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All is lost

20. 07. 2015  •  3 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Zeitvertreib«

Am Wochenende sah ich einen Film.

Ich schaue nicht oft Filme. Die Filme, die ich schaue, lassen sich, aufs Jahr gesehen, an zwei Händen abzählen, wenn man mal vom Sonntagabend-Tatort absieht. In der Woche sehe ich kaum fern, nicht aus Abneigung gegen das Gerät, sondern weil ich, wenn ich die Wahl habe, meist andere Unternehmungen als schöner oder dringlicher empfinde. Ins Kino gehe ich quasi nie, vielleicht zweimal im Jahr.

Am Wochenende aber sah ich einen Film: All is lost mit Robert Redford.

Robert Redford ist der einzige Schauspieler im Film. Es wird auch so gut wie nicht gesprochen, 100 Minuten lang. Und es ist ein toller Film.

Ich mag Bücher und Filme immer dann ganz besonders, wenn sie Lücken lassen für Fantasie, für Interpretation und für das eigene Leben. Als Leser nicht vorgekaut zu bekommen, was man denken soll, ist toll; und eine Freiheit, die ein Autor erstmal aushalten muss: Das Verständnis des Lesers vom Text und von den Bildern kann schließlich ein ganz anderes sein.

Dadurch, dass Redford nichts sagt, dass wir ihm nur zusehen, wie er seinen Schiffbruch erst zu verhindern versucht und dann erleidet, bleibt viel Platz für Fragen. Was macht er da jetzt? Warum tut er das? Viele Handgriffe und Handlungen Redfords erklären sich erst mit den nächsten Handgriffen und Handlungen – weshalb ich als Zuschauer den ganzen Film über mitdenke und nah bei der Hauptperson bin. Ein toller Kniff.

Segler und Logik-Freunde müssen manchmal wegschauen; an manchen Stellen ist der Film halt Hollywood. Aber egal.

Wenn Sie mal 100 Minuten Zeit haben, fahren Sie mit Herrn Redford in den Indischen Ozean. Es lohnt sich.

Kommentare

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  1. jpr sagt:

    Raum für den Kopf des Betrachters lassen. Das fällt ja vielen Filmen schwer, ist es doch letztlich der Unterschied zum Buch: das Bild ist da und nicht mehr abhängig von der Vorgeschichte des Rezipienten: sondern für alle gleich und sauber abbildbar.

    Was ich dieses Jahr sah, was in die gleiche Richtung ging war Locke. Man kann also durchaus einen Film über eine n Typen drehen, der mehr als eine Stunde lang im Auto sitzt und telefoniert. Probieren Sie es mal. Gar nicht schlechtes Kino.

  2. Nihilistin sagt:

    *unterschreib*

  3. antagonistin sagt:

    Großartiger Film. Kann mich der Empfehlung nur anschließen.

Die Kommentare sind geschlossen



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