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Pferdemädchen

2. 08. 2013  •  30 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Adoleszenz«

Frau Anne hat eine Blogparade zum Thema „Pferdemädchen“ gestartet.

Ich bin ja eher ländlich aufgewachsen. Trotzdem gab es in meiner Schulklasse wenig Pferdemädchen. Wir waren alle mit Wald, Schlamm und Baumbudenbauen befasst. Da blieb nicht so viel Zeit für Pferde. Abgesehen davon hatte ich noch nie großes Interesse an Pferden. Pferde sind mir zu unhandlich.

Ich hatte erst zwei Zebrafinken, die sich allerdings trotz duldsamer und einfühlsamer Kontaktaufnahme meinerseits zu keiner Zuneigungsbekundung hinreißen ließen. Sie hießen Pumuckl und Meister Eder. Sie sind dann ziemlich schnell gestorben. Danach hatte ich einen Wellensittich, der Maxi hieß. Er führte eine Beziehung mit dem Zeigefinger meines Vaters. Zu Maxi gesellte sich Pinki, ebenfalls ein Sittich. Er verstarb, als wir im Urlaub waren. Unsere Nachbarin steckte ihn in eine Gefrierüte und fror ihn für mich ein, damit ich ihn nach meiner Rückkehr bestatten konnte. Seine Gebeine liegen seither neben einer Garagenauffahrt.

Einmal jedoch ging ich tatsächlich mit zum Reiten – mit der einzigen Schulfreundin, die sich mit Pferden befasste. Sie zeigte mir den Reiterhof, holte ein Pferd aus dem Stall und ritt damit im Kreis. Das Pferd quietschte komisch. Nicht als Kommunikationsform, sondern aus seinem Körper. Ich fragte, warum das Pferd so quietsche. Es sei ein Wallach, sagte meine Freundin, bei denen sei das so. Ich traute mich nicht zu fragen, was ein Wallach ist. Zu Hause fragte ich meine Mutter. Sie sagte, während sie eine Gurke teilte, das sei ein Pferd, dem man die Hoden abgeschnitten habe. Ach du heilige Scheiße!, dachte ich.

Ich bin danach nicht wieder auf den Reiterhof gegangen und kein Pferdemädchen geworden.

Kommentare

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  1. Die Bezeichnung „Wallach“ hat mich in meinen Kindertagen, als „Mein Freund Flicka“ von Mary O’Hara mein absolutes Lieblingsbuch gewesen ist (ist es heute nach beinahe fünfzig Jahren immer noch), auch sehr ins Grübeln gebracht. Sehr lange Zeit kaute ich darauf herum, bevor ich endlich den Mut aufbrachte, meine Eltern zu fragen. Die drucksten eine Weile herum, doch dann hat Papa, der mit Leib und Seele Lehrer gewesen ist, sehr liebevoll und dennoch sachlich geantwortet.

    1. Nessy sagt:

      An sich ist es ja auch nicht schwierig. Aber gerade Männer erklären das gerne mit schmerzverzerrtem Gesicht.

  2. antagonistin sagt:

    Ich war ein Pferdemädchen. Witzige Bezeichnung, habe ich vorher so noch nie gehört.

    Ich nannte als Kind ein halbes Pferd mein eigen. Die andere Hälfte gehörte meiner besten Freundin. Bevor wir uns ein Pferd teilten hatte ich schon jahrelang meine Nase im Stall, wünschte mir zu jedem Geburtstag irgendwas Themenkompatibles, hatte mein Zimmer mit Pferdepostern zugepflastert, malte Pferdeköpfe überallhin und verbrachte jede freie Minute im Stall. Ich verabscheute die Tussen, die nur zum Reiten kamen und Striegeln für unter ihrer Würde hielten. Mein ganzer Stolz war ein umfangreiches Sortiment an eigenem Putzzeug. Ich klaute Möhren, Äpfel und Zucker bei allen Verwandten und roch meine gesamte Kindheit hindurch nach Pferd.

    Reiten war hoch im Trend seinerzeit. Inkl. kleinen Turnieren, Schleifen sammeln und so was. Ich hörte eigentlich erst damit auf, als ich erwachsen war, von zu Hause auszug, die Welt entdeckte und mich ernsthaft damit beschäftigte, dass viel zu viel am Pferdesport die reinste Tierquälerei ist.

    Wie auch immer. Pferde sind bis heute meine absoluten Lieblingstiere. Einmal besessen, immer besessen, auch wenn heute kein Pferd mehr in meiner Nähe ist… :)

  3. Filinchen sagt:

    Ganz doofe, aber auch ganz ehrlich gemeinte Frage: wieso quietschte das Pferd?

    1. susa sagt:

      Pferde machen quietschende Geräusche (nicht nur Wallache), wenn sie noch nicht gelöst sind, d.h. ihre Muskulatur ist noch nichtg gewärmt (so wie das Aufwärmen beim Sport) und sich noch Kot im Darm befindet, der ans Tageslicht möchte. Manchmal kommt so ein Geräusch (das hört sich dann ein wenig anders an) auch von schlecht eingestelltem Sattel.

      Ich war auch ein Pferdemädchen, sogar bis zu den Landesmeisterschaften in der Vielseitigkeit. Aber dann erging es mir wie den meisten fußballspielenden Jungs, das andere Geschlecht trat in mein Leben und mein sportlicher Ehrgeiz tendierte gegen Null.

    2. Filinchen sagt:

      Danke für die Aufklärung!

  4. eisfreak sagt:

    Danke für diese wunderbare Zeitreise. War auch nie ein Pferdemädchen, aber interessant war´s irgendwie schon, wenn die anderen zur Reitstunde loszogen. Naja…nach 2x reiten und 2x Gehirnerschütterung im Erwachsenenleben ist mein Interesse an Pferden merklich abgeflaut und ich merke, dass es einfach nicht meine Welt ist.
    LG

    1. Nessy sagt:

      Ich würde da bestimmt auch runterfallen. Oder das Pferd geht mit mir durch, und ich hänge wie ein nasser Sack auf dem Rücken.

  5. ingo sagt:

    Ich werde im Leben nie begreifen was Mädchen an Pferden toll finden. Sie stinken (die Pferde), haaren, sind ständig mit Ausscheidungen aller Art beschäftigt, haben keinerlei Sinn für Hygiene und strullen auch gern mal in ihr Futter, und vom allgemein nervtötenden Verhalten dieser dauerflüchtenden Evolutionsverlierer gar nicht zu reden.

    (Falls man das jetzt zwischen den Zeilen meiner sehr subtilen Kritik nicht erkennen konnte: ich hasse es vor allem dass ich ständig Frau und Kinder auf dem Reiterhof abliefern/abholen muss und dann auch noch so tun soll als würde ich diese Furzbiester leiden können. Ab und an kaufe ich Pferdewürste und grinse beim Kauen wie Jack Nicholson in Shining.)

    Ich habe fertig …

    1. Blogolade sagt:

      Keinerlei Sinn für Hygiene? Nicht wie im menschlichen Sinne aber doch: sehr. Sie putzen sich gegenseitig, sie wälzen sich im Dreck um sich vom Ungeziefer zu befreien und sie pinkeln nur dann in ihr Futter, wenn sie keine Wahl haben (kleine Box). Danach fressen sie es nicht mehr. Das heißt es ist dann kein Futter mehr in ihren Augen.

      Man kann ein Tier nicht mit einem Menschen vergleichen. Genausowenig wie der Mensch ein „Evolutionsgewinner“ ist. Meiner Meinung nach ist der Mensch das schlimmste, was die Natur hervorgebracht hat, hat sie doch eine Spezies gezüchtet, die ihren eigenen Lebensraum zerstört. Da sind mir Tiere lieber, die nur aus Hunger töten und nur in so kleinen Rahmen die Natur zerstören, dass sie sich selbst wieder heilen kann.

    2. ingo sagt:

      Soso, wenn sie keine Wahl haben. Dann müssen das wohl Mutanten-Pferde sein die ich da regelmässig sehe – die pinkeln voller Begeisterung direkt rein ins frisch hingeschüttete Heu und fressen es dann mit grossem Appetit. Und da es dort keine Boxen gibt stünden theroretisch ein paar hundert Quadratmeter sonstige Fläche zur Verfügung, aber dann wäre das Fressi ja nicht mehr so lecker versifft wie die Biester es offenbar mögen.
      Und was die Evolutionsverlierer angeht: wer nicht lernen kann und nur von Instinkten geleitet wird hat schon verloren, und in dieser Hinsicht sind Pferde ganz arm dran, die sind doch gefühlte 3/4 des Tages damit beschäftigt vor jedem Mist panisch wegzurennen, von Wassertropfen bis zu umfallenden Schaufeln.

    3. Nessy sagt:

      Ein bisschen scheinen sie schon zu lernen, sonst gäbe es ja keine Polizeipferde. Die wirken immer ganz imposant, wie ich finde.

  6. frau kann ja auch nicht alles werden – aber schriftstellerisch hoch zu Ross hätte sich vielleicht gut gemacht :-)

    1. Nessy sagt:

      Da haben Sie natürlich recht. Überhaupt würde mir ein kompletter Gutshof gut stehen.

    2. „Frau Gutsherrin“ – das wäre ’ne Anrede, nicht wahr?

    3. jpr sagt:

      „Frau Baronessy“ ?

    4. @ jpr: Genial, dieses „Baronessy“ – warum ist mir das nicht gleich eingefallen, viiiiiiiiiiiiiiel aussagekräftiger als Gutsherrin, das kann ja jeder, der ein wenig blaues Blut hat oder mir viel Geld geboren wurde.

  7. Viv sagt:

    Hahaha, ich lach mich weg. Grandios auf den Punkt gebracht!

  8. opaandhisblog sagt:

    Jedem Tierchen sein Pläsierchen …

  9. Blogolade sagt:

    Ok, man merkts. Ich bin ein Pferdemädchen gewesen. Nicht auf einem Ponyhof oder Reiterhof sondern privat. Mir gehörte „ein Drittel“ Pferd und noch 2, die ich mitversorgen durfte. In den kleinen Ferien sogar alleine, dann fuhr meine Freundin immer in Urlaub.
    Ich saß stundenlang zu Pferd und fand es grandios. Zum großen Erstaunen meiner Mutter kümmerte ich mich wirklich gut um die Tiere und Wind und Wetter waren mir egal, hauptsache die Tiere sind gut versorgt.
    Wir ritten keine Turniere (von selbst ausgedachten abgesehen) sondern Freizeit: durch die Sauerländer Wälder, Berge hoch und runter, durchs Dorf und sogar in die Nachbarstadt, was ja immerhin über 10 Kilometer waren (und von den Ponys gerne auf halber Strecke mit Arbeitsverweigerung quittiert wurde)

    Irgendwann kamen die Jungs ins Spiel, gleichzeitig wurden die Ponys alt und starben und das Hobby fand ein Ende.

    Letztes Jahr habe ich dann auf einem Reiterhof gearbeitet. Die Faszination ist geblieben, die Tiere sind immernoch wunderschön (wenn auch manchmal sehr frech und verzogen) aber es lockt mich nicht mehr so wie damals.

    1. Nessy sagt:

      So ist das wohl, wenn man den Zugang zum Reiten gefunden hat. Meine Eltern haben aber auch immer gesagt: Ist zu teuer, kommt nicht in Frage. Ich würde es heute wahrscheinlich nicht anders machen.

    2. Blogolade sagt:

      Freunde mit eigenen Pferden sind wirklich super (wobei wir auch schon beste Freundinnen waren, als die Ponys noch nicht da waren).
      Die Mutter erzählte mir damals, also Mitte-Ende der 90er, dass die 3 Ponys im Jahr soviel kosten wie ein Kleinwagen. Das war nur deswegen so günstig weil sie Weide + Offenstall für 200DM im Jahr pachten konnten. So kam nur Heu, Stroh etwas Kraftfutter, Schmied und Tierarzt dazu.
      Ein Boxenplatz in Vollversorgung ist hier in der Gegend kaum für unter 300€ im Monat zu bekommen. Das ist natürlich ein Vermögen, was ich mir auch nicht leisten könnte.

  10. jpr sagt:

    Ich kenne Pferde ja auch nur als Geschichten aus Dritter Hand: von Menschen, die Pferdemenschen in der Familie hatten und deswegen als Reiterhof- und Wettkampf-Fahrdienst herhalten durften.
    Glaubhaften Versicherungen nach ist dabei der Wettkampf das haertere Los, weil wohl immer JWD und dabei doch frueh beginnend. Wobei ich mal vermute, dass den leisen Wahnsinn sehr frueh beginnender Wochenenden jeder kennt, der privatem Sport gefroent und dabei Wettkaempfe nicht vermieden hat.

    //PS. Ihre Nachbarin – das faellt unter die Beschreibung ‚praktisch veranlagt‘, oder?

    1. Nessy sagt:

      Sie ist pragmatisch und zupackend.

      Zu den frühen Wochenenden: Oh ja. C-Jugend, B-Jugend, Handballspiele morgens um 9 Uhr in Warstein. Im Winter bei hohem Schnee. Mein Vater fand’s nur so mittelgut.

  11. Aurora sagt:

    Ich war leider schon immer allergisch gegen Pferde – allergisch wie in Bindehaut-Schwellung, Juckreiz überall, Schnupfen, Asthma-Anfälle. Leider komme ich aber aus einer kleineren Stadt wo alle, wirklich alle Pferde-Mädchen waren, Voltigieren war damals total in.
    Ich hab furchtbar gelitten und mir bei jeder Sternschnuppe gewünscht, dass jemand ein Pferd mit Federn züchtet.
    Heute lerne ich Kamele reiten. Hehe.

  12. kvinna sagt:

    Äh… Pferde sind ja auch für Stadtmädchen, Frau Nessy, wussten Sie das nicht?

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