in der Grafik die 1 unten rechts: Das eine von 100 Arbeiterkindern, das seine Promotion abgeschlossen hat – im Gegensatz zu 10 aus Akademikerhaushalten. Wenn ich auf diesen Titel stolz bin, dann nie um des Titels willen (für den ist Leidensfähigkeit zehnmal wichtiger als Intelligenz, wenn Sie mich fragen), sondern einzig wegen dieses Weges.

Im Rückblick ist es gut, dass ich diese Erfahrungen machen durfte; sie haben mir viel gegeben: Willen, Durchhaltevermögen, Selbstorganisation, Zeitmanagement, Prioritätensetzung, Klarheit, Konsequenz und das Wissen darüber, welche Dinge ich gut und welche ich nicht so gut kann. Zwischendurch war es anstrengend, sich zu behaupten, mental und finanziell, vor allem mental. Das Geld war das geringere Problem, das kam irgendwie, dafür konnte ich arbeiten, in mehreren Jobs: in der Woche Nachhilfe geben und als Tutorin an der Uni, am Wochenende bei der Tageszeitung und in den Semesterferien im Messebau oder in der Fabrik. Aber sich zurechtzufinden in einer Welt, die nicht die eigene ist, und zwischen den Welten navigieren – mit ihren unterschiedlichen Erwartungen, Sprachen und Kulturen: Das war ermüdend und ist es manchmal heute noch.

Deshalb halte ich Unterstützung, Horizont erweitern und Mutmachen für viel, viel wichtiger als die Geldfrage, um Arbeiterkinder an die Uni zu bringen. Der Wunsch, mehr zu wollen, der Mut, es zu tun, und dabei das Gefühl, eine Hand auf dem Rücken zu haben, die mal schiebt, mal streichelt und mal knufft, das ist es, was Kinder von Nichtakademikern brauchen. Wenn sie das haben, regeln sie die Geldsache selbst.

Ich bin ein Mensch geworden, der nicht die Hemnisse sieht, sondern die Möglichkeiten. Ich bin ein Mensch, der Welten verbindet und vermittelt. Ich bin eine gute Mutmacherin.

*

Huch – zu früh auf „Veröffentlichen“ gedrückt. Das passiert, wenn man nachts um kurz vor 1 Uhr schonmal die ersten Gedanken für den Freitagspost niederschreibt. Ich aktualisiere einfach:

Update, 22:00 Uhr

Aus der Abteilung „Einfach mal machen“: Podcast. Den ganzen Tag am Podcast rumgedengelt. Denn yeah! Ich podcaste jetzt! Gemeinsam mit dem geschätzten Christian de Vries, den ich auf dem Barcamp in Dangast kennengelernt habe.

In der Podcast-Session auf dem Barcamp Dangast hieß es: „Das ist alles nur ein Klick!“

Hahahaha!
//*leicht hysterisches Lachen

Wenn man eingerichtete Accounts beim Hoster hat – und bei Soundcloud und bei iTunes und wenn man ein Intro und ein Outro hat und einen RSS-Feed und ein Logo und einen Header und beides nochmal in anderen Auflösungen und eine fertige Sounddatei und funktionierende WordPress-Plugins und überhaupt: Wenn man den ganzen Dreh raus hat, ist das sicherlich nur ein Klick. Heute waren das circa … nun … 800 Klicks. Oder 1.000. Gefühlt 100.000. Jedenfalls acht oder zehn Stunden am Schreibtisch. Ich freue mich auf später, wenn der Podcast groß ist und es wirklich nur noch ein Klick ist.

Ergebnis des Tages: Tada! Das Baby ist online, hier im Blog, bei Soundcloud, bei Podigee und bei iTunes. Es hat ein Intro und ein Outro und sowas wie ein Logo (nun ja, zumindest erstmal eine Grafik, in der der Titel steht). Ich schreibe nochmal einen eigenen Beitrag zum Podcast und der Idee dahinter.

Hier ist das Ding: Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch. Die Frau bin ich, der Mann ist Christian. Der Titel der ersten Folge: Kennenlernen.

Christian hat unsere Premiere sehr schön anmoderiert, besser kann ich’s nicht machen:

Wir reden über uns, über das Kennenlernen, über Schwierigkeiten, über Mut, über Erwartungen, über das Zuhören, über Ameisenschutzwarte, über @50hz, wir finden uns gegenseitig toll, wir reden über Twitter und Barcamps. Gelernt: Vanessa möchte tatsächlich gern mal mit Angela Merkel auf dem Sofa sitzen. Was ich wiederum sehr gut verstehen kann. Und sie möchte sich mit Volksmusik-Sängerinnen und Sängern unterhalten. Ähem, tja. Dann reden wir über Mut. 

*

Am späten Nachmittag meldete sich ein anderer Christian, der Jawl: Er und S. seien bei mir um die Ecke am See, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte. Aus dem Kaffee wurde Sushi, und es war eine sehr gute Idee – das Sushi und das Treffen. Mit Sonnenuntergang auf dem Hinweg.

Phoenixsee mit Sonnenuntergang

Kommentare

21 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Hast Du toll gemacht!

    Ich kann das immer gar nicht verstehen, wieso Kindern kein Mut fürs Leben gemacht wird. Was, wenn nicht das?!

    Und nein, auch der Job einer Erzieherin lässt sich nicht (mehr) mit der Familie vereinbaren. Bei Schichtdiensten zwischen 6 bis 18 Uhr ist es nicht leicht, den passenden Job zu finden.

    1. Vanessa sagt:

      Das war 1995 noch anders – im Westen. Da hieß das „Kindergärtnerin“, und man war nachmittags pünktlich daheim, und morgens ging’s auch nicht um 6 Uhr los.

      Danke. <3

  2. Uwe Richter sagt:

    Ich weiß, etwas OT, da es nichts direkt mit dem Bericht zu tun hat, aber bei „nichtsdestotrotz erinnere ich keine Ermutigung,“ bleibe ich erst visuell hängen und dann stolpere ich drüber und falle auf die Schnauze. Ich würde „nichtsdestotrotz erinnere ich mich an keine Ermutigung,“ keinerlei stolpern auslösen. Es ist wie bei „Ich erinnere das nicht“, anstatt „Ich erinnere mich nicht daran.“. Solche Sätze tun mir in den Augen weh. Vermutlich wird das wohl von „I don’t remember that“ gekommen sein, So wie Sinn „machen“ und einen guten Job „machen“.
    Ist wahrscheinlich nur eine Kleinigkeit, aber solche Sätze behindern immens meinen Lesefluß. Und ich weiß auch, dass das wohl immer mehr und mehr wird. Leider ;-(

    1. Uwe Richter sagt:

      Jetzt hab ich selber einen Stolperstein eingebaut :-)
      Es sollte heißen: „Bei mir würde „nichtsdestotrotz erinnere ich mich an keine Ermutigung,“ keinerlei stolpern auslösen“

    2. Vanessa sagt:

      Vielen Dank für das Lektorat. Ich fände es jedoch schöner, wenn wir über den Inhalt des Textes sprächen.

  3. Clemens sagt:

    Beeindruckende und zugleich erschreckende Statistik. Eine ehemalige Mitbewohnerin aus dem Studiwohnheim hat sich in der örtlichen Gruppe von Arbeiterkind.de engagiert – so weit ich das von außen beurteilen kann, ist das eine tolle Initiative, um „Erststudierenden“ ein bisschen unter die Arme zu greifen.

    http://www.arbeiterkind.de/ehrenamtlich-mitmachen

    Schönen Start ins Wochenende!

    1. Vanessa sagt:

      Die Initiative kenne ich. Gut, dass es sie gibt. Es ist leider sehr, sehr schwierig, den Jugendlichen, wenn sie zu Hause leben, zu vermitteln, was ein Studium bringt. Vielen übernehmen die Argumentation ihrer Familie, dass es Geld kostet, dass man nicht weiß, was es bringt, dass es eine unsichere Zukunft bedeutet. Dazu das Gefühl, dass es etwas Fremdes ist – da liegt das Bekannte, die Ausbildung, näher.

    2. Kvinna sagt:

      Nicht zu vergessen, dass es in den „nichtakademischen“ Elternhäusern meiner Generation keinerlei Erfahrungswerte bezüglich „gymnasialer Oberstufe“, „Abitur“ und „Hochschule“ gibt, nichts, das weiter gegeben werden kann.

      Sprich: Mit dem Lernen von Latein, Englisch (!), Algebra und Literatur fühlte ich mich fast als Alien in meiner eigenen Familie.

      Schön war das nicht – weil es auch mit einer Art, hm, ambivalentem Misstrauen beäugt wurde.

      Mich heute mit meinen Kindern – nur ein Beispiel, weil gerade aktuell – über „Faust“ unterhalten zu können und auch gerne englisch mit ihnen zu reden, fühlt sich für mich wie eine späte „Wiedergutmachung“ an.

    3. Kvinna sagt:

      Dabei bin ich eigentlich kein Arbeiter- sondern ein Unternehmerkind!

    4. Vanessa sagt:

      Stimmt. Obwohl das für mich persönlich nicht so die Schwierigkeit war. Ich hatte keine Hilfe in Mathe oder Englisch oder Latein oder Französisch. Meine Eltern haben sich aber immer alles durchgelesen und erzählen lassen. Sogar die langweiligsten Dinge wie irgendwelche Erörterungen in Deutsch, die wirklich niemand lesen will, selbst der Lehrer nicht, eigentlich.

    5. Kvinna sagt:

      Das mag individuell verschieden sein, sicher. Aber darin, sein Kind mit demonstrativem Stolz (!) an eine „Höhere-Töchter“-(echt jetzt!)-Schule zu schicken und es gleichzeitig quasi abschätzig-skeptisch wie etwas Sippenfremdes zu behandeln, liegt eine Ambivalenz, die vielleicht aus Furcht vor allem, was irgendwie anders ist, resultiert?

      Diese zu überwinden und sich engagiert einzubringen, das erfordert auch Mut. Ich verstehe, dass meine Eltern den nicht aufbrachten, ich trage es ihnen nicht nach.

      Grundfalsch bleibt es ja trotzdem.

      Es geht mir auch nur um den Inhalt, um eine der vielen Varianten des „Nicht-Ermutigens“.

  4. Photokina sagt:

    Wenn ich solche Sachen lese habe ich oft das Gefühl in einer sehr besonderen Familie aufgewachsen zu sein. Eigentlich eine klassische Arbeiterfamilie, meine Eltern haben „gerade mal“ einen Volksschul- und einen Realschulabschluss und entsprechende Ausbildungen. Meine Mutter durfte damals schon nicht das machen was sie eigentlich wollte und hat mit meiner Geburt aufgehört zu arbeiten und war Hausfrau. Trotz alledem hat sie durch kleine Jobs zum Familieneinkommen beigetragen. Ich will ihre Hausfrauentätigkeit nicht schlecht reden, sie hat meine Urgroßmutter und meinen Großvater gepflegt, was enorm viel Arbeit und Verantwortung war, allerdings halt keine berufliche Karriere.

    Trotz allem wurde nie darüber diskutiert welchen Abschluss ich (als Mädchen/Frau) einmal mache und welchen Beruf ich erlerne oder was ich studiere. Ich bin nicht die allererste aus der Familie die an die Uni gegangen ist. Mein Onkel, so wie meine Cousinen und Cousins haben ebenfalls studiert.
    Ich habe dann Elektrotechnik und Informationstechnik studiert. Inspiriert durch meinen Vater der mit einer Ausbildung als Elektriker über eine Weiterbildung als Elektrotechniker nun als Projektleiter arbeitet. Ein Job den man heutzutage kaum ohne Studium besetzt.

    Es gab ein paar Rahmenbedingungen die die Finanzierung betrafen, zuhause wohnen, bei der Pflege meines Großvaters unterstützen etc.
    Aber der Rest wurde immer unterstützt und nie in Frage gestellt. Natürlich fragten einige ob ich mir das Studium zutraue, aber nie mit der Frage als Mädchen/als Arbeiterkind, sondern weil es viel Arbeit bedeutet und meine Schulnoten nie zu den besten gehörten.
    Auch mein Plan zu promovieren wurde nie aufgrund meines Geschlechtes oder meiner Herkunft infrage gestellt.

    Im nachhinein wird mir bewusst, ich bin ein Arbeiterkind, aber ich habe mich nie so gefühlt.

    Im weiteren Umfeld musste ich mich allerdings das ein oder andere Mal die Fragen gefallen lassen warum ich als Frau so etwas studiere und tatsächlich fragte sogar mal jemand ob sich das überhaupt „lohnen“ würde wo ich doch eh Kinder bekomme und aufhöre zu arbeiten.
    Da muss ich auf jeden Fall schauen einen für mich passenden Kompromiss zu finden.
    Ja ich will Kinder. Job und Kinder sind in meinen Augen absolut vereinbar. Aber ich muss auf jeden Fall aufpassen nicht nur um es den Leuten zu beweisen zu viel zu arbeiten und dabei die Zeit mit den Kindern zu verpassen. Ich habe noch so viele Arbeitsjahre vor mir, da ist es den zukünftigen Kindern gegenüber nur fair, dass wir (mein Mann und ich!) uns in den ersten Jahren (intensiv und danach immer noch ausreichend) viel Zeit für sie nehmen.

    1. Vanessa sagt:

      Danke für den Einblick.

      Während des Studiums habe ich mich auch nicht als besonders empfunden. Ich reflektiere das nur im Nachhinein. Wenn ich auf Schwierigkeiten stieß, lag das (nicht nur, aber) auch daran, dass ich mit bestimmten Gepflogenheiten nicht vertraut war oder mir bestimmte Gedanken gar nicht bekannt waren. Ich hätte rückblickend sicherlich ein Stipendium beantragen können, davon gibt’s genug, doch ich bin einfach nicht auf die Idee gekommen, dass es so etwas gibt, dass ich für so etwas qualifiziert oder dem würdig sei. Wenn ich im Nachhinein erfahre, wer alles ein Stipendium hatte und sei es nur Büchergeld, bin ich schon erstaunt.

      Unterstützung habe ich auch erfahren, immer. Das soll bitte nicht falsch verstanden werden. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, in dem, was ich tun wollte. Nichtsdestotrotz war für mich auch das übrige Umfeld prägend – wie eben in solchen Szenen, die ich geschildert habe.

      Was aus meiner Sicht einen Unterschied macht: In Akademikerfamilien geht die Familie (bewusst oder unbewusst) erstmal davon aus, dass das Kind studiert, weil man das so macht, weil das alle gemacht haben; die Lehre ist hier eher der Sonderfall. In Nicht-Akademikerfamilien ist es andersherum: Das Kind wird seinen Weg finden und es wird eine Ausbildung machen; das Studium weicht von der Norm ab und ist das Besondere. Das ist eine andere Wahrnehmung, die sich in vielen kleinen Dingen des täglichen Miteinanders wiederfindet.

      In der Kinderfrage bin ich bei Dir: Ich denke, das wird sich finden. Für am wichtigsten halte ich den Partner, der eine gleiche Haltung haben sollte und sich ebenfalls gleichberechtigt an der Erziehung beteiligen möchte, auch wenn es ihm berufliche Nachteile bringt. Was ja für die Frau seit jeher so ist.

  5. Tina sagt:

    Hallo Vanessa,
    danke für den Text. Mir ging es ähnlich wie dir. Ich kam nicht aus einer Akademikerfamilie. Mir waren die Strukturen fremd und zuhause wusste auch niemand wirklich wie das mit dem Studieren geht. Aber da wurschtelt man sich so durch.

    Bezüglich der weiblichen Berufswahl hatte ich neulich auf der Hochzeit von Bekannten ein Erlebnis. Meine Tochter (zu dem Zeitpunkt 10 Monate) spielte mit einem anderen anwesenden Jungen, der nur unwesentlich älter war. Ein angeschickerter Onkel des Bräutigams meinte das ganze mit „Wenn du jetzt noch kochen kannst, dann könnt ihr ja heiraten“ kommentieren zu müssen. Mein „Ja, Jonas, du musst dringend kochen lernen! Wenn Saskia Ingenieurin ist braucht sie jemand der den Haushalt und die Kinder managt“ wurde von der Verwandtschaft als „unerhört“ und „frech“ bezeichnet. Ich habe mir da wohl keine Freunde gemacht ;)
    Hoffen wir mal, dass wir es irgendwann schaffen, dass Generationen von Frauen mehr ermutigt und gefördert werden.

    Viele Grüße
    Tina

    1. Vanessa sagt:

      Was ich dann erschreckend finde, ist: Die angeschickerten Onkel sind nicht zwingend 70 Jahre alt. Die gibt’s auch in der Version 35 und in der Version 45. Und klar, wenn man sie drauf hinweist, sagen sie.: „Das war doch nur ein Scherz.“ Nee. War’s nicht.

  6. Jule sagt:

    In den späten 70er Jahren war es durch die Einführung von Bafög auch für (weibliche) Dortmunder Arbeiterkinder leichter an ein Studium zu denken. Ich bin dafür sehr dankbar, ohne Bafög hätte ich nicht studieren können. Einen Zuschuss gab es vom Elternhaus nicht ,ich hätte ja auch Krankenschwester, Kindergärtnerin oder Sprechstundenhilfe(!) werden können. In den Ferien hatte ich einen Job. Musste aber zwischendurch nicht arbeiten, die Mieten waren damals auch noch nicht so heftig in Münster und ein Fahrrad hat gereicht.
    6 Jahre nach dem Abschluss konnte ich dann das Teildarlehen großzügig ratenweise zurückzahlen. Mein Bruder, etliche Jahre und einen Regierungswechsel später, bekam erst nur wenig und dann kein Bafög mehr, die Einkommensgrenzen der Eltern wurden „angepasst“. Er hat mehr arbeiten müssen, nicht nur in den Ferien.
    Meine 3 Kinder bekommen kein Bafög, wir Eltern sind in der Pflicht und nebenbei arbeiten ist für alle drei Jungs notwendig. Die Mieten in Süddeutschland sind leider für Studenten nahezu unerschwinglich geworden, WG Zimmer ab 400 € , nach oben keine Grenze …
    Dazu ist der Druck an den Hochschulen größer geworden, viele scheitern da auch vorzeitig.
    Schade! Ich denke, eine gute Ausbildung sollte dem Staat mehr wert sein, nicht nur Elite-Dings und Bologna – Gedöhns, meine Meinung halt.

    Jetzt wars ein langer Text, sorry

    1. Vanessa sagt:

      Sprechstundenhilfe! Stimmt … Das war auch eine der Ideen. Das heißt ja jetzt auch gar nicht mehr so, oder? Das heißt MTA, oder?

      Ob der Druck an den Hochschulen wirklich größer geworden ist, weiß ich nicht. Habe ich keine Antwort drauf. Vielleicht wird der Druck höher empfunden? Vielleicht ist es von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich? Ich habe von 2007 bis 2011 an der Uni gearbeitet, als die Umstellung auf Bachelor und Master war. Die Studierenden waren total nervös, wollten sich zwingend an den Studienplan halten, alles richtig machen, auf keinen Fall die Studienzeit überschreiten. Ich habe mich bemüht, diese Aufregung zu dämpfen und die Leute zu ermutigen, das System zu ihrem zu machen und sich nicht vom System knechten zu lassen.

    2. Chris sagt:

      Die Sprechstundenhilfe gibt es noch, die Ausbildung heisst mittlerweile „medizinische Fachangestellte“. Das trifft das ganze tatsächlich deutlich besser. Hier wird in Richtung Praxismanagement und teilweise auch Unterstützung der Ärzte ausgebildet.
      MTA ist da deutlich verschieden, die werden für einen Laborjob ausgebildet. Papierkram gehört da nur teilweise dazu.

    3. Vanessa sagt:

      Danke für die Aufklärung. Ich kann mir übrigens lebhaft vorstellen, dass beides ein fordernder Job ist. Sieht man ja teilweise auch, als Patient. Und dann gibt’s ja noch die Dinge, die man nicht sieht.

  7. adelhaid sagt:

    ich bin auch die unten rechts, und meine frau ist ebenfalls die unten rechts. mir wurden ebenfalls keine steine in den weg gelegt, aber dass es so weit kommen könnte, dass ich sogar an einer hochschule arbeiten würde, das hat wohl niemand gedacht (und ich habe noch viele jahre auf die frage, wann ich denn endlich mit der uni fertig sei, auf mein angestelltenverhältnis dort hinweisen müssen).
    ich glaube allerdings inzwischen auch, dass es auch akademikerkinder nicht leicht haben, da von ihnen halt auch immer erwartet wird, dass sie abitur machen und dann erfolgreich studieren. mir kommen immer wieder studierende unter, die eigentlich nicht gerne an der uni sind, und die lieber eine ausbildung gemacht hätten. das geht aber in dem elternhaus nicht. gleichzeitig wundert man sich darüber, dass dem handwerk die guten lehrlinge fehlen. durchlässigkeit sollte überall herrschen, nicht nur von ‚unten‘ nach ‚oben‘.

    1. Vanessa sagt:

      Jaaa! Das kenne ich. Als Angestellte an der Uni studiert man in den Augen mancher Leute immer noch. #dejavu

      Letzter Aspekt: Jup. Absolut.

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