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Eierlikörchen

10. 04. 2012  •  40 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Sippe«

Ostern in der Familie.

Die Verwandtschaft verköstigt zu diesem Anlass Eierlikör, selbstgebraut. Am Ostersonntag sitzen dann Tanten, Schwiegertanten, angeheiratete Großtanten und versprengte Schwippschwägerinnen in trauter Runde beisammen, Damen in strengen Kostümen und blumigen Röcken, mit Silberlöckchen, Perlenketten und voluminösen Broschen.

Nach dem Mittagessen fragt die Gastgeberin: „Likörchen?“, die Damen nicken, und sie entschwindet in die Küche. Sekunden später betritt sie, herausfordernd lächelnd, mit frisch entschraubter Flasche die Szene, und dann – ja dann, geschieht das Unglaubliche: Die  Tanten, Schwiegertanten, Großtanten und Schwippschwägerinnen recken ihre Gläser  in die Luft wie Metal-Fans beim Freibier-Ausschank und rufen wild durcheinander:

„Ich nehm‘ einen Blonden Engel!“
„Kalter Busen!“
„Ich krieg‘ ein Blutgeschwür!“

Damit Sie für das nächste Osterfest Bescheid wissen:

Blonder Engel = Eierlikör mit Sekt
Kalter Busen = Eierlikör mit Fanta
Blutgeschwür = Eierlikör mit Kirschsaft

Die Herren stehen währenddessen übrigens draußen, die Daumen in Gürtelschnallen und hinter Hosenträger gehakt, und trinken Bier aus der Flasche.

Kommentare

40 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. ich kenne auch einen blonden Engel: Vanille-Eis mit Orangensaft – gut zu wissen, dass es noch andere gibt.. falls ich mal einen angeboten bekomme.
    bei mir war das Osterwochenende leider weniger berauschend [aber Eierlikör ist eh nicht so mein Ding..] und ohne Sonnenschein! hmm..nächstes Jahr dann wieder!

    1. Nessy sagt:

      Das nächste Ostern wird besser. Ach, was sage ich: Schon Weihnachten wird bestimmt toll!

    2. ja, bestimmt.. wenn ich dann nicht arbeiten muss.. ;)

  2. Ponder sagt:

    Liebe Frau Nessy,

    herrlich, man sieht die Tanten direkt vor sich :) – bei uns in der Familie gibt’s leider keine Groß- oder sonstigen Tanten, die Eierlikör konsumieren. Aber als „nutzloses Wissen des Tages“ taugt die Information allemal!

    Viele Grüße,

    der Ponder

    1. Nessy sagt:

      Vielleicht punkten Sie bei Ihren Kumpels, wenn Sie ihnen „Kalten Busen“ anbieten.

    2. jpr sagt:

      Nur bis rauskommt, dass Eierlikoer drin ist.

  3. FrauEngerl sagt:

    In meiner Familie wird zwar auch gern alkoholisch gefeiert, allerdings nicht hochprozentig, allerdings eine Episode, die sich diesen Sonntag in Frau Engerls heimatlichem Esszimmer abspielte.

    Tatort: das Esszimmer von Oma
    Anwesende: alle Verwandten oma-licherseits inklusive Nachwuchs.

    Vorausschickend sei bemerkt, dass es im Hause Engerl nur eine wirklich, wirklich feste Tradition gibt. Ostern gibt es Schweinsbraten, MIT Mehlknödeln (eine oberösterreichisch/mühlviertlerische Spezialität), NIEMAND, ich meine NIEMAND nicht einmal der allerbeste Haubenkoch kann a) den SChweinsbraten so gut wie Oma b) die Mehlknödel so fein wie sie. Eine weitere unverrückbare Tatsache ist die zur Kaffeejause gereichte Sachertorte. Weiland im 1954-Jahr oder so HEIMLICH als Betriebsgeheimnis das Rezept eines Konditors im Gedächtnis meiner Oma nach Hause geschmuggelt! Meine Oma, die Mata Hari von Niederösterreich! Monatelang konnte sie nur durch zusehen und gelegentliche Blicke auf das heilige Rezept einzelne Bestandteile erahnunen und nach Vollendung wurde natürlich eine umfangreiche Testreihe, die die letzten 50 Jahre andauert angeordnet. Bevor jemand fragt – nein es ist nicht DAS Originalrezept aus dem Hause Sacher, das wird ohnehin überschätzt und Omas Torte ist viel, viel besser.

    Die Famiie schleicht also nach schweinsbratlicher Fütterung schon etwas überfüllt langsam zurück zur Kaffeetafel und findet dort in der Tischmitte ein Osterlamm und einen Osterkranz . Beides hervorragende Machwerke österreichischer Backkunst, mit viel Liebe von der Großtante bzw Großcousine gebacken, aber KEINE Sachertorte.

    Die Anwesenden schauen sich verwirrt an, setzen sich unter leisem Protestgemurmel, aber vielleicht haben wir uns geirrt und die Torte wird unter großem Tamtam hereingetragen.

    Oma schreitet zu ihrem Platz, ordert „Frau Engerl, schenk Kaffee aus!“ und lässt sich hochherrschaftlich auf ihren Stuhl nieder. Die Anwesenden sind geschockt, es ist keine Sachertorte am Tisch. Frau Engerl ist dem Delirium nahe – seit sie denken kann, also seit exakt 29 Jahren kommt keien Familienfeier ohne Omas Sachertorte aus! Ich bin überzeugt, dass Oma Engerl überhaupt keine andere Torte als Sachertorte backen kann!
    Sanft und schüchtern, wie es nunmal ihre Art ist fragt also Frau Engerl: „Wie jetzt? Wo ist die Sachertorte?? Du hast doch wohl eine gebacken? *mit leicht panisch, hysterischem unterton*“
    Oma: „Ich dachte, wir essen das Osterlamm von der Tante Anni.. das ist so gut und wir haben eh immer Sache….“
    Der Rest des Satzes ging in einem Tumult unter und Frau Engerl fällte ein salmonisches Urteil: „Stell die Sachertorte her, wo isse denn?“

    Kleinlaut wurde die Torte auf den Tisch gestellt und ward binnen minuten verteilt und verspeist.

    Die Kuchenschlacht ward gerettet – übrigends haben wir dann auch sicherhetishalber das Osterlamm vernichtet, auf dass wir nicht NOCH eine neue Tradition begründen müssen.

    Wir sind schließlich in Österreich, das geht schnelll mit Tradition!

    1. Frau Vorgarten sagt:

      Ja, Traditionen sind wichtig – auch außerhalb Österreichs!
      Als Österreich noch mit Ungarn ging, war auch ein Teil meiner Vorfahren dabei. Das mit den Mehlspeisen kenn ich also.
      Wenn auch in mittlerweile sehr abgeschwächter Form.

    2. Nessy sagt:

      Eine wunderbare Geschichte!

      Ich darf mir jedes Jahr einen Kuchen wünschen, mit dem Ergebnis, dass genau dieser Kuchen nicht gebacken und „mal ein neues Rezept ausprobiert wird“ – weil ich mir immer dasselbe wünsche.

    3. FrauEngerl sagt:

      @ Frau Nessy
      vielleicht sollten wir Ihre Mutter (wer ist die Schurkin, die ihnen die Kalorien in gewünschter Form verweigert?) zur Schulung zu meiner Oma schicken, damit sie bei entsetzten Schreien aus der Gästeschar sofort in die Küche eilt?

      Allerdings kann es auch mit der Größe der anwesenden Meute zu tun haben, dieses Mal waren wir recht wenige – gerade mal 15 Anwesende -, wenn die gesamte oma-seitige-Verwandtschaft anrückt sind wir mind. 20-25, es verdoppelt sich mindestens, wenn der rest der ENGSTEN verwandtschaft da ist (btw aus diesem Grund sind mein Vater UND ich Einzelkinder *g*), das erinnert dann schon fast an Lynchjustiz wenn der gewünschte Kuchen nicht aufgetischt wird.

      Vielleicht sollten Sie also eine vergrößerung der Verwandtschaft bei gleichzeitigem lobby-ing für Ihren bevorzugten Kuchen aufrufen?

    4. Nessy sagt:

      Man stelle sich vor, bei einer solch großen Verwandtschaft hätten alle einen unterschiedlichen Wunsch.

    5. jpr sagt:

      Ich glaube so grosse Verwandschaften sind der Grund fuer Traditionen – dann entfaellt die Diskussion und die vielen Wuensche.
      Haben wir schliesslich schon immer so gemacht.

    6. Nessy sagt:

      Und ist auch gut so!

  4. T.M. sagt:

    Eine Idülle, Frollein Nessy. Dass man sowas heute noch usw.

    1. mir kommt es so vor als spielte diese Szene auch bei Loriot ;) die Idylle passt perfekt rein

  5. Bouquinesse sagt:

    „Blutgeschwür“ made my day. Ich mag Eierlikör ziemlich gern (ja, ich bin weit unter Udo-Lindenberg-Alter). Sollte mal beides im Haus haben, werde ich mir an Frau Nessy denkend einige Blutgeschwüre kichernd einverleiben.

    1. Nessy sagt:

      Der Blonde Engel schmeckte okay. Den Rest habe ich nicht probiert. Aber wohl bekomm’s!

  6. Mascha sagt:

    Eierlikör pur……ein Traum….nicht nur zu Ostern!!! Und wie trinkst Du Deinen Likör?

    1. Nessy sagt:

      Gar nicht. Ich trinke nur klare Sachen – und bunte Cocktails. Aber ohne Sahne.

    2. Mascha sagt:

      Gut, also mehr Eierlikör für mich ;)

  7. horud sagt:

    ich kenn noch
    Eierlikör russisch: 2 Teile Eierlikör, 1 Teil 80%igen Vodka…

    1. jpr sagt:

      Klingt, als haette das Getraenk das gleiche Schicksal wie Vodka-O: Am Anfang des Abends 2/3 O-Saft zu 1/3 Vodka, am Ende des Abends 1/3 Vodka zu 1/3 O-Saft. (Ein Bekannter nannte das mal ‚2/3 1/3 – zugunsten des Vodkas‘)

  8. Juliane sagt:

    Ich nehme an, dass die Bestellung „Kalter Busen“ dann mit einigen hysterisch-kreischigen Huuuh- & Haaa-Kieksern einhergeht, um Sittsamkeit vorzutäuschen?!
    So verliefen zumindest bei unser Omma früher die Eierlikör-Sessions …

    1. Nessy sagt:

      So ist es. „Gnihihihihi“, verschämt mit Hand vor dem Mund.

  9. emmi sagt:

    Hahahaha!
    Darauf ein Blutgeschwür! :)
    Danke für die immer tollen Geschichten.
    emmi

    1. Nessy sagt:

      Sehr gerne. Darauf ein Likörchen!
      //*Stößchen

  10. susabdx sagt:

    Inzwischen werden die Eierlikörkreationen noch getoppt von „Gockelsperma“ einer Kreation aus zu gleichen Teilen Vanillejoghurt, Schnaps, Sahne und Waldmeistersirup. Nur echt in quietschegrün und mit „lustigen“ Etiketten auf der Flasche.

    1. Nessy sagt:

      Das werde ich der Mannschaft mal vorschlagen. Kommt bestimmt gut an.

  11. jpr sagt:

    Nur um das Bild zu vervollkommnen: grosse Brosche, Kostumjaeckchen und Dauerwelle sind Aufnahmebedingung um in der Runde sitzen zu duerfen (mein geistiges Bild ist jedenfals rech loriotesk)?

    1. Nessy sagt:

      Nicht Dauerwelle, sondern Wasserwelle. Einmal legen und föhnen.

  12. Charlottchen sagt:

    Bei uns war es der Rumtopf. Den meine Mutter flächendeckend im Keller züchtete. („Irgendwas muss man mit dem ganzen Obst ja machen“). Die Tanten waren immer begeistert. Sie macht das auch heute noch, mit fast 80, mit großer Begeisterung. Und nein, den gibt es nicht nur zu Weihnachten, der ist auch „Ostern noch gut“.

    Eierlikör ist mir erspart geblieben. Bisher. Aber es hört sich gut an.
    Ich komme langsam in das entsprechende Alter.

    Aber @barny
    Vanille-Eis und Orangensaft (und Sahne! Viel Sahne!) ist der „Sanfte Engel“. Da kenn ich mich aus. :-)

    1. Nessy sagt:

      Rumtopf – mit anzünden? In unseren Gefilden wird gerne Bowle gemacht, mit Weißwein, Sekt und eingelegten Früchten, damit’s knallt. Ist wahrscheinlich so ähnlich.

  13. SusiP sagt:

    Da fällt mir ein, wir haben früher Embryos getrunken. Amaretto mit Eierlikör. Sah nicht lecker aus, war aber geschmacklich top.

    1. Nessy sagt:

      Ich werde den „Embryo“ beim nächsten Kränzchen einführen.

  14. Bei den Eierlikör-Kombis krieg ich ja schon Kopfschmerzen beim Lesen…gut, dass es in Dubai keinen Eierlikör gibt, sonst hätte ich die heute Abend bestimmt alle durchprobiert…;-)

  15. Hollenger Anni sagt:

    Aus den Trinkgewohnheiten meiner Familie (ähnlich wie Frau Nessy)
    füge ich dann noch Kosakenkaffee mit Kondesmilch dazu: Voilá, ein Samtkragen…

    1. Nessy sagt:

      Was ist denn Kosakenkaffee?

  16. Frau Falke sagt:

    Das war also der Fehler an den Feiertagen mit meiner Familie. ;)
    Uns fehlte der Eierlikör.

  17. Wolfram sagt:

    Für Eierlikör ist die Pfarrfrau zuständig, sie macht den selbst (und verkauft ihn auf dem Gemeindefest).
    Aber ich frag mich grad, wie man mit eingehakten Daumen aus der Bierflasche trinken kann; ich könnte die dann nicht mehr halten…

    1. Nessy sagt:

      Die meisten Menschen haben ja zwei davon. Einen fürs Einhaken, den anderen fürs Bierflaschehalten.

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