Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »«

Primiz

3. 07. 2013  •  22 Kommentare

Vor Wochen erreichte mich eine Einladung.

Zur Heimatprimiz solle ich kommen. Ein ehemaliger Mitschüler schrieb mir, er werde zum Priester geweiht, und er freue sich, wenn ich bei seiner ersten Messe dabei sei. Ich fiel fast vom Stuhl – und freute mich wie ein Keks. Ich sagte zu.

Heimatprimiz

Jetzt ist so eine Primiz nicht gerade ein alltäglicher Anlass. Und die Tatsache, dass wir zwar losen Kontakt gehalten, uns aber nunmehr sechzehn Jahre lang nicht gesehen hatte, warf bei mir nicht nur die Frage auf, was man zu solch einem Ereignis anzieht (züchtig!), sondern auch, was ich schenken sollte. Ich schrieb einem Freund. Der Freund war eine zeitlang Mönch, ehe er seine Nächstenliebe zu sehr einer Frau zuteil werden ließ.

„Ich brauche deinen katholischen Rat“, schrieb ich, was den ehemaligen Mönch ganz aus dem Häuschen brachte, dachte er doch zunächst, er habe mich nun endlich bekehrt. Von den gängigen, im Fachhandel erhältlichen Devotionalien (Rauchgefäß „Jerusalem“, Mousepad „Kinder Gottes“) riet er ab, sagte aber, ich solle mir unbedingt den Primizsegen spenden lasse, er bringe besonderes Glück.

Am Tag der Primiz war ich zeitig in der Kirche und suchte mir eine hübsche Bank aus. Ich traf Schulfreunde, dann öffnete sich die hintere Kirchentür, die Orgel spielte, und ein Tross kam herein, getragen und feierlich, Männer in langen Gewändern, Priester, Diakone, Messdiener,  ein Fahnenträger. Ich zählte mit: Mehr als 35 Menschen waren es, die den Primizianten begleiteten, der, mit vor Aufregung geröteten Wangen, an mir vorüberschritt.

Als er dann vorne stand, als er uns mit zittriger Stimme begrüßte, als sie ihm sein Priestergewand überstreiften, ein Gewand, das sie in der Heimatgemeinde für ihn genäht hatten, als Chorgesang einsetzte und das Kirchenschiff mit einem Lied erfüllte, als der Schulfreund tief einatmete, als er lächelte, als er sich von Herzen bedankte, atmete auch ich tief durch – und spürte tiefe Dankbarkeit, dabeisein zu dürfen.

Am Abend saßen wir im Garten der Familie, auf einer Terrasse inmitten von Blumen, an genau jenem Ort, an dem wir uns sechszehn Jahre zuvor das letzte Mal getroffen hatten, zu einer ausschweifenden Party. Damals war das Wetter fantastisch, ein warmer Sommerabend, alle tanzten wie die Irren, es wurde dunkel, ich verliebte mich Hals über Kopf, die Nachbarn beschwerten sich über den Lärm, wir tanzten weiter, tranken Bowle, bestimmt habe ich auch geknutscht, ich weiß es nicht mehr, einer der Jungs improvisierte Rocksongs auf dem Klavier, am Morgen trug ich, müde und fröstelnd, den Pullover meines Lieblings und nahm ihn mit nach Hause. Den Pullover nur, leider.

Auf der Terrasse dieses rauschenden Festes sitze ich nun, während der Primiziant im Wohnzimmer Glückwünsche entgegennimmt, spüre noch die Hände seines Primizsegens auf meinem Haar, ein Segen, der, auch wenn ich nicht gläubig bin, mir dennoch eine Ehre ist, nicht um des Segens willen, sondern um des Segnenden. Als der erste Andrang sich gelegt hat, gratuliere auch ich ihm und, es geht nicht anders, drücke ihn, vor Freude für ihn und vor Freude, ihn wiederzusehen, fest an mein Herz.

(Geschenk, übrigens: „Das große Los“ von Meike Winnemuth.)

Die Lieblingstweets im Juni

1. 07. 2013  •  7 Kommentare

Lieblingsweets 06/2013:

https://twitter.com/patsy_jones/statuses/346324427375525888

https://twitter.com/patsy_jones/statuses/346325004444651521

https://twitter.com/patsy_jones/statuses/349987193210675201



In diesem Kaffeehaus werden anonym Daten verarbeitet. Indem Sie auf „Ja, ich bin einverstanden“ klicken, bestätigen Sie, dass Sie mit dem Datenschutz dieser Website glücklich sind. Dieser Hinweis kommt dann nicht mehr wieder. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen