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Die Bistrogardine

2. 05. 2012  •  79 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Anrainer«

An dieser Stelle
möchte ich mal eine Lanze für die Bistro-Gardine brechen.

Für alle, die mit dieser Art Behang nicht vertraut sind: Eine Bistro-Gardine ist ein gewebter, gerne auch gehäkelter, manchmal mit Applikationen verzierter, immer aber auf einer Stange aufgezogener Vorhang, der den unteren Teil eines Fensters bedeckt – manchmal auch den oberen, aber das ist dann fast schon PopArt. Für die Küche werden gerne Motive mit grasenden Gänschen verwendet, manchmal auch mit Kaffeemühlen, obwohl kein Mensch mehr Kaffeemühlen verwendet; vergleichsweise neu im Markt sind deshalb Modelle mit Latte-Macchiato-Gläsern. Für das Kinderzimmer werden Pooh-Bären oder Tiere von ähnlicher Gestalt angeboten, seltener dicke Bauarbeiter, bisweilen auch Themen für den jungen Fußballfan.

Die Bistrogardine, im Fachjargon auch „Kurzstore“ genannt, ist in der Ausführung mit Taftborte und Kräuselband die deutscheste aller Gardinen unter den fertig konfektionierten Heimtextilien. Allerdings, und das ist ihr Manko, haftet ihr das Image des Spießbürgerlichen an. Wer Bistrogardinen mag, hat auch eine Wohnwand, einen Zimmerbrunnen und eine apricotfarbene Sitzlandschaft vor einer mit Schwammtechnik bearbeiteten Raufasertapete. Aus diesem Grund konnten bislang nur Möbelhausmitarbeiter aus Trendstädten wie Butzbach oder Oer-Erkenschwick reinen Herzens Loblieder auf die Bistrogardine singen.

Das ist nun vorbei. Ich appelliere an alle Erdgeschossbewohner deutscher Großstädte: Kauft Euch Bistrogardinen! Denn auf nur einem Spaziergang vom neuen Ghettonetto nach Hause erblickte ich heute sage und schreibe drei Parterre bewohnende, nackte Ärsche, darunter zwei erheblich behaarte, die hinter einem erleuchteten Fenster ihren häuslichen Verrichtungen nachgingen. Es scheint, als sei ausgerechnet am 2. Mai, einen Tag nach dem Kampf der Arbeiterbewegung, der Tag der blanken Kiste in meinem Kiez gewesen – vielleicht lag es nur an der Gewitterschwüle, die sich bleiern in die Genossenschaftswohnungen drückte, vielleicht war auch Rainer-Langhans-Memorial-Day.

Nun ist es zugegebenermaßen jedem unbenommen, sich in seiner Heimstatt zu bewegen, wie er mag: mit und ohne Kleidung, im Jogger oder in einem aufgrund eines Wollfetischs mundgestrickten Ganzkörper-Angorapullover. Aber denken Sie auch an arglos vorbeigehende Menschen. Menschen wie du und ich, die nicht umhinkommen, in hell erleuchtete Fenster zu blicken und dort zu sehen, was sie nicht sehen sollen, nicht sehen möchten, was ihnen für die nächsten Stunden im Gedächtnis haften bleibt wie ein Michael-Ballack-Sammelsticker an einem Kinderzimmerschrank.

Seien Sie soldarisch. Kaufen Sie sich eine Bistrogardine.

Kommentare

79 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Änni sagt:

    Hihi. Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute stark, dass insbesondere Parterre-BewohnerInnen, welche sich nicht darum kümmern, ob und wie und wann ihre nackten Tatsachen öffentlich sichtbar sind, Ihren lobenswerten Appell in aller Form ignorieren werden.
    Ich lasse mich jedoch gerne eines Besseren/ Ästhetischeren belehren.

    1. Nessy sagt:

      Eine Alternative ist ja Fensterfolie, wie sie Ette von unten angebracht hat.

    2. Änni sagt:

      Sehr plastische Beschreibung Ihres werten Nachbars. Ich schäme mich jetzt direkt, aber: Fensterfolie war etwas vom Ersten, was ich in unserer neuen Wohnung angebracht habe. Im Bad. Mit ehemals Blick auf den nächsten „Supermarkt“ (aka landwirtschaftliches Fachgeschäft).
      Doch auch wenn Fensterfolie ästhetisch verwerflich sein mag: Die Kundschaft da dankt es mir bestimmt.

    3. Nessy sagt:

      Die Nachbarn neben der Entenfamilie hat auch Fensterfolie angebracht. Nützt ihr aber nichts. Ich kann von meinem Balkon aus bei ihnen fernsehen.

    4. Änni sagt:

      … Sie verstören mich gerade zutiefst!!

  2. ich wohne im 1. Stock und habe eine Bistrogardine ..jahaaa :)

    1. Nessy sagt:

      Ich habe keine. Aber ich habe eine Jalousie, die ich benutze. Für welche Modell haben Sie sich denn entschieden? Mit Applikationen?

    2. Frau Vorgarten sagt:

      ich wohne im zweiten Stock am Hang und habe nur im Schlafzimmer eine Gardine*, damit es nicht so hell ist beim Schlafen.
      Alle anderen Fenster sind unverhängt.
      Wer bei mir reingucken will, braucht vom gegenseitigen Abhang her ein gutes Fernglas oder einen Hubschrauber.

      *=nennen wir das Kind beim Namen. Es ist eine Deutschlandfahne, übrig geblieben von der letzten WM

    3. Nessy sagt:

      Eine Deutschlandfahne, na sowas. Das bringt einen schönen Farbenmix an die Wand, wenn die Morgensonne durchscheint.

  3. virtualmono sagt:

    Nein – ich mag keine Gardinen. Allerdings liegen bei mir die „kritischen“ Räumlichkeiten wie Schlafzimmer oder Bad im hinteren Teil des Hauses, sodass etwaigen Flaneuren der Anblick meines nackten Hinterteils sowieso erspart bleibt.

    1. Nessy sagt:

      Und Sie machen sich niemals nackt Frühstück?

    2. virtualmono sagt:

      Frühstück ist Luxus – in der Regel gibt es morgens nur Kaffee und im Büro dann die Brötchen, die bei der Bewältigung der täglichen Mailflut geknabbert erden… und ja, ich weiß selbst, daß das gar nicht gut ist *seufz*.

    3. virtualmono sagt:

      Oh weh – mein w zickt.

  4. Letztens stand ich in einer Warteschlange hinter einem Mädel im Punk-Rockabilly-Odersoähnlich-Mischlook mit einem gigantischen, wohl willens herbeigeführten Riss in der Jeans, einmal quer über der rechten Gesäßtasche, dann im rechten Winkel entlang der Naht nach unten.
    Nur dürftig wurde der Stofffetzen von einer Sicherheitsnadel oben gehalten und ließ dazwischen eine Lücke stehen, die im heterosexuellen männlichen Genetikprogramm eine Befehlskette auslöste, die unausweichlich im Hingucken endete.

    „Whoohoohooo!“, fingen die Hormone an zu feiern, Konfetti flog, Bierflaschen plöppten auf. Die Feierstimmung erstarb aber innerhalb eines Sekundenbruchteils, nachdem die Augen ihre Erkundungen meldeten: „In der Mitte ein schwarzer String, links und rechts pralle Arschbacken und eine ordentliche Menge gut gefüllter, erntereifer Pickel.“

    Ich fühle so mit Ihnen.

    1. Nessy sagt:

      Glauben Sie mir: Auf diese Arschbacken, egal ob mit oder ohne Wimmerl, schauen auch Frauen. Genauso, wie Frauen auch auf Brüste gucken. Sie geben es nur nicht zu, sondern könnten sie es den Männern nicht mehr vorhalten.

    2. Katarina sagt:

      Das halte ich Männern weiterhin problemlos vor, obwohl ich selbst gucke. DIE gucken aus verwerflichen Gründen, ich nur aus gesunder Neugier :D
      Übrigens bin ich Erdgeschossbewohnerin. Mit Hintern. Ohne Gardine. Und ich gedenke den Aufruf gepflegt zu überlesen. Sorry.

    3. Lobo sagt:

      Soso, wir gucken also aus verwerflichen Gründen !

      Stümpt übahaupt nich ! Is rein biologisch, genetisch und evolutionär bedingt !

      In ächt jezz un so …. ;-)

    4. jpr sagt:

      Genau Herr Lobo: sagen Sie, wie es ist. Wir wollen gar nicht schauen. Muessen aber.
      Dient bestimmt voll total der Reviersicherung, oder so.

    5. Illy sagt:

      iiiihiihihihi…
      erst war ich so angetan von ihrer Beschreibung, sah sie schon mit Werner von Brösel Blicke austauschen und dann das:
      „Gefüllte, erntereife Pickel“
      Ich hab ein Bild.
      Das ist so uuuuuäääähhh…
      Nessy, ich wähle Sie, wenn Sie eine Verordnung gegen sowas erlassen wollen.
      Brrrr….

  5. jpr sagt:

    Die erwaehnten Tuellgardinen koennte man ja auch als Schuerze umbinden, dann braucht man nur eine und sie wirken gleich in allen Raeumen, in denen man sich aufhaelt. Und sommerlich leicht ist das ja auch.

    Sie sollten allerdings nicht zum Kauf derartiger Dinge aufrufen, sondern zum selbermachen. Denn waehrend man den inskuenftigen Sichtschutz zusammenbosselt wird man wohl eher am Tisch sitzen und ist somit prima ausser Sicht. Laengerfristig.

    1. Frau Vorgarten sagt:

      da sollten Sie dann aber in die Anwendungsbeschreibung einfügen, dass man der Gardine vor dem Umhängen die Haltestange entnehmen muss.
      Das wird sonst ziemlich sperrig.
      Grad zwischen den Türrahmen.

    2. Nessy sagt:

      Ein Rundum-Servierschürzchen fürs Rollenspiel. Nein, wie schön.

  6. Knoetchen sagt:

    Ich gestehe:
    Ich wohne im Erdgeschoß und habe eine solche spießbürgerliche Bistrogardine (mit floralem Muster ;-) ). Aus genau dem Grund, dass ich auch schon einmal einen nackten Männerkörper beschauen konnte/durfte/musste. Wobei der wenigstens ganz hübsch war *hihi*. Egal, ich habe mir seinerzeit gleich am nächsten Tag so eine Gardine zugelegt.

    1. Nessy sagt:

      Als Alternative gibt es ja auch diese Papierrollos, die man von unten nach oben ziehen kann.

  7. Punkt sagt:

    1. Stock und Gardinen (= Vorhänge, Rollo, Raffrollo, je nach Zimmer) vor jedem Fenster. Im Schlafzimmer brauch ichs dunkel und auch im Wohnzimmer hab ich gern meine Ruhe. Also, die visuelle Ruhe…
    Und da ich auf dem Weg zum Bus auch schon mal einen älteren und recht schwabbeligen Herren umbekleidet im 2. Stock (!) begutachten durfte/konnte/musste bin ich überzeugter denn je. Privatsphäre ist unbezahlbar!

    1. Nessy sagt:

      Manche Leute stehen auch nackt auf dem Balkon. Aber das ist eine andere Geschichte.

    2. Blogolade sagt:

      Haben Sie mich etwa gesehen? Auf die Entfernung?
      Ja, mache ich manchmal. Allerdings im 2. OG. Es macht mir Spaß und ich stehe dazu. Wir sind in der Umgebung allerdings das einzige Haus dieser Größe, aus den umliegenden Häusern muss man rauf gucken und da sieht man zumindest meinen Hintern nicht.

  8. Punkt sagt:

    Unbekleidet. Ich hoffe sehr, dass er sich danach noch umbekleidet hat.

  9. zimtapfel sagt:

    Ich habe fürs Küchenfenster eine Bistrogardine mit Sendung mit der Maus-Motiv und ich bin stolz darauf!
    (Ein bißchen verstehe ich die spießige Bistrogardine mit diesem feinen, eigentlich für Kinderzimmer gedachten Motiv als quasi ironisches Zitat auf das sonst mit diesem Produkt verknüpfte Spießertum.)

    Leider habe ich zur Zeit kein Küchenfenster. Aber ich arbeite daran, bald wieder eines zu haben. Damit endlich wieder die Maus-Bistrogardine wieder zu Ehren kommt!

  10. Iche sagt:

    Hm. Theoretisch bräuchte ich nichts vor meine Fenster hängen, auch wenn ich immer nur sehr leicht bekleidet rumlaufe. Aber wer mich hier im 7ten Stock sehen will, bräuchte schon ein wirklich gutes Fernglas. Das ist ähnlich wie mit der Hanglage weiter oben. Habe dennoch so extralange rötliche Gardienen, die tolle Lichtspiele zaubern, wenn die Sonne reinscheint.
    Aber um mal auf ihre Bistrodingens zurückzukommen: Ich find sie super. Besonders für die Küche, Esszimmer. Man kann rausgucken, aber es kann einem kaum jemand auf den Tisch schauen. Hat was, finde ich.

    1. Nessy sagt:

      Siebter Stock, dann haben Sie sicherlich einen wundervollen Panorama-Ausblick. Den sollte man auch nicht verhängen.

  11. to sagt:

    haha: ein wunderbarer text!

  12. strike sagt:

    Vor Jahren in meiner Studenten-WG hatte ich auch keine Gardinen, nur ein Rollo für die Nacht. Dank zweitem Stock und Schreibtisch vor dem Fenster war der Winkel so ungünstig, dass auch keiner so richtig was sehen konnte, wenn denn doch mal das Rollo offen war. Bis auf die alte Dame von genau gegenüber. Aber sie hat es anscheinend nicht gestört, wir haben uns dann gelegentlich Blickduelle geliefert.

    Als der Krankenwagen sie dann irgendwann das letzte mal abgeholt hat, hat sie zum ersten mal gewunken. Ich hoffe, sie hatte im Altenheim auch eine halbwegs interessante Aussicht.

    1. Nessy sagt:

      Die Entenmama und ich liefern uns auch Blickduelle, wenn sie morgens im Fenster im ersten Stock hängt und ich mir mein Frühstückbütterken schmiere. Wenn ich allerdings winke, schließt sie das Fenster schnell.

  13. antagonistin sagt:

    Ich bin sehr, sehr, sehr für blickdichtes Wohnen. Aber diese Bistro-Gardinen sind so extrem krass der Inbegriff von Spießigkeit, ich würde nicht mal in die Wohnung wollen, wenn jemand so was aufhängt. (Und ja, das rangiert in Puncto Grausamkeit gleichauf mit der Schrankwand.) Egal, wie hip und trendy das Motiv sein mag – die Dinger sind von solch abgrundtiefer Hässlichkeit, so hässlich kann kein zu verbergender dahinterliegender Anblick sein. Niemals. Alternativen gibt es zu Genüge, aber Bistro-Gardinen gehen so was von überhaupt nicht. Das Ding, resp. sein Besitzer macht mir wirklich Angst. Wer so was besitzt hat auch einen Vorgarten mit militärisch angeordneten Gartenzwergen oder zumindest einen Schrebergarten mit exakt ausgerichtetem Gartenzaun und eine Affinität zu kleinbürgerlichem Vereinsleben. Es ist mir völlig Latte, dass ich hier ein Klischee nach dem anderen bediene. Ich meine das dennoch ernst. Leute, wie könnt Ihr denn nur?? Es gibt genügend erträgliche Alternativen fürs Fenster, aber doch bitte nicht so was Grausames.
    Und eine Deutschlandfahne als Fensterschmuck in meiner unmittelbaren Nachbarschaft wäre für mich ein Grund, ernsthaft einen Umzug in Erwägung zu ziehen. So viel Magenmittel kann ich gar nicht nehmen, um das zu ertragen. Echt jetzt.

    1. Frau Vorgarten sagt:

      *Gewinke mit der Flagge* haha, da bin ich ja gleich zweimal drin vorgekommen.
      Danke für die Zusammenballung von Klischees.

    2. antagonistin sagt:

      Gleich 3 x. Wenn man „Vorgarten“ mitzählt. :)

    3. jpr sagt:

      Militaerisch ausgerichtete Gartenzwerge in akkurat geschnittenem Rasen lassen sich – was den Level von Gruseligkeit angeht – allerdings noch toppen.

      Vergessen Sie nie: Schlimmer geht immer.

    4. anna sagt:

      Das sind ja teilweise Preise! Sehr schön sind die Badmanzwerge [sic!], aber auch der lüsterne Blick von „Gartenzwerg kniend, macht Pipi (Wasserspeier)“ spricht Bände. Und eigentlich habe ich derartige Aktivitäten von „sitzender Zwerg liest Erotik-Magazin“ erwartet — wobei sich die Frage stellt, ob der sich nicht eher die Mütze… *grusel*

    5. Frau Vorgarten sagt:

      Immerhin gibts weder in meinem virtuellen Vorgarten noch in meinem echten Garten akkurat geschnittenen Rasen noch Gartenzwerge.
      Ich bin da mehr für Wildwuchs. Kommt auch meiner Sensenleidenschaft entgegen.

    6. Nessy sagt:

      Habe zunächst „Seelenlandschaft“ gelesen, nicht Sensenleidenschaft.

  14. KatRu sagt:

    Werte Frau Nessy, hier muss ich aber mal entschieden widersprechen. Obwohl ich eine Bistrogardine mein Eigen nenne, verzichte ich doch auf solche Dinge wie Wohnwand, Zimmerbrunnen oder Raufasertapete.
    Das Eine bedingt nicht unbedingt das Andere.
    Davon ab finde ich es einfach wohnlicher und gemütlicher mit entsprechenden Behängen an den Fenstern.
    Allerdings frage ich mich wirklich, ob eine Bistrogardine nackte Hinterteile blicklich abschirmt wenn das Zimmer beleuchtet ist.. im Zweifel verlasse ich mich da doch lieber auf die gute alte Jalousie.

    1. Nessy sagt:

      Vielleicht schaue ich dann aber die zauberhaften, grasenden Gänschen.

  15. Lillibelle sagt:

    Seit ich im ebenerdigen Erdgeschoss gewohnt habe und Passanten dabei ertappt habe, wie sie tatsächlich stehenblieben, sich vorbeugten, an die Scheibe lehnten – mit den Händen beidseitig als Blendschutz versteht sich – und in meine Wohnung starrten, bin ich ein noch größerer Fan von Gardinen geworden.
    Jetzt im Hochparterre sind die Passanten weniger ein Problem, aber eine Bistrogardine hängt dennoch da, schließlich haben die Bewohner des Hauses gegenüber (vor allem der höheren Stockwerke) einen guten Blick in meine Fenster.

    1. frollein sagt:

      Ein Hoch auf Hochparterre!
      Obwohl… Frau nessy ist ja groß gewachsen. Vermutlich ist sie auch noch mit den Ärschen vom Hochparterre auf Augenhöhe… äh, rein größentechnisch gesprochen, jetzt :D

    2. anna sagt:

      Entdecke den Fehler: Eine Gardine im unteren Bereich des Fensters, um sich gegen die Blicke der Bewohner der höheren Stockwerke des Nachbarhauses zu schützen.

      (Der Fehler ist natürlich diese unsägliche Aneinanderreihung von Genitiven, um die ich nichtmal einen richtigen Satz gebastelt habe.)

    3. Lillibelle sagt:

      Es sind tatsächlich zwei Bistrogardinen übereinander – geschützt gegen Blicke von oben und unten.

    4. Nessy sagt:

      Zwei Bistrogardinen, das ist ja Pop Pop Art.

  16. anna sagt:

    In der Küche meiner Eltern herrscht also fast schon Pop Art, muss ich denen mal mitteilen. (Wobei diese Dinger von meiner Oma zwangsinstalliert wurde, als sie für sämtliche Fenster des damals neuen Hauses Gardinen genäht hat. Und inzwischen haben wir uns irgendwie dran gewöhnt.)

    Selber wohne ich im zwölften Stock, die nächsten Nachbarn (und Passanten) mit Blick auf meine Fenster sind 200 Meter weit weg. Wer sich ein Fernglas besorgt, darf sich ekeln oder freuen; Vorhänge gibt’s nur für dunkle Nächte und blendfreie Nachmittage.

    1. Nessy sagt:

      Haben Sie auch eine Dachterrasse im zwölften Stock? Das wäre dann wie im Himmel leben.

    2. anna sagt:

      Leider nein — es gibt eine Gemeinschaftsdachterasse im 16. Stock, doch irgendwas ist mit der Trittschalldämmung schiefgelaufen, so dass man dort nur tagsüber vorsichtig schleichen darf. (Wie bösartig übers Dach lauende Vögel ferngehalten werden, ist mir unbekannt.) Einzige legale Beschäftigungen auf dem Dach sind Sonnenbaden und Wäschetrocknen, letzteres geht in Rekordgeschwindigkeit, aber man sollte seinen Kram /wirklich/ gut festklammern.

    3. Nessy sagt:

      Wenn man nur in der Sonne herumbruzelt so wie ich und sich nur ab und an mal herumdreht, ist man also der ideale Dachterrassennutzer.

  17. Lobo sagt:

    Warum schaut man eigentlich, selbst als nicht allzu neugieriger Mensch, in erleuchtete Fenster ?
    Ist das genetisch oder so ?
    Etwas Licht, eine kleine Bewegung, wahrgenommen nur aus dem Augenwinkel und schon glotzt man hin.

    1. Nessy sagt:

      Das ist so, weil aus dem Licht plötzlich ein Säbelzahntiger springen und mich fressen könnte. Evolution halt.

  18. Urmel sagt:

    Liebe Nessy,

    selbst Loriot hätte die Bistro-Gardine nicht besser beschreiben können… :)

    LG

  19. Praline sagt:

    Liebe Frau Nessy,

    wir Leser wissen nicht was Sie studiert haben und was Sie arbeiten. Da man aber die Schriftstellerei nicht studieren kann, finde ich, daß Ihre Ausbildung in mancherlei Hinsicht für die Katz war. Sicherlich finanziert sie Ihnen Ihrern Lebensunterhalt, aber ich meine, daß Sie die geborene Kolumnistin sind. Dieser Beitrag war mal wieder der reinste Genuß. Danke!

    1. Frau Vorgarten sagt:

      Ja!
      Ja!
      Ja!!!!
      *wedelt unterstreichend mit der Schlafzimmergardine*

    2. Nessy sagt:

      Wenn Sie wüssten … vielleicht sind Sie hier auch alle nur meine Versuchskaninchen.

  20. Anna sagt:

    „nackte Ärsche“ in Kombination mit „haeusliche Verrichtungen“?! Das allein lässt mich erschaudern. Grosses Kopfkino, dabei stehe ich doch gar nicht auf Horrormovies. Ich hoffe, es ging nur um Bügeln und so….

    1. Nessy sagt:

      Fantasieren Sie nur. Ich sage nichts.

  21. Auch, wenn sie spießig ist: Ich mag mein Bistrogardinchen (gesticktes Blümchenmuster übrigens).
    Ich weiß sogar noch, wie ich meiner Patentante, die mir zum Einzug in die erste eigene Wohnung einen Einkaufsgutschein einer großen Kaufhauskette schenkte, eine Mail geschickt habe, in der ich ausgiebigst von dem Gardinchen berichtet hab. Sie war immerhin von dem Gutschein bezahlt. Das Ding machte und macht meine Küche direkt wohnlicher und passt hervorragend zum Topfkräutergarten auf der Fensterbank :)
    Im Schlafzimmer hab ich übrigens Vorhänge, im Wohnzimmer bunte Klebefolie (erinnert etwas an Kirchenfenster…). Beide Räume gehen in Richtung Hauptstraße…Ich fand den Schutz sehr nötig.

    1. Nessy sagt:

      Über einen solch soliden Einkaufen freuen sich Patentanten. Häusliche Anschaffungen, egal ob Kochtopf oder Bistrogardine, zeugen von einem sittsamen Lebenswandel.

      Diese Kirchenfensterfolie finde ich übrigens gar nicht sooooo schlecht. Habe ich in meiner Nachbarschaft schon betrachtet.

  22. arborette sagt:

    ich bin gerade richtig froh, dass ich keine nachbarn habe! ;-)

    1. Nessy sagt:

      Gar keine Nachbarn? Wohnen Sie auf Neumeyer III?

    2. arborette sagt:

      nicht ganz ;-)

  23. crocodylus sagt:

    Oh, bin Spießer.
    Sogar Badezimmerbistrospießer.
    Damit niemand den Bobbes betrachten kann.
    Weder Rehlein noch Häslein.

    1. Nessy sagt:

      Badezimmerbistrospießer? Ja, haben Sie denn kein Badezimmerfenster mit Klarglas?

    2. crocodylus sagt:

      Doooooooch, Klarglas und dann Blümchengardinen auf kleinen Stangen. Die Fenster sind recht tief, so gibt das etwas Sicherheit. Obwohl da niemand wohnt, nur eben welche aus dem Tierreich.
      Die Gardinchen wurden übrigens mit dem Haus mitgekauft. Hingen da schon dran. Kann man ja nicht plötzlich abmachen.

    3. Blogolade sagt:

      Bobbes? Sind Sie Pfälzer?

      Die neigen ja dazu, Vorhänge, Jalousien oder ganze Mauern (sic!) vor die Fenster zu setzen, damit niemand reinsehen kann. Auch wenn man das aufgrund der Lage und Höhe eh nicht könnte. So eine Bistrogardine sieht man in der Pfalz hingegen schon wieder seltener weil die einfach noch zuviel Einblick gewähren, die bedecken ja nur das halbe Fenster.

    4. crocodylus sagt:

      Nö, bin Schwabe im Rheinlandexil.
      Wo man aber Bobbes sagt, weiß ich nicht.
      Bobbo geht auch :-)

  24. Kat sagt:

    Ich wusste gar nicht, dass diese Dinger, die für mich der Inbegriff an Spießigkeit sind, sogar einen Namen haben: Bistrogardinen. Bistro! Allein dieses Wort schon. Und was ich mir dann darunter vorstelle. Passt perfekt. *schüttel*

    1. Nessy sagt:

      Heißt „bistro“ nicht „schnell“ auf Russisch?

    2. Kat sagt:

      Ja, heißt es. Daher kommt ja das Bistro. :-)

  25. flyhigher sagt:

    Die Dame, zu der ich zum Shiatsu gehe, hat im Badezimmer/WC keine Gardinen und kein Rollo. Gegenüber befindet sich ein Büro-/Wohnhaus. Manchmal muss ich dort aufs WC. Es ist die Hölle.
    Andererseits komme ich vom Radfahren nach Hause und entkleide mich am Balkon im 1. Stock zum Zwecke des „Verschwitzten-Radgewandes-Auslüften“. Ich husche allerdings dann sehr schnell wieder ins Wohnzimmer zurück auf dem direkten Weg ins fensterlose Bad. Ich gehe einfach davon aus, dass man nur meinen Oberkörper sieht, und schließlich sieht man Oben-Ohne-Badenede ja ständig. (Was nicht heissen soll, dass ich das goutiere… kommt immer auf den Körper an.) Ich hoffe, mein Entkleiden am Balkon löst keine Selbstmordgedanken bei den mich eventuell beobachtenden Menschen der Umgebung aus. Ich werde mal eine Umfrage starten ;-).

    1. Nessy sagt:

      Ich rede mir immer ein, dass man bei geschlossenem Fenster gar nicht so weit in die Räume hineinblicken kann, weil es so spiegelt.

  26. Gottfried sagt:

    Der große Bruder meines Schulfreundes war aus Frankfurt zu Besuch: „Meine Nachbarn haben sich beschwert, ich solle mir Gardinen an die Fenster machen. Kann denen doch egal sein, was ich für Turnübungen machen.“ Fand ich cool seinerzeit.

    Geprägt durch solcherlei Begegnungen muss ich seitdem immer einen anderen Vorwand für das Anbringen von Gardinen finden. „Sieht besser aus, verbessert die Raumakustik, deckt den Fleck an der Tapete ab“ und so… Sichtschutz ist allerdings nie dabei. Wenngleich die Argumentation, zugegeben, zwingend ist.

    Anderseits hat der beklagte Mangel nun einen Beitrag hervorgebracht, der zusammen mit Rede und Antwort wohl so eine Art Gesamtkunstwerk ist.

  27. Herrlich geschrieben ^^ Trotzdem gehen auch für mich Bistrogardinen überhaupt nicht, weil ich sie einfach nur grässlich finde. Aber okay – bin auch sonst nicht unbedingt ein Gardinen-Fan und besitze dementsprechend auch keine. Aber es gibt ja, wie bereits mehrfach erwähnt, zum Glück ansprechende Alternativen – ein Segen nicht nur für jene Menschen die auf der Straße vorbeilaufen, oder in Wohnungen leben, die Einblicke in die Nachbarwohnungen erlauben, sondern auch für die Menschen, die hinter den Fenstern leben. Jeder der einmal in einer Parterrewohnung gelebt hat, kann das sicher bestätigen.

    Auch ich habe mal im Erdgeschoss gewohnt – direkt an der Straße, versteht sich. Blöderweise hatte ich die Länge für die Jalousien falsch bemessen und fühlte mich oft wie eine Zoobewohnerin. Jaaa – es gibt wirklich Menschen, die stehen bleiben und in solche Wohnungen ‚reingaffen!

    1. Nessy sagt:

      Ich habe einmal im Erdgeschoss gewohnt und werde das nie wieder tun.

    2. Dito!

      Außerdem fühlt man sich „weiter oben“ auch irgendwie viel erhabener und regelmäßiges Treppensteigen hält die Beine jung ;-)

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