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Mein 11. September

11. 09. 2013  •  26 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Broterwerb«

Ich kam aus einer Besprechung, und im Büro des Chefs lief der Fernseher. Zwei Hochhaustürme, Rauch. „Es sind zwei Flugzeuge ins World Trade Center geflogen.“ So viel war zu dem Zeitpunkt schon klar.

Ich arbeitete als feste Freie für den Onlinebereich eines Zeitungsverlages. Acht Zeitungstitel, acht Webseiten, zentral gesteuert. Die angestellte Kollegin, die bislang die Webseiten managte, hatte zum 1. September gekündigt und war fort. Ihr Nachfolger: ganz frisch, noch nicht eingearbeitet. Ich war an diesem Tag da, um ihm das Wichtigste zu zeigen.

Wir standen eine Weile vor dem Fernseher: Chef, ich, der Neue, jede Menge Techniker. Damals war das Internet in erster Linie Technik, zumindest bei Zeitungsverlagen.

Der erste Turm stürzte ein.

„Baut Spezial-Seiten“, sagte der Chef – und sah mich an. Ich war erst 23 Jahre alt, ich war noch im Studium. Ich war nur Aushilfe. Aber ich war die Schnellste. Ich ging ins Büro und baute Seiten in die Online-Auftritte von acht Zeitungen, die bis dato nur automatisierte Print-Nachrichten enthielten.

Der zweite Turm stürzte ein. Irgendwer sagte: „Das gibt Krieg.“

dpa schickte Texte und Bilder. Ich baute, dann sichteten der Neue und ich das Material und stellten des online. Gegen 22 Uhr machten wir Feierabend. Ich fuhr nach Hause, schaltete CNN ein und schaute solange fern, bis auch in den USA Nacht war. Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr auf und aktualisierte die Seiten.

Am Ende des Monats, zum 1. Oktober 2001, bot man mir eine unbefristete Teilzeitstelle neben dem Studium an. Ich sagte zu – und ging wegen dieser Stelle nicht zum Auslandssemester nach Italien. Ich blieb stattdessen im Unternehmen, in dem ich später auch volontierte, als erste Online-Volontärin des Hauses.

Kommentare

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  1. eisfreak sagt:

    Oh ja, ich erinnere mich auch noch gut an „mein“ 9/11…
    In der Firma hörten wir Radio, aber zu dem Zeitpunkt war alles noch unklar. Alle glaubten, es sei ein Unfall. Dann fuhr ich meinen Sohn vom Kindergarten holen und hörte was von einem 2. Flugzeug. Zuhause schnell den Sohnemann samt Spielkameraden im Zimmer abgeliefert, den Fernseher angemacht und…….fassungslos davor gesessen. Die Kinder hätten sich die Köpfe einschlagen können: ich hätte wohl nix mitbekommen. Auch heute noch zucke ich bei den Bildern der einstürzenden Türme zusammen.

    1. Nessy sagt:

      Ich habe zwischendrin auch nicht viel mitbekommen – nur mittelbar. Ich war ja beschäftigt.

  2. SRK sagt:

    Ich glaube jeder weiss noch was er an dem Tag gemacht hat.

    Ich sass an diesem Dienstag an meinem Schreibtisch bei einem Internet-Provider in Frankfurt am Main und schaute zufällig auf Yahoo nach den neuesten Nachrichten, an dem Nachmittag. Da poppte ein Bild von dem ersten brennenden Turm auf, zusammen mit einer Meldung. Ich schaute auf Reuters und anderen Nachrichten-Seiten, was da los ist und innerhalb von Minuten hatten wir die ersten Probleme mit den Internetleitungen….alles überlastet. Die Kunden riefen an, wir waren noch nicht sicher was die Störung ausgelöst hatte, konnte wirklich deswegen das Internet überlastet sein? Ich hörte bereits Radio und bekam Updates von Kunden zu dem Anschlag. Es war mittlerweile wohl offensichtlich das es ein Anschlag war.

    Die Kollegen in der Technik waren damit beschäftig, die Internet-Anbindungen wieder zum Laufen zu bringen und ich konnte die Kunden nur hinhalten, wofür die meisten aber vollstes Verständnis hatten. Irgendwann gegen Feierabend sah ich dann auch die ersten Video-Aufnahmen und war nur geschockt. Im Radio wurde gemeldet das alle Bankentürme in der Stadt evakuiert wurden, die Bahnverbindungen eingeschränkt waren und ich wusste nicht wie ich heimkommen sollte. Irgendwann als es bereits dunkel war, war ich zuhause und sass fassungslos vor dem Fernseher.

    An dem Abend habe ich gebetet. Das George W. nicht zum Gegenschlag ausholt und es Krieg gibt. Einen Atomkrieg. Das war meine Befürchtigung. Das er unüberlegt einen Krieg anzettelt. Ich habe die nächsten Nächte kaum geschlafen….

    1. Nessy sagt:

      Sowas Ähnliches habe ich auch gedacht. Es war direkt klar, dass das „irgendwas Großes“ nach sich zieht.

      Ein paar Jahre später war ich dann in NYC und habe mir die Gegend um Ground Zero angesehen. Die Straßen dort sind wirklich nicht breit – wenn ich mir überlege, dass ein Hochhaus dieses Ausmaßes dort einstürzt und der ganze Staub sich durch die Gassen presst … mann, mann, mann.

  3. Nihilistin sagt:

    Der Azubi rief aus der Ecke des Großraumbüros: Ein Flugzeug ist ins Worldtradecenter gestürzt. Wir öffneten ntv.de, das war schon überlastet. Spiegel.de hatte die besseren Server, von da holten wir uns im Minutentakt die Infos. Nachdem das zweite Flugzeug eingeschlagen war, heulte ich und sagte: Das gibt Krieg. Ich packte meine Sachen und fuhr nach Hause, dort saß ich dann mit Freunden den ganzen Tag/Abend vor der Glotze. Die Freundin, die dazukam und sagte „geschieht den Amis ganz recht“, war nicht mehr lange meine Freundin.

    1. Nessy sagt:

      Ja, das sagten tatsächlich ein paar Leute.

  4. drachenfrau sagt:

    Ich habe – angeregt durch diesen Post der lieben Nessy – ebenfalls gebloggt. http://drachin.wordpress.com/2013/09/11/nine-eleven/
    Irgendwie wäre der Jahrestag heute fast an mir vorübergegangen.

    1. Nessy sagt:

      Die Väter, die noch näher dran sind am Zweiten Weltkrieg, haben gleich gewusst, was los war. Irgendwie.

  5. energist sagt:

    In meiner Stadt läuten heute nacht alle Kirchenglocken, wie jedes Jahr. Der 11. September ist hier (auch) anders belegt.

    Die einen Bilder sind so schrecklich wie die anderen. Noch schrecklicher wird es nur, wenn man bedenkt, daß Menschen imstande sind, so etwas zu planen und durchzuführen, mitleidlos.

    1. Nessy sagt:

      Luftangriff auf Darmstadt – ah, okay.
      Tja, wie man sowas plant und durchführt, verstehe ich auch nicht. Ich meine. Doch, verstehe ich schon, vom Kopf her. Aber dass man das dann am Ende tatsächlich umsetzt …

  6. Zaubermann sagt:

    O ja, Du erinnerst mich an was – das waren verdammt bewegte Tage, damals.
    Sie haben „unsere“ Welt für immer verändert.

    1. Nessy sagt:

      Dabei gibt – das muss man auch mal feststeht – noch viel größere Verbrechen auf der Welt. Bürgerkriege, von denen niemand Notiz nimmt, in denen Völkermorde geschehen und viel mehr Menschen umkommen.

  7. Musematschka sagt:

    Des einen Leid, des anderen… äh… wo immer sich eine Tür schließt… nun ja.
    Wie auch immer, fast genau so unglaublich wie das eigentliche Ereignis können die Nebengeschichten dazu sein!

    Danke fürs Erinnern (habe es direkt auch mal getan: http://musematschka.blogspot.de/2013/09/mein-11-september.html)!

    1. Nessy sagt:

      Interessant. Letztendlich kann so gut wie alles an einem vorbeigehen, wenn man nur mal im Urlaub ist und ein paar Tage lang nicht ins Internet guckt (war damals ja noch nicht so verbreitet), fernsieht oder eine Zeitung in die Hand bekommt. Das kommt in meinen Urlauben gar nicht mal so selten vor.

  8. Neighbor Jones sagt:

    Ich gehöre zu den eher wenigen Leuten die das damals nicht mitbekommen haben. War in einer Firma um dort den Server zu installieren, Radio oder Fernseh lief da nicht. Um 5 gingen alle nach Hause und ich blieb alleine zurück. Gegen neun rief ich meine Freundin an mit der ich verabredet war und die sagte mir die Twin Towers seien eingestürzt. Glauben konnte ich das erst mal nicht und rief noch woanders an um mir das bestätigen zu lassen.

    1. Nessy sagt:

      Wahrscheinlich waren es gar nicht mal wenige – sie reden nur nicht so laut und so oft darüber.

  9. T.M. sagt:

    Es hört nicht auf. Jedes Jahr im September wälzt sich wieder eine Betroffenheitswelle von „Wo warst Du bei Nine Eleven?“ durchs Netz. Ohne Sinn. Ohne Notwendigkeit. Einfach nur so. Weil Betroffenheit heute lifestyle ist. – Ehrlich, ich will’s nicht wissen. Es interessiert mich nicht, wer warum wo war. Es ist mir völlig wurscht.

    1. Nessy sagt:

      Es gibt da eine ganz einfache Lösung: Lesen Sie es nicht. Kann man immer machen. Auch, wenn zum Beispiel Leute infantil über ihre Haustiere bloggen. Hilft total.

  10. flyhigher sagt:

    So wie ich das lese, hatte dieses Weltereignis direkte Auswirkungen auf Ihr Leben im Gegensatz zu uns, die wir zwar wissen, wie und wo wir von der Nachricht erfahren haben, das Passierte aber keine direkten Konsequenzen in unserem Leben hinterlassen hat, außer, dass die Handgepäcks-Bestimmungen auf Flughäfen verschärft wurden.

    Das finde ich spannend. Wer weiss, was in Italien alles passiert wäre… Aber vom Hättiwari leben wir halt nicht, nicht wahr?

    1. Nessy sagt:

      Keine Ahnung, ob es direkt war. Der zeitliche Zusammenhang ist ja nicht zwingend ein kausaler.

  11. Ich kam vom Zahnarzt – war eine lange und scheußliche Behandlung gewesen – und schaltete CNN International ein. Das erste Flugzeug war vor kurzem in den Nordturm gerast gewesen. Ich dachte in meiner heiligen Einfalt: „Sieht aus wie ein neuer Katastrophenstreifen – aber es ist doch noch gar nicht Zeit für das Film-Magazin von CNN…“ Es dauerte ein Weilchen, bis ich endlich registriert hatte, dass es sich um die bestürzende Realität handelte. Danach war ich vor dem Fernseher wie festgeschweisst, fassungslos vor Entsetzen. Überaus erstaunt war ich, als in der Sendung „Questions and Answers“ mit Jim Clancy nur kurze Zeit, nachdem beide Türme eingestürzt waren, so gut wie fest stand, dass El Quaida hinter dem Anschlag stecken würde. Ich rief im Sender an, und brachte den Einwand vor, dass man ja die Trümmer noch gar nicht untersucht hätte, und dass die Zeitspanne ja doch mit Sicherheit viel zu kurz gewesen sei, um relevante Spuren ausfindig gemacht haben zu können. Mr. Clancy wiegelte mit irgendwelchen Phrasen ab, an die ich mich heute nicht mehr erinnern kann… Aber ich bin vor Entsetzen krank geworden, und musste eine Woche zuhause bleiben…

    1. Nessy sagt:

      Es hat nichts mit „heiliger Einfalt“ zu tun: Ihre ersten Gedanken sind durchaus nachvollziehbar. Wer kommt schließlich auf sowas?

  12. A third of the world watched live as the World Trade Center collapsed on September 11, 2001; a third more heard about it within 24 hours. (Do you remember where you were?) So exhibits at the soon-to-open 9/11 Memorial Museum will reflect the diversity of the world’s experiences of that day. In a moving talk, designer Jake Barton gives a peek at some of those installations, as well as several other projects that aim to make the observer an active participant in the exhibit.

    http://feedproxy.google.com/~r/TEDTalks_video/~5/BvNWPQE9-7I/JakeBarton_2013S.mp4

    1. Nessy sagt:

      Die Zahlen sind spannend. Was bedeutet so etwas für den Fortgang der Ereignisse und die Bewertung eines solchen Anschlags?

  13. Da haben Sie ja richtig profitiert von 9/11…
    (ähm… das war jetzt zynisch. Ich besser mich.)

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