Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Die Zeit zwischen den Jahren

30. 12. 2017  •  16 Kommentare

Nach Norden reisen. Entschleunigen. Die Sonne mitnehmen. Frische Luft tanken. Das Meer sehen. Umhergehen. Hörbuch hören. Oder den Möwen zu. Den Wind spüren. Regen.

Schillig Strand

Einkehren und einen Kaffee trinken. Käsekuchen. Rote Wangen. Mützenverstrubbeltes Haar.

Wenn es dämmert: nach Hause kommen. Aufwärmen, mich und eine Milch. Schwarzwaldklinik gucken, sechs Folgen hintereinander.

Udo mit Christa, Christa mit Klaus. Udo mit Katharina, Klaus mit Maria, Christa mit Vollmers, Udo mit Claudia, bis Claudia an Leukämie stirbt. Dann Udo mit Elke. Klaus wieder mit Christa. Evelyn Hamann mit dem Seewolf, Kindermädchen Carola mit dem Postboten. Udo ist ständig oben ohne, wenn man von der Brustbehaarung absieht: beim Sonnen, beim Schwimmen, beim Wasserski fahren, im Krankenbett mit Schulterverletzung; da kann man natürlich kein Hemd tragen. Die Synchronstimme von Marty McFly wird eingeliefert: Lähmung! Oberschwester Hildegard bricht sich ein Bein. Professor Brinkmann in jeder Folge bedeutungsschwanger. „Gegen den Tod können wir nicht anoperieren.“ Ehrfürchtiges Nicken.

Ich bin hier zu Gast; ich sitte ein Haus und im weiteren Verlauf auch einen Hund. Der Hund – er wundert sich, dass ich hier bin, aber seine Leute nicht. Ich sage ihm: Sie kommen bald. Er geht zur Tür, gucken. Kommt zurück. Sieht mich an, mit einem Was-hast-du-mit-ihnen-gemacht?-Blick. Runzelt die Stirn. Seufzt. Mit Futter und Kraulen mchen wir uns bekannt. In der Nacht kommt er vorbei und leckt meine Hand. Ich wache davon auf und schlafe darüber ein.

Wir gehen spazieren. Brötchen holen. Durchs Dorf. Und die Allee entlang.

Büppel: Allee aus Eichenbäumen

Wir gehen zum Shetland-Pony: dicker Bauch, kurze Beine; es erinnert mich an jemanden, ich komm‘ nicht drauf. Oder doch: Ich komme drauf, schreibe es hier aber besser nicht.

Shetlandpony

Ich fahre einkaufen – für Silvester: Mehl, Hefe, Grieß und Dinge für auf die Pizza. Es gibt hier famila. In meiner Heimatstadt im Sauerland gab es in den 80ern auch einen famila. Kindheitserinnerungen. Es gibt hier viel Gold, Marken wie „Küstengold“ und „Goldmarie“. Die Straßen heißen nach Bürgermeistern: Bürgermeister Heidenreich, Bürgermeister Osterloh. Es müssen verdiente Leute gewesen sein.

Der Hund mag mich am meisten, wenn ich mir ein Brot schmiere.

 

Wind rüttelt an den Fenstern. Die Seeluft, sie macht mich fertig, jedesmal. Zähne putzen. Bett. Podcast an. Den Timer auf 15 Minuten. Ich erlebe nicht mehr, wie der Ton ausgeht.

Der Vorhersage-Check 2017

18. 12. 2017  •  22 Kommentare

Traditionell blickt man am Jahresende zurück. Ende 2016 schrob ich eine Vorhersage für 2017. Lassen Sie uns sehen, was eingetroffen ist.

VG

 

Beste Entscheidung:
Freiberuflich arbeiten. Im Februar geht’s los.

Ich hatte in 2017 keine Sekunde Zweifel an meiner Entscheidung, selbstständig zu sein. Ich habe tolle Kunden, große Freude bei der Arbeit und ebenso große Freude an der Arbeitsform. Auf dem Barcamp in Leipzig frug mich jemand: „Wenn du sagen müsstest, wie das erste Jahr freiberufliche Jahr war, von eins bis zehn, was würdest du sagen?“ Zehn plus.

<Werbeblock>:

Ich helfe, dass sich Menschen und Unternehmen aus sich selbst heraus weiterentwickeln. Ich begleite Teams und Führunsgkräfte. Ich unterstütze, Mitarbeiter*innen im Unternehmen zu halten und sie zu gewinnen. Ich gebe auch Seminare dazu – und zu Kommunikation und guten Geschichten. Mehr dazu.

</Werbeblock>

Das Erstaunliche: Ich war seit Beginn der Selbstständigkeit nicht krank. Kein Männerschnupfen, nix. Das ist mir seit mehr als 20 Jahren nicht passiert; normalerweise beginnt die Erkältungszeit, und ich liege danieder. Ich rechne es meiner Ausgeglichenheit zu: mehr Freude, mehr Selbstbestimmtheit, mehr Sinn.

Schlechteste Entscheidung:
Freiberuflich arbeiten. Ich werde fluchen. Ich werde zweifeln. Ich werde hadern. Und am Ende wird alles gut werden. 

Kommt sicher noch.

Beste Anschaffung:
Das Auto, das ich mir kaufe. Es ist mein erstes Auto – was sich ein bisschen seltsam anfühlt, immerhin fahre ich seit mehr als 20 Jahren, und ich fahre nicht wenig, sowohl Auto als auch Bahn, aber ich habe noch niemals ein Fahrzeug gefahren, das auch auf meinen Namen angemeldet war. Ich werde es jeden Morgen streicheln und vielleicht auch in aller Öffentlichkeit mit einem Mikrofasertuch abfeudeln. Ich kann für nichts garantieren.

Es heißt Olga, ist ein Tschechenlaster und das schönste Auto, das in Dortmund herumfährt. Es kann Musik abspielen und einen warmen Po machen. Es hat mich 20.000 Kilometer kutschiert. Ich habe mir im Baumarkt  Tücher gekauft, um im Innenraum durchzufeudeln, habe Olga schon dreimal ausgesaugt und nach dem Waschen poliere ich ein bisschen nach.

Außerdem eine gute Anschaffung: der Kärcher-Fenstersauger. Es besteht die berechtigte Annahme, dass ich in 2018 mehr als zweimal meine Fenster putzen und meine Nachbarschaft deshalb gänzlich anders, deutlich weniger diffus wahrnehmen werde. Ich spiele sogar schon mit dem Gedanken, die Fenster des Gewächshauses damit zu putzen. Im Dezember! Zu Hülf!

Dämlichste Anschaffung:
Vermutlich ein Kleidungsstück, das mir fast passt. Nur noch minus fünf Kilo.

Es ist eine Hose, und sie wird mir sehr bald passen. 2022.

Schönster Absturz:
Ich stürze nicht ab. Ich betrinke mich nur intensiv. 

An dieser Stelle danke ich dem Herrgott und meinem Vater für das Gen-Paket „Trinken ohne Reue“. Danke, Papa. Danke, Götter. Hallelujah.

Bestes Getränk:
Cocktails von Björn. Sie sind allesamt gerne eingeladen, die Cocktails von Björn zu toppen und mich auf etwas Besseres einzuladen. Wird aber schwierig.

Riesling vom Weingut Erbeldinger in Bechtheim, getrunken im Sauerland auf einem 50. Geburtstag. Riesling aus Keine-Ahnung-Wo, ebenfalls getrunken im Sauerland auf einem 40. Geburtstag, andernorts. Weißer Burgunder vom Weingut Didinger in Osterspai, getrunken in Mülheim, anlasslos, und in der eigenen Küche mit der Kreisläuferin, ebenfalls anlasslos. Beide Weingüter sind sehr zu empfehlen. Caipirinha in Leipzig: Im Osten kriegt man Alkoholmengen in die Cocktails, alter Schwede; ich war benommen.

Ekelerregendstes Getränk:
Seit ich mit mir überein gekommen bin, dass Tomatensaft und Filterkaffee in meinem Leben keine Rolle spielen, ist die Gefahr eines ekelerregenden Getränks geringer geworden. 

Ein Gurkensmoothie. Fragen Sie nicht. Ich dachte, es sei etwas mit Frucht. Er hat mich kalt und schleimig erwischt.

Beste Musik:
Konzert. Phil Collins im Juni in Köln.

Der alte Mann war gut. Im Radio kann ich ihn nicht länger als ein halbes Lied lang anhören. Auf seinen Konzerten allerdings mag ich ihn. Gute Arbeit, Phil. Gute Arbeit, Phils Sohn.

Beste Lektüre:
Meine Amazon-Wunschliste ist lang, außerdem gibt es noch eine Kindle-Wunschliste. Dazu viele gute Blogbeiträge, journalistische Reportagen – ich bin sicher, ich werde literarisch glücklich werden. 

In 2017 habe ich wenig gelesen. Gelesen, gehört und für gut befunden habe ich:

  • Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin – unaufgeregt, prima Stilmix.
  • Kristof Magnusson: Arztroman – Endlich mal eine gute Frauenfigur ohne Kitsch.
  • Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg – Bislang tatsächlich noch nicht gelesen, in 2017 nun gehört. Hat einige Längen. Zum Hören auf langen Autofahrten aber prima.
  • Monika Gruber: Man muss das Kind im Dorf lassen – Auch gehört. Habe mich gut amüsiert. Sollte man wegen des dialektalen Vortrags von Frau Gruber lieber hören als lesen.
  • Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich – Ebenfalls gehört. Habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.
  • Daniel Glattauer: Darum – Eine Geschichte fast ohne Handlung, und doch war ich aufs Ende gespannt.
  • Fabio Volo: Einfach losfahren – Kein Mann schreibt besser übers Leben und über die Liebe.

Schönster Moment:
Bestimmt etwas mit Liebe und Knutschen.

Ääh … nein. Das Gegenteil. Liebe und Knutschen wären für 2018 schön. Gibt’s Kandidaten? Ich habe etwas vorformuliert, bin mir aber nicht sicher, welchen Ansatz ich wählen soll.

Sportlich:
„Kalendergirl, solider Gesamtzustand, leichte Dellen, sucht Trainigspartner mit Sinn für Teamplay und gute Passwege.“

Gärtnerisch:
„Gänseblümchen sucht Löwenzahn zur gemeinsamen Eroberung von Grünflächen.“

Sonntäglich:
„Platz auf dem Sofa frei. Nutellalöffeln möglich. Leihjogger vorhanden.“

Oder kurz und knapp kulinarisch:
„Waffelliebhaberin hat Herz zu verschenken.“

Was meinen Sie?

Die meiste Zeit verbringen mit:
Mir. Am Schreibtisch. Im Garten. In Projekten bei Kunden. In Seminaren. Beim Laufen um den See. Im Fitnessstudio. Auf Reisen.

Kunden. Wer hätte das gedacht? Ich schätze auch, dass ich in noch keinem Jahr so viel Zeit mit anderen Menschen geteilt habe: Kunden, Freunden, Menschen auf Barcamps. Großartig.

Gelaufen bin ich leider wenig. Weil ich viel bei Kunden war – was unterm Strich mehr als in Ordnung geht. Und weil ich zweimal langwieriger verletzt war. Nichts Wildes, aber leidig (das Alter, Leute; es lässt sich nicht leugnen). Fürs Fitti ist mir der Rhythmus abhanden gekommen. Ich bin gerade dabei, mich zu reorganisieren. Vorsatz für 2018: wieder mehr Sport.

Die schönste Zeit verbringen mit:
Reisen. 

Ich war in Bern, in Heidelberg, in Berlin, in Dangast, in Leipzig, , in Darmstadt, auf Norderney und im Osnabrücker Land. Und in Wuppertal, sogar in einer Herrenboutique – das sollten wir nicht unerwähnt lassen. Ich war allerdings wenig im Ausland, nur einmal in der Schweiz. 2018 kann das gerne anders werden.

Vorherrschendes Gefühl 2017:
Freudige Anspannung.

Jo.



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