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Wie ich versehentlich wieder in ein Handballtraining geriet und anschließend einen Bufdi brauchte

13. 08. 2015  •  24 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Letztens wollte ich spazieren gehen, abends nach der Arbeit. Ein paar Kilometerchen, einmal um den See vielleicht. Ich frage die Nachbarin, Kreisläuferin a.D., ob das eine Perspektive für sie sei.

Wie blöd, meint sie, sie gehe heute zum Training von so einer Handballrentnerinnentruppe. Ein- bis Dreifachmütter, jünger und älter, eher älter, Versehrte und Halb-Invalide seien das, eine Kreisklasse-Spaßmannschaft. „30 Minuten joggen und dann ein bisschen Ballwerfen. Komm doch mit!“

Nun, denke ich ich mir, warum nicht. Besser als gar keine Bewegung. Es wird schon nicht so arg werden.

(Grinst hier schon jemand? Ich sehe das! Durch den Monitor!)

Schon als wir an der Halle ankommen, habe ich einen Verdacht. Denn die Mädels, die davor warten, sehen nicht aus wie Bindegewebsvorfälle mit kritischem HHD, Handballerinnenhaltbarkeitsdatum. Das ist auch nicht die gelenkschonende Koronarsportgruppe. Dort stehen acht von zwölf Monaten eines Sportlerinnen-Erotik-Kalenders, und mir schwant, dass das hier ein böses Ende nehmen könnte.

Aber nun bin ich einmal da.

Wir traben los. Ich nehme direkt die rote Laterne in die Hand und trotte hinterher – wenn man in 25 Jahren Handball eins einzuschätzen lernt, dann die eigenen Fähigkeiten. Nach ungefähr zehn Minuten bin ich mir das erste Mal sicher, dass spazierengehen die bessere Alternative gewesen wäre. Der Januar wird immer schneller, redet dabei aber unaufhörlich, locker-fluffig auf und ab hüpfend, und auf meinen Einwand, warum plötzlich diese Eile, es gebe doch gar keinen Anlass, heißt es nur, huch, gar nicht gemerkt, aber macht doch nichts, es gehe schließlich bergab. Bergab, soso, da ist wohl meine Trigonometrie kaputt.

In der Halle steht dann der Trainer, ein junger Herr, und meint: Nicht lange fackeln, Bälle nehmen, laufen, einpassen. Danach, ohne Umschweife: ab auf die Grundlinie, und in schnellem Tempo, Pass-Pass, vorwärts. Dann: Sprungwürfe, im Lauf natürlich. Im Anschluss: kurz was trinken, aber hopp-hopp; denn jetzt: Linienlaufen. Sechs Meter vor, rückwärts zurück, neun Meter vor, rückwärts zurück, Mittellinie vor, rückwärts zurück – in der anderen Hallenhälfte nochmal, zügig, zügig, auf 70 Prozent der Leistung.

Ich blicke die Kreisläuferin an. Sie zuckt hilflos mit den Schultern.

Nach zwei Durchgängen laufe ich vorwärts zurück, nicht rückwärts, meine Oberschenkel brennen auf Vorhöllentemperatur. Nach vier Durchgängen brüllt der Trainer: „Los! Gebt Gas! Das sind doch keine 70 Prozent!“ Nee, richtig. Das sind 100 Prozent. Ich bin am Ende.

Aber das hier ist noch nicht das Ende.

Es folgen weitere Übungen, Kräftigung, Liegestütz, Abwehr, Angriff, Kraft-Ausdauer. Ich mache zwischendurch eine Hals-Durchschneide-Geste zur Kreisläuferin, aber das bringt mich auch nicht aufs Sofa. Wenn man schon während des Trainings merkt, wo am nächsten Tag der Muskelkater einsetzt, wirds übel, richtig übel.

Nach drei Tagen kann ich wieder ohne Schmerzen Treppen steigen. Nach fünf Tagen klingen die letzten Wehwechen ab. Was mich aber doch ein bisschen stolz macht: Nicht ich bekomme in der 110. Minute den Wadenkrampf, sondern der 18-jährige März.

Sollte ich so etwas allerdings jemals wieder hobbymäßig betreiben, brauche ich einen Bufdi.

Kommentare

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  1. Sandra sagt:

    Hihi. Der Mann und ich haben herzhaft gelacht. Wer den Schaden hat …

    1. Nessy sagt:

      Jaha. Ihr wieder.

  2. ANNA sagt:

    Ich gebe zu :ich musste grinsen.

    Aber : wenn das die „Rentnermannschaft“ ist,wie ist dann erst die „richtige“ Mannschaft drauf…spielt die in der Bundesliga?

    1. Nessy sagt:

      Oberliga. Also 4. Liga.
      Ich habe da keine Gefahr gewittert …

  3. Calista sagt:

    Ich bin ganz froh diesen Eintrag erst jetzt gelesen zu haben , sonst wäre ich gestern nicht anfangs hochmotiviert und später dann Seitenstechend und keuchend mit dem Gatten gejoggt. Wir waren noch nie zusammen laufen und mir kommt das grad sehr bekannt vor.

    Und ich war früher bei einem Auslandsaufenthalt mal in einer Yogagruppe mit Senioren. Ich war mit Abstand die Ungelenkigste und zugleich Jüngste dort …

    1. Nessy sagt:

      Ähliche Erlebnisse wie in Ihrer Yogagruppe hat man auch beim Volkssporttag. Wenn Sie das Gefühl, von 65-Jährigen abgehängt zu werden, wiederholen möchten, ist das ein heißer Tipp.

    2. Bouquinesse sagt:

      Wenn Sie sehen könnten, was die Mädels in meiner Sportgruppe so machen… Die sind seit 15 Jahren dabei, ich seit anderthalb, die gehen da 2-3x die Woche hin (ich so 3x im Monat) und viele könnten meine Mutti/Oma sein. Trotzdem bin ich meist die, die nicht alle Wiederholungen schafft oder die, nur die 2-Kilo-Hantel nimmt.
      Das geht schon aufs Selbstbewusstsein manchmal. Aber es spornt auch an!

  4. Tily sagt:

    Ha, Sportnachrichten! :-)
    Nach der bescheidenen Ansicht dieser meist stillen Leserin sollten Sie weiter dahin gehen – woher werden wir sonst wissen, welche Besonderheiten Februar, April, Mai, Juni, Juli und August vorweisen, und wann Sie sich wie September fühlen?

    1. Nessy sagt:

      <3

      Der Trainer fragt auch schon, ob wir uns nochmal sehen. So geht das nicht!

  5. Annika sagt:

    Aaargh, man darf niemals Menschen trauen, die sagen, Du, wir laufen ganz langsam, ich bin die langsamste überhaupt, ich hab üüüberhaupt keine Kondition, so langsam wie ich läuft kein Mensch auf dieser Welt. Phh, die lügen wie gedruckt. Nach 5 Minuten weiß ich, dass ich in eine üble Falle gelockt wurde. Und dass ich 14 Tage brauchen werde, mich von dieser Schmach zu erholen.

    1. Nessy sagt:

      Das habe ich auch schon leidvoll erfahren müssen. Zumal, und das ist tatsächlich so: Niemand, wirklich niemand läuft langsamer als ich.

      Obwohl, nein. Das ist gelogen. Im Fitnesstudio gibt es ein Mädel, das oft zur gleichen Zeit wie ich dort ist und mit 5,5 km/h auf dem Laufband trabt. Da bin ich immerhin knapp drüber.

  6. 5,5 km/h waren auch zu meinen Fitti-Zeiten meine liebste Voreinstellung auf dem Laufband. Auch in der freien Natur jogge ich nicht schneller (nicht, dass ich überhaupt noch joggen täte). Dieses träge Traben ist wie Meditation in all seiner Monotonie.

    1. Nessy sagt:

      Schauen Sie, wir würden als Laufpartner bestens zueinander passen. Ich könnte noch langsamer laufen und mich gleichzeitig sehr dynamisch dabei fühlen.

    2. Das ist eine überlegenswerte Option. Obwohl ich erst einmal mein Ego überwinden müsste, das mir ständig einflüstern würde, dass Sie ja nur mir zuliebe so langsam laufen. Wir müssten da eine Jedi-Padawan-Beziehung etablieren, damit ich das Gefühl habe, dies geschähe nur zu meinem Besten.

  7. Lobo sagt:

    :-D Wer solche Freunde hat ….. :-D

    1. Nessy sagt:

      … der kann sich im Anschluss gegenseitig die Waden massieren. Das meinten Sie doch, oder?

    2. Lobo sagt:

      Genau ! :-)

  8. Der Januar sagt:

    … kommt sich grad wieder ungemein jung, sportlich und vor allen Dingen sexy vor. You made my day!

    1. Nessy sagt:

      #serviceblog

  9. Rob sagt:

    Auch die Kreisläuferinnen waren dermaßen fit? Die kommen doch normalerweise erst am Kreis an, wenn Tempogegenstoß und zweite Welle weder ein Tor gemacht noch den Ball verloren haben.

    1. Nessy sagt:

      Lesen Sie den Text nochmal und geben Sie einen Tipp ab, wer die Kreisläuferin ist.

    2. Rob sagt:

      Ja schon. Ich hatte nur mit mehr als einer Kreisläuferin gerechnet. Die sitzen ja hin und wieder draußen, unschuldigerweise.

  10. A. sagt:

    Nächste Mal fragste vorher mich um Rat. Ich hab da bekanntermaßen einen guten Riecher:)

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