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Im Zentralbüro für Erdrotation – Teil 3: Das Ende von Plan A ist der Beginn von Plan B

Was bisher geschah:

Die Erde benötigt eine Schaltsekunde. Das Zentralbüro für Erdrotation kümmert sich darum. Alle Länder der Erde machen mit, nur nicht Jong-Un, Diktator. Professorin O. Mega und ihr Assistent Euler bemühen sich um eine Lösung. Olga schaltet Doc Emmett Brown ein; doch nicht nur Gravitone, auch Hormone verbinden die beiden.

Cliffhanger:

Reifenquietschen dringt durch das geöffnete Fenster. Ein Scheppern. Dann ein Zischen. Ein Stöhnen. Und Stille.

Folge 3: Das Ende von Plan A ist der Beginn von Plan B

Olga stürzt aus der Tür. Euler rennt hinterdrein, die Arme wild auf der zweidimensionalen Bewegungsebene schwenkend.

Im Hof steht, die Motorhaube unter Mülltonnen, ein DeLorean. Aus dem Motorraum quillt Qualm. Zischend klappt die Fahrertür nach oben, und ein derangierter, grauhaariger Mann kippt aufs Pflaster.
„Emmett!“, ruft Olga und stürzt zu dem Alten.

Euler bremst ab und ordnet seine Arme. Mit flackerndem Blick schaut er auf die qualmende Motorhaube. Leise beginnt er, „Oxidation, Oxidation“ zu murmeln, während er geistesabwesend vor dem Auto auf und ab läuft.

„Der Feuerlöscher, Euler!“, befiehlt Olga und wedelt mit dem Arm in Richtung Labor. „Holen Sie den Feuerlöscher!“
„Oh … ah … Ammoniumdi … dihydrogenphosphat“, stammelt Euler, rauft sich die Haare und ergänzt vorsichtshalber nochmal: „Oxidation, Oxidation“. Wie immer in Stresssituationen bewegt er sich, anstatt einzugreifen, nur exakt parallel zum Unfallgeschehen, um physische und seelische Inzidenzen zu vermeiden.
„Euler!“, sagt Olga scharf und atmet tief durch. Inzwischen sitzt sie auf der Erde und tätschelt Emmett neues Leben ins Gesicht. „Euler! Sind Sie ein Mann oder eine Verhaltensstörung?! Was soll die Jaktation? Sie müssen löschen! Eine Antikatalyse muss her! Los!“

Euler versteht endlich, holt den Feuerlöscher und startet, „Inhibi! Inhibi! Inhibition!“ rufend, den Schaum. Der Qualm verebbt.

Gleichzeitig kommt Emmett zu sich. Er hustet, rollt mit den Augen, fixiert dann aber Olga mit festem Blick.
„Oh, Oxyto … Olga, meine Liebe.“
„Alles in Ordnung, Emmett? Was ist nur passiert?“
„Ich wollte …“ Vorsichtig richtet er sich auf. „Ich … Fluxkompensator. Zu Jong-Un.“
„Subjekt, Prädikat, Objekt, mein Lieber. Oder hast du deine Syntax in Sankt Moritz vergessen?“
Emmett lehnt sich mit dem Rücken gegen den DeLorean. „Ich wollte … den Fluxkompensator ausprobieren. Eine kleine Generalprobe. Wegen … Jong-Un. Damit er die Schaltsekunde … damit er sie überspringt und die Rotation … damit wir in der Zeit bleiben. Aber irgendwas …“ Er dreht sich um und blickt hinter sich in den Fahrerraum. „Himmelhergott. Da blinkt ja alles.“

Euler stellt den Löscher ab, beugt sich vor und schaut ins Cockpit des Wagens.
„Ölstand“, sagt er und beugt sich weiter hinein. „Und die kosmologische Konstante. Sie scheint .. nun ja … etwas metabolisch.“
„Blinkt die Lambda-Sonde?“
„Sie flackert.“
„Das ist kein gutes Zeichen.“
In dem Moment erlöschen die Lichter im Wagen. Ein vernehmliches Brummen ist zu hören. Dann ein Zischen. Ein kurzer Knack. Und Stille.

„Was war das?“, fragt Olga.
„Ich fürchte, meine Liebe, jetzt ist er endgültig im Eimer.“
„Wer?“
„Der Fluxkompensator. Und der DeLorean. Beides Schrott. Oder bin ich etwa im Juni 2015 in Nordkorea?“
„Du bist im März in der Richard-Strauss-Allee in Frankfurt am Main.“
„Eben. Wir sind geliefert, Olga.“ Er nimmt ihre Hand und schaut ihr tief in die Augen. „Aber wir haben immer noch uns.“
Euler zieht sich, peinlich berührt, hinter eine der Mülltonnen zurück.
„Was soll das heißen, Emmett?“, fragt Olga. Sie ist stocksauer. Warum müssen Kerle immer Alleingänge starten? „Guck bitte nochmal nach! Es gibt doch nichts, was man mit einer Rolle Panzertape nicht reparieren kann!“

Emmett lässt ihre Hand los und verschwindet im Wagen. Er hantiert, flucht und hantiert. Mehrmals hört Olga ein Piepen. Dann taucht Emmett wieder auf. „Mit Atomenergie würde es noch gehen.“
„Politisch unmöglich.“
„Tja. Dann brauchen wir wohl einen Plan B.“

Olga flucht.
Emmett nimmt erneut ihre Hand und küsst ihren Handrücken. „Hattest du“, er küsst ihre Fingerspitzen, „schon immer so streichelzarte Finger?“
„Nicht jetzt!“, faucht sie und zieht blitzschnell ihre Hand zurück. Hastig erhebt sie sich und streicht ihren Rock glatt. „Ich war davon ausgegangen, das unsere Idee wasserdicht ist.“
„In komplexen Systemen ist es unmöglich, Risiken völlig auszuschließen.“
„Lass das Geschwurbel, Emmett!“
„Das Leben wie auch die Liebe sind eben beides nichtlinear.“
„Sag mir lieber, wie wir Jong-Un nun die Sekunde unterjubeln.“

Euler tritt hinter der Mülltonne hervor. „Wie wäre es … also, nur als Idee … ich meine … Ihr Vater …“
Olgas Blick ist ein Laserschwert.
Emmett sagt: „Ich finde die Idee nicht schlecht.“
Olga wehrt ab: „Kommt nicht in Frage. Er ist ein alter Wirrkopf.“
„Hat er nicht diese Wer-was-wo-Maschine?“
„Die ist bestimmt kaputt.“
„Dann reparieren wir sie.“

Euler zückt seine ÖPNV-App. „Ich suche uns eine Busverbindung.“
„Kommt nicht in Frage!“, fährt Olga ihn an.
„Wir können“, sagt Euler, „um 13 Uhr 52 ab Stresemannallee fahren.“

Olga sieht hilfesuchend zu Emmett.
Doch der sagt: „Du musst eure Beziehung endlich aufarbeiten.“
Euler ergänzt: „Ich wollte ihn schon immer mal kennenlernen.“
„Olga“, sagt Emmett und küsst wieder ihre Hand. „Spring über deinen Schatten. Tu’s für die Weltzeit. Und für uns.“

Sie holt tief Luft. „Also gut.“
Emmett packt sie und drückt sie an sich. „Ein Ausflug aufs Land wird uns beiden gut tun.“
„Oh yeah!“ ruft Euler. „Auf zu Doktor Snuggles!“

#
Fortsetzung folgt.

Kommentare

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  1. Krieg mich nicht mehr ein…

    1. Frau Nessy sagt:

      Gern geschehen.

  2. Ponder sagt:

    Hurra, eine Fortsetzung!

    Oh nein, ein Cliffhanger!

    *schnauf*

    der Ponder

    1. Frau Nessy sagt:

      Ob Doctor Snuggles direkt die Lösung kennt? Noch ist alles offen.

    2. Frau Vorgarten sagt:

      Klar, Doc Snuggles hatte doch immer auf alles ne Lösung!
      Und nen hüpfenden Schirm.
      Hach, das ist soo lange her … muss mal in die Archive hinabsteigen …

    3. Frau Nessy sagt:

      Fräulein Reinlich! Mathilde Dosenfänger! Wilhelma Weinessig! Die Kosmokatze! Da geht einiges …

  3. Lisa sagt:

    Super, bitte mehr … bitte.

  4. Frau Vorgarten sagt:

    auch wenn das hier immer ein bisschen wie PM-Lesen ist.
    Ich erfreue mich an den Bildern, den Rest versteh ich nicht und nehm mir vor, das mal nachzuarbeiten und dann lenkt mich irgendwas nicht-physikalisches ab.
    Der Unterhaltungswert hier ist deutlich höher als dort.

    1. Frau Nessy sagt:

      Ob ich das alles verstehe, lasse ich mal offen.

  5. Cliff sagt:

    Frau Nessy, kennen Sie den Rotationshamster?

    http://marjorie-wiki.de/wiki/Erdrotationshamster

    Es gibt im Prinzip ja keine glaubwürdige Beziehungsgeschichte ohne Haustier.

    1. Frau Nessy sagt:

      Nun spoilern Sie doch nicht!

  6. Eva Maria sagt:

    Danke – herrlisch-meeehr!

  7. oldbearbone sagt:

    Superwitzig, bitte weiter schreiben!

  8. Marco sagt:

    Ich freu mich , weil meine Assoziation zu „Wer-Was-Wo-Maschine“ richtig war! :-D

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