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Serviceblog: Russisch für Kinderfreunde

20. 06. 2013  •  33 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Zypernurlaub, Teil II: Sprachkenntnisse.

Um vor meinem Besuch bei meiner Freundin und ihren Kindern ein wenig Russisch zu lernen, habe ich mir ein Lehrbuch „Russisch für Anfänger“ gekauft.

Bereits in Lektion 1 erfuhr ich wichtige Dinge, zum Beispiel die russischen Wörter für „Huhn“ (ку́рица) und „Kralle“ (ко́готь). Wie praktisch, dachte ich, wäre ich zum Beispiel Geflügelzüchterin. Im zypriotisch-russischen Alltag stellte sich jedoch rasch heraus, dass Hühnerkrallen von keinerlei Belang sind. Um genau zu sein, habe ich während meines Urlaubs kein einziges Huhn gesehen, bei dessen Anblick ich mich mit dem Ausruf: „Oh, schau! Ein Huhn! Mit Kralle!“ hätte profilieren können.

Desgleichen lernte ich Sätze wie: „Ich bin ins Schleudern geraten“ und „Der Rauch steigt steil zum Himmel empor“. Beide Sätze habe ich trotz bemühter Suche nach passenden Gelegenheiten nicht zur Anwendung bringen können. (Das Wort „Feuer“ wurde in den Lektionen nicht durchgenommen. Im Falle eines Brandes hätte ich also gesagt: „Bitte verzeihen Sie, bei der Kralle meines Huhns, Rauch steigt steil zum Himmel empor! Dawei! Dawei!“).

Mein Russisch-Studium erwies sich bei Ankunft in Zypern also als wenig hilfreich. Zum Glück ist einer der Buben erst drei Jahre alt und kommentierte auf jeder Autofahrt alles, was er vor dem Fenster sah – oder fragte, was dieses und jenes sei. Dank dieses Umstandes konnte ich gemeinsam mit ihm den Spracherwerb vollziehen – wie praktisch. Und noch dazu so verbindend. Allerdings interessierte sich der Kleine vor allem für motorisierte Fahrzeuge, so dass ich nun verhandlungssicher automobiles Vokabular beherrsche, konkret die Wörter für Mofa, Motorrad, Auto, Laster, Anhänger, Quad, Trike und Buggie. Überdies kenne ich mich bestens im Segment „Baumaschinen“ aus (Bagger = экскава́тор, „Exkawator“). 

Ich komme nun zum Punkt meiner Rede: Es braucht dringend ein Wörterbuch für den Umgang mit Kindern, das in den ersten Kapiteln keine Höflichkeitsfloskeln, Verwandtschaftsbeziehungen oder Unfallhergänge durchnimmt, sondern sich den wichtigen Themen widmet. Titelvorschlag fürs Russische: „Paschli! Paschli! Basis-Russisch für Kinderfreunde“.

Den Grundwortschatz möchte ich Ihnen hier im Serviceblog schon einmal anbieten:

Grundbedürfnisse

  • Eiscreme (maróschnaja)
  • Schokolade (schokolad)
  • Durst (schaschda)
  • Hunger (gálad)
  • müde (ustál)

Bonussatz: Snatschála sup, satjem maroschnaja. – Erst die Suppe, dann gibt’s Eis.

Die Frage „Schto djelaesch?“ (Was machst du da?) sollte man verstehen und passend mit der Beschreibung gähnend langweiliger Tätigkeiten antworten können:

  • Ich lese. (Ja tschitáju.)
  • Ich ruhe mich aus. (Ja átwuichaju.)
  • Ich schlafe. (Ja spischtschu.)
  • Paltschasá, patjóm igrájem. – Eine halbe Stunde noch, danach spielen wir.

Wichtige Vokabeln sind überdies:

  • Hund (cabáka)
  • Katze (kaschka)
  • Käfer (dschuk)
  • groß (balschój)
  • klein (málinko)

Ausrufe und Befehle

  • Guck mal! (Smatrí!)
  • Schnell, hopp, hopp. (Dawei! Dawei!)
  • Du bleibst sitzen! (Sidjusch!)
  • Achtung! Aufpassen! (Astaroschnja!)

Im Herumkommandieren von Kindern ist das Russische sehr vielfältig. Das erkennt man schnell, wenn man mit russischen Eltern zusammen ist. Ein detaillierte Auflistung würde an dieser Stelle allerdings den Rahmen sprengen, außerdem ist man ja Gast, da hält man sich zurück. Mitlesenden Eltern seien nur zwei Vokabeln ans Herz gelegt, die ihnen, ins Deutsche übernommen, bei ihren eigenen Kindern zu mehr Durchsetzungsvermögen verhelfen können.

Vokabel 1: Paschlí! – Dieses kleine Wort gibt die Aussage „Los jetzt, vorwärts, beeil dich, nicht herumtrödeln!“ in nur zwei Silben wider. Im Feldwebelton vorgetragen, zeigt es erfreuliche Wirkung. Hilfreich ist auch Vokabel 2: Díssuda! – Es bedeutet: Du kommst jetzt sofort und ohne Umwege hierher, aber zack, zack! Die Betonung liegt auf der ersten Silbe, auf dem scharfen S in der Mitte können Sie, wenn Ihnen danach ist, einen kurzen Moment verweilen. Es spricht sich am besten aus, wenn man die Augenbrauen zur Nasenwurzel zieht und die Augen leicht zukneift.

Der Bekanntschaft zu russischen Kindern steht nun also nichts mehr im Wege. Ich wünsche Ihnen schöne Begegnungen!

Kommentare

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  1. zimtapfel sagt:

    Sehr schön! Dieser kleine Grundwortschatz wird mir künftig dabei helfen, das Leben auf den Straßen meines Stadtteils etwas besser zu verstehen.

  2. In der Grenzstadt zu Polen ins Gymnasium gegangen, habe ich 4 Jahre polnisch gelernt, was mir sehr zu passe kam, da die Hälfte der Verwandtschaft in Katowice lebte und ich immer in den Ferien hinfuhr. Meine Cousinen lachten sich halb tot, weil ich jedes „rote Spruchband“ fehlerfrei lesen und übersetzen, perfekt über die „PRP = Polska Rzeczpospolita Partia (oder so ähnlich) referieren konnte und voller Inbrunst (kann ich heute noch) die polnische Nationalhymne schmettern konnte – aber sollte ich Brot und Wurst kaufen gehen, da versagten meine „exzellenten“ Sprachkenntnisse. – Eigentlich könnte ich doch gerade mal singen „Jeszcze Polska nie zginęła, kiedy my żyjemy …“
    In Russisch war es ähnlich.
    Dobranoc!

    1. Nessy sagt:

      So ist es auch, wenn man eine Sprache studiert. Man lernt eine Menge Wissenschaftliches, aber sprechen kann man danach nicht.

    2. Frau Vorgarten sagt:

      nee. Sprechen lernt man auf der Straße.

  3. crocodylus sagt:

    Das nenn ich mal Service!
    Und dass russische Kinder nicht auf lange Sätze stehen, stimmt. Mörderblick und ein “ Aber zack!“ reichen völlig.
    Darf ich Sie mal für eine Woche Pausenaufsicht buchen?
    Ich glaube wir hätten Spass.

    1. Nessy sagt:

      Pausenaufsichten sind mein heimliches Steckenpferd. Darf ich bei Missachtung von Regeln militärische Übungen einbauen? Oder wenigstens welche aus der Saisonvorbereitung?

    2. Ponder sagt:

      Gibt es da einen wesentlichen Unterschied ausser der Kleidung? Den bisherigen Beschreibungen nach ist Saisonvorbereitung ja härter als Bundeswehr-Grundausbildung …

      Viele Grüße,

      der Ponder

    3. Frau Vorgarten sagt:

      Ponder,
      ich glaub, bei der Bundeswehr gibts Geld.
      Bei der Saisonvorbereitung nicht, denn Sport ist ein Hobby und eher ein Fall für Geldausgeben.

  4. T.M. sagt:

    Ich entdecke klugscheissenderweise einige suspekte Lautverschiebungen. „Katze“ beispielsweise, „ко́шка“, auf dem o betont, drum dort eben kein kurzes a anstelle des o, sondern ein ausdrückliches solches. Aber auch an anderen Stellen. Deshalb wäre interessant, ob Sie möglicherweise Ukrainisch oder Weissrussisch oder einen speziellen Dialekt lernen.

    P.S.: „Eis“ ist übrigens sächlich: „моро́женое“ (eigtl. „Gefrorenes“). Hier ist es übrigens gut zu sehen: das erste (unbetonte) o wird zu einem kurzen a, das zweite (betonte) o bleibt ein ordentliches, langes o. Es gibt übrigens kaum in einer Sprache ein hypscheres Wort für Frost: „моро́з“, (man muss das langsam und nach drei Wodka aussprechen), da läuft einem gleich ein fröstelnder Schauer über den Rücken …

    1. Nessy sagt:

      Es waren Moskauer Russen.

      Es ist nicht immer möglich, die Aussprache in unseren Buchstaben darzustellen. Manches ist irgendwas dazwischen, zum Beispiel zwischen A und O, da muss man sich dann entscheiden. Das L wird weiter hinten gesprochen. Und für das Sch wie in „Journal“ haben wir keinen eigenen Buchstaben.

    2. ingo sagt:

      über korrekte betonung zu klugscheissen ist beim russischen überflüssig, gerade diese abweichungen zeigen ja so schön warum diese sprache nie eine chance hatte sich als „weltsprache“ zu etablieren. je nachdem aus welchem teil des riesenreiches der lehrer stammte wurde recht unterschiedlich betont und gesprochen, mit dem ergebnis dass selbst schüler einer einzelnen schule untereinander ordentliche abweichungen hatten, und bei diversen treffen mit kindern/jugendlichen aus anderen ostblockstaaten zeigte sich immer dass die verschiedenen russisch-versionen zur verständigung nicht taugten.
      vom unfug den man laut lehrplan lernen musste aber nie brauchen würde mal abgesehen, ich könnte heute noch die etagenaufsicht nach dem schlüssel für zimmer 8 fragen, aber lebensmittel einkaufen wäre ein problem.

    3. T.M. sagt:

      Das seh ich überhaupt nicht so, ingo. Das Russische ist eine im Vergleich zu anderen Sprachen äusserst regelmässige Sprache mit recht wenigen Ausnahmen. Die Schreibweise stimmt überraschend gut mit dem Gesprochenen überein, diese o-a-Sache ist fast die einzige Interpretationsangelegenheit (OK, es gibt noch e und ë, wobei die Punkte heute aus Nachlässigkeit oft weggelassen werden). Das Problem war eigentlich nur, dass es immer die Besatzersprache war, somit auch eine gehasste, aber dafür kann die Sprache nichts.

      Nie brauchen ist auch so eine Sache. Ich seh das überhaupt nicht so. Das Russisch, was ich in der Schule hatte, eröffnet mir heute noch ein gewisses Verständnis auch in Tschechien, Polen, der Slowakei sowie einigen jugoslawischen Staaten, sehr nützlich beispielsweise auf eBay …

    4. Nessy sagt:

      Zumindest in meinem Fall steht fest: Ich betone und spreche, wie meine Freunde betonen und sprechen. Haben sie einen Sprachfehler, hab ich ihn auch. Ich fürchte außerdem, dass ich die Automobil-Vokabeln mit leichtem Kleinkind-Einschlag vortrage.

  5. So etwas sollte es in allen Sprachen geben. allerdings braucht man auch ein paar Schimpfwörter. Nachdem ich beim Schüleraustausch in Frankreich eine Weile mit dem kleinen Bruder meiner Austauschschülerin gespielt hatte, erkundigte ich mich beim Essen arglos, was denn eigentlich „merde“ bedeute, was der nette Kleine immerzu zu mir gesagt hatte. Das gab ein bisschen Ärger … ;-)

  6. Chris sagt:

    Man versuchte, mir die russische Sprache in der Sek I innerhalb von 4 Jahren beizubringen. Mit wenig Erfolg.
    Daher kann ich jetzt zwar kyrillische Buchstaben lesen und auch damit gebildete Wörter leidlich sprechen – beim Anblick dieser Dinge läuft es mir trotzdem immer wieder kalt den Rücken runter… :(

  7. birgit sagt:

    Liebe Frau Nessi,
    herzlichen Dank für den Kurzlehrgang – ich habe so gelacht und es sehr bedauert, dass ich in der nächsten Zeit keine Möglichkeit haen werde, das anzuwenden. Bin am Überlegen, Dissuda und Paschli im näheren und ferneren Bekanntenkreis einzuführen………. ich werde berichten ;-)

  8. Und „i-di-ssu-da“ bedeutet „Komm her“
    „Ja-tosche“ – „ich auch“
    „Nje-panimaju“ – „Verstehe ich nicht“
    „Ja-skasala njet“- ich sagte nein“

    1. Nessy sagt:

      Vielleicht sollten wir, nur der Form halber, auch einmal „bitte“ (paschálasta) und „danke“ (sbasíba) erwähnen. Nicht nur aus Gründen der Höflichkeit, sondern weil das für Geben und Nehmen ja auch ein beliebtes Kinderspiel ist.

    2. Frau Vorgarten sagt:

      SBASÍBA.
      endlich mal ein Wort, das ich auch kenne.
      Sbasíba, Frau Nessy.

  9. Simon sagt:

    Ist es nicht faszinierend, dass es ein eigenes Wort für „eine halbe Stunde“ gibt?

  10. Chris^2 sagt:

    Haha, zumindest der erste Teil erinnert mich doch stark an Monty Pythons („Mein Luftkissenboot ist voller Aale“): http://www.youtube.com/watch?v=ZoHhFcgM3SU
    Ansonsten ist es echt ungerecht, wie leicht Kinder Sprachen lernen. Einfach so.

  11. Marco sagt:

    „Dawei! Dawei“ hätte ich auch vorher verstanden. Und den Rest weiß ich leider schon nicht mehr….

    Respekt, dass Sie aus einem einwöchigen Urlaub so umfangreiche Sprachkenntnisse mitnehmen.

  12. Lobo sagt:

    Mal wieder eine schöne Beschreibung.

    Es gibt übrigens einige Bildwörterbücher für Kinder in russisch, u.a. auch eines für den „Ting“ Stift. Da kann man neben dem Wort auch noch die Aussprache lernen.

    1. Croco sagt:

      Es soll die Geschichte mit dem Maulwurf und auf den Kopf machen auf Russisch geben. Der Ting ist das elektronische Ding, das man in Bauernhöfe piekst?

  13. Iche sagt:

    Sehr geehrte Frau Nessy,
    schöner Artikel; hat mir sehr gefallen und ich habe dem soweit nix hinzuzufügen.
    Übrigens saßen wir heute scheinbar im selben Zug (der in Mannheim). Ich meinte, Sie zu erkennen, war aber zu schüchtern, Sie anzusprechen…
    Ein schönes Wochenende wünscht nach all den Verspätungen
    Iche

  14. kelef sagt:

    sehr schön beschrieben. ein paar äusserst wichtige vokabel haben die herrschaften allerdings vergessen:

    stoj!!! – halt, steh, beweg dich nicht mehr, hör auf damit, etc.
    nelsja! – darf man nicht, ist verboten
    padaschdi! – warte ein wenig
    smatri! – schau, pass auf (und ja, t.m., ich weiss dass es eigentlich „smotri“ geschrieben würde, aber es spricht sich nu mal smatri aus …

    bietet sich beides nicht nur in der konversation mit russischen kindern, sondern auch mit russischen hunden an.

  15. jademond sagt:

    Ah, wunderbarst. Danke für die kleine Auffrischung meiner Russischkenntnisse :-)

  16. Lila sagt:

    (Besser spät als nie: „Kaschka“ ist der Brei, „Koschka“ das Kätzchen :) )

  17. Richard sagt:

    Schade dass ich heute erst auf ihren blog über „herzdamengeschichten“
    gestossen bin. habe in belarus, ukraine, moldawien an berufsschulen seminare gegeben, immer mit dolmetscher, aber wenn ich diese quelle gekannt hätte wäre mir manches leichter gefallen.

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