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10 Fragen

5. 10. 2015  •  16 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Fragen«

Fragen aus der Ferne:

1. Münchener Oktoberfest?

Ich war schonmal auf dem Oktoberfest. Es war nicht schön: Die Bank war eng, das Zelt zu laut, der Bierkrug zu groß, mein Nachbar mir zu nah, die Menschheit zu betrunken. Das alles ist mir unangenehm, auch in nicht-bayerischen Kontext.

2. Haben Sie Ihren Volkswagen schon abgestoßen?

Ist es nicht eher an der Zeit, VW-Aktien zu kaufen?

3. Erinnern Sie sich noch an das erste Musikstück, das Sie sich gekauft haben? (Vinyl, CD, Download?) Hören Sie sich das heute noch gerne an?

Vinyl: Queen live at Wembley ’86.
Noch anhören: Nö.

4. Spielen Sie ein Musikinstrument? Trauen Sie sich damit vor Zuhörer?

Ich spiele klassische Gitarre und könnte das auch operativ mal wieder tun. Vor Zuhörern: Ist schon vorgekommen, muss aber nicht sein.

5. Im Preisausschreiben gewinnen Sie eine Penthauswohnung in Berlin, London, Paris, Prag oder Wien. Welche suchen Sie sich aus?

Wien.

6. Halb acht Uhr abends. Sie kommen völlig gerädert (aus der Arbeit) nach Hause. Was passiert, sobald der Mantel an der Garderobe hängt und die Schuhe in der Ecke stehen?

Bluse aus, Hoodie an.

7. Kochen Sie selbst? Was kommt auf den Tisch, wenn die leeren Teller schon nach einer Stunde im Geschirrspüler stehen müssen?

Da ich fast nur selbst koche und dabei inzwischen etwas Geschick entwickelt habe, dauern die meisten Alltagsgerichte nicht länger als 30 Minuten. Ich würde zum Beispiel kochen:

  • Glückscurry mit Gemüse aus dem Garten, Reis oder Nudeln. Alternativ mit Paprika – die habe ich immer zu Hause
  • Nudeln mit Pesto
  • Ofengemüse mit Feta
  • Paprika-Hack-Eintopf mit etwas Schmand und Senf
  • Rührei mit Paprika

8. Golf, Ski, oder Tennis? (Oder doch lieber die TV-Fernbedienung?)

Was’n das für eine Auswahl? Die Chiara-Ohoven-Sportwoche? In dem Fall lieber die Fernbedienung.

9. Sie packen Ihren eigenen Flüchtlingskoffer. Was muss da rein? (Fünf Dinge braucht der Mensch.)

Wer von uns weiß schon, wie es ist zu fliehen und was in dem Moment noch möglich ist. Aber gut: Schweizer Taschenmesser. Feuerzeug. Smartphone. Solar-Ladestation. Eine Festplatte mit allem Wichtigen drauf: Fotos, Zeugnisse, mein Leben. Vielleicht aber auch lieber Wasseraufbereitungstabletten als eine Festplatte.

10. Bevor Sie den Löffel abgeben: Welches Ding müssen Sie vorher unbedingt noch gedreht haben?

Ach, wissen Sie … ich versuche mein Leben so zu leben, dass ich in jedem Moment sterben kann. Das klingt destruktiv, doch es ist das Gegenteil: Ich empfinde es als sehr lebensbejahend.

Denn machen wir uns nichts vor: Es kann jetzt passieren oder morgen früh. Oder nächste Woche oder erst in 60 Jahren. Ich habe keine Berührungsängste, was meinen Tod angeht.

Es hört sich seltsam an, denn ich bin erst Ende 30, doch: Ich habe schon viele tolle Orte auf dieser Erde besucht. Ich habe tolle Menschen kennengelernt. Ich habe geliebt und ich habe erlebt; ich liebe und erlebe in einem fort. Ich habe Pläne, aber es wäre in Ordnung, wenn es nun auch schon vorbei wäre, das Leben; ich könnte es ja doch nicht ändern.

Wenn ich noch die Möglichkeit habe zu sprechen, bevor ich sterbe, möchte ich denjenigen, die mich lieben, sagen, dass sie mich loslassen mögen; dass sie nicht weinen, sondern sich freuen sollen; dass sie nicht zurückblicken, sondern den Platz, der jetzt in ihrem Herzen frei wird, jemand anderem schenken mögen; dass sie weiterleben und weiterlieben mögen, mit voller Kraft. Und dass ich unter einem Baum begraben sein möchte. Adé.

Kommentare

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  1. creezy sagt:

    „Chiara-Ohoven-Sportwoche?”

    Sehr gelacht! ;-)

    1. Annika sagt:

      Ebenso: sehr gelacht.
      Und bei der letzten Frage gestaunt. So gelassen möchte ich bezüglich meines eigenen Ablebens auch gerne sein. Ich werde ein Riesentheater machen…

    2. martin III. sagt:

      Ich musste auch lachen, das passt so wunderbar :)

  2. Christian sagt:

    Loslassen, nicht weinen, nicht zurückblicken – das ist so richtig wie es auch schwer ist.
    Einen geliebten Menschen zu verlieren ist, glaube ich, das allerschwerste überhaupt. Weil man der Sache einfach so ganz und gar machtlos gegenüber steht.
    Ich fürchte meinen eigenen Tod kaum. Ich fürchte das, was er mit den Menschen tun wird, die mir nahe stehen.
    Aber es hilft alles nichts. Man muss sich mit der eigenen Endlichkeit abfinden. Und mit der, anderer Menschen. Und weiterleben, und weiterlieben.

    1. Nessy sagt:

      Schön gesagt.

  3. Kirsten sagt:

    Ach, Frau Nessy. Wie kann man so jung und gleichzeitig so lebensklug sein? Und wieso muss ich heulen, wenn ich das lese?
    Ich glaube, es war der Teil mit dem Oktoberfest. Geht mir auch so.

    1. Nessy sagt:

      Oder der Teil mit Queen live at Wembley.
      Is‘ ja nu auch vorbei, die Zeit.

  4. Wortmischer sagt:

    Danke für die Antworten! – Mir gefällt Ihr offensichtlich äußerst pragmatisches Organisationstalent, insbesondere beim Schnellkochen, Kofferpacken und Löffelabgeben. Und das mit dem Baum :-)

    1. Nessy sagt:

      Tja, mit dem Kofferpacken … wenn mal mal einen Koffer zur Verfügung hätte, wenn es soweit ist. Ich fürchte, es sind nur ein paar Hosentaschen. Oder ein Rucksack.

    2. wortmischer sagt:

      Die Kofferfrage war eh symbolisch gemeint. Damit sich Beantworter und Leser vielleicht darüber Gedanken machen, dass es womöglich auch einen selbst treffen könnte. Und wie besch…eiden sich das anfühlt.

  5. Croco sagt:

    Die Antworte auf Nummer 10 ist wunderschön.
    Ja, der Tod ist Teil unseres Lebens. Ohne ihn gäbe es kein Leben, wie wir es kennen.
    Ein Werden und Vergehen ist unser Leben, und das macht es ganz besonders.
    Wenn, man das jeden Tag spürt, hat man es schon, das Lebensglück.

  6. Ihre Antwort auf die letzte Frage ist sehr, sehr weise und abgeklärt.
    Respektvolle Grüße!

  7. jpr sagt:

    Das mit dem Baum. Und davor. Das haben Sie schon sehr hervorragend und herzerwaermend gesagt.

    //Aber Hoodie? Ich dachte Sie haben Onesies

  8. flyhigher sagt:

    YES! Ich habe bereits in meinen Zwanzigern beschlossen, das Leben so zu leben, dass ich jeden Tag gehen könnte, ohne mit Wehmut zurück zu blicken. Ich möchte, wann immer es so weit sein wird, sagen: Schön war’s, toll war’s, danke für die vielen wundervollen Tage, die ich erleben durfte, danke für die wundervollen Menschen, die ich um mich hatte, pfiat eich (tschüss auf österreichisch)! Danach lebe ich schon sehr lange, und es erfüllt mich mit Freude.
    Erfahrungsgemäß leiden die Hinterbliebenen trotzdem, auch wenn man ihnen mitgibt, dass sie nicht um einen trauern sollen – das lässt sich leider nicht so einfach befehlen. Ein lieber Freund von mir ging mit knapp Vierzig. Er hatte zuvor 2 Nahtoderlebnisse, und sagte zu mir: Es ist dort so schön, ich freue mich darauf. Es ist so warm, so heimelig, ich fühle mich dort gut aufgehoben. Daher weint nicht um mich. Ich habe lange um ihn geweint.

  9. Leo Trotzki sagt:

    Nahtoderlebnisse hatte ich noch nicht. Dafür Natoerlebnisse. Der ganze Nachthimmel voller Kampfhubschrauber, die eine Art stationären Kreis bildeten und Rundfunk machten. Gar nicht schön. Wir hatten wirklich Glück damals, daß der große Knall ausblieb und wir uns heute über Nahtoderlebnisse austauschen können.

    Die Kriegstreiber jedoch sind auch heute noch nicht müde geworden. Allerdings lahmen die europäischen Friedensbewegungen.

  10. Ach von wegen Pizza! Schön zu sehen, dass es noch andre Leute gibt die auch im Alltag noch gerne selbst kochen.

    Aber mal generell eine Anmerkung: Ich finde die Antworten auf den Fragebogen alle erstaunlich! Erstaunlich reflektiert, geistvoll und auch, wenn es sein muss, bissig. Siehe „Was soll’n das für ne Auswahl sein?“ =)

    Aber das mit den VW-Aktien … war das nun ernst gemeint? Bin mir nicht sicher …

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