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Das große Kalendergirl-Saisonfazit

23. 05. 2017  •  7 Kommentare

Meine zweite Saison mit den Kalendergirls ist beendet. Dafür, dass ich niemals mehr Handball spielen wollte, sind das ganz schön viele Saisons.

Sportliches Fazit: Platz Zwei der Damen-Kreisliga mit 33:3 Punkten und 396:276 Toren. Klassenerhalt geglückt. Wir haben nur einmal verloren, aber es war eben eine Niederlage zu viel, um aufzusteigen. Das wurmt schon ein bisschen, selbst wenn man, so wie ich, frei von sportlichem Ehrgeiz ist.

Zwischenmenschliches Fazit: Ein neues Mannschaftsbaby und niemals mehr Flausch in meinem Sportlerinnenleben.

Natürlich, damals in der Landes- und Verbandsliga, das war auch flauschig. Allein die Mannschaftsfeiern: legendär. Gleichzeitig war da aber dieser Leistungsgedanke, der das Grundgefühl doch deutlich trübte.

Den Kalendergirls hingegen ist der Leistungsgedanke fern. Oder sagen nicht: Er ist zwar da – aber nur, solange wir keine Waldläufe machen müssen. Oder Bergaufsprints. Himmel! Wenn ich daran zurückdenke: Bergaufsprints! Und dieses Gehüpfe auf einem Bein die Treppen hoch! Wenn’s mich während meiner Rentnerjoggingrunde wild packt, ja, dann kann ich kurz ansprinten, also … von hier bis zur Ecke, kurz vor Zuhause vielleicht. Aber als offizieller, halbstündiger Programmpunkt? Also: nee.

„Es gibt schon tolle Übungen“, meinte der Trainer während der Mannschaftsfeier am Wochenende. „Aber ihr wollt ja nicht mehr alles machen.“ Es ist so schön, dass er das verstanden hat.

Die Mannschaftsfeier war ebenfalls ohne sportlichen Ehrgeiz. Damals™ hat die Mannschaft erst noch eine 80-Kilometer-Fahrradtour gemacht, bevor sie einkehrte. Jetzt kehren wir direkt ein. Mit Partnern, Partnerinnen, Kind und Kegel – frisch Kennengelernte werden der Mannschaft zu dieser Gelegenheit kurz vorgestellt. „Wir sind seit dem 15. zusammen.“ – „Dem 15. was?“ – „Na, Mai.“ Je früher das Genehmigungsverfahren läuft, desto früher können wir bei Problemen unterstützen.

Weil wir in dieser Saison so gut abgeschnitten haben, bekommen wir neue Trikots. Alta! Das wird ein Projekt! Wir haben schon kurz vorbesprochen: Das neue BVB-Trikot ist eine schöne Sache. Allerdings: Unsere Vereinsfarben sind blau-weiß (ausgerechnet!), die Farben passen also nicht. Aber das Muster: Blockstreifen, die zur Mitte auslaufen. Das formt eine schmale Taille. Die Bewegungsunschärfe wirkt gleichzeitig enorm dynamisch. Ein Trikot, wie für uns designt.

Hinzu kommt, dass wir Einiges an Guthaben in der Mannschaftskasse haben. Ist ja logisch: Wir vertrinken unsere Monatsbeiträge nicht mehr so ausdauernd wie noch mit 25, dafür können wir aus dem Handgelenk achtstöckige Kuchen backen, die beim Hallenverkauf horrende Einnahmen generieren. Zusätzlich haben wir süße, ebenfalls selbst produzierte Kinder zur Verfügung, die wir hinter die Theke stellen, damit sie während des Verkaufs rechnen lernen – und die gleichzeitig gute Trinkgelder provozieren (Win-Win!). Wir schwimmen also im Geld. Nur, wohin damit? Eine Sweaterjacke mit Reißverschluss wäre noch schön. Oder doch lieber ein Langarmshirt? Es ist so schwierig. Wir werden noch ein zweites Projekt aufsetzen müssen.

Das Ziel für die nächste Saison ist also klar: Neue Trikots aussuchen. Und Kleidung. Ach ja, und: Aufstieg in die Bezirksliga.

Kann Spuren von Senf enthalten

12. 05. 2017  •  12 Kommentare

Wo wir gerade über Ansprechgesichter reden: Ich war heute im REWE. Zum Wocheneinkauf. Den mache ich jetzt immer freitags um 10, weil Google mir sagt, dass die große Einkaufswelle erst ab 14 Uhr  losgeht.

Ich stehe in der Regalreihe „Backen, Milchreis und alle Salzsorten dieser Erde“, als eine Frau mich fragt: „Wie kann im Salz Senf sein?“
„Was meinen Sie?“
„Hier. Auf der Packung. Da steht: Kann Spuren von Senf enthalten.“

Ich gucke sie an. Was soll ich darauf sagen? War das eine rhetorische Frage? Oder sehe ich aus, als sei ich Senfexpertin? Wie heißen eigentlich Senfexperten? Senfperten? Sinapisten?

Sie sagt: „Wissen Sie auch nicht, oder?“
„Nein, weiß ich nicht.“
„Komisch ist es schon.“
„Sind denn auch Erdnüsse im Salz?“
„Wieso Erdnüsse?“
„Sonst steht auf Packungen doch immer: ‚Kann Spuren von Erdnüssen enthalten‘.“
„Ja?“
„Die sind jetzt sogar in Brötchen. Am Mittwoch war ich in Berlin am Bahnhof. Ich habe mir ein belegtes Brötchen gekauft, und die Verkäuferin sagte mir: ‚Das Brötchen kann Spuren von Erdnüssen enthalten.“
„Wo war das?“
„In Berlin. Die Bäckerei vor Gleis sieben.“
„Gegen Erdnüsse habe ich nichts.“
„Aber gegen Senf.“
„Nein. Gegen Senf habe ich auch nichts.“
„Dann ist es ja nicht schlimm, dass im Salz Senf sein könnte.“
„Ich kaufe es besser trotzdem nicht“, sagt die Frau und geht grußlos Richtung Speisenatron davon.

Der mit dem Käse spazierte

10. 05. 2017  •  9 Kommentare

In der Heimat gibt es einen kleinen Fluss. Der Fluss fließt an der Innenstadt entlang. Für Menschen, die an Flüssen wie dem Rhein oder der Elbe wohnen, ist es eher ein Bach, denn es kann kein Schiff darauf fahren, nicht einmal ein Boot. Einmal im Jahr fahren Badeenten auf dem Fluss. Dann gibt es ein Badeentenwettrennen. Das ist immer ein großes Hallo. Jede Ente hat eine Nummer, und die Nummer, die zuerst von der Oberstadt in die Unterstadt hinuntergeflossen ist, gewinnt einen Preis. Doch davon möchte ich nicht erzählen. Ich möchte von dem Mann erzählen, der eine Käsepackung am Fluss spazieren führte.

Ich sah den Mann zuerst von hinten. Er war klein und auf eine tatkräftige Art untersetzt. Er ging langsam und trug eine große Packung Tip-Schnittkäse Edamer in seiner Hand. So ging er am Fluss spazieren, im Strickjanker mit Hirschhornknöpfen.

Ich überholte ihn, denn er schlurfte hüftsteif, und wir lächelten uns an, als ich vorbeiging. Ein Stück weiter blieb ich stehen, um auf jemanden zu warten, und Herr Edamer zuckelte wieder auf mich zu. Als er mich schließlich erreichte, sagte ich: „Da hamwa uns wieder“, und er antwortete: „Aber ’nen Spitzkohl hab‘ ich davon immer noch nicht“, was zweifellos eine Entgegnung war, die weiterer Erläuterungen bedurfte.

„Ich soll einen mitbringen“, schloss er auch direkt an, „zum Abendessen, hat meine Frau gesagt, aber im Markt haben sie keinen mehr, und jetzt brennt zu Hause gleich der Baum.“

„Sie könnten Weißkohl mitbringen“, sagte ich. „Das ist fast genauso.“

„Sagen Sie. Und sage ich. Aber sagen Sie das mal meiner Frau.“

„Deshalb der Käse? Versöhnungskäse?“, fragte ich und deutete auf die Packung.

„Der war im Angebot und ich mag den so gerne. Aber eigentlich macht er alles noch schlimmer, denn jetzt habe ich Käse, den ich nicht mitbringen sollte, aber keinen Spitzkohl, den sie dringend braucht. Ich bin ja abends auch mit einem Butterbrot zufrieden, aber nein.“

„Das ist knifflig.“

„Jetzt wissen Sie, wie das ist, im Alter, mit der Ehe. Knifflig ist gar kein Ausdruck.“

(Dieser Beitrag wird Ihnen präsentiert von Frau Novemberregen und HappySchnitzel, die ich beide auf der re:publica geherzt habe, und die meinten, ich solle wieder mehr von dem aufschreiben, was ich erlebe. Außerdem haben Frau Novemberregen und ich bei einem gemeinsamen Maisküchlein festgestellt, dass wir Ansprechgesichter und deshalb immer diese skurrilen Begegnungen haben.)

Die Anderen: Eine Linkliste mit Gedanken

2. 05. 2017  •  11 Kommentare

Dass ich zuletzt eine kommentierte Linkliste schrieb, ist mehr als zwei Jahre her. Zeit, es erneut zu tun!

Geisteswissenschaft und die Kurven im Lebenslauf

Tanja Praske spricht mit Anke Gröner über ihren Berufwechsel von der Texterin zur Kunsthistorikerin. Kunstgeschichte ist für viele Menschen ein Studiengang, der jenseits von Zweckmäßigkeit liegt. Eltern rollt es die Zehennägel auf, wenn ihre Kinder Kunstgeschichte studieren möchten, denn: Geisteswissenschaften – Himmel hilf, was will das Kind nur damit tun?

Dabei ist es kurzsichtig, sich über angeblich fehlende Bildung von Nachwuchskräften zu beschweren, über ihre mangelnde Lese- und Schreibkompetenz, über eine Verrohung der Sprache und über die angeblich fehlende Kompetenz mitzudenken; es ist seltsam, mangelnde Ethik in der Politik anzuprangern, „Haben wir denn aus der Geschichte nichts gelernt?“ zu fragen und den mahnenden Zeigefinger vor den Fortschritten in Gentechnik und Digitalisierung zu heben – aber gleichzeitig Geisteswissenschaften zu diskreditieren. Den unmittelbaren Nutzen dieser Fächer kann man nicht in Wertschöpfung messen – wohl aber im Zustand der Gesellschaft. Wer Ankes Blog aufmerksam liest, erfährt nicht nur etwas über das Wesen der Kunst, sondern übers Denken.

Tagebuchbloggen und die Perspektive des Familienvaters

Eines der besten Tagebuchblogs ist das von Herrn Paul. Herr Paul und seine Frau Jott wohnen in Berlin und haben drei Kinder im Windelalter, darunter Zwillinge. Ich bewundere die Familie (stellvertretend für viele Familien), denn es ist mir ein Rätsel, wie man mit so wenig Schlaf und einer so hohen Taktung beim Kinderversorgen, Arbeiten, Pendeln und Das-Leben-Organisieren klar kommen kann, ohne unmittelbar ein Burnout zu erleiden. Derartige Tagebuchblogs halte ich für sehr wichtig, um das Politische im Alltäglichen zu zeigen – und zu reflektieren, was uns als Gesellschaft wichtig ist und wie wir leben möchten. Überdies lese ich gerne die Perspektive von Männern auf Familie, Leben und Liebe – nicht nur in Blogs, auch in Büchern. Oft ist mir der Blick deutlich näher als der von Frauen.

Integration und viel Grau zwischen Schwarz und Weiß 

Am Wochenende geriet ich in eine Diskussion mit einem Rechtskonservativen. Er mokierte sich „über die Menschen, die die Regierung ins Land holt“, darüber, dass sie „so viel Geld kriegen“, und meinte, dass man ihnen doch „dort unten in Syrien“ helfen müsse, „wo sie herkommen“. Unsere Diskussion war heftig und unfruchtbar. Ich wies ihn darauf hin, dass niemand die Menschen holt, sondern dass sie zu uns kommen und dass Asyl ein Menschenrecht sei. Ich fragte ihn: „Wie viel Geld bekommen sie denn im Monat, die Flüchtlinge? Sag’s mir!“, und er meinte nur, dass sei im Detail ja nun nicht wichtig. Ich fragte ihn, wie wir den Menschen in Aleppo seiner Meinung nach helfen können, ob wir die Bundeswehr runterschicken sollten. Doch auch hier: keine Antwort, natürlich nicht. Ich war nach dieser Diskussion sehr müde. Dabei gibt es doch tatsächlich so viel zu diskutieren und auch zu kritisieren, allerdings nicht auf dieser populistischen Ebene, sondern vielmehr auf einer Ebene der reflektierten Kritik, wie sie die ZEIT in ihrem Stück über die Integration eines syrischen Arztes hat. Auch sehr lesenswert: der ausführliche Blick der New York Times auf die Integration von Flüchtlingen in Weimar.

In letzter Zeit höre ich wieder mehr Hörbücher und Podcasts – weil ich länger im Auto unterwegs bin und weil die erfolgreiche Überwindung der Erkältungssaison zu längeren Trainingseinheiten auf dem Crosstrainer und Laufband führt (andere Menschen laufen draußen, bei jedem Wetter, aber mal ehrlich: Es ist seit Wochen nur gefühlte drei Grad warm; das mag diese Leute nicht stören, mich schon). Jedenfalls: Podcast. Ein sehr gutes Hörstück, das an das Thema „Einwanderung“ anschließt, ist das ARD-Radiofeature „Freiwillige Abschiebung“ über Balkan-Flüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehren. Nein, es ist alles nicht einfach.

Vertrauen und die Frage: Wie konnte das passieren?

Noch ein Podcast, allerdings ein ganz anderes Thema: „Der talentierte Mr. Vossen“ von Christoph Heinzle für den NDR. Heinzle erzählt in mehreren Folgen die Geschichte des Anlagebetrügers und Filmproduzenten Felix Vossen, der im März 2015 mit 60 Millionen Euro verschwand und ein Jahr später in Spanien gefasst wurde. Es geht um Einblicke in eine Welt, in der man Spielgeld zum Spekulieren hat, es geht um Moral und Charakter, es geht um Doppelleben: um einen Menschen, der täuscht, und um diejenigen, die sich täuschen lassen. Heinzle kommentiert nicht, er recherchiert und lässt uns teilhaben. Das ist angenehm – auch wenn es am Ende keine Antwort auf die komplizierte Frage gibt: Wie konnte das passieren? Aber das ist ja oft so.

Tun und Innehalten

Ein Text darüber, wie sich das Gehirn erholt und warum Auszeiten wichtig sind.  Ich halte es für ausgesprochen schwierig, dass die Leistung eines Menschen zum überwiegenden Teil in seiner Geschäftigkeit gemessen wird – und dass wir unseren Kindern beibringen: Produktiv und wertvoll ist nur, wer etwas arbeitet – im Sinne von „etwas herstellt, das unmittelbar messbar ist“. Zum einen ist auch Denken Arbeit. Zum anderen entsteht Weiterentwicklung meines Erachtens vor allem durch die Kombination aus Tun und Innehalten – und zwar im gleichen Maße. Passend dazu: der Blick aus dem Fenster von Kreativen.

Die Lieblingstweets im April

1. 05. 2017  •  2 Kommentare

Twitterlieblinge 04/2017:



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