Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Heitere Musikanten

5. 08. 2014  •  28 Kommentare

Mein Büro liegt in der Fußgängerzone neben der Dortmunder Thier Galerie, einer Shopping Mall. Viele Leute laufen dort entlang – Leute mit Tüten, entspannte Leute, Leute, die gerne Geld ausgeben – weshalb heitere Straßenmusikanten an dieser Stelle überdurchschnittlich gut verdienen.

Gegen Mittag beginnt immer die erste Schicht, meist macht die rumänische Folkloregruppe den Anfang: drei arhythmische Kinder, die ein Tamburin schlagen und sekündlich „Hey!“ rufen, während sie vom klagenden Gesang üppig gewandeter Erwachsener begleitet werden; ihr Vortrag erinnert unverkennbar an einen stimmbrüchigen Knabenchor, der in Reißzwecken getreten ist.

Die Folkloregruppe geht in aller Regel nahtlos in eine anatolische Oboen-Kombo über; manchmal bemerke ich den Wechsel kaum, so ähnlich sind die Gruppen sich – obwohl: Die Oboen sind deutlich vorwurfsvoller, sie erzählen in weinerlichem Singsang vom entbehrungsreichen Leben vereinsamter Ziegenhirten, von Mühsal und Mittellosigkeit und dem Unbill der Natur. Schon nach zehn Minuten bereiten sie den gleichen, den Schädel umklammernden Kopfschmerz wie der schneidige, kappadokische Wind, der durch das Tuffgestein von Göreme pfeift. Kann aber auch sein, dass ich nach dem Knabenchor schon etwas empfindlich bin. Mein Kollege reagiert auf die Oboen ausgesprochen sensibel, wirft krachend das Fenster zu und verharrt wahlweise embryonal auf seinem Drehstuhl oder verabschiedet sich, Verwünschungen schnaubend, in die vorgezogene Mittagspause.

Nach den Gruppen tritt oft ein altersloser Farbiger mit Klampfe an – vielleicht kennen Sie ihn: Er pendelt durch das ganze Ruhrgebiet, spielt mal in Essen, mal in Dortmund; er scheint einen beamtenhaften Stundenplan zu verfolgen, der sich an Schulferien, Markttagen und Schlussverkäufen orientiert. Er hat genau vier Lieder im Repertoire, darunter „La Bamba“, die er in Endlosschleife  und durch seinen Pidgin-haften Akzent derart verfremdet vorträgt, dass man schon nach dem ersten Refrain nicht mehr weiß, wie das Lied denn nochmal richtig geht. Dabei klingt er auf verblüffende Weise wie Kermit der Frosch, wenn er „It’s not easy being green“ singt.

Der vierte im Bunde ist der Schlangenbeschwörer – ein einzelner Mann mit seiner Sopranblockflöte, der mit dem Tatendrang eines im Morgengrauen geweckten Pubertanden Volksweisen vorträgt. Teilnahmslos bepustet er sein Instrument, rutscht zwischendrin aus, klammert sich an den nächsten Ton, pustet weiter und landet bei einem der folgenden Fehltritte unweigerlich in einem Medley aus „Ein Männlein steht im Walde“ und diffusem, selbst kompiniertem Liedgut, dessen Schöpfungshöhe kaum die Genialität vernehmlichen Ausatmens übersteigt.

An guten Tagen tritt danach – oder auch zwischendrin – als unangefochtener Höhepunkt die singende Säge auf, ein älterer Herr, der, auf einem Schemel sitzend, mit einem Violinbogen einen Fuchsschwanz beackert. Die Wirkung des Instruments entspricht ungefähr der des kappadokischen Windes – die Säge verfügt jedoch über einen deutlich höheren, auch visuellen Wirkungsgrad: Bereits während der ersten Streiche über das Sägeblatt erscheinen vor den Augen der Zuhörer mehrfarbige, Windows-98-artige Bildschirmschonereffekte.

Die Vorträge dauern jeweils dreißig Minuten; sie dürfen gar nicht länger dauern, andernfalls schreitet das Ordnungsamt ein. Es sind allerdings dreißig unterschiedlich lange Minuten; die halbe Stunde, in der die singende Säge spielt, dauert insgesamt rund so lang wie ein WM-Halbfinale – mit Verlängerung und Elfmeterschießen.

Passanten, die die Musikanten zum ersten Mal und jeweils nur für den Augenblick des Vorbeigehens hören, reagieren zu meinem Verdruss ausgesprochen freudig auf die Darbietungen. Die Münzen sitzen locker, das Geschäft ist auskömmlich. Diese Freigiebigkeit setzt bei den Musikanten einen Kreislauf in Gang: Sie spielen, durch die Zuwendungen in ihrem Tun bestätigt, nicht nur mit gesteigerter Inbrunst, sondern kehren über den Tag hinweg gerne noch einmal zur sprudelnden Geldquelle zurück.

Vierhundert Meter die Straße runter treten übrigens ausschließlich Pantomimen auf.

Das Wochenende in Bildern

4. 08. 2014  •  5 Kommentare

Ich habe eine neue Kamera: eine Panasonic Lumix LX-7. Deshalb nun: das Wochenende in Bildern. Mit dabei: Gartencontent. Den gab’s schließlich seit mindestens einer Woche nicht mehr.

Thorstomaten unter Markise

Thorstomaten unter Markise

 

Rotweinkuchen - gutwetterverziert

Dazu: Rotweinkuchen (nur echt mit Sommerdeko)

 

Sonnenblume

Neu im Garten: Sonnenblume im Wildblumenfeld

 

Kürbisbaby

Daneben: das erste überlebende Kürbisbaby 

 

Zucchini, erlegt

Zucchini, erlegt

 

Lavendel mit Biene

Lavendel mit Biene

 

Der Tisch nach dem Grillen

Neben dem Lavendel: die Grilltafel. Mit Zeugs aus dem Garten.

 

Malve im Regen

Nach dem Essen: Regen

 



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