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Ferienflieger über Gartensalbei

23. 07. 2014  •  11 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Anrainer«

Ich lebe in einer Einflugschneise.

Ferienflieger im Gegenlicht

Schon bevor ich diese zauberhafte Wohnung mit Garten und Balkon erwarb, bevor ich hier einzog und Rotkohl und Mangold und Thorstis pflanzte, lebte ich in einer Einflugschneise. Es ist schwierig, in Dortmund nicht in oder am Rande einer Einflugschneise zu wohnen, zumindest nicht, wenn man in einigermaßen netten Stadtteilen leben möchte.

Mir macht es nichts aus, Dortmund ist ja kein Großflughafen. Es gibt Tage, an denen fliegen nur drei oder vier Maschinen übers Haus, von denen ich etwas mitkriege. An anderen sind es ein paar mehr. Ich schaue in den Himmel, betrachte den Flieger und überlege mir, woher er wohl gerade kommt, was für Menschen darin sitzen und ob sie froh sind, wieder zu Hause zu sein, oder eher nicht. Manchmal gucke ich ins Flightradar, oft aber höre ich die Maschinen kaum, vor allem nicht, wenn ich alleine bin und etwas arbeite.

Trotzdem frage ich mich, ob wir so viele Flughäfen brauchen. Denn Dortmunds Flughafen ist defizitär – und mal ehrlich: Es gibt wirklich genug Alternativen rundherum. Düsseldorf, Köln/Bonn, Münster/Osnabrück, Paderborn/Lippstadt – für Urlauber und andere Flüchtende sollte es kein Problem sein, von hier fort zu kommen. Alle umliegenden Flughäfen sind nur zwischen 70 und 130 Kilometer entfernt, und auch wenn man nicht in Dortmund wohnt, sondern in Hagen oder Arnsberg oder Castrop-Rauxel sieht es mit der Strecke, die man zum nächsten Flieger zurücklegen muss, nicht anders aus. Was Frachten angeht, kann ich den Bedarf schlecht beurteilen, aber er scheint mir immerhin genauso fragwürdig.

Ich selbst bin in den vergangenen zehn Jahren nur einmal vom Dortmunder Flughafen aus geflogen: eine eintägige Geschäftsreise nach München. Zu allen anderen Zielen bin ich aus Köln oder Düsseldorf gestartet. Da frage ich mich schon, was das soll und ob so ein Flughafen nicht auch ein Prestigeobjekt ist, etwas, das man haben muss, um Bändchen durchzuschneiden und Sektchen zu trinken, um zu sagen: „Wir tun etwas, um attraktiv zu sein!“ – für Menschen und für Firmen, auch wenn diese ihn gar nicht brauchen und ohnehin niemals ins Ruhrgebiet kommen würden, sondern sich lieber direkt in Düsseldorf ansiedeln, weil es dort auch den Rhein gibt und weil alle meinen, es sei dort nicht so asi und schmuddelig wie in Dortmund. Dabei ist es in Düsseldorf mindestens genauso uselig wie in Dortmund, wenn man mal aus der hübschen, alkoholseeligen Altstadt rausfährt – wenn nicht gar noch schäbbiger (ich habe fünf Jahre in Düsseldorf gewohnt und kann das beurteilen). Aber das ist eine andere Geschichte.

Wo war ich stehen geblieben? Mir soll es wurscht sein. Sollen sie starten und landen, wie sie mögen. Ich stelle mir jedenfalls vor, wie die Menschen im Flieger sich freuen – einige, weil weil sie heim kommen, und einige, weil sie fort fliegen.

 

 

Kommentare

11 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. und alle freuen sich, dass sie nicht abgeschossen wurden…

    1. Frau Nessy sagt:

      Äh, ja. Oder abstürzen und verschollen sind.

  2. chillingmind sagt:

    tja,
    an dem Sinn oder Unsinn, dem Bändchen durchschneiden und Sektchen schlürfen ist wahrlich etwas dran.
    Ich wohne bei Kassel. Hier wurde DIE Fehlinvestition (nach BER versteht sich) schlichthin getätigt.
    Ein Flughafen für dessen Angestellte – denn sonst interessiert sich niemand dafür. Weder Fluggäste noch Airlines, er herrscht gähnende Leere.
    Kein Wunder, sind doch im Umkreis von 100km mehrere etablierte Flughäfen in Betrieb.

    1. Frau Nessy sagt:

      Über diesen zauberhaften Flughafen habe ich mal eine Doku gesehen. Fast noch schöner als in Berlin.

  3. Werner sagt:

    Ich bin kürzlich von einer Abflugroute weggezogen. Wie gut das tut!

    1. Frau Nessy sagt:

      Glaube ich gern. Aber wie gesagt: Ich finde es nicht störend, sonst hätte ich die Wohnung nicht gewählt.

    2. Werner sagt:

      Das ist alles eine Frage der Menge. Bei mir war’s die Startbahn West in Frankfurt. Kann man nicht beschreiben.

    3. Frau Nessy sagt:

      Oh. Äh, ja. Das ist dann nochmal ganz was anderes.

      Ich mache mir jetzt keine Illusionen: Der Flugverkehr wird eher zu- als abnehmen. Dass Dortmund allerdings ein neues Frankfurt wird, ist so ziemlich ausgeschlossen.

  4. Susanne Weidner sagt:

    ha, in einer Dortmunder Einflugschneise wohnte ich auch mal. Ich fand damals den Betrieb ganz schön viel zu noch früher.
    Und ich bin auch immer froh, wieder gelandet zu sein.
    Und schönen Gruß nach Doartmund, wo es gar nicht uselig ist (kürzlich fragte mich hier – Mannheim, bekannt für sein astreines Hochdeutsch ;-) – jemand, was denn uselig heißen würde und ich überlegte noch eine ganze Weile, aus welcher der Ecken, in denen ich schon gelebt habe, das Wort denn kam. Danke, dass ich es jetzt wieder weiß.
    LG, Susanne

  5. Staatsdiener sagt:

    Das sind sicherlich richtige Gedanken. Diese Regionalflughäfen sind nice-to-have, aber mit Sicherheit allesamt volkswirtschaftlicher Unsinn. Außer Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München, kann man alle schließen – oder zumindest sich selbst überlassen (was die Schließung zu Folge hätte).

    Selbst Düsseldorf könnte seine Passagiere an den per Bahn nur 1h entfernten Flughafen Frankfurt abgeben.

    Wie viele lärm- und gestankgeplagte Menschen würde das entlasten?
    Aber wie viele würden ihren Job verlieren? Es sind halt Jobs, die keiner braucht. Ähnlich wie die zahlreichen Finanzbeamten und Steuerberater, die bei einer Steuerreform à la Kirchhoff wegfallen würden. Oder die Bürokraten, die man bald für die Pkw-Maut benötigt…

    Naja, in unserem System werden Menschen, die ersetzbar sind, sowieso irgendwann in Hartz IV landen…

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