Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Mittwoch, 31. Januar

31. 01. 2018  •  6 Kommentare

Dieses Wetter! Man soll sich ja nicht übers Wetter aufregen. Das Wetter ist das Wetter, und es ist, wie es ist. Dennoch: Dieses Wetter! Wenn ich zum See oder am Feld entlang oder zum Bäcker gehe, ziehe ich nur noch meine Wanderschuhe an. Als ginge ich auf eine Expedition! Überall Pfützen, knöcheltief, und Schlamm, Schlamm, Schlamm. Das ist nicht gut für mein Chi.

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Steuern 2017 vorbereitet, ich Streber. Ich danke an dieser Stelle meiner Bequemlichkeit.

Denn zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich Energie in digitale, möglichst automatisierte Lösungen mit guten Schnittstellen gesteckt. Damit mir dieser ganze Driss reibungslos von der Hand geht, unabhängig von Ort, Zeit und Gerät. Eins war mir nämlich klar: Würde die Buchhaltung mich irgendwie stressen, wäre schon nach wenigen Monaten Land unter, was den Papierkram angeht.

Heute Nachmittag habe ich ein paarmal Knöpfe gedrückt, exportiert, formatiert und tada! Das Wichtigste liegt ausgedruckt auf einem Stapel.

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Was wurde eigentlich aus …

  • Leonard, dem Scammer? Den habe ich geblockt. Danach bekam ich noch eine Anfrage von seinem Freund John aus Damaskus. Das war’s.
  • dem tauben kleinen Finger? Der ist zu 90 Prozent nicht mehr taub und zu 10 Prozent noch ein bisschen taub. Zu 100 Prozent bin ich sicher, dass es aus Richtung Ellenbogen kommt und sich geben wird.

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Gelesen: Why Women Turn Down Speaking Invitations – einige Gründe, warum Frauen Einladungen für Bühnen ablehnen.

Ich kann nur für mich sagen: Ich freue mich über Einladungen und nehme gerne an. Allerdings habe ich ein Problem damit, das kostenlos zu tun, wenn es nicht grad ein Wohltätigkeitsevent nebenan ist. Keine Vergütung für Speaker und Speakerinnen und gleichzeitig ein Eintrittspreis von > 450 Euro für Gäste – Leute, da passt etwas nicht. Das mag irgendwie noch gehen, wenn man angestellt ist und der Arbeitgeber sowohl die Reise als auch das Gehalt zahlt und alles Vergnügen ist – wobei sich mir dann Fragen zur Qualität der Veranstaltung stellen; als Selbstständige erbringe ich keine Leistung, wenn ich noch Geld mitbringen muss. Das hat dann auch nichts mit „Frauen sagen immer ab“ zu tun, das ist das Prinzip „Leistung gegen Rechnung“.

Gelesen: Bücher werden zwar online gesucht, aber immer seltener – Zahlen von Bitkom und AGOF, was Menschen online kaufen und worüber sie sich vor dem Kauf online Informationen holen. Was mich in dieser Ausprägung gewundert hat: Schuhe. Habe ich selbst erst einmal online gekauft (Laufschuhe, Marke und Größe seit Jahren dieselben).

Gelesen und angeschaut: Deutsche Straßennamen, ihre historischen Bezüge und ihre Verteilung in Deutschland. Die Straßennamen und ihre Häufigkeiten zeigen noch deutlich die Teilung zwischen DDR und BRD. Es gibt auch Nord-Süd-Grenzen und regionale Phänomene, von denen ich nicht wusste, dass sie welche sind, zum Beispiel der „Kamp“.

Gelesen: Die Leute sind heute sensibler – ein Interview darüber, was Menschen als wirtschaftlich gerecht empfinden. Aus meiner Studienzeit erinnere ich (ohne Quelle), dass Unzufriedenheit  nicht objektiv ist, sondern fast immer aus dem Vergleich mit anderen entsteht, worauf der Text ja auch eingeht.  Seither versuche ich immer, nur für mich, ohne Blick auf andere zu betrachten, ob ich Grund zur Klage habe. Das macht ziemlich glücklich.

 

Dienstag, 30. Januar

30. 01. 2018  •  8 Kommentare

Von Herzen Glückwunsch und einen lauten Tusch für die Gewinner der Goldenen Blogger! Besonders gefreut habe ich mich für die Kaltmamsell und den Kinderdok.

So sehen sie aus, die digitalen Freaks aus dem Neuland:

https://twitter.com/goldeneblogger/status/958060651796160513

Die Kaltmamsell bloggt seit 15 Jahren, seit vier Jahren täglich mit ihrem „Journal“, immer mit guten Gedanken und Linktipps. Sie ist für mich die beste Tagebuchbloggerin und hat den Titel mehr als verdient. Hut ab.

Übrigens auch ein gutes Tagebuchblog und hier schonmal empfohlen: Herr Paul mit seinen drei Kindern und Jott.

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Der erste Newsletter ist raus. Hier ist er in der Kurzversion. Das positive Feedback freut mich sehr!

Danke auch für das viele weitere Feedback zum Podcast! Toll, toll, toll! Was mich besonders freut: Ihr fandet ihn inhaltlich interessant. Das überrascht mich sogar ein bisschen, denn ich selbst hatte das Gefühl, es sei doch eher banal gewesen. Spannend.

Zu Euren Hinweisen: Ja, wir müssen lockerer werden, besonders ich. Ich denke, das kann ich nicht erzwingen. Das wird kommen.

Ein paarmal erreichte mich das Feedback, dass 50 Minuten als Format sehr lang seien und nicht so gut auf Eure Hörsituationen passen (Kurzstrecken in Auto oder Bahn, Spaziergänge, Einschlafbegleitung). Unsere Idee dazu ist, den Inhalt auf zweimal ca. 30 Minuten aufzuteilen und kleinere, in sich geschlossene Häppchen zu machen – dafür öfter. Wir probieren das aus, und Ihr sagt, ob das für Euch gut ist. Danach legen wir das Format fest.

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Ich habe für das Digital Media Camp in München eine Session eingereicht: Methoden zur Produktentwicklung. Insgesamt wurden 47 Sessions eingereicht, über die man ab heute abstimmen kann.   (Macht nur Sinn, wenn man auch teilnimmt.)

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Einen guten Termin mit Frau Moku, Samina Mohn, gehabt. Sie ist Szenografin und schafft authentische Räume – für Filmsets, aber auch für Unternehmen. Räume, in denen man gut arbeiten kann und die den Menschen und ihrem Tun gerecht werden.

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Am Nachmittag besuchten mich Sandra und Ferdi. Und die Kreisläuferin, aber das ist nicht erwähnenswert, denn wir haben ja praktisch eine WG. Später kam Vatta noch. Nachdem ich ihm gestern erzählt hatte, dass es heute Waffeln gebe, war er zufällig in der Gegend. Na sowas.

Sandra und Ferdi brachten zwei tolle Geschenke mit:

Duschgel von der Drsdner Essenz ung rosa Limo

Ich mag sie sehr, diese kleine Geschenke, die man sich nicht unbedingt selbst gönnt. O-Ton Sandra: „Der Mann war der Meinung, Nessy braucht rosa Limo. Deshalb kriegst du jetzt rosa Limo.“ Da ich noch nie rosa Limo getrunken habe: überfällig.

Es gab Waffeln, diesmal mit Buttermilch. Sehr gut! Weniger Zucker als im Hauswaffelrezept und Buttermilch statt Milch, das war fein. Nach den Waffeln: Verdauungsspaziergang um den See, um Dortmunds gentrifizierendes Kleinod vorzuführen und Ferdi in den Schlaf zu schieben. Der Himmel hatte Stimmungsbeleuchtung angeschaltet.

Phoenixsee

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Diese nachfolgende Kontaktanzeige aus dem Zeit Magazin sollte mehr Verbreitung erfahren. Falls Sie interessiert sind; ich möchte nicht, dass Sie Zwei sich nicht finden. Beinahe Poesie: Liebe und Sexualität werden nicht angestrebt, können aber vorkommen.

 

Montag, 29. Januar

29. 01. 2018  •  4 Kommentare

Morgen ist Newsletter-Premiere! Wenn Sie noch nicht angemeldet sind: Letzte Chance, von Anfang an dabei zu sein!

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Etwas über die spektakulären Hintergründe des Hör-Abos geschrieben, das Christian und ich Euch ab sofort jeden Monat anbieten: „Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch.“

Danke für Euer bisheriges Feedback. Das ist super. Ich kann nämlich nicht einschätzen, ob wir das gut machen und ob das interessant ist. Totale Betriebsblindheit. Deshalb hilft jeder Kommentar.

Drei Leute haben schon unabhängig voneinander geschrieben: „Ihr müsst lockerer werden!“ Werden wir, ganz sicher. Anfangs ist es wirklich sehr, sehr fremd, vor einem Mikro zu sitzen und die eigenen Ansprüche zu erfüllen. Ich wurde ja schon ein-, zwei-, dreimal interviewt; doch bei einem Interview ist das etwas anderes: Da muss man nicht das Gespräch führen und auch nicht das Thema im Blick behalten, da muss man nur antworten.

Ich denke, es wird sich mit der Zeit eingrooven und wir werden in der Situation heimelig werden. Ich bin ja eigentlich ein ganz lockerer Typ, so.

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Aktuelle Lektüre ist das kleine Buch von Michalis Pantelouris: Liebe zukünftige Lieblingsfrau. Nachdem er die Texte zunächst als Kolumne fürs SZ-Magazin schrieb, liefen ihm die Frauen die Bude ein. Ich versteh’s (auch wenn er sehr viel raucht in dem Buch, aber irgendwas ist ja immer). Gestern Abend beim Einschlaflesen einen schönen Satz darin entdeckt:

Die wichtigsten Beziehungen in deinem Leben hast du nicht wegen dem, was du bekommst, sondern wegen dem, was du wirst, weil du geben musst.

Ob „müssen“ hier das passende Verb ist? Ist es nicht vielmehr „dürfen“? Oder einfach nur: „weil du gibst“? Egal: Recht hat er.

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Sehr laut gelacht, als ich bei Sven las, dass er laut gelacht habe, als er etwas bei den Buddenbohms las. Aber lesen Sie selbst:

Sehr laut gelacht, als ich den Gartenkalender von Familie Buddenbohm sah. Gartenkalender sind die Pest. Habe ich dieses Jahr auch, so einen Tageskalender mit Klugscheißer Tipps für den Garten und alle Tipps da sind völlig unrealistischer Mist. Jeder Tag generiert Arbeit für eine ganze Woche, es ist ein Traum. Gestern sollte ich Tomaten pflanzen, in einem Gewächshaus, das müsste ich aber erst noch bauen. Davor irgendwelche Stauden schneiden, aber nur, wenn die schon Frost hatten. Wer Scheitern liebt, wird mit einem Tages-Gartenkalender sehr glücklich, denn nix davon kann ich im Alltag umsetzen, dafür bräuchte ich mehr Personal.

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Gesehen: tag7 – Vom Außenseiter zum Sternekoch. Über Serkan Güzelçoban, der in Öhringen bei Heilbronn ein Gourmetrestaurant eröffnet und dort Menschen mit Behinderung beschäftigt. Weil er selbst Außenseiter war und eine Chance bekommen hat.

Jetzt Livestream der Goldenen Blogger und Daumen drücken für die Kaltmamsell, den Kinderdok und das Nuf.

Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch.

29. 01. 2018  •  2 Kommentare

Einige zusätzliche Worte zum Podcast, den ich nun monatlich gemeinsam mit Christian mache.

Wie kam’s dazu?

Wir waren beide auf dem Barcamp in Dangast. Dort habe ich eine Session übers Podcasten besucht. Schon vorher habe ich ein paarmal gedacht: Das könntest du auch mal machen. Doch alleine wollte ich nicht. Und zum Mitmachen hatte ich niemanden.

Nachdem wir wieder in NRW haben, haben Christian und ich uns auf einen Kaffee getroffen, unabhängig von irgendwelchen Podcastideen, sondern nur mal so – oder vielleicht gab’s auch einen Anlass, ich weiß nicht mehr.  Ich weiß auch nicht mehr, wie wir genau darauf kamen: Jedenfalls war nach zweieinhalb Stunden im Café klar, dass wir zusammen podcasten möchten. Es ging ein bisschen Zeit mit Vorbereitungen und Trödeleien ins Land. Vergangene Woche war’s dann soweit: Wir hatten alles für die erste Aufnahme – sogar ein Thema!

Worum soll’s im Podcast gehen?

Christian und ich unterhalten uns. Jede Folge hat ein Thema. Nach unserem ungeplanten Café-Kick-off haben wir gebrainstormt und eine Menge Stichworte in ein Google Doc geschrieben, zu denen uns eine Folge lang etwas einfallen würde: „Machen“, „Loslassen“, „Flirten“, „Streiten“, „Authentizität“, „Scham“, „Alt werden“, „Vergnügen“. Um solcherlei Dinge soll’s gehen.

Das Setting: Christian und ich reden miteinander und bringen unsere Gedanken zu dem Thema mit. Wir recherchieren aber auch vorher, so dass Ihr im Podcast Fakten erfahrt und danach noch weiterlesen könnt.

Warum sollte ich mir den anhören?

Noch ein Podcast?! Braucht das die Welt?! Wir meinen: Ja! Denn: Wir sind wir. Ein Mann Mitte 50, eine Frau von fast 40 – wir haben verschiedene Sichtweisen auf das Leben und unterschiedliche Erfahrungen. Das könnte spannend werden. (Wenn es das nicht wird, hören wir wieder auf.)

Wo finde ich das gute Stück?

Uns gibt es im Abo bei itunes, außerdem bei Soundcloud und Podigee, als RSS-Feed (mp3, aac) und hier im Blog.

Worum geht’s in der ersten Folge?

Wir sprechen, passend zur Premiere, übers Kennenlernen. Über den Mut, den’s dazu braucht, über Erwartungen, über Ameisenwarte und über das Treffen mit Leuten aus dem Internet.

Wir grooven uns noch ein bisschen ein. Geben Sie uns ein paar Folgen Zeit – und natürlich Euer Feedback.

Worum wird es in der nächsten Folge gehen?

Ums Lernen. Denn, klar: Aus der ersten Folge haben wir bereits etwas gelernt.

Christian war außerdem einst Pädagoge, ich habe in einem früheren Leben  Sozialpsychologie studiert, wir haben beide inzwischen andere Berufe als das, was wir ursprünglich gelernt haben, und darüber hinaus viel Erfahrung damit, sich Neuem zu stellen, auch jenseits von klassischen Ausbildungswegen.

Ich habe mir zu dem Thema schon ein paar Notizen gemacht: Wie lernen gut funktioniert, wie man bei verschiedenen Arten von Wissen unterschiedlich lernt, was beim Lernen im Erwachsenenalter anders ist und welche Lerntipps ich habe. Aber: Ich weiß nicht, wie sich das Gespräch entwickeln wird. Wahrscheinlich hat Christian ganz andere Stichworte. Ich freue mich auf neugierige Zuhörer.

Los! Macht uns Vorschläge!

Her mit Euren Ideen und Wünschen! Worüber sollen wir sprechen? Was möchtet Ihr wissen?

Samstag und Sonntag, 27. und 28. Januar

28. 01. 2018  •  4 Kommentare

Zunächst die schlechte Nachricht: Die Kalendergirls haben gegen den Spitzenreiter verloren. Die noch schlechtere Nachricht: zurecht und deutlich.

Ich möchte nicht darüber sprechen. Ich musste danach erstmal ins Fitnessstudio gehen und mich abreagieren. Werde morgen Muskelkater haben. Stellen Sie sich hier eine Parade weinender Emojis vor.

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Die guten Nachrichten: Der Samstag war Waffeltag, relativ spontan. Das sind die guten Dinge im Leben.

Waffel mit Vanilleeis und Sahne

Nutznießerinnen: Rosa Bänkchen und die Turnschwester. Ganz unbescheiden muss ich eingestehen: Es waren astreine 10er-Waffeln unter den gesammelten Werken.

Weil auf Instagram einige Leute danach gefragt haben, hier nochmal das Hauswaffelrezept aus dem Sauerland: ½ Pfund Butter schaumig schlagen. 175 Gramm Zucker und 2 Päckchen Vanillezucker dazugeben, danach 6 Eier. Eine Prise Salz schadet nicht. Zuletzt noch 500 Gramm Mehl, 2 Päckchen Backpulver und ½ Liter Milch dazugeben – fertig. Von Aromen nehme ich Abstand, Zucker nehme ich immer etwas weniger. Es kommt ja noch Puderzucker drauf.

Herr Stibbons verwies auf Twitter auf dieses Buttermilchwaffelrezept, das ich beizeiten ausprobieren werde. Mit Buttermilch habe ich in anderen Kuchenzusammenhängen sehr erfreuliche Erfahrungen gemacht – vong Fluffigkeit her.

Die liebe Rosa hat mir etwas mitgebracht (juchhuu!): eine neue Vogelfutterstation, nachdem’s die alte zerlegt hat.

Vogelfutterstation im Baum mit Sonnenblumenkernen

Die Vögel waren bislang noch nicht so auf Zack. Dauert wohl noch, bis sie das neue Fressparadies entdecken. Ich werde das beobachten.

Dafür hockte am Sonntagabend die Nachbarskatze auf der Fußmatte. Ich saß mit dem Rücken zur Terrassentür in der Küche und hatte das dumpfe Gefühl, angestarrt zu werden. Ich sah mich um: Dort saß Moritz und guckte mitleidigserregend durchs Fenster.

Er ist ein schwarz-weißer Kater aus der Nachbarschaft. Sein Bruder heißt Leo; er hält eher Abstand. Sowohl Moritz als auch Leo jagen Vögel und Mäuse. Sie halten meinen Garten wühlmausfrei. Ich habe sie schon mit diverser Beute durch den Garten stolzieren sehen – darunter auch eine Fledermaus.

Moritz entert manchmal meine Küche und lässt sich kraulen, zieht dann aber enttäuscht ab, wenn er merkt, dass er nichts zu fressen von mir kriegt. Nichtsdestotrotz ist er ein unterschütterlicher Optimist und kommt immer wieder.

Hier Moritz bei der Abreise, von Enttäuschung leicht gebeugt:

Gartenkatze

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Jetzt Tatort mit zwei Schauspielern, die ich beide sehr gerne sehe: Martin Brambach und Alwara Höfels.

Freitag, 26. Januar

26. 01. 2018  •  21 Kommentare

An einer kleinen Umfrage zum Thema „Berufswahl und Berufszufriedenheit von Frauen“ teilgenommen. Im Fragebogendesign ist noch Luft nach oben – doch was ich eigentlich sagen möchte und was mir dazu eingefallen ist:

Der Fragebogen fragt, wer mich in der Wahl meines Berufs beeinflusst hat. Das ist schwierig zu beantworten, weil der aktuelle Beruf, den ich ausübe, nicht meinem Ausbildungsberuf entspricht, weil ich überdies mehrere Ausbildungen habe und auch schon in mehreren Berufsbildern gearbeitet habe. Fast immer kam der Antrieb aus mir selbst heraus.

Denn weder Eltern noch Schule noch Mitschüler haben mich explizit für etwas beeinflusst im Sinne von wirklich antreiben, anspornen, beflügeln. Unterstützt schon, also meine Entscheidung mitgetragen, aber nicht beeinflusst.

Ich erinnere, dass es seinerzeit (1990er) allerdings eine unterschwellige Beeinflussung in Schule und meinem Umfeld gegen etwas gab. Zum Beispiel fühlte ich mich seltsam und nicht richtig, wenn mir als Mädchen naturwissenschaftliche Fächer Spaß machten. Es war okay, sich für Technik zu interessieren, aber eher in einem naiven Sinne, nicht mit einem ernsthaften, beruflichen Antrieb. Ich erinnere mich, dass ich Chemie-LK wählen wollte und statt eines ermutigenden „Oh, wie toll“ oder zumindest einem gleichgültigen „Ah, okay“ Reaktionen bekam wie „Meinst du, das kannst du?“, „Das ist doch was für Jungs“ oder „Dann bist du nur mit Jungen im Kurs, das würde ich mir gut überlegen“. Meine Wahrnehmung mag natürlich auch an der Pubertät und meiner eigenen Suche nach Weiblichkeit gelegen haben; nichtsdestotrotz erinnere ich keine Ermutigung, sich für Berufe oder Themenfelder zu interessieren, die als unweiblich galten, sondern ein Beeinflussen in die andere Richtung.

Außerdem wurde in meinem Umfeld – nicht meine Eltern, sie haben mich unterstützt – eher klein gedacht; ich bin bislang immer noch die einzige in der Familie, die studiert hat. Ich erinnere mich an ein Gespräch auf einer Familienfeier, ich muss 15 oder 16 gewesen sein, jedenfalls in einem Alter, in dem es um die Berufswahl geht. Die Anwesenden gingen die Optionen für mich durch, darunter Kindergärtnerin (weil man das gut mit den eigenen Kindern vereinbaren kann)  und Bürokauffrau (weil die ja immer gebraucht werden); Berufe, die ein Studium erforderten oder die einen ambitionierteren Karriereweg als Sachbearbeiterin oder Vorzimmerdame vorsahen, waren nicht auf dem Radar. Als der Vorschlag „Zahnarzthelferin“ kam, antwortete ich: „Wenn schon, dann werde ich Zahnärztin“, woraufhin die Runde schallend – ja, tatsächlich: laut und aus voller Kehle –  lachte und mit Äußerungen wie „Ach, wie süß“ und „Hat man sowas schonmal gehört?“ abtat; für sie war der Gedanke tatsächlich völlig abwegig, lächerlich und naiv. Ich war in dem Moment sehr beschämt, es war mir unendlich peinlich; wer ist schon gerne Gespött der Anderen? Im Nachhinein wurde ich dann aber so wütend, dass ich beschloss, auf jeden Fall studieren zu gehen. Heute bin ich in der Grafik die 1 unten rechts: Das eine von 100 Arbeiterkindern, das seine Promotion abgeschlossen hat – im Gegensatz zu 10 aus Akademikerhaushalten. Wenn ich auf diesen Titel stolz bin, dann nie um des Titels willen (für den ist Leidensfähigkeit zehnmal wichtiger als Intelligenz, wenn Sie mich fragen), sondern einzig wegen dieses Weges.

Im Rückblick ist es gut, dass ich diese Erfahrungen machen durfte; sie haben mir viel gegeben: Willen, Durchhaltevermögen, Selbstorganisation, Zeitmanagement, Prioritätensetzung, Klarheit, Konsequenz und das Wissen darüber, welche Dinge ich gut und welche ich nicht so gut kann. Zwischendurch war es anstrengend, sich zu behaupten, mental und finanziell, vor allem mental. Das Geld war das geringere Problem, das kam irgendwie, dafür konnte ich arbeiten, in mehreren Jobs: in der Woche Nachhilfe geben und als Tutorin an der Uni, am Wochenende bei der Tageszeitung und in den Semesterferien im Messebau oder in der Fabrik. Aber sich zurechtzufinden in einer Welt, die nicht die eigene ist, und zwischen den Welten navigieren – mit ihren unterschiedlichen Erwartungen, Sprachen und Kulturen: Das war ermüdend und ist es manchmal heute noch.

Deshalb halte ich Unterstützung, Horizont erweitern und Mutmachen für viel, viel wichtiger als die Geldfrage, um Arbeiterkinder an die Uni zu bringen. Der Wunsch, mehr zu wollen, der Mut, es zu tun, und dabei das Gefühl, eine Hand auf dem Rücken zu haben, die mal schiebt, mal streichelt und mal knufft, das ist es, was Kinder von Nichtakademikern brauchen. Wenn sie das haben, regeln sie die Geldsache selbst.

Ich bin ein Mensch geworden, der nicht die Hemnisse sieht, sondern die Möglichkeiten. Ich bin ein Mensch, der Welten verbindet und vermittelt. Ich bin eine gute Mutmacherin.

*

Huch – zu früh auf „Veröffentlichen“ gedrückt. Das passiert, wenn man nachts um kurz vor 1 Uhr schonmal die ersten Gedanken für den Freitagspost niederschreibt. Ich aktualisiere einfach:

Update, 22:00 Uhr

Aus der Abteilung „Einfach mal machen“: Podcast. Den ganzen Tag am Podcast rumgedengelt. Denn yeah! Ich podcaste jetzt! Gemeinsam mit dem geschätzten Christian de Vries, den ich auf dem Barcamp in Dangast kennengelernt habe.

In der Podcast-Session auf dem Barcamp Dangast hieß es: „Das ist alles nur ein Klick!“

Hahahaha!
//*leicht hysterisches Lachen

Wenn man eingerichtete Accounts beim Hoster hat – und bei Soundcloud und bei iTunes und wenn man ein Intro und ein Outro hat und einen RSS-Feed und ein Logo und einen Header und beides nochmal in anderen Auflösungen und eine fertige Sounddatei und funktionierende WordPress-Plugins und überhaupt: Wenn man den ganzen Dreh raus hat, ist das sicherlich nur ein Klick. Heute waren das circa … nun … 800 Klicks. Oder 1.000. Gefühlt 100.000. Jedenfalls acht oder zehn Stunden am Schreibtisch. Ich freue mich auf später, wenn der Podcast groß ist und es wirklich nur noch ein Klick ist.

Ergebnis des Tages: Tada! Das Baby ist online, hier im Blog, bei Soundcloud, bei Podigee und bei iTunes. Es hat ein Intro und ein Outro und sowas wie ein Logo (nun ja, zumindest erstmal eine Grafik, in der der Titel steht). Ich schreibe nochmal einen eigenen Beitrag zum Podcast und der Idee dahinter.

Hier ist das Ding: Ein Mann. Eine Frau. Ein Gespräch. Die Frau bin ich, der Mann ist Christian. Der Titel der ersten Folge: Kennenlernen.

Christian hat unsere Premiere sehr schön anmoderiert, besser kann ich’s nicht machen:

Wir reden über uns, über das Kennenlernen, über Schwierigkeiten, über Mut, über Erwartungen, über das Zuhören, über Ameisenschutzwarte, über @50hz, wir finden uns gegenseitig toll, wir reden über Twitter und Barcamps. Gelernt: Vanessa möchte tatsächlich gern mal mit Angela Merkel auf dem Sofa sitzen. Was ich wiederum sehr gut verstehen kann. Und sie möchte sich mit Volksmusik-Sängerinnen und Sängern unterhalten. Ähem, tja. Dann reden wir über Mut. 

*

Am späten Nachmittag meldete sich ein anderer Christian, der Jawl: Er und S. seien bei mir um die Ecke am See, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte. Aus dem Kaffee wurde Sushi, und es war eine sehr gute Idee – das Sushi und das Treffen. Mit Sonnenuntergang auf dem Hinweg.

Phoenixsee mit Sonnenuntergang

Donnerstag, 25. Januar

25. 01. 2018  •  3 Kommentare

Ihr erinnert Euch doch alle an Victoria Schwartz und Ihren Realfake, oder? Victoria verliebte sich online in einen Menschen, der vorgab, jemand anderes zu sein – mit einer kompletten Identität, geklauten Fotos und Fake-Profilen in Social Media.

Heute erhielt ich auf Facebook eine Freundschaftsanfrage von Leonard, und weil ich direkt nach dem Aufstehen feinmotorisch nicht ganz beieinander war, habe ich versehentlich auf „Bestätigen“ gedrückt statt auf „Löschen“. Welch Fügung, denn nun wurde es spannend. Leonard schrieb mich sofort über den Messenger an, dass er sich sehr freue, dass ich ihn als Freund akzeptiert habe. Auf meine Frage, wer er sei und woher wir uns kennen, sagte er, er sei Soldat und diene zurzeit in Syrien.

Ich dachte sofort an das Buch von Victoria, nahm sein Profilbild und schickte es durch die Google-Rückwärtssuche. Und siehe da: Leonard ist nicht Leonard. Er ist ganz sicher auch nicht Michael J. Pratt, dessen Bild er nutzt.

Ich dachte mir: Gut, ein bisschen spielst Du das Spiel jetzt mit. Mal sehen, wie seine (oder ihre) Taktik ist. Was er genau in Syrien macht? Friedenssicherung.  Warum er sich dafür interessiert, ob ich Single bin? Ich sei einfach total sympathisch und wunderschön. Was er vorhat, wenn er in Syrien fertig sei? Die Mission sei bald beendet, aber „erzähl mir lieber von dir.“ Die Taktik ist: Komplimente machen, mich zum Reden bringen und möglichst wenig Konkretes über sich preisgeben.

Ich habe ihn geblockt. Die Ergänzung von Victoria:

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Heute bei und auf dem Weg zu beruflichen Terminen insgesamt elf Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Ich mag ja das Prinzip Walk and Talk: Der Körper bewegt sich, die Gehirnzellen bewegen sich, und die Gesprächssituation ist gelöst und locker.

Zum zweiten Termin mit einer Unternehmerin aus dem Nachbarstadtteil etwas zu früh gewesen. Ich bin deshalb einmal um den Block gegangen und habe die Umgebung erkundet. Dabei habe ich mitten im Gewerbegebiet diesen jüdischen Friedhof entdeckt.

Juedischer Friedhof Aplerbeck: Grabmale auf einer Wiese

Juedischer Friedhof Aplerbeck: Grabmale aus der Nähe, Grab von Moses Rosenberg

Verrückt, was man alles sieht, wenn man mal in eine andere Richtung läuft als sonst. Der Friedhof liegt direkt hinter der Halle, in der wir Handball spielen.

Die Verstorbenen waren erstaunlich alt, gemessen am Jahrhundert, in dem sie gelebt haben. Ich hätte unter den Namen deutlich mehr jüngere Menschen vermutet, doch die meisten waren 60 Jahre, 70 Jahre und älter.

Der Friedhof hat sogar einen Wikipedia-Eintrag.

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Auf dem Rückweg vom Termin bin ich an der Filmbühne „Zur Postkutsche“ vorbeigegangen. Auch eine Neuentdeckung! Ich wusste gar nicht, dass wir noch ein Vorstadtkino haben.

Filmbühne zur Postkutsche

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Gelesen: Hallo, ich bin die dritte Option – die Geschichte von Maxi Bauermeister. Bauermeister kam mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und wurde sehr früh als Kind operiert. Ein Text über das Dazwischensein.

Gesehen: Wenn der Schlaf dich niederschlägt – der Alltag von Sarah, die Narkolepsie mit Kataplexie hat. In emotionalen Momenten erschlafft ihre Muskulatur, ohne dass sie es kontrollieren kann. Sie schläft unvermittelt ein und bekommt Halluzinationen. Spannend: Ihr Therapiehund kann das fünf Minuten vorher spüren – noch bevor sie etwas merkt. Unverständlich: Die Krankheit wird nicht als Behinderung anerkannt, so dass ihr nicht die Hilfe zuteil wird, die sie benötigt.

Mittwoch, 24. Januar

24. 01. 2018  •  4 Kommentare

Der Tag begann mit Besuch – von meinem neuen Podcastkollegen. Details später, wenn es einen Link gibt. Nur so viel: Die erste Aufnahme ist im Kasten. Ich traue mich aber nicht, sie anzuhören.

//*wimmert leise

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Abends bin ich spontan eingesprungen und habe die Ladies bewirtet. Seit Ende vergangenen Jahres bin ich Mitglied im Ladies‘ Circle 63 in Dortmund. Das ist eine Serviceorganisation von Frauen bis 45 Jahren (Wikipedia), die wohltägige Projekte unterstützt. Das männliche Pendant ist der Round Table (Wikipedia); bei den Jungs aus Dortmund war ich am Wochenende zum Neujahrsempfang.

Im vergangenen Dezember haben wir zum Beispiel einen Adventsbrunch organisiert, in dessen Anschluss wird rund 1.000 Euro an den Verein Kinderlachen spenden konnten. Wir treffen uns zweimal im Monat, davon einmal bei einer Lady daheim.

Hottest News: Wir planen für den Sommer eine Bloglesung in Dortmund. Nähere Infos folgen, sobald die Planungen konkreter sind. Wir checken gerade Locations und prüfen Termine unter verschiedenen Aspekten, unter anderem Fußball-WM. Außerdem brauchts natürlich Leute, die lesen. Einen Teil des Eintrittsgeld möchten wir spenden, und im Anschluss an die Lesung darf es gerne gesellig werden.

Dienstag, 23. Januar

23. 01. 2018  •  7 Kommentare

Am späten Nachmittag bin ich um den See getigert. Denn plötzlich schien die Sonne. Ich war völlig geflasht und habe direkt mit Aktivität reagiert.

Blick auf den Phoenixsee im Gegenlicht

Den Hinweg über hatte ich einen Brief in der Hand. Denn in meinem Stadtteil besteht ein Mangel an Briefkästen. Der eine ist weg, der andere geschlossen, weil es der Post zu schwierig ist, ihn zu leeren. Im Stadtteil ist nämlich eine Baustelle, die das verkompliziert.

Wenn ich als Lehrbeauftragte an der Uni bin, frage ich meine Studenten (Gruß an Wolf Schneider): „Für einen guten Text muss immer einer leiden: Entweder der, der ihn schreibt, oder der, der ihn liest. Was ist wohl besser?“ Die Deutsche Post würde antworten: „Der, der ihn liest.“

Ich ging also oberhalb des Phoenixsees durch die Wohnsiedlung der Reichen und Schönen, weil ich dachte, dort sei vielleicht ein Briefkasten. Schließlich haben sie dort viele Häuser gebaut – da muss ein Briefkasten sein. Ist aber nicht. Also trug ich den Brief dreieinhalb Kilometer bis nach Hörde.

Auf dem Rückweg war die Sonne dann weg.

Phoenixsee, Südufer

*

Zum Abendessen gab’s Glückscurry mit allem, was weg musste. Das waren Paprika, zwei einsame Süßkartoffeln, Zwiebeln und eine frische Ananas. Als special guests mit an Board: Garnelen.

Glückscurry

Rezept: Gemüsezeugs leicht andünsten (kann man, muss nicht) und wieder aus der Pfanne nehmen. Zwei Teelöffel Currypaste in die Pfanne geben und in eine Dose Kokosmilch einrühren. Mit Zitronensaft (eher mehr), Fischsauce und braunem Zucker (eher weniger) abschmecken. Dann Gemüsezeugs und Ananas reingeben, Garnelen dazu, köcheln lassen, fertig. Dauert keine halbe Stunde.

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Ein Interview mit der Historikern Marie Hicks in der Brand eins gelesen, warum Programmierer*in früher ein Frauenberuf war, es heute nicht mehr ist und warum diese Entwicklung Großbritannien in der Computertechnik zurückgeworfen hat. Interessant, sachlich und erfreulich unaufgeregt.

Außerdem gelesen: einen Text über die erste Amazon-Go-Filiale und was die Firma mit dem Start up Emotient vorhat, einer Gesichtserkennungs-Software, die Gefühle ausliest. Abgefahrene Sache, wenngleich sicher nicht so schlicht, wie im Text geschrieben. Und so leid es mir für die Kassierer*innen im Supermarkt tut: Der Akt des Aus-dem-Wagen-Räumens, des Aufstapelns, Kassierens und des Wieder-in-den-Wagen-Legens ist total unerfreulich. Wenn das jemand abschafft, bin ich dabei.

*

Ich plane hier gerade nur schöne Sachen und bin ganz hibbelig, Ihnen davon zu erzählen. Hachhachhach. Ein bisschen dauert’s noch.

Montag, 22. Januar

22. 01. 2018  •  20 Kommentare

Ein Tag, unterbrochen von einem Zahnarztbesuch, dem alljährlichen.

Ich bin mit guten Zähnen gesegnet, deshalb beunruhigen mich Zahnarztbesuche nicht. Außerdem gehen meine Zähne und ich zu Björn, dem Freund, der auch die guten Cocktails mixt (allerdings nicht in der Praxis). Wir klönen dann immer ein bisschen, er schaut mir in den Mund, pustet Luft in meine Zahnzwischenräume, dann klönen wir weiter, und dann gehe ich wieder.

Eine Zahnärztin sagte mal zu mir, ich hätte gute Zähne, weil ich besonders guten Speichel hätte; darüber habe sie viel in der Fachliteratur gelesen. Die Zusammensetzung des Speichels sei genetisch, und wenn man von der Natur gesegnet sei, sei er besonders antibaktieriell und reinigend so wie bei mir. Sie sprach lange darüber, es kamen Wörter wie Hydrogencarbonat und pH-Wert und Lysozym, Cystatin und Histatin vor; sie war geradezu exstatisch, eine Vertreterin des Meister-Proper-Speichels vor sich haben und konnte gar nicht aufhören mit ihrem Vortrag. Ich war kurz davor zu fragen, ob ich ihr ein Autogramm geben soll, indem ich ihr ein paar Briefmarken anlecke.

Ich bin keine Small-Talk-Queen, auch wenn Menschen mir nachsagen, ich sei ganz unterhaltsam. Unterhaltsam bin ich aber erst, wenn ich die Menschen besser kenne. Seit ich die Info über meinen Speichel habe, überlege ich, ob sie mir in Sachen Small Talk weiterhelfen könnte – zum Beispiel, wenn ich auf einer Party bin.

Ich bin zweimal in meinem Leben Piloten auf einer Party begegnet. Also: richtigen Piloten – solchen, die dich mit 400 anderen Menschen auf die Malediven fliegen oder die Elefanten aus Indien in den Wuppertaler Zoo bringen, damit sie dort mit anderen Elefanten weitere kleine Elefanten machen. Beide Male haben die Männer sich mir vorgestellt mit: „Hallo, ich bin … und ich bin Pilot.“

Das war befremdlich, denn niemand hatte vorab danach gefragt und es war auch keine heitere Berufeparty. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Eine witzige Antwort wäre gewesen: „Hi, ich bin Vanessa, und ich habe Flugangst“, aber ich habe keine Flugangst. Also habe ich so etwas gesagt wie: „Äääh, ja, hallo, da ist man ja auch viel unterwegs“, was beide Male nicht das Richtige war, denn die Herren wandten sich sofort von mir ab.

Ich bin keine Pilotin, aber ich habe besonders zusammengesetzten Speichel. Ich könnte mich also vorstellen mit: „Hallo, ich bin Vanessa und ich habe Superspucke“, worüber man dann ins Gespräch kommen könnte. Ich fürchte allerdings, es wirkt eher seltsam – außer vielleicht auf einer Zahnarztparty oder einer Laborantenparty oder der Party „Einsame Herzen in der Mikrobiologie“.

Ich weiß also noch nicht, was ich mit meinem Wissen mache. Wie ich guten Small Talk mache, weiß ich zumindest in der Theorie und manchmal klappt es auch, in der Praxis liegt es mir trotzdem nicht.

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Große Vorhaben werfen ihre Technik voraus:

Rode-Mikrofon im Karton

Für die Tekkies:

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Vertrieb und wie er nicht geht: Meine Bank geht mir auf die Nüsse. Die für das private Konto. Vergangene Woche hat bereits eine Dame angerufen. Heute rief schon wieder jemand an, diesmal ein Herr.

Beiden habe ich gesagt, ich könne mir durchaus vorstellen, zu einem Beratungstermin vorbeizukommen, ich hätte da auch ein, zwei Anliegen, zu denen ich ihre kompetente Meinung hören wolle, ich könne aber noch nicht genau sagen, wann – das hänge von weiteren Terminen ab, die sich in den nächsten Tagen ergeben; sie mögen mir bitte eine Mail schicken, ich käme dann mit Vorschlägen auf sie zu. Von der Dame bekam ich erst gar keine Mail. Der Herr schickte mir eine – und eine Stunde später direkt einen Termin für den 17. Februar, 12:15 Uhr, mit dem Betreff „Bausparen“.

//*Augenzucken

Ich musste erstmal in meine innere Mitte atmen, bevor ich zurückschreiben konnte, dass a) ausgemacht war, dass ich mich melde, b) ich am 17. Februar tatsächlich nicht kann, c) ich bestimmt nicht über das Thema Bausparen sprechen möchte und auch dringend anrate, Kunden vorab zu fragen, worüber sie sprechen möchten, dass ich  d) nun überhaupt keinen Termin mehr haben möchte, da ich davon ausgehe, dass meine Bedürfnisse ohnehin nicht berücksichtigt werden und e) darum bitte, von jeglichen weiteren Kontaktversuchen in näherer und weiterer Zukunft von ihm oder jemand anderem aus seinem Unternehmen abzusehen.

Vertriebsoffensive 2018 ist bei mir schonmal gescheitert. Es wird wirklich dringend Zeit, die Bank zu wechseln.

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(Ich bin aufgeregt. Ehrlich jetzt.)



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