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Eine Expedition nach Dangast

11. 09. 2017  •  10 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

In der vergangenen Woche reiste ich nach Dangast.

Dangast: Künstlerpfad am Strand, Panoramabild

Ich fuhr dorthin, um das Barcamp Dangast zu besuchen. Und um aufs Meer zu schauen.

Man munkelt über die Nordsee, dass sie oft nicht dort sei, wo sie sein sollte, besonders dann, wenn man sie braucht. Das kann ich so nicht bestätigen: Sie war stets zur Mittagszeit anwesend, wenngleich nur kurz.

Zum Ausgleich und für ein nichtsdestotrotz umfassendes Nordseegefühl sandte der Meeresgott große Mengen Regen und Wind. Das Wasser malte Rinnen und Furchen in den Sand, und als ich sicher war, dass aller Sand in den Jadebusen und von dort nach England und weiter nach Grönland und von dort nach Kanada fließen werde, hörte es auf zu regnen und die Sonne schien.

Dangast: Strand nach Regen

Am Donnerstag mietete ich mir ein Fahrrad und fuhr erst in die eine, dann in die andere Richtung, immer am Deich entlang. Am Deich entlangfahren ist wie schwimmen – zu Beginn sehr langweilig: Ich fuhr und fuhr, es ging geradeaus, Seeschwalben stürzten durch die Luft, der Deich war links, die Kühe waren rechts, es kam eine Biegung, und nach der Biegung ging es weiter geradeaus. Den Kühen folgte Mais, und dem Mais folgte Wiese. Der Deich blieb immer Deich, mal mit Schafen, mal ohne. Ich trat und trat, es nieselte weich in mein Gesicht, ich dachte nicht mehr ans Ziel, denn das Ziel war ohnehin willkürlich, und nach einer Zeit war es einfach nur schön. So wie beim Schwimmen, wenn man irgendwann vergisst, die Bahnen zu zählen.

Als ich keine Lust mehr hatte, den Deich links zu haben, drehte ich das Fahrrad um und fuhr wieder zurück. Das Seltsame war, dass ich, auch wenn der Deich nun rechts war, wieder Gegenwind hatte. „Mikroklima“, sagten mir die Einheimischen später. „Kannste nix machen.“

Ich fuhr zurück nach Dangast und noch ein Stück weiter, legte mich auf einen Steg in die Salzwiesen, drehte das Fahrrad wieder um, fuhr zurück und setzte mich an den Strand, trank Milchkaffee und Cola, und plötzlich war die Sonne wieder da.

Dangast: Am Stand mit Milchkaffee und Cola

Am Freitag begann das Barcamp.

Auf einem Barcamp treffen sich Menschen. Was sie dort machen, stimmen sie ab: Jeder kann ein Thema mitbringen, und wenn genug Leute sagen, dass sie das Thema interessant finden, sprechen sie eine Stunde lang darüber. Manchmal zeigt jemand etwas, manchmal stellt er eine Frage, und es gibt auch Leute, die nur zuhören.

Dangast, Barcamp: Sessions Tag 2

Erstaunlicherweise ist immer ausreichend Interessantes dabei. Erstaunlicherweise sind die Menschen, die auf Barcamps gehen, sehr freundlich. Und erstaunlicherweise lerne ich immer etwas – meist über Dinge, von denen ich vorab noch nie etwas gehört habe. So war es auch diesmal.

Falls Ihnen diese Argumente nicht ausreichen, um das Barcamp in Dangast im kommenden Jahr zu besuchen: Die Aussicht aufs Meer war verdammt nicht übel.

Dangast, Barcamp: Ausblick

Das auf dem Foto, genau auf zwölf Uhr, sind Frank und Djure. Sie haben das Barcamp moderiert.

Während meiner Zeit in Dangast wohnte ich übrigens in einer heimeligen Pension: ein altes Herrenhaus mit Kieseinfahrt und Bauerngarten, die Fassade mit Efeu berankt, das Haus von Bäumen umsäumt. Die Dielen knarzten. Die Decken waren hoch und die Türen schwer.

Die Freundlichkeit der Pensionswirtin zum Maßstab genommen, wird sie irgendwann in einer fernen Nacht, wenn das Meer gegen den Deich schwappt und sie ihre Gäste wieder einmal besonders hasst, während der Mond durch die Sprossenfenster scheint und der Wind die Bäume biegt, mit einer Axt durchs Haus gehen und jeden ihrer Besucher in einer einzigen, fließenden Bewegung im Schlaf enthaupten. Vielleicht.

Etwas anderes: Sonnenuntergang.

Dangast Strand: Panorama bei Sonnenuntergang

Wenn ich am Meer bin, denke ich jedesmal: Am Meer wohnen, das wäre schön. Vielleicht mache ich das eines Tages, an einem Ort, an dem es nicht nur Meer, sondern auch Berge gibt. Denn in den Bergen wohnen, das wäre auch schön.

Bis dahin fahre ich öfter mal hin, in die Berge und ans Meer.

Kommentare

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  1. jpr sagt:

    Ich dachte ja bisher, dass Gegenwind in jede Richtung eher so ein radfahrinduziertes Physikphaenomen ist, dessen Ursache einfach noch niemand erforscht hat (vermutlich wird da von der Elektroradindustrie etwas unterdrueckt), weil ich diesen Effekt ortsunabhaengig kenne, er also ueberall vorkommt. Aber Mikroklima – das ist natuerlich auch eine gute Antwort (und wer weiss, vielleicht schafft man ja einfach nur sein eigenes Mikroklima mit dem Rad).

    Vor allem melden wollte ich mich aber wegen Serviceblog: denn ich glaube den Ort mit ‚Berge und Meer‘ den gibt es tatsaechlich, auch wenn’s erst Mal abstrus klingt. Aber Neuseeland kann das bieten (und Island auch, aber da sind die Berge weniger bergig). Waeren auch beides Orte fuer ‚irgendwann mal‘.
    Jetzt muss ich nur noch mal ein Barcamp ausprobieren.

    1. Vanessa sagt:

      Neben dem Fahrwind, der ja aufhört, sobald man auch mit dem Fahren aufhört, gibt es tatsächlich dieses Physikphänomen. Nennen wir ihn den richtungsunabhängigen, humanfixierten Gegenwind. Den gibt es übrigens auch beim Joggen, ebenso wie das Phänomen: richtungsunabhängiges Bergauflaufen. Denn man sollte ja meinen, dass es, wenn man im Kreis läuft, in Summe gleichermaßen bergauf wie bergab geht. Das stimmt aber nicht.

      Berge und Meer gibt es auch näher bei, in Italien. Und weiter weg, auf den Kanaren. Aber Neuseeland klingt tatsächlich nicht schlecht. Dort war ich auch noch nicht. Island ist mir für einen dauerhaften Aufenthalt – sagen wir: > ½ Jahr – deutlich zu frisch.

  2. Kathi sagt:

    Berge oder Meer, das ist ja so ein klassische „Fragebogenfrage“.
    Mir geht es da ganz ähnlich, dass ich mich kaum entscheiden kann was ich schöner finde.
    Nach dem letzten Sommer(wander)urlaub in den Bergen habe ich mich (durchaus ernsthaft) durch die Jobs auf Alpenvereinshütten geklickt.
    -Einmal eine Saison in den Bergen arbeiten- steht immerhin noch auf meiner Bucket-List.
    Und im Moment bin ich bedingt durch unseren Nachsaison-Stellplatz sehr häufig an der Nordsee und jedesmal wenn ich über die Düne komme überkommt mich dieses Glücksgefühl, wieder am Meer zu sein.
    Es wird also dabei bleiben, dass ich das schön abwechsel :-)

  3. Oh watt herrlich Du das geschrieben hast. Inklusive Splatter. Das muss Gästeliebe sein…

  4. Hauke sagt:

    Moin,
    Ich lese schon lange still mit. Aber als Ostfriese der vier Jahre am Jadebusen im Internat war, weiss ich mit dem Wind ist das da so. Morgens gegen den Wind zur Schule, Mittags gegen den Wind zurück.
    Der Segler weiss das hängt mit der Wassertemperatur zusammen.
    Ich hoffe Du hattest Streuselkuchen im Kurhaus.

    Grüße von leider nicht mehr direkt am Deich

    Hauke

  5. Mercator sagt:

    Hahahaha…!! Was war denn dass für eine Hauswirtin?11!?
    Das muss ja sehr beeindruckend gewesen sein. Ich lese schon seit vielen Jahren mit, aber so eine „ungewöhnliche“ Bewertung habe ich ja noch nie gelesen. Schade, dass es keine ausführlichere Beschreibung gibt.

    War aber wahrscheinlich nur eine sehr einsilbige Dame, die – wenn sie mal den Mund offen hatte – irgendetwas vor sich hin gebrummelt hat. Und das kollidiert ja fast schon zwangsläufig mit Ihrer Lebensart…

  6. hin & weg sagt:

    Menno… ich will auch mal auf ein Camp oder ein Bloggertreffen. Naja, hoffentlich im nächsten Jahr. Schöner Bericht – das beste natürlich die Frau Hauswirtin. Ich war zum Mädelsausflug in Rosenheim…. war auch sehr schön. Tja. Man kann halt nicht alles haben. Gruß Sylvia

  7. Mathilde sagt:

    Ach, es fand sich nur leider diese Jahr so, dass das Barcamp parallel zur Theaternacht i. Hamburg stattfand. Ich hatte daran herum überlegt. Nächstes Jahr habe ich vielleicht mehr Grlück.

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