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Animalische Anstrengung

13. 08. 2014  •  20 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Turnen«

Die Freistilstaffel wirft eine zweite Frage auf (hier die erste):

„Was richtig Kraft und Anstrengung erfordert, ist nicht clean, sondern immer etwas animalisch, schwitzig und kompetitiv und sei es nur mit mir selbst. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so viele Frauen mögen – richtig reinhauen, die eigene Kraft spüren und eher wild und ekstatisch als anmutig und gemäßigt sind.“

Zunächst zur Anstrengung: Ich kenne ebenso viele Männer wie Frauen, die sich nicht quälen können oder wollen. Das ist geschlechterunabhängig. Sie hören genau dann auf, wenn es beginnt, anstrengend zu werden, wenn die ersten Schmerzen kommen. Wenn aber nun der Eindruck entsteht, es gebe mehr Frauen, die nicht richtig reinhauen: Vielleicht machen Männer, die sich nicht anstrengen wollen, gar nicht erst Sport, während Frauen, die ebensowenig Lust darauf haben, es dennoch tun – weshalb der Beobachter meint, ambitionslose Frauen seien im Geschlechtervergleich in der Mehrheit.

Kommen wir aber zum Punkt „animalisch, schwitzig und kompetitiv.“ Ich möchte dazu zwei Sichtweisen präsentieren – Achtung, jetzt kommt das böse F-Wort: eine doll feministische und eine neutrale, oder, naja, nur ein ganz kleines bisschen weiblich geprägte. Nennen wir sie der Einfachheit halber die Naja-Theorie.

Der doll feministische Ansatz:

Mädchen wird von klein an signalisiert, dass sie erfreulicher sind, wenn sie sich zurücknehmen, wenn sie nicht zu ungestüm sind, wenn sie ihren Körper unter Kontrolle halten. Denn die Ideale des weiblichen Körpers sind Schönheit, Anmut, Grazie. Lob bekommen diejenigen Mädchen, die grazil, langhaarig und langgliedrig sind – nicht jene temperamentvollen von bäuerlichem Körperbau. Mädchen, die zupacken und über Zäune klettern, die raufen, schreien und rennen, sind als Kind noch süß, „eine kleine Susi Sausewind“, später „ein Wildfang“, im Teenageralter fällt irgendwann unweigerlich das Wort „burschikos“.

Für eine heranwachsende Frau, die gerade ihre Weiblichkeit entdeckt, die ihre Rolle sucht, die sich vom Männlichen abgrenzen möchte, um ihre Identität zu finden – für sie stellt das Wort „burschikos“ eine unglaubliche Verletzung dar, zumal es keine pubertäre Überempfindlichkeit ist, wenn ein Mädchen den besorgten, oft aber schlicht missbilligenden Tonfall ihrer Tanten und Onkel heraushört, der diese Einschätzung begleitet. Natürlich-burschikose Mädchen bemühen sich deshalb spätestens in ihrer Jugendzeit, ihr Verhalten abzustellen und durch ein gekünstelt-elegantes zu ersetzen; denn Zurückhaltung garantiert Zuspruch und Bestätigung. Schließlich möchten auch Jungs keine wie ihresgleichen, keine, die sich mit ihnen prügelt und sie beim Fußballspielen vorführt.

Falls es gerade in Ihnen brodelt, Sie seit zwei Absätzen schon widersprechen und rufen möchten: „Aber bei mir nicht! Das sind doch alles überkommene Stereotype!“ Glauben Sie mir: Alle, die Sie das hier lesen, die wir Geschlechterrollen in Blogs und auf Twitter diskutieren, die ihre Mädchen jungenhaft und ihre Jungs mädchenhaft sein lassen – wir sind eine zuckersüße Filterblase. Ich war eines dieser burschikosen Mädchen und habe das so erlebt; und wenn ich die burschikosen Mädchen von heute beobachte, höre ich die gleichen Reaktionen.

Aber naja:

Animalisch stöhnend in einem Fitnessgerät zu hängen, während man sich lachhaft übernimmt, ist schlicht und ergreifend unfassbar albern. Das finden nicht nur Frauen, das erkennt jeder Mensch, der nicht dutzedoof ist. Die einzigen, die das nicht peilen, sind die krassen Checker mit dem herb kleinen Erbsenhirn. Die peilen allerdings auch noch zig andere Sachen nicht.

Einschränkend muss ich sagen (und deshalb naja): Ich habe noch keine Frau getroffen, die im Fitnessstudio Tonnen von Gewichten auflegt, mit großem Zauber das Gerät besteigt, dann mühselig zwischen Sitz und Hebel hängt und auf diese Weise dem örtlichen Orthopäden zu einer auskömmlichen Existenz verhilft. Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht, weil Frauen, auch wenn ihnen gerne Hysterie und irrationale Gefühlsgetriebenheit nachgesagt wird, bisweilen doch eher die Sachebene sehen. Gerade da, wo Männer sie verlieren: im Wettbewerb. Ich habe in Mannschaftssportarten zum Beispiel noch nie sich (ernsthaft!) prügelnde Spielerinnen erlebt – hingegen aber unzählige Männer, bei denen jegliche rationale Urteilskraft sich selbst und dem Schiedsrichter gegenüber abhanden gekommen ist. Ergebnis: absurdes Handgemenge, rote Karten, dicke Nasen, Spielsperren bis dorthinaus. Ebenso im Beruf: Bei Wettbewerb um des Wettbewerbs willen und Machtdünkel ohne Zielorientierung verabschieden Frauen sich gerne. Warum wild rumschnaufen, wenn die Übung, langsam und konzentriert ausgeführt, deutlich zielgerichteter und ihr Ergebnis besser ist? Na eben.

Weiter geht’s nochmal mit dem doll feministischen Ansatz,

denn: Sport und Bewegung erschaffen Körper. Sie bilden Muskeln, und Muskeln sind an Frauen nur so lange schön, wie sie nicht zu sehen sind, wie sie das Vorhandene nur formen und keine Masse hinzufügen. Frauen, die kompakt gebaut sind, müssen ungeachtet ihrer sportlichen Leistungen oft und unreflektiert Kritik einstecken, werden als massiv, als Wuchtbrumme und Amazone bezeichnet. Dabei kenne ich hochklassig spielende, wenngleich gedrungene, muskulöse Handballerinnen, die im Kraft-Ausdauer-Bereich ihre Kritiker in die Tasche stecken, während manch zierliches Mädchen die Körperspannung eines Trockentuchs aufweist und nicht einmal in der Lage ist, einen längeren Sprint zum Bus anzuziehen. Sie dürfen aber mal raten, wer den größeren Zuspruch, das meiste Lob für seinen Körper bekommt. Hübsch ist gleichbedeutend mit zart; die Anziehungskraft des Weiblichen liegt in Liebreiz und Bedürftigkeit, in Weichheit und Biegsamkeit, nicht in Härte, Kraft und Vehemenz. Denn Kraft und Vehemenz sind die kleinen Verwandten von Gewalt; Gewalt macht Angst, ist Bedrohung; sie ist dem Männlichen vorbehalten. Das heterosexuell Geschlechtliche sucht aber den Gegenpol, nicht die Gleichheit.

Gut gemeinte Aufmunterung wie „Du bist gut so, wie du bist“ und „Lass dich nicht beeinflussen“ und sogar das Wissen, dass der eigene Körper stark und leistungsfähig ist, sind zwar wahrhaftig, ändern aber nichts an erfahrener Ablehnung. Wer gespürt hat, dass nicht Kraft, sondern Schwäche und Grazilität gefragt ist, wer diese Grazilität aber nicht hat oder nicht meint zu haben, der müht sich zum Sport und trainiert dort eben nicht „wild und ekstatisch“, sondern entsprechend moderat – zwecks Verlust von Körpermasse und nicht für deren Aufbau.

Aber naja:

Ich selbst habe immer Sport getrieben, habe mehr als 25 Jahre lang Handball gespielt: ein kompetitiver, harter Sport mit viel Training. Ich habe in Trainingslagern geschwitzt, es war in jeglicher Hinsicht animalisch und körperlich; wir rannten und stießen, schrien und rangelten, feuerten uns an, sonderten dabei das Odeur einer Büffelherde ab – duschten und begannen von vorne. Ich habe diese Sache mit der Grazilität und ihrem Fehlen irgendwann überwunden und bin damit nicht die einzige. Wer dann jahrelang so trainiert hat, der klotzt auch im Fitnesstudio ran. Der hat ein Bewusstsein dafür, was sein Körper trotz oder gerade wegen seiner Bäuerlichkeit leisten kann und schert sich nicht darum, wie andere ihn dabei wahrnehmen. Hartes Training tut meinem Körper gut; er will das und hat es so gelernt; ich weiß zu schätzen, was er kann.

Allerdings – naja: Bewundernde Blicke oder gar einen Flirt mit den trainierenden Herren bekommt man dadurch nicht. Es verschreckt doch eher; und anmutig bin ich halt auch nie geworden. Das muss man aushalten können; dafür muss man sich lieben, sich seiner sicher sein. Aber geht es Männern anders, die keinen Men’s-Health-Coverboy-Body haben? Wer nicht das Selbstbewusstsein, nicht das Selbstbild und das Vertrauen erfahren hat, sich öffentlich gehen lassen, so richtig zu leiden und auch danach auszusehen, ohne sich zu fragen, was andere nun grad denken, der nimmt sich eben zurück. Egal ob Mann oder Frau.

Im Übrigen:

Möglicherweise sind die Unangestrengten auch einfach die Schlaueren.

Kommentare

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  1. Chris sagt:

    So gerne ich jetzt widersprechen würde – ich kann es nicht. Wenn ich das nicht mache (und ich tue es nicht, obwohl manchmal ein wenig bremsen notwendig ist), dann tun es Grosseltern. Was bleibt ist den Kindern das Selbstvertrauen zu geben, das sie entscheiden was richtig ist und nicht andere Leute, die die Nase rümpfen. Dann ist schon eine ganze Menge gewonnen. Und natürlich Rückendeckung geben. Aber das versteht sich eigentlich von selber.

    1. Frau Nessy sagt:

      Es ist schon so, dass an den Körper von Mädchen und Frauen hohe Erwartungen gestellt werden – und auch ihr Verhalten. Was ich aber nicht beurteilen kann, ob das nicht bei Jungs und Männern mittlerweile genauso ist – oder sie zumindest einen ähnlichen Druck verspüren. Jungs, die nicht jungenhaft genug sind, die eher zurückhaltend sind, Streit aus dem Weg gehen anstatt zu raufen, die klein und dünn sind, haben es sicher auch nicht leicht. Aber das müssen die Männer hier beantworten.

  2. dorothy_jane sagt:

    hach. so viele wahre und gute gedanken. und dann auch noch gut geschrieben. <3

    einiges, vieles habe ich selbst erlebt, diese kommentare der besorgten onkels, tanten, kusinen und des ganzen rests während der pubertät – alles nicht geeignet, um ein gesundes körperbild aufzubauen. (und diese erfahrung ist trotz unserer beider unterschiedlicher figuren doch frappierend ähnlich.)
    dabei nicht zu vergessen, die sportlehrer/innen, die höchstleistungen erwarten, weil man halt (scheinbar) irgendwie sportlich aussieht (bitte – kann mir das mal wer definieren?), aber man ist halt einfach eine null in den "klassischen" schulsportarten. ich konnte noch nie schnell laufen, hoch springen oder gar weit werfen. überhaupt schulsport – noch so ein kapitel für sich.

    mir wurde dadurch jedenfalls sport und jegliche körperliche betätigung auf jahre hinaus verleidet. hinzu kommt, dass man so natürlich kein positives selbstbild bzw. verhältnis zum eigenen körper entwickeln kann, weil man es gar nicht erst versucht, weil man ja ca. 10-13 jahre seines lebens gehört hat, man könne das nicht. selbstverständlich gehe ich dann nicht ins fitness-studio, oder falls doch, werde ich mich nicht verausgaben ohne mich nicht doch irgendwie dabei unter kontrolle zu haben.

    die kaltmamsell hat irgendwo (ich finde gerade den eintrag nicht, ist aber noch nicht soo lange her) in ihrem schlauen und wunderbaren blog, das genauso voller guter gedanken ist wie hier, einen beitrag dazu geschrieben, wie ihr körperbild entstanden ist und dass sie eben ins fitnessstudio geht, um zu merken bzw. zu genießen, wie stark ihr körper ist und was dieser eigentlich leisten kann. daran musste ich gerade bei dem eintrag sehr stark denken.

    schlussendlich dauert es ewig und drei tage bis man nach diesen erfahrungen wieder bzw. überhaupt erst einmal zu einem selbstsicheren körper- bzw. ich-gefühl findet. glücklich diejenigen, die das schon geschafft haben.

    1. Frau Nessy sagt:

      (Den Beitrag der Kaltmamsell habe ich auch gesucht und auch leider nicht mehr wiedergefunden.)

      Schulsport war absolut gruselig. Obwohl ich eigentlich sportlich bin – mal abgesehen vom Turnen, dafür hat mein Körper einfach die falschen Proportionen, einen schlechten Schwerpunkt und damit einen ungeeigneten Drehmoment. Aber alles andere kann ich: laufen, springen, schwimmen, Sachen mit dem Ball. Nur: Es war ein Spießrutenlauf. Die Schwierigkeiten in der Pubertät habe ich ja oben beschrieben; ein Großteil der Schulzeit fällt in diese Phase, weshalb die Sportstunden einfach fürchterlich waren.

      Abgesehen davon wurden die Mädchen und Jungs zwischendurch getrennt. Die Jungs durften Basketball und Fußball spielen, ich musste mich grazil drehen, Tücher in die Luft werfen und auf Schwebebalken rumlaufen. Ich! Schwebebalken! Das ist ein solch lächerlicher Gedanke. Aber was will man machen.

    2. dorothy_jane sagt:

      uff.

      ich denke da mit gruseln an die unterschiedlichen gymnastik-„küren“, die wir zu gestalten hatten: band (immer verdreht und verheddert), ball (immer verloren), schwebebalken (festklammern statt schweben).

      unsere lehrerin, die ich über 6 jahre (von 9) erleben durfte, war so ein kleiner kampfzwerg mit „atombusen“, wie es meine mama mal etwas despektierlich formuliert hat: immer in jogginganzug aus ballonseide, lautes organ, im winter die küren, im sommer leichtathletik bei 40° im schatten und immer, aber auch wirklich immer, hatte die gute frau ausreden, warum sie die übungen, die sie uns abverlangte, nicht selbst demonstrieren konnte.

      da öffnen sich gerade ganze erinnerungsschleusen. auch an die mädchenumkleide und diversewolken von vanilla kisses, die einem entgegen wehten…brrrr.

    3. Frau Nessy sagt:

      Jaaa – Vanille. Meine Güte, was war das schlimm. Direkt auf den Schweiß gesprüht.

      Ich bin absolut für Noten in der Schule. Aber im Sportunterricht halte ich sie für überflüssig. Was will man da benoten? Jede/r bringt andere körperliche Voraussetzungen mit, die man auch nicht ändern kann. Wie soll denn ein 1,55 m kleines Mädel je „sehr gut“ im Weitsprung oder Hochsprung werden? Natürlich: Man kann das Bemühen benoten, aber das ist doch alles Quark.

      Würde Sportunterricht als die Möglichkeit betrachtet, verschiedene Sportarten zu erkunden, hätte ich vielleicht sogar Freude am Bodenturnen gehabt – wenngleich auch mit demselben mangelnden Erfolg. Aber darum geht’s ja dann eben nicht.

  3. Glücklicherweise war ich schon deutlich hinter der Pubertät, als ich das erste mal das Prädikat „burschikos“ bekam, und dank des Absenders hatte es was von einem Lob.
    Der Absender war nämlich der erste Schwule, den ich kennen lernte.

    vielleicht war ich ja trotz der ganzen Rennerei in der Kindheit zu schüchtern, um mit einem Grazilitätsmangel* aufzufallen.
    (* falls es das Wort gibt…)

    1. Frau Nessy sagt:

      Mittlerweile nehme ich es auch nicht mehr persönlich. Im Gegenteil halte ich es für ein Kompliment, wenn jemand von „burschikos“, „Kumpel“ und „zum Pferde stehlen“ spricht. Denn letztendlich sind das sehr gute Eigenschaften.

  4. Karo sagt:

    Ich kriege alle meine Gedanken gar nicht zusammen… „Burschikos“ ist, wie Sie herleiten, nichts, was Mädchen/Frauen sein sollen. „Wie ein Mädchen“ ist aber auch furchtbar negativ besetzt*, gerade im Sportbereich. Ist es nicht verrückt? (Und ich finde, dass dieser Widerspruch Ihre Thesen durchaus unterstützt.)

    *Veranschaulicht auch in diesem Video – https://www.youtube.com/watch?v=XjJQBjWYDTs – zwar von einem namhaften Bindenhersteller und sehr amerikanisch, aber dennoch eine recht gelungene Aktion der CSR-Abteilung. Ich war der Meinung, das auch hier im Café schon gesehen zu haben, aber habe es in der jüngeren Geschichte nicht gefunden.

    1. Frau Nessy sagt:

      Nee, das Video kenne ich noch nicht. Sehr treffend, ja. Der Widerspruch zeigt sich ja auch im Gefühl, es nicht recht machen zu können.

  5. kaltmamsell sagt:

    Es gibt schon eine kleine Szene von Freizeitsportlerinnen, die Spaß daran haben schwere Sachen zu heben – Twitterin @midoridu postet immer wieder Links dazu.
    Dazu gehörte aber auch „15 Things Girls Who Lift Are Tired Of Hearing“.
    http://www.buzzfeed.com/hannahbass/do-you-even-lift-bro

    Meine Langhanteltrainerin erzählte von einer Teilnehmerin an ihrer Stunde, die nur bei genau einer Übung mitmachte. Erklärung auf Nachfrage: Sie wolle lediglich die Innenseiten ihrer Oberschenkel festigen und ansonsten um Gottes Willen keine Muskeln bekommen.

    (Vor Verlegenheit hätte ich mich fast nicht kommentieren getraut. Ich glaube, einen dezidierten Text habe ich dazu nie gebloggt, das Thema taucht bei mir immer wieder im Zusammenhang auf.)

    Starksein fühlt sich großartig an – und gerade bei kräftiger Statur (daher der Name) ungemein harmonisch, da stimme ich Frau Nessy von Herzen zu.

    1. Frau Nessy sagt:

      Großartiger Link.

      Es ist ja auch so: Als hobbysportelnde Frau sichtbare Muskelpakete zu bekommen – am Ende noch irgendwas, das männlich aussieht – ist für jemanden, der auch noch einem Beruf nachgeht und zudem gerne mal Kohlenhydrate mampft, eigentlich nicht erreichbar. Das müssen schon Zauber-Gene sein, die da am Werk sein.

    2. ms. hü sagt:

      zum thema „sichtbare muskelpakete“ muss ich als ehemals kohlenhydrate-kiloweise-kauende-kautschkartoffel in teilen widersprechen. frau kann durchaus sichtbar zu muckis kommen (wenn auch nicht maskulin, das stimmt definitiv), auch mit beruf „nebendran“. ich hab’s probiert und bei mir funktioniert das.
      goldene gene sind es bei mir sicher nicht: meine eltern sind beide klein und … nun, eher rundlich. „sport ist mord“ hätte mein vater geprägt haben können.
      ich habe erst mit >30 überhaupt mit freiwilliger bewegung angefangen und habe nun heute mit knapp 40 die beste und athletischste figur, die ich persönlich je hatte. mit muckis, auf die ich ganz undamenhaft pupstolz bin :D
      wahr ist allerdings auch, dass ich auch die kohlenhydrate deutlich zurückgeschraubt habe. aber das kam ziemlich von alleine, denn nach dem sport will ich lieber ein rind vom grill als süßes.

  6. Nihilistin sagt:

    Danke, Frau Nessy, für Ihre Ausführungen zum Thema „burschikos“. Hab ich alles genau so erlebt.
    Ich find Ihre „doll feministischen“ Begründungen auch gar nicht doll feministisch, sondern aus eigenem Erleben bzw. Beobachten absolut stimmig.

    Hätten Sie nicht Lust, das Thema „Sport und Geschlecht“ weiter auszubauen? Vielleicht als Habilitation? Ich denke, da ist noch viel zu wenig erforscht und niedergeschrieben. Und ich bin überzeugt, daß Tausende Frauen dankbar wären, wenn ihre „Bauchgefühle“ mit harten Fakten untermauert werden würden. Und Sportvereine, Sportstudios und männerdominierte Denkweisen hätten die Chance, mal einige Sachen (bzw. Denken) zu verändern

    1. Frau Nessy sagt:

      Habilitation – muhaaaaa. Niemals.
      Ist auch gar nicht mein Fachgebiet.

  7. mom sagt:

    Das Ganze hat nach alter Väter (HA!) Sitte ja noch eine sozioökonomische Dimension. Ein Bauer brauchte eine Bäuerin, die ranklotzen konnte, sonst konnte die Arbeit am Hof nicht ordentlich erledigt werden, und auf ihr ruhte die gesamte Existenz der Familie. Die Bäuerin musste auch noch fit genug sein für diverse Schwangerschaften, damit möglichst wenig Arbeitskraft dazugekauft werden musste. Krankheit und körperliche Schwäche war in diesen (also den meisten) Schichten einfach nicht drin und eine große Tragik.
    In wohlhabenderen Schichten konnte auf die Arbeitskraft der Frau verzichtet werden, da hatten dann auch die blassen, ätherischen Sylphen eine Existenzberechtigung, nämlich als Hinweis darauf, dass ihr Vater oder Mann sie gut versorgen konnte, ohne auf ihre Arbeit angewiesen zu sein.
    Erfahrungsgemäß ändern sich Mentalitäten ja relativ langsam, und ich könnte mir vorstellen, dass diese Idee („ätherisch schlank statt muskulös = Wohlstand“) immer noch irgendwo in den Köpfen herumspukt.

  8. obadoba sagt:

    Im Moment ist ja grad die Leichtathlethik-EM in Zürich. Dort kann man alle möglichen weiblichen Körperformen sehen und sie haben alle eines gemeinsam: sie sind stark! Auch die ätherisch schlanken Frauen (Stabhochsprung anyone?).

    Meiner Erfahrung nach ist der wichtigste Faktor, der Mädchen stark macht, die Umgebung. Eltern, die hinter dem Sport stehen, Freunde die mitmachen. Positives Feedback bevor die Welt einem Negatives in Gesicht spuckt. Dann ist die Chance darauf, diesen Körper, den man mitbekommen hat, auch zu mögen, deutlich größer. Und Kritik daran prallt auch eher ab.

    Verletzt wird man in der Pubertät natürlich trotzdem, aber ich habe im Nachhinein das Gefühl, dass mich die ‚Wuchtbrumme‘ nicht lang beschäftigte. Dafür habe ich heute noch beste Erinnerungen an Wettkämpfe und (gelegentliche) Siege.

  9. gretl sagt:

    Prima Beitrag, der mich an den Kommentar eines Kollegen erinnert – und damit fuer mich auch die Frage aufwirft, wie „burschikos“ und „Pferde stehlen“ in anderen Sprachraeumen ausgedrueckt wird. Seit etlichen Jahren in einem internationalen IT-Unternehmen in England taetig, fand ich mich am Ende einer internen Konferenz im Gespraech mit einem Kollegen, der mir irgendwann gestand, wie klasse er meinen „rock and roll style“ fand.

    Ich wusste damit zunaechst nicht viel anzufangen. Als ich mich dann allerdings im Raum umsah, fielen mir meine – wie im Beitrag beschriebenen – Kolleginnen auf, denen es sichtlich schwerzufallen fiel, nicht aus ihrer Rolle der grazilen, zurueckhaltenden Frauchen zu fallen. Das aenderte sich spaetestens nach dem 3. Glas Alkohol, welches bestimmte Vertreter des stereotypischen Englaenders ja gerne so schnell wie moeglich runterkippen, und die Damen waren aus einem Extremverhalten ins andere gefallen.

    Ich hatten den Abend ueber richtig Spass gehabt, ohne die Sorge, einer Rolle entsprechen zu muessen. Und beschloss, den „rock and roll style“ Kommentar als Kompliment aufzufassen :)

  10. kunstecht sagt:

    Also ich kann mich bei körperlichen Tätigkeiten auch reinhängen *schulterklopf*. Wir haben uns ein Schwimmbad in den Garten gebaut (Durchmesser 4,20 m, Tiefe 1,40 m) und da man“n“ will ja den Rasen nicht mit einem Minibagger ruinieren so wurde mit der Schippe eigenhändig ausgehoben. … ich hab nicht gewußt dass man in den Fingern Muskelkater haben kann!
    Und in Bezug auf sportliche Aktivität – eigentlich soll Sport ja Spaß machen. Aber da versteht mein Mann kein Spaß. Ich hab vor einigen Jahren mal ein Doppel im Tennis mit ihm gespielt: Wir hatten noch nie so einen Ehekrach…

  11. simon sagt:

    > Aber das müssen die Männer hier beantworten.

    Das ist schon 10 Tage her, aber eine Antwort wert.

    Meine Erfahrung (ich war mal so ein Junge) ist genau das: Tanten reden über einen, als wäre man ein Witz, Onkel ermuntern einen immer wieder zu körperlich unmöglichem. Opa sagt, Jungen weinen nicht (warum lügt er?). Völlig fremde kommentieren auf der Straße körperliche Unzulänglichkeiten. Und fangen wir nicht davon an, was passiert, wenn man mit dem falschen Spielzeug gesehen wird. Es ist ein psychologischer Bürgerkrieg.

    Und obwohl das zumindest vor 15 Jahren für Jungs bei weitem nicht so ausgeprägt in den Medien war wie für Mädchen (keine Zeitschriften mit hilfreichen Verhaltens- und Aussehens-Tipps o.ä.): Die Typen, die sich im Fitti dauernd übernehmen sind das direkte und deutlich sichtbare Produkt davon.

    Wenn man älter wird, hört das übrigens auch nicht auf. Es gibt genauso widerliche, armselige Frauen, die der Meinung sind, ein gut gemeinter Kommentar am Rande würde jeden Mann zum Adonis machen, wenn er nur wolle. Sie rufen es einem nur nicht auf der Straße zu — sie trauen es sich oft erst nach ein, zwei Gläsern Wein.

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