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Bildungsbandscheibe

22. 01. 2013  •  39 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Lebenslage«

Kurz vorweg: Fred lebt.

Sportlich bleibt mir aktuell nur eine Betätigung: durch die Gegend latschen. Dabei habe ich die wenigsten Schmerzen.

Das gleicht angesichts der Witterungsbedingungen einer Expedition – bei wadentiefem Neuschnee und wildem Gestöber in Parks und Wäldern. Der Kauf von Schneeschuhen und Steighilfen steht unmittelbar bevor.

 

115 Kilometer Bandscheibenlatschen

Das Gelatsche der ersten 14 Tage nach Bandscheibe.

 

Das Latschen bringt zwei Dinge mit sich: Bildung und kuriose Begegnungen.

So neigte ich zu Beginn der Latscherei dazu, mich alle 500 Meter über einen zur Verfügung stehenden Zaun oder ein Geländer zu hängen, um meine zusammengematschten Wirbel zu dehnen und der Bandscheibe Luft zu verschaffen – das reduziert die Schmerzen und ist überdies eine Anweisung der Physiotherpeutin.

Nun mutet es für den unbedarften Zuschauer natürlich etwas seltsam an, wenn eine vor ihm gehende Dame sich plötzlich über ein Geländer wirft und hinabbaumeln lässt. Der erste kam sogleich zu mir gelaufen, das Telefonino mit der gewählten 112 in der Hand.

Seit diesem Erlebnis sehe ich mich immer erst um, bevor ich mich irgendwo dehne –  und hänge mich nur über, wenn niemand in der Nähe ist. Nichtsdestotrotz kommt es vor, dass gerade in dem Moment, in dem ich mich vorbeuge, ein Typ um die Ecke biegt.

Typ: Suchste wat?
Ich (mit rotem Kopf, vornüber hängend): Hä?
Typ: Is‘ hier wat vergraben oder so?
Ich: Wieso das?
Typ: Na, du hast dich grad so verstohlen umgekuckt und jetzt hängste da und kuks‘ inne Erde.
Ich: Ach so, nee, ich dehne nur meinen Rücken. Hab‘ da gesundheitliche Probleme.
Typ: Also kein Schatz oder irgendwie Beute oder so.
Ich: Nee.
Typ: Schade.

Während des ganzen Gelatsches höre ich Hörbücher, Podcasts, Zeug. Empfehlen kann ich besonders, nach 25-stündigem Test:

Ich weiß nun total viel über Krankenhauskeime, Ernährungsberatung in den USA, Kurfürst Friedrich III.,  die Raumfähre Columbia, den Physiker Edward Teller – ach, ich kann es gar nicht alles aufzählen.

Meine Bandscheibe ist eine Bildungsbandscheibe.

Kommentare

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  1. Bildung hilft anscheinend gegen alles ;)

    1. Nessy sagt:

      Sie macht sogar Spaß.

  2. Und immer, wenn ich die GEO-Reportage sehe, muss ich an Dich denken ;-)

    Weiterhin gute Besserung!

    1. Nessy sagt:

      Die mit den Pilzen im Himmalaya? Die war total irre.

    2. meerfrau sagt:

      Meinen Sie die, wo die Pilze in den Würmern wachsen?

      Gute Besserung.

  3. opabo sagt:

    Sollen wirklich „die Wirbel“ gedehnt oder nicht vielleicht doch die Muskulatur darüber entspannt werden?

    1. Nessy sagt:

      Es geht darum, die Wirbelsäule auseinander zu ziehen, damit die Bandscheibe besser ernährt wird.

    2. opabo sagt:

      ah! muss ich auch machen, nachdem ich heute früh in meiner Badewanne ausgerutscht bin und mich dabei übelst verspannte

  4. skizzenblog sagt:

    und das schöne daran ist:
    wenn mans nochmal hört, erinnert man sich genau an die stelle,
    an der man es beim laufen gehört hat.
    crazy old luder gehirn!

    1. jpr sagt:

      Stimmt, finde ich auch eine der lustigsten Dinge, die man beim Texte hoeren so haben kann. Mir geht es sogar so, dass ich bei laengeren Features noch die einzelnen Abschnitte an Orte zuordnen kann.

    2. Nessy sagt:

      Yep, das stimmt. Manchmal weiß ich genau, wo ich bei welcher Passage entlang gegangen bin – auch bei Hörbüchern.

  5. zimtapfel sagt:

    Der eine Kerl war bestimmt Geocacher und hielt Sie für einen ebensolchen, wähnte, Sie seien soeben fündig geworden und wollte sich an den vermeintlichen Fund mal eben mit dranhängen. Daher seine Enttäuschung darüber, das Sie nur am Dehnen waren.
    :D

    1. Nessy sagt:

      Der eine kerl sah eher aus, als habe er gerade eine Bank überfallen und suche Gleichgesinnte.

    2. zimtapfel sagt:

      So wirken Geocacher häufig auf Außenstehende…

    3. crocodylus sagt:

      Bankcacher sozusagen.

  6. jpr sagt:

    Vielleicht ist Ihr Ruecken ja ungluecklich, dass Sie mit dem der fertigen Diss aus dem Bildungsbetrieb ausgeschieden sind und holt sich nun so herum die noetige Dosis Stoff aus Buechern (naja, oder dem Netz) zurueck?

    1. Nessy sagt:

      Der Rücken möchte die fertige Diss mal veröffentlichen.

  7. Hmm, Wissen ist aber auch so ne Sache. Grade im Bezug auf Krankenhauskeime macht Wissen nicht wirklich glücklich. Da ich – bedingt dadurch, dass meine blondere Hälfte damit beruflich zu tun hat – einige Horrorgeschichten diesbezüglich kenne, würde ich Krankenhäuser am liebsten nur im Ganzkörperkondom betreten, wenn das nicht so dämlich aussehen würde…

    Aber die Bandscheibe scheint nicht nur eine Bildungs- sondern auch eine Kontaktbandscheibe zu sein. Schon irgendwelche Singles mit Niveau kennengelernt, während sie so überm Zaun rumgehangen haben?

    1. Nessy sagt:

      Das Feature über die Krankenhauskeime war auch ein bisschen gruselig. Singles mit Niveau gibt es nachmittags in Parks und Gärten nur in der Altersgruppe 60+. Oder es sind verbissene Jogger, die auch bei -5 Grad und Eisregen rennen.

    2. jpr sagt:

      Wenn’s mit den Singles nichts wird koennen Sie ja wahlweise den naechsten Trand nach ‚Planking‘ einfuehren: ‚Hanging‘. Wird halt nur schwierig, wenn Sie sich nicht zuschauen lassen.

    3. Nessy sagt:

      Ich lasse mir dabei durchaus zuschauen, nur wird der Sport immer missverstanden.

  8. Cati Basmati sagt:

    Zimtapfels GeoCacher-Idee hatte ich auch direkt, würde ich schließlich fast genauso machen. Falls sich also mal einer gleichzeitig über ein Gatter hängt und „Hallo, Muggelpolizei“ sagt, dann nicht erschrecken. Das ist dann nur ein armer Hund, dessen GPS irregeleitet wurde.

    1. Nessy sagt:

      „Hallo, Muggelpolizei“ – haha. Würde ich jemals so angesprochen, ich würde mit demjenigen sofort einen Kaffee trinken gehen.

  9. Anna sagt:

    Großartiger Podcast auf Englisch (iTunes): The thrilling adventure hour.
    Vorallem Beyond belief. Falls die anderen ausgehen;)

    1. Nessy sagt:

      Werde ich mal testen. Aber es ist ein Hörspiel mit mehreren Stimmen, oder? Damit habe ich immer so meine Schwierigkeiten.

    2. Anna sagt:

      Kann ich mir nur selber antworten? Habs noch nicht ganz durchblickt:) Ja, aber diese Stimmen sind alle verschiedene großartige Synchronsprecher und Schauspieler (Nathan Fillion, Emily Blunt…), ich komm ganz gut klar. Ich hab eher ein Problem, wenn eine Person zu viele Charaktere spricht.

  10. Lobo sagt:

    Gibt es in der Nähe keinen Fitnessparkours ? Da würde das überhängen nicht so merkwürdig aussehen.

    Ich kann übrigens das „Herr der Ringe“ oder „Hobbit“ Hörspiel empfehlen, natürlich nur wenn man sowas mag.

    1. Nessy sagt:

      Sie meinen den guten, alten Trimmpfad? Nee, den gibt’s nur noch im Sauerland. Die pulsierende Großstadt ist dafür zu hip.

  11. Bewundernswert, mit wie viel Humor Sie Ihre Situation meistern…

  12. monisertel sagt:

    Hallo Nessie,
    über die liebe Clara habe ich zu Dir gefunden und ich muss sagen, ich bin begeistert von Deinem Blog!
    Die „Bildungsbandscheibe“ ist eine herrliche Wortneuschöpfung, die unbedingt in die Therapie Eingang finden sollte.
    Bandscheibe als Wissenslücke, die es durch intensive Pflege zu füllen gilt!
    Einen hoffentlich angenehmen Mittwoch wünsche ich Dir,
    liebe Grüße
    moni

  13. Nihilistin sagt:

    Ich freue mich, daß Sie die Großartigkeit von Radiofeatures entdeckt haben. Ich selber auch erst vor ein paar Jahren, und es war einfach TOLL. Es tut mir leid, daß Sie es unter diesen Umständen tun mußten. Ich hoffe, Ihre Begeisterung hält sich auch nach Gesundung.
    Ich kann Radioreportagen/Features etc auch empfehlen für: Einsame Abende im Dienstreisehotel, langweilige Zugfahrten, Krankheiten bei denen man nicht lesen kann.
    Kommen Sie weiter gut voran.

  14. crocodylus sagt:

    Hab einige Hörspiele aus Krankheitszeiten.
    Allerdings auf DVD.
    Wolle haben?

  15. kinderdok sagt:

    was haben Sie denn da für ein Latsch-App? ist das runtastic? ich bin noch auf der Suche und freue mich immer über eminenzbasierte Eindrücke von der Basis

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