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Regenbogenwollmenschen

31. 10. 2017  •  6 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Ein Regenbogen aus Wolle. In kleinen Ringeln, von der Hüfte, beide Beine hinab bis zu den Knöcheln.

Wir sitzen um Regionalzug durch Ostfriesland. Der Waggon ist voll. Babys weinen. Kinder rennen durch den Gang. Eltern schimpfen. Familien möchten in die Ferien.

Der Regenbogen gehört zu einer Dame, und zu der Dame gehört ein breites, flaches Hinterteil. Es ist vollständig mit dem Regenbogen bewollt, streckt sich mir auf Augenhöhe entgegen und verstaut eine Packung Käse in einem Einkaufstrolley. Die Maschen sind weit. Die Dame trägt keinen Schlüpfer, ich kann nicht nicht hingucken. Mit dem Käse verstaut sie ein Brettchen und Messer, eine Packung Margarine, Brot, hartgekochte Eier und eine kleine Obstplantage im Trolley. Alles hat sie vorher gemeinsam mit ihrer ebenfalls wolligen Begleitung zubereitet: hat Brot geschnitten und mit Käse belegt, hat das Obst zerlegt und die Eier gepellt. Der Duft reifer Bananen und eines ebenfalls sehr reifen Harzer Rollers durchweht nun das Abteil. Kleine Kinder würgen leise.

Später, auf der Fähre auf die Insel, sehe ich sie wieder, die Wollmenschen. Unten Regenbogen, oben Regenbogen, auf dem Kopf eine Wollwolke, an den Füßen Ringelsocken und Sandalen. Um sie herum Funktionsjacken und Matschhosen, Fleecemützen und Gore-Tex-Hanschuhe. Die beiden sind aus der Zeit gefallen. Oder aus dem Ort. Sie belegen sich das nächste Brot. Der Duft weht herüber. Das Schiff beginnt zu schaukeln.

Morgen kommt Orkan Herwat.

Kommentare

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  1. Kvinna sagt:

    Vielleicht ist das mit der Wolle eine Art Fetisch? Auf meiner Haut möchte ich das jedenfalls nicht haben.

    1. Vanessa sagt:

      Möchten wir das wirklich wissen?

  2. Elfe sagt:

    Wir wollten auch ans Meer auf eine der Nordseeinseln, vielleicht wäre es sogar Norderney geworden. Aber dann wurden die Kinder krank und dazu der Sturm … schade schade, bestimmt demnächst!

    Aber: Ohne Unterhose?!? Dann ist die Dame ziemlich lange aus der Zeit gefallen, zweihundert Jahre – oder doch nur vierzig. Will man lieber gar nicht nicht nicht wissen.

    1. Vanessa sagt:

      Der Sturm war prima auf der Insel. Wenn man schon dort war. Denn wenn man nicht dort war, kam man ja nicht hin.

  3. Kvinna sagt:

    Da habe ich doch glatt am Reformationstag ein Paar regenbogenwollene kleinmaschig gestrickte Pulswärmer gesellig im Laub am Ruhrufer beieinander liegend gefunden. Und an Sie gedacht.

    1. Vanessa sagt:

      Das ist meine geheime Mission. Dass die Menschen bei allen möglichen Dingen an mich denken. Bei Waffeln habe ich es schon geschafft.

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