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Pfingstspaziergang in der Heimat

21. 05. 2013  •  35 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Expeditionen«

Als ich Kind war, wohnten wir am Wald.

Rückblickend ist es erstaunlich, wie sorglos meine Eltern waren. Oder vielleicht waren sie gar nicht sorglos, vielleicht hat meine Mutter sich Nachmittag für Nachmittag vor Angst die Nägel abgekaut. Wie auch immer: Schon als ich fünf war, hatte ich einen Aktionsradius von locker ein, zwei Kilometern. Die Straße hinunter und hinein in den Wald, bis zum Bach beim Förster, manchmal auch weiter hinauf, dort, wo wir im Herbst Eicheln und Bucheckern sammelten, weiter den Weg hinauf, hinein ins dichte Geäst, in dem es unterm Tannengrün eine natürliche Grube lag, die wir mit Zweigen bedeckten, in der wir uns versteckten und von der aus wir mit gezogenen Ästen Feinde bestürmten.

Den Weg rechts entlang, am Abzweig vor der Grube, dann ein Stück geradeaus, dort wohnte Maria, die Schulfreundin. Noch ein Stück weiter hinunter ging es links wieder in den Wald, hinter der Schranke steil bergauf, die Knochenbrecherbahn hinauf. Als Erwachsener geht man die Strecke strammen Schrittes in zehn, fünfzehn Minuten. Als Kinder sind wir sie oft gerannt. Die einzige Abmachung: Abends um sechs seid ihr wieder zu Hause.

Fast jeden Sonntag ging ich mit meinen Eltern spazieren. Das war Pflichtprogramm. Im Winter mit Schlitten, im Sommer in kurzer Lederhose. Wir marschierten bis zur Knochenbrecherbahn und noch viel weiter, zum Hexenteich, einem Weiher im Wald, der seinen Namen aus einer Zeit hat, in dem man Leute in ihm ertränkte.

Menden - Hexenteich

Im Winter konnten wir den Berg hinunter direkt aufs Eis fahren. Eine rasante Schussfahrt! Wenn die Schranke am Wegesende geschlossen war: Nicht vergessen! Kopf einziehen! Ich erinnere mich an Ingo, der einmal mit Karacho dagegen donnerte. Er wurde bewusstlos und bekam, als er wieder bei sich war, vor Schreck Nasenbluten. Wir kühlten die Beule an der Stirn mit Schnee, Gehirnerschütterung, Schleudertrauma. Wer mutig war, legte sich auf den Bauch, Kopf voran den Hügel hinab. Das Eis auf dem Teich: fünfzig, sechzig, siebzig Zentimeter dick. Mit genug Schwung glitten wir auf dem Schlitten bis zum anderen Ufer.

Dort, am anderen Ende: Schiefergestein. Im Sommer nahmen wir uns die flachsten Bruchstücke und ließen sie übers Wasser flitschen. Wir waren gut; dreimal, viermal, bis zu achtmal hüpften sie über die Oberfläche. Es konnte stundenlang so gehen.

Menden - Spazierweg am Hexenteich

Ich kenne jeden Weg in diesem Wald. Den zurück nach Hause, den in die Stadt, den zur Waldgaststätte, die heute verwaist ist, in der damals aber an jedem Sonntag der Damenzirkel mit meiner Oma an seinem Tisch unter der Kuckuksuhr saß, an dem die Großtante die Fliegen mit der Hand fing, und hinter dem ich mich abwechselnd zwischen die alten Damen kuschelte und unter dem hindurch ich nach draußen huschte, zu der kleinen Weide, um die Ziegen zu füttern.

Menden - Bank am Hexenteich

Am Pfingstwochenende war ich nach zehn Jahren wieder dort. Ich war verwundert, wie klein der Weiher ist. Nur fünf Minuten, und man ist einmal drumherum gegangen. Damals aber war er ein Universum.

Kommentare

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  1. Mamachaos sagt:

    Wie schön das klingt!
    Wir hatten auch einen Wald hinter dem Haus, Bienen, Bunker, verlassene Hütten… und Schlittschuhlaufen auf dem gefrorenen Fluss! Schöne Erinnerungen sind das!
    Liebe Grüsse
    Nathalie

    1. Nessy sagt:

      Verlassene Hütten! Wie wunderbar gruselig.

  2. Der Emil sagt:

    Das klingt wundervoll. Nachahmenswert.

  3. worthauerin sagt:

    Those were the days. Irgendwie waren wir deutlich sorgloser und wagemutiger damals. Diese Kindheitsgeheimstätten. Fabulös.

    1. Nessy sagt:

      Wir waren einfach den ganzen Tag draußen. Vielleicht ist meine Mutter mir auch ab und an hinterhergelaufen und hat mal geguckt, was wir machen. Ich hab’s nur nicht gemerkt.

    2. Nihilistin sagt:

      @Nessy
      Ich glaube unsere Mütter haben uns wirklich nicht hinterhergeguckt. Mal suchen gegangen, wenn wir nicht pünktlich zum Abendbrot zu Hause waren….ja. Aber sonst nicht.

  4. energist sagt:

    Die großartigen Wirkstätten der Kindheit.

    Mit ging es auch schon einigemale so, daß sich die Gelegenheit bot, nach Jahren (Jahrzehnten) einige Schauplätze wiederzusehen.

    Klein sind sie, tatsächlich. Aber großartig – immernoch! Wenn man den inzwischen zugewachsenen Durchgang durch die Hecken zum geheimen Unterschlupf wiederfindet und den Platz, an dem man sich früher immer traf, oder den Spielplatz, der inzwischen vom Wald überwuchert ist….. das ist dann doch ganz groß emotionales Kino :)

    1. Nessy sagt:

      Oh ja, der Unterschlupf, den gab’s auch – ein Stück in die andere Richtung. Und der Baum am Fluss, dem man bis in die Krone klettern konnte.

  5. Nihilistin sagt:

    Auch ich kenne den Stadtwald hinterm Haus, inclusive Morast am Bach (Gefahr!) und Tunnel unter der Eisenbahn (Grusel!)
    Ich frage mich, ob die (wenigen) Kinder dort heute das Gleiche erleben wie ich. Wenn nein: War es früher „besser“? Oder einfach nur „anders“ (so wie auch zwei Generationen vor uns sicherlich noch vieles „anders“ war.) Es ist schwierig die Kids dort zu fragen (wenig dort und ich nicht mehr da), und außerdem will man ja auch nicht permanent die Jammer-Oma raushängen lassen…. Mit „früher“ und so.
    Wie sind Ihre Erfahrungen, werte Kommentierende oder werte Blogbetreiberin?

    1. Nessy sagt:

      Ich habe keine Ahnung. Aber ich denke, zumindest auf dem Land gibt es die Erfahrungen noch. Wald und Feld sind ja nicht weg.

      In meiner Straße von damals wohnen jetzt viele Alte: Die Kinder sind ausgezogen, die Eltern sind geblieben und leben weiter im Einfamilienhaus. Der Generationenwechsel kommt erst langsam.

  6. URi sagt:

    Vielen Dank dafür, dass Du meine Erinnerungen aufgefrischt hast. Ich muss unbedingt in den nächsten Tagen mal nachsehen, ob die Höhle neben dem Bach noch existiert. Damals gefühlte 2 Stunden Marsch durch schwierigsten Urwald. Die Höhle 100 Meter lang und genauso tief. Überall tropfendes Wasser. Wir mit Taschenlampen auf Dinosauriersuche darin. Und immer damit rechnend, das jeden Augenblick die Höhle einstürzt.
    Am Wochenende werde ich mal Erinnerung und Wirklichkeit vergleichen gehen.
    Danke nochmal.

    1. Nessy sagt:

      Märsche erscheinen heute kürzer. Ja, das stimmt. Manche aber auch länger.

  7. frauvau sagt:

    Diese Art von Kindheit fehlt unseren Kindern.. leider. Und ja, früher war alles viel größer, dafür angstfrei. Als wir die Uhr noch nicht lesen konnten (oder keine hatten, da man Angst hatte, wir würden das teure Stück verlieren), mussten wir zuhause sein bei Einbruch der Dunkelheit. Mein Bruder und ich waren oft die letzten draußen im Sommer. Wir hatten keinen Weiher, wir hatten einen Bach und einen Wald mit Spielplatz und einem Geruch, der unverwechselbar ist. Und Burgen, Verstecke, Häuser, Friedhöfe für Vögel. Unsere Knochenbrecherbahn hieß Todesbahn! Das war jedes Mal eine Mutprobe, die mit dem Schlitten zu fahren, das kribbelte so im Bauch.. das sind schöne Erinnerungen.

    1. Nessy sagt:

      Einbruch der Dunkelheit – das war bei mir auch so. Ich erinnere mich. Ich konnte allerdings auch schon recht früh die Uhr, mit vier oder so. Habe ein geschenkt bekommen, und das Erlernen ging dann auch recht schnell.

  8. to sagt:

    sehr schöner text.

  9. Juliane sagt:

    Sag bloß, Du kommst auch aus M.?
    Dann bist Du ja Pfingsten nicht nur um den Weiher marschiert, sondern hast vermutlich auch eine Menge Zuckerwatte verdrückt?

    1. Nessy sagt:

      Genau: M. an der H. mit der sagenumwobenen Pfingstkirmes. Dort war ich allerdings am Wochenende nicht, sondern auf einem Geburtstag.

  10. Nur das „Bauchklatscherfahren“ auf dem Schlitten wurde mir streng verboten, da sich ein Freund meines Sohnes dabei ins Nirvana befördert hat. – Ansonsten hatte weder meine Mutter um mich noch ich um meine Kinder große Ängste – und zum Glück ist auch nichts Schlimmes passiert. Als mir mein damals 9jähriger gestand, er sei in Berlin von der Fischerinsel zur Schönhauser mit dem Fahrrad gefahren, habe ich nachträglich Blut und Wasser geschwitzt, schließlich hatten wir ja schon einen Todesfall in der Familie auf dem Fahrrad.
    Aber ansonsten – jetzt könnte ich Angst um die Enkel haben – aber ich bin ein selten ängstlicher Mensch, da ich denke, man kann nicht verhindern, was kommen soll.

    1. Nessy sagt:

      Mmmh … weiß nicht. Nee, wahrscheinlich nicht.

    2. Korrektur: Meinte natürlich „einen Freund meines Bruders“, der verunglückt ist.

  11. Lobo sagt:

    Ochjaa *seufz*

    Am Wochenende bei meinen Großeltern: Die Weiden und Äcker, die Tiefs und Gräben, die Gänse, Enten und Kaninchen meines Opas.

    Der alte, hohle verschwunschene Baum, der Heuschober und die Sandhaufen.

    Wenn meine Oma mir meine Klamotten im Flur ausgezogen hat, weil ich von oben bis unten voller Dreck war, weil ich mit meinem Fahrrad „Stuntman“ gespielt hatte.

    Schlittenfahren bis man blaugefroren war und dann bei meiner lieben Tante holländischen Kakao trinken auf ihrem großen Ostfriesensofa, auf dem man im Sitzen so schön auf und ab wippen konnte.

    Boah, voll der Sehnsuchtsschub mit kleinem Tränchen im Auge

    Schön :-)

    1. Nessy sagt:

      Hohle Bäume, ja! Oder umgekippte Bäume mit riesigem Wurzelballen, hinter dem sich ganze Kinderscharen verstecken konnten.

  12. Micha sagt:

    So bin ich auch aufgewachsen. Vielleicht hat mich deshalb auch *Die Unendliche Geschichte* sofort angesprochen. Als Kind hat jeder Ort, jeder Baum, jede Bank, zu der man eine Beziehung hat, soetwas wie ein Name. Zumindest ist es dann *mein Baum* … gewesen. Ein eigenes kleines Universum, das man sich als Kind nur unbeaufsichtigt und in der Natur kreieren kann. Da kann ein Spielplatz in der Stadt nicht mit – niemals.

    Schön erzählt, Mme Nessy!

    1. Nessy sagt:

      Ob ein Spielplatz in der Stadt nicht mithalten kann, weiß ich nicht. Jedes Kind hat doch sein Universum, bei dem einen sind es Felder und Wälder, bei den anderen Höfe, Hecken und Plätze.

  13. Blogolade sagt:

    Ja, der Wald. Der Wald bei uns über die Straße war erlaubt. Wir fällten heimlich Bäume, bauten Hütten, preschten in rasendem Tempo auf dem Schlitten den Berg hinab. Auf dem Feld haben wir mit dem großen Bruder den Bogen abgeschossen. Ich durfte den Hut hochwerfen. Getroffen hat er nie. Der Wind sei Schuld, sagte er.
    In den anderen Wald durfte ich offiziell im Grundschulalter noch nicht. Das sagte meine Mutter aber erst, nachdem ich schon jeden Nachmittag darin verbracht habe. Hier bin ich später immer zu Pony unterwegs gewesen. Im Winter auch mit Schlitten oder den alten Langlaufskiern meiner Mutter. Endlich mal probieren, wie elegant man Abfahrt fahren kann. Gar nicht.

    Hachja nun bleibt mir nur noch, leise zu summen „Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland…“

    Frau Nessy, ich gedenke im nächsten Monat mal in den HSK zu reisen. Ich weiß, das ist nicht ganz ihre Ecke aber ich würde Sie gerne mal auf ein (Mädchen-) Bier einladen. Falls Sie also auch im Sauerland sein sollten und Lust auf ein Bierchen haben, zögern Sie nicht! :)

    1. Nessy sagt:

      Na klar, sehr gerne! Bitte schreiben Sie mir rechtzeitig, wann Sie in der Gegend sind. Dann sind die Chancen am größten, dass es sich einrichten lässt. Wo genau geht’s denn hin?

    2. Blogolade sagt:

      Raum Brilon, genauer Hoppecke aber so ein bisschen bin ich ja flexibel.
      Ich muss nächste Woche noch ein bisschen telefonieren und Termine machen, dann kann ich planen.

  14. Schöne Erinnerungen… Wie gut, daß Sie diese so gut bewahren, und mit uns teilen, liebe Frau Nessy…

  15. topas sagt:

    Ja, die Kindheit. Da Armbanduhren bei uns DDR-Kindern nicht so verbreitet waren war die im ganzen Viertel und angrenzenden Wald hörbare Kirchturmuhr, die um 18:00 läutete, das Zeichen für alle Kinder, zu Hause anzutanzen. Dementsprechend war das Gewusel im Viertel, als alle Kinder dann mit dem Glockenschlag den Heimweg antraten.
    Die Zeit bis dahin verbrachte man am Tümpel (im Winter Eis, im Sommer Kaulquappen), Buden bauen (einfach Äste um einen Baum lehnen), den verlassenen Bunker erforschen. Im Sommer ging es dann, als man 9-10 war, mit dem Fahrrad zum nächsten See. Im Winter gab es auch die Todespiste, auf der Gerüchten zufolge jedes Jahr mindestens ein Schlitten dran glauben musste.
    Als man dann „älter“ war (11-12) spielte man nicht nur am Tümpel, sondern daneben am Gleis der Werkseisenbahn (Pfenigstücke platt walzen lassen) – war streng verboten. Auch mal an der Kiesgrube – auch streng verboten. Bewunderte die „Älteren“, die dann schon Mofas oder Moppeds hatten (und dürfte auch mal damit durch den Wald fahren – war aber auch verboten). Turnte durch Häuser, die gerade abgerissen wurden – war auch verboten. Trotzdem haben wir das alles unbeschadet überlebt.
    Jetzt wohne ich nur wenige 100m von dem genannten Badesee entfernt, mitten im Wald. Jetzt muss ich meinem Stiefsohn nur die Begeisterung für das „im Wald toben“ beibringen :)

    1. Nessy sagt:

      Das muss man jemandem beibringen? Sachen gibt’s!

      Oh ja, die verbotenen Orte. Das alte Fabrikgebäude, dass dann irgendwann abgerissen wurde. Natürlich waren wir dort drin.

  16. jpr sagt:

    Hach, merci fuer diese Geschichte, die genau diese Erinnerungen wieder wachruft (und was ist die Welt doch kleiner geworden als die Erinnerung sie zeigt). Aber nichts ruft genau dieses Gefuehl so wach und beschreibt es so gut in so wenigen Worten, wie Ihr grossartiger letzter Satz:

    Damals aber war er ein Universum.

  17. Robin Urban sagt:

    Ich stamme aus einem Dorf, das rund herum von Wald umgeben ist, allerdings wohnte ich genau in der Mitte, also musste erst mal ein bisschen marschiert werden, bis der Wald erreicht war. Mein Aktionsradius war daher noch wesentlich größer!

    Nein, ich glaube auch nicht, dass sich irgendjemand Sorgen um uns gemacht hat. Nach dem Mittagessen wurde man praktisch rausgekehrt und sich schon darauf verlassen, dass man rechtzeitig (wann immer das auch sein mag) wieder auftaucht. Man hörte auf den Kirchturm, Uhren hatten wir nicht.

    Am schönsten waren die Tage im Sommer, wenn die kleinen Kaulquappen zu Minifröschen geworden waren und wir sie gleich dutzendweise einsammelten, weil sie so süß waren. Abends durften sie dann wieder loshüpfen.
    Oder wenn mein Cousin zu Besuch war, der ganz woanders wohnte. Dann brachen wir immer zur Expedition auf und wollten „Abenteuer erleben“. Wir nahmen uns immer eine neue Seite des Waldes vor und kämpften uns so lange durchs Dickicht, bis es nicht mehr weiter ging.

    Aber auch die Erinnerungen des Winters sind toll. Ich und mein Schlitten, eine waghalsige Mischung. Ich war die beste Schlittenfahrerin und absolut furchtlos!
    Vor ein paar Jahren war ich wieder mal zuhause, als es schneite. Damals schnappte ich mir meinen Freund und meinen Schlitten, um alte Erinnerungen aufzufrischen. Wir stiefelten also zu einer tollen Stelle, nur um dort fast vor Angst zu sterben. Eine lange, gar nicht mal so abschüssige Wiese, die von den Kindern allerdings nach oben hin in den Wald verlängert wurde. Ein kurzer, aber lebensgefährlicher Streckenabstieg mit 100%iger Steigung über gefrorenen, spiegelglatten Boden. Früher wäre mir das Herz aufgegangen, aber 20 Jahre später…!
    Ich habe es dann trotzdem durchgezogen. Nur um mir zu beweisen, dass ich noch nicht total uncool geworden bin. Und als mein Freund, der sich dann natürlich keine Blöße geben wollte, auch den Aufstieg wagte und dann aber völlig erstarrt auf meinem Kinderkufenschlitten saß (er 1,85, ein Bild für die Götter), ohne loszufahren, kam ein etwa sechsjähriges Mädchen angetapst und rief ihn zu: „Trau dich, das ist so geil!“
    Er hat sich nicht getraut. Aber sie hatte Recht, geil war es. Nur leider nicht mehr und niemals mehr so geil wie früher.

  18. Laternchen sagt:

    …und dann nach Jahren feststellen, dass man diese Waldwege auch nachts und im Stockdunkeln noch unbeschadet nehmen kann und an jeder Kreuzung (die man nicht sieht, nur weiß) den richtigen Abzweig findet…

  19. Großartig!

    Ich kann es genau nachfühlen, denn ich hatte auch das Glück so rumstromern zu können. Muss ich unbedingt mal aufschreiben.

  20. Boober sagt:

    Genau wegen dieser Gefühle bin ich mit meinen Kindern wieder aufs Land gezogen.
    Und ich bemühe mich redlich, nicht zu viel nachzudenken, wenn sie sich werweißwo bis werweißwann rumtreiben.
    Wenn sie dann mit matschverschmierten Hosen, nicht wiederzuerkennenden Schuhen – jetzt: Schlammklumpen – wiederkommen und das Grinsen breiter ist als ihre Gesichter… dann geht mir das Herz auf.
    Ja, und der Stein, der mir von selbigem fällt, dass sie ohne größere Blessuren wieder da sind, ist auch nicht zu verachten. Man weiß ja, was man selbst früher so angestellt hat.
    Ich frage auch nicht, was sie gemacht haben. Nur, ob sie einen schönen Tag hatten. Die elternrelevanten Sachen erzählen sie dann schon.

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