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Die Anderen: Alkohol, Ausflüge und Astronautinnen

26. 11. 2014  •  13 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Die Anderen«

Leseempfehlungen:

Benjamin von Stuckrad-Barre darüber, keinen Alkohol (mehr) zu trinken:

Der Reiz der sich permanent wiederholenden, nur in Nuancen das bereits Gesagte variierenden Ausführungen erschließt sich dem Nüchternen nicht, sein Widerspruchsimpuls ist von naiver Ungeduld: Aber das wurde doch längst festgestellt, so weit waren wir doch schon! Ein typisches Betrunkenengespräch ist schließlich gebaut wie ein Meisterwerk der klassischen Musik, mit mal sich entfernenden, dann wieder annähernden Umkreisungen eines Grundthemas – der Nüchterne aber denkt, die Platte habe einen Sprung.

Man muss nicht Alkoholiker sein, um nichts zu trinken. Ich trinke öfter mal nichts; mir macht es nichts aus, an einem Abend die Fahrerin zu sein. Wenn ich Alkohol trinke, trinke ich mit Genuss. Egal ob Bier oder Wein, ich trinke dann, weil ich es mag, weil es mir schmeckt, nicht weil ich betrunken werden möchte. Ich verstehe diese Attitüde nicht, sich besaufen zu wollen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich nur schwierig wirklich betrunken werde. Ich vertrage gut und bin ein kontrollierter Mensch. Diese Kombination führt praktisch nie zu alkoholischen Ausschweifungen. Selbst das Kicherkicher-Alles-ist-so-lustig-Stadium erreiche ich erst nach fünf Cocktails, danach schmeckt mir der Alkohol nicht mehr, und es ist automatisch Schluss. Deshalb habe ich auch nie einen Kater. Das ist ausgesprochen praktisch.

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In die weite Welt hinaus: Schüler einer Berliner Schule haben geprobt, drei Wochen alleine zurecht zu kommen. Ganz alleine.

Wer wie sie in den Siebzigerjahren aufwuchs, kann rückblickend kaum fassen, wie er das überlebt hat. Fahrrad fuhr man ohne Helm, Autos hatten weder Gurte noch Airbags, Handy und GPS-Armbänder waren noch nicht erfunden und der Tagesablauf war nicht durch Yoga, Geige oder Hockey getaktet. Es war normal, dass Eltern nicht wussten, wo sich ihre Kinder herumtreiben.

Das Experiment, Kinder drei Wochen auf sich allein gestellt zu lassen, ist natürlich extrem. Ich habe mich aber letztens noch darüber unterhalten, wie wenig ich in meiner Kindheit unter der Beobachtung Erwachsener stand. Hatte es nicht geregnet, hat meine Mutter mich nach Mittagessen und Hausaufgaben auf die Straße geschickt. Waren grad keine anderen Kinder da, musste ich welche rausklingeln. Wir hatten spätestens ab der Grundschule einen Aktionsradius von sicher einem Kilometer in die eine und einem Kilometer in die andere Richtung, von „Kemper’s Hof“ bis zur Knochenbrecherbahn. Möglich, dass meine Mutter sich manchmal hinterm Baum versteckte und uns beobachtete – um sicher zu gehen. Aber wenn, dann habe ich das nie wahrgenommen. Mir wurde früh beigebracht, die Uhr zu lesen, und wenn die Zeiger gerade standen und der Kirchturm sechsmal schlug, war ich zu Hause.

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 Eine ernsthafte Abhandlung darüber, wie Astronautinnen im All menstruieren:

However, given the low-gravity environment of space, some scientists wondered about the possibility of „retrograde menstruation,“ the backward flow of menstrual blood up into the fallopian tubes.

Zugegeben, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich bin halt auch keine Astronautin, insofern ist es kein drängendes Problem. Die Quintessenz des Artikels ist, das kann ich an dieser Stelle vorwegnehmen: so wie auf der Erde auch. Interessant fand ich die Fakten über Östrogene und den weiblichen Zyklus und ihrer beider Einfluss auf Dekompressions-Übelkeit.

Kommentare

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  1. Tim Tepaße sagt:

    Worüber man noch weniger nachdenkt: In der Schwerelosigkeit schweben einem ja immer die Dinge weg, anstatt praktischerweise direkt nach unten zu fallen. Für Sally Ride wurden die Tamponbändchen extra verknotet, damit das nicht passiert. Merkwürdigerweise dies von einem Techniker, der Nachhilfe im Zählen brauchte.

    Die NASA publizierte übrigens neulich eine größere Studie zu den unterschiedlichen biomedizinischen Problemen der beiden Geschlechter im Journal of Women’s Health. Sogar ohne Paywall.

    1. Frau Nessy sagt:

      „Tampons were packed with their strings connecting them, like a strip of sausages, so they wouldn’t float away. Engineers asked Ride, “Is 100 the right number?” She would be in space for a week.“

      Haha!

      Was ich an den aktuellen Studien insgesamt gut finde, ist die Sachlichkeit. Frauen habe diese Stoffwechselvoraussetzungen, Männer jene, beides hat jeweils Vor- und Nachteile. Alles sehr unemotional.

    2. energist sagt:

      Warum sollte es auch anders sein. Die Leute sind Wissenschaftler und Techniker, die haben (gottseidank) ganz andere Sorgen und Prioritäten als Grundsatzdiskussionen :)

  2. kaltmamsell sagt:

    Komisch, den Artikel über die „auf sich allein gestellten“ Kinder habe ich damals mit Befremden gelesen: Mit dabei waren offiziell eine erwachsene Begleiterin, in diesem Fall zusätzlich der SZ-Fotograf und zwei SZ-Autorinnen. 4 Erwachsene zu 7 Kindern.
    Als ich ein Kind war, hätte man das ganz sicher nicht als „auf sich allein gestellt“ bezeichnet.
    (Das Konzept finde ich allerdings durchaus interessant.)

    1. Frau Nessy sagt:

      Ja, natürlich. Begleitung durch Journalisten = Anwesenheit von Erwachsenen. Mir geht’s hier eher um den Ansatz als das konkrete Projekt: Kinder auch mal alleine machen lassen.

    2. Ellie sagt:

      Ich fand den Artikel über die Kinder auch sehr interessant, aber habe mich auch gefragt, wieviel der Zeit wohl 2 Journalistinnen und der Fotograph dabei waren? Das mit der Aufsichtsperson erscheint mir bei dieser Art von Unternehmung schon rechtlich notwendig, aber wenn es dann tatsächlich 4 Erwachsene auf 7 Kinder waren, ist das doch etwas weg von der eigentlichen Idee.

  3. Davidoff sagt:

    Sind sie wirklich schon so alt, dass sie nostalgisch in „den guten alten Zeiten“ schwelgen müssen?

    Des Weiteren ist es schon sehr traurig, dass scheinbar schon in Ihrer Kindheit bemerkt wurde, dass sie eine äußerst unangenehme Gesellschaft sind und sie deshalb weggeschickt wurden (schön nah am Teich spielen!)

  4. Anikó sagt:

    Es soll Leute geben, die trinken keinen Alkohol, weil er ihnen einfach nicht schmeckt (mich *g*). Weder Wein, noch Bier, noch Cocktails. Und zum Glück kenne ich das von Herrn Stuckrad-Barre angesprochene Phänomen nicht, dass einen die Leute immer zu Alkohol überreden wollen. Meine Freunde wissen das und haben es von Anfang akzeptiert ohne große Nachfragen. Aber manchmal kann man sich die Leute, die einen umgeben ja nicht aussuchen …

    1. Frau Nessy sagt:

      … und manchmal gibt es Veranstaltungen, bei denen es nur ums Saufen geht. Die finde ich sehr seltsam.

    2. energist sagt:

      Ich trinke ich 90% der Fälle, in denen ich was trinke, genau ein 0,3er Bierchen. Weil’s schmeckt. Danach dann Limo, Wasser, Faßbrause, was gerade da ist.

      Aber ich kann nun auch nichts erkennen, das dagegen spräche, es ab und an mal „krachen zu lassen“. Schwierig wird es nur, wenn Leute ohne Stoff gar nicht mehr aus sich herauskommen und Spaß tatsächlich nur mit Alkohol im Blut hinkriegen. Dann ist der Schritt zu einem wirklichen Alkoholproblem nicht mehr weit.

      Der andere Punkt ist wohl, mit wem man trinkt. Auch in meinen wildesten Trunkenheitsgeschichten haben wir uns irgendwie immer zusammengehalten. Weder kann ich mich erinnern, jemals jemanden über die Maße beleidigt, noch betrunken irgendwas angestellt zu haben (von bei-rot-über-die-Ampel-gehen und Mitternachtsbaden im Freibad abgesehen). Auch befindet sich in meinem Bekanntenkreis niemand, der unter Alkohol zu Aggressivität neigt. Das scheint aber die Ausnahme zu sein, wie man bei jedem kleinen Fest in der Stadt wahrzunehmen gezwungen ist.

  5. Ich wurde mal als „Ökotussi“ beschimpft, weil ich kaum Alkohol trinke (Interessierte können auf meinem Blog nach „Neulich im IRC“ suchen).

    1. energist sagt:

      Dabei sind doch gerade die mannigfaltigen Darreichungsformen des Alkohols absolut „bio“!

    2. Ich ziehe es da vor, meine eigenen Gehirnzellen nicht zu killen – DAS ist bio.

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