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Familiensinn

16. 08. 2011  •  95 Kommentare  •  Aus der Kategorie »Broterwerb«

Man kennt diese Geschichten. Im Kreise der 30-jährigen Frauen sind sie wie urbane Legenden. Die Erzählungen von Bewerbungsgesprächen, in denen frau nach ihren familiären Plänen gefragt wird. Ich habe sie bislang immer abgetan: Offen geäußerte Bemerkungen, die etwas mit meinem Geschlecht und nicht mit meiner Leistung und Befähigung zu tun haben, habe ich im beruflichen Umfeld noch nie erlebt.

Nun hatte ich aber dieses Bewerbungsgespräch. Ausgeschrieben war eine Vollzeitstelle, unbefristet. Mir gegenüber saßen zwei Herren. Wir unterhielten uns über mich, die Firma, die Branche – ein Fachgespräch halt. Die Stimmung war gut. Eineinhalb Stunden gingen schnell um. Gegen Ende wurde es dann konkret: Wann ich denn einsteigen könne? Und, ach ja, zur Beschaffenheit der Stelle müssten sie noch etwas sagen. Die Ausschreibung sei da nicht ganz exakt gewesen. Es handele sich genau genommen um eine Traineestelle, auf zwei Jahre befristet.

Ich antwortete, dass eine Traineestelle sich doch an Berufseinsteiger richte – die Aufgaben seien dafür aber recht umfassend. Ich fragte, wie es mit der Dotierung aussehe.

Nun ja, sagten die Herren, die Dotierung sei natürlich nicht so üppig. Sie nannten die Summe. Es waren circa 60 Prozent meines jetzigen Gehalts und 50 Prozent von dem, was ich mir für die Zukunft vorstelle. Ich fragte, warum die Stelle so irreführend ausgeschrieben sei – und warum sie meinen, dass ich mich unter diesen Rahmenbedingungen noch dafür interessieren könne, schließlich hätten sie ja mein Profil vorliegen.

Nun ja, sagten die Herren, schrieben sie eine Traineestelle als solche aus, würden sich nur Berufsanfänger und Minderbegabte bewerben. Sie würden aber Fachkräfte suchen, Leute, die das Unternehmen voranbringen. Vielleicht sei es in meinem Fall so, dass ich aus privaten Gründen an ihren Standort ziehen wolle, für den Partner oder die Familie, das komme bei Frauen doch häufig vor, gerade in meinem Alter, da stünden doch vielfach auch private Veränderungen an – oftmals sei das Einkommen dann nicht so entscheidend.

Vielleicht hätte ich antworten sollen, dass gerade für mich als alleinerziehende Mutter von vier Kindern, deren drei Väter keinen Unterhalt zahlen – wie denn auch, im Strafvollzug – das Einkommen von zentraler Bedeutung ist. Leider fiel mir in dem Moment nichts ein, außer: „Erstatten Sie eigentlich bei Bewerbungsgesprächen die Reisekosten?“

Ja, taten Sie. Die Fahrt war also im doppelten Sinne umsonst.

Kommentare

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  1. creezy sagt:

    Großartig! Also nicht, das Erlebte, das lässt mich gerade mein graues Haar schütteln. Aber Ihr Umgang damit! ,-)

    1. Nessy sagt:

      Man muss es positiv sehen: Sechs Stunden Zug fahren ist auch mal ganz schön. Man kann Filme gucken, lesen, schlafen, und wenn grad keine Lärmschutzwand die Sicht versperrt, auch die Landschaft bewundern. Man kommt einfach rum. Mit Kostenerstattung. Das ist doch wunderbar.

  2. Jesses, was eine Frechheit!

  3. freidenkerin sagt:

    Uuuaaaaah! Da gruselt’s mich richtig!…

  4. Lillibelle sagt:

    Immerhin gab es diesen Job wirklich. Meine Ex-Mitbewohnerin fuhr auch einmal zu einem Vorstellungsgespräch zu einem Job quer durch die Republik. Man unterhielt sich sehr nett, die Aufgabe klang wirklich interessant, ging schon in die Richtung ihres Traumjobs. Doch als es dann ans Eingemachte ging, mussten die Gegenüber aus dem Vorstellungsgespräch zugeben, dass es besagten Job noch gar nicht gab, sie dem Oberboss erstmal das Konzept vorlegen müssten und die Stelle nur ausgeschrieben hatten, um zu wissen, was für Leute auf dem Markt sind und wie deren Gehaltsvorstellungen so wären …

    1. Nessy sagt:

      Das Ansinnen des Unternehmens ist ja okay. Doch vielleicht sollte es, anstatt die Stelle kopflos auszuschreiben, einfach überlegen, was ihm die Tätigkeit in Relation zum erwarteten Umsatz, den sie erwirtschaftet, wert ist. Dann kann es immer noch unverbindlich mögliche Kandidaten ansprechen und diese Überlegungen abgleichen.

  5. Mein Mund steht sperrangelweit offen…der Gipfel der Unverschämtheit….

  6. frauvau sagt:

    Das ist wirklich .. nee, mir fehlen die Worte.

  7. Schlawittel sagt:

    Da hoffe ich mal, dass sämtliche Fachkräfte genauso reagieren und andere Unternehmen voranbringen.

    1. Nessy sagt:

      Ich denke, der Markt wird das regeln. Deshalb rege ich mich auch nicht groß darüber auf.

  8. Joachim sagt:

    Hammer. Wenn Du es nicht an die große Glocke hängen willst, welches Unternehmen das ist, dann doch anonym bei einem Bewertungsportal Deiner Wahl posten (oder am besten bei allen). Ich kann sowas ja nicht ab.

    1. Nessy sagt:

      Schwierig. Ich kann es ja nicht beweisen – habe ja kein Tonband mitlaufen lassen bei dem Gespräch.

  9. Juliane sagt:

    Ich (damals 24) wurde mal aus einem Vorstellungsgespräch bei einem bekannten deutschen Unternehmen mit den Worten:
    „Sie sind noch so jung. Kümmern Sie sich erstmal um Ihre Familienplanung, dann können Sie sich nochmal hier bewerben!“ entlassen.
    Wieso ich überhaupt erst eingeladen wurde, ist mir bis heute ein Rätsel…

    1. Nessy sagt:

      Vielleicht sollten Sie sich mit 50 nochmal bewerben, wenn Ihre Kinder groß und aus dem Haus sind. Aber, ach nee, dann sind Sie ja zu alt.

    2. Blogolade sagt:

      Darf ich fragen welche Firma das war? Ich bin zwar erst 25 aber mit abgeschlossener Familienplanung.

      Ich bekomme die Absagen gerade WEIL ich 2 kleine Kinder habe. Da ist es den Personalen völlig egal ob die betreut sind oder nicht. Mit 2 kleinen Kindern bekommt man schon bei der Bewerbung einen Stempel aufgedrückt.

    3. Nessy sagt:

      Gut – es ist natürlich lästig, wenn die Kinder krank werden.

      Aber meine Erfahrung mit Kolleginnen, die Kinder erziehen und (Teilzeit) arbeiten, ist, dass sie sich in ihrer Arbeitszeit sehr auf die Arbeit konzentrieren und ordentlich was „wegholzen“ – denn sie haben ja nicht den ganzen Tag zur Verfügung. Sie sind meist gut organisiert; Absprachen klappen zuverlässig. Das wiegt aus meiner Sicht eventuelle Nachteile wie ein paar mehr Fehltage im Jahr auf; im Gegenteil: Ich hatte bislang eher das Gefühl, dass die Firma mit einem Plus rausgeht.

      (Im produzierenden Gewerbe ist der Arbeitsumfang natürlich an der Produktion orientiert. Ich beziehe mich auf Büro- und Projektarbeit.)

    4. Juliane sagt:

      Blogolade:
      Ich nenne keinen Namen; Stichwort: Katalysatorenbau.

      Neulich musste ich bei einem VG der Chefin Stein& Bein schwören, dass mein 13-jähriger selten erkrankt und dass die Großeltern in der Nähe der Schule wohnen.
      Ich habe erwidert, dass ich keine Hellseherin bin, was die Gesundheit meines Sohnes angeht…

  10. bee sagt:

    Kann es sein, daß die Herren da eine gute Mitarbeiterin suchen, aber nur zum kleinen Preis und dabei den Fehler im System selber nicht sehen?
    Nichtsdestotrotz wird sich wohl jemand finden, der den Posten auch zu den gegebenen Bedingungen annimmt – und dann innerhalb von 6 Monaten das Unternehmen wieder verläßt, woraufhin der ganze Zirkus von vorne losgeht.
    Schöne neue Welt.
    Wünsche Ihnen viel Erfolg bei einem anderen Unternehmen. :-)

    1. Nessy sagt:

      Danke. Der Erfolg ist bereits eingetreten. :-)

  11. Zaphod sagt:

    Hmmm, aktuell suche ich gerade eine Reinigungskraft in Teilzeit, natürlich für schmales Gehalt. Ich hätte aber trotzdem gerne einen Vollprofi, schließlich sieht meine Bude aus wie… äääh, lassen wir das lieber.
    Jetzt frage ich mich wie ich die Stellenanzeige gestalten soll, damit sich nicht nur minderbegabte Berufsanfänger melden.

    1. Nessy sagt:

      Es gibt doch diese Leute, die Tatorte reinigen. Das sind Fachkräfte, die sich auch mit grobem Schmutz auskennen. Eine ideale Qualifikation für Ihre Stelle. Wenn der Herr/die Dame bei der Arbeit außerdem Radio hört, ist es im Grunde Freizeit. Dann müssen Sie nichts bezahlen.

    2. esther sagt:

      Schalten Sie eine Heiratsanzeige „gesucht: mütterlicher Typ“

    3. Zaphod sagt:

      Ich bitte Sie, ich möchte meine Wohnung reinigen lassen, nicht mein Leben beenden.

  12. Croco sagt:

    Da verdient man ja auf dem Strich mehr, und ist krankenversichert .

    (aber solche Sätze fallen einem erst im Aufzug ein)

  13. unfassbar. so was ist mir auch noch nicht passiert.
    allerdings musste ich dafür schon einmal ein essay darüber verfassen, warum ich nicht an gott glaube

    1. Nessy sagt:

      Und wenn Sie doch an Gott geglaubt hätten? Hätten Sie dann den Job nicht gekriegt?

    2. es war eine evangelische Einrichtung und sie wollten sich wohl versichern, dass ich nicht alle zu Atheisten bekehre :-)

  14. juniwelt sagt:

    Echt unverschämt!

  15. Marie sagt:

    Warum lässt man Sie denn dann so lange quer durch die Republik fahren? Ich meine, nett, dass das Unternehmen das bezahlt hat, aber sonst: Frechheit!

  16. TravellingStar sagt:

    Damals, vor langer Zeit, als ich grade zwischen zwei Jobs war, hatte ich die Möglichkeit, Aushilfstätigkeiten in einem großen deutschen Verlagshaus wahrnehmen zu können in der Hoffnung, solcherart dort Fuß fassen zu können. Und so begab es sich, dass ich einen passenden Job unter den Stellenausschreibungen am Schwarzen Brett fand – nur leider war der als Halbtagsdings ausgeschrieben. Nicht schüchtern, sprach trotzdem den Personalchef an (den ich zwischenzeitlich als einen recht leutseligen Menschen kennengelernt hatte), ob da nicht noch etwas ginge. War der gute Mann sehr entgeistert: Warum ich denn unbedingt Vollzeit arbeiten wolle? Darauf ich: Miete, Nebenkosten, Strom, Nahrung z.B? Darauf er, ich solle doch mit meinem Freund zusammenziehen, dann könne man sich die Kosten doch teilen. Er hat nicht verstanden, warum das bei mir einen Lachkrampf ausgelöst hat.

    Ich dachte immer, diese Denke wäre inzwischen ausgestorben.

    1. Nessy sagt:

      Auch eine schöne Geschichte.
      Gut. Echt.

  17. energist sagt:

    Glücklich, wenn man es sich leisten kann, in so einem Fall mit dem nötigen Zynismus oder Humor zu reagieren. Ich möchte mir garnicht vorstellen, wie es ist, solchen Ar***** auch noch ins Gesicht lachen zu müssen, weil man die Stelle braucht.

    1. Nessy sagt:

      Das habe ich mir auch gedacht.

  18. Richie sagt:

    Sorry, aber spontan musste ich lachen! Geschäftsgebaren heutiger Manager, die denken,sie wären besondern schlau und könnten Bewerber über den Tisch ziehen! Kaum zu glauben!

  19. Frau Vorgarten sagt:

    MÄNNERS!!! *schnaubt, rollt wild mit den Augen*
    Könntet ihr wenigstens vorher mal fragen, ob wir überhaupt Kinder wollen?!?
    Und nicht immer automatisch davon ausgehen, ja es quasi voraussetzen, dass wir sowieso unsere Erfüllung nur im Mutterglück finden können?
    Bei sowas krieg ich ja echt die Krise.
    Man (nein, frau) sollte vielleicht in solchen Situationen zum Samenstau des Gegenübers einholen, was ja ungefähr genauso indiskret ist.

    1. Nessy sagt:

      Außerdem: Selbst wenn ich aus privaten Gründen in die Gegend ziehen und innerhalb der nächsten zwei Jahre Zwillinge gebären wollte – warum ist das ein Grund, mich für die Leistung, die ich im Job abliefere, schlecht zu bezahlen?

      Ich sage meinem Klempner doch auch nicht: „Sie leben mit Ihrer Frau zusammen? Dann bezahle ich Ihre Rechnung nur zu 50 Prozent.“

  20. Kiki sagt:

    Puh, das erinnert mich an einen Horrorjob in einer kleinen Agentur, den ich eigentlich verdrängt zu haben glaubte. Ich (29) sollte für zwei Jahre die Mutterschutzvertretung für die Atelierleterin machen. Die fragte im Bewerbungsgespräch nach ob ich auch ja nicht schwanger wäre, das wäre ja eher kontraproduktiv, haha. Ich war zu perplex um zu antworten, aber sie sah wohl an meinem verdatterten Gesicht daß ich die Frage völlig abwegig fand.
    Ich bekam den Job, aber ihre kleine Schwester (ca. 19), offiziell Praktikantin in dem Laden und de facto vielleicht von Blasen, aber definitiv von Tuten keine Ahnung, sah mir jeden Tag über die Schulter und berichtete jeden Tag telefonisch an die werdende Mutter, was ich doch für ein Drachen sei. (Ich hatte es gewagt, sie darauf hinzuweisen daß es durchaus Unterschiede zwischen RGB und CMYK Druckvorlagen gäbe.)
    Diese kam gefühlte fünf Minuten (de facto vierTage) nach der Geburt zurück in die Agentur, stellte das schreiende Baby auf den Konferenztisch und liess mich noch zwei Wochen machen, bevor sie mich schliesslich feuerte. Ihre beiden Partner, mit denen ich eigentlich gut ausgekommen war, zuckten nur entschuldigend die Achseln und rollten die Augen.

    1. Nessy sagt:

      Etwas unentspannt, die Dame. Meint wohl, es ginge nicht ohne sie. Das ist ja auch immer so ein Trugschluss.

  21. Daniela sagt:

    Nachdem ich ein paarmal als Mittzwanzigerin in Vorstellungsgesprächen ziemlich unverschämt nach meiner Familienplanung ausgefragt wurde habe ich in einem Gespräch als doe Frage wieder kam eine kleine Rolle hingelegt: spontaner Heulkrampf, Story von wegen ich hätte ja so gerne Kinder, könne aber tragischerweise keine bekommen, drei Tempos vollgerotzt, auf den Tisch geworfen – aus dem Raum gestürmt. Ich hoffe, die haben sich das nächste Mal überlegt was sie fragen :-)

    1. Frau Vorgarten sagt:

      wow… echt?
      coool… :-)

    2. Nessy sagt:

      Und? Haben sie danach nochmal angerufen? Unfruchtbar – das ist doch super für die Personalplanung.

    3. Daniela sagt:

      Absage. Mit zu viel Emoitionalität können doch die meisten auch nicht umgehen, das hätte mich schon sehr gewundert wenn da was bei rumgekommen wäre.

  22. TomInMuc sagt:

    Das ist ja eine bodenlose Frechheit und Diskriminierung. Eigentlich sollte man den lieben Herren ihre Eier mit einem Bürotacker zusammentackern.

    1. Blogolade sagt:

      Eben. Das sind genau die, die immer ohne Gummi wollen, denn Verhüten geht sie nix an.

  23. hodyshoran sagt:

    Wow Frau Nessy, ich dachte nur so dicke, chronisch alternativ gekleidete Stromgitarrenrocker wie meine Wenigkeit müssten sich mit sowas rumschlagen – mein Mitgefühl.

    1. Nessy sagt:

      Sie werden gefragt, ob Sie auch für die Hälfte arbeiten, weil Ihre Frau Sie mitversorgen kann? Und das als Stromgitarrenrocker? Das ist fast schon wieder cool.

  24. Jasmin sagt:

    Ich habe den Post schon gestern Abend gelesen, aber ich habe das Glück – muss man wirklich sagen – eine Stelle zu haben und kann erst jetzt schreiben. Und jetzt lese ich die ganzen Kommentare und bin einfach nur bestürzt.
    Ich musste den Artikel dann gleich noch einmal lesen – es ist ja unglaublich, dass die Geschäftsführer diese Art der Irreführung auch noch zugegeben haben. Ganz ehrlich – ich würde das auch öffentlich machen. Da gibt es bestimmt Mittel und Wege! (Stern TV?)
    Aber das traurige an der Sache ist, dass sich vermutlich in den nächsten Tagen eine Frau selbst so herabsetzen wird, und die Stelle bekommt, weil sie vielleicht aufgrund von finanziellen Problemen auf den Job angewiesen ist, und vielleicht auch vorher schon kein Glück hatte. Es ist bemerkenswert, dass so etwas überhaupt möglich ist.
    Ich habe nur einmal so eine Frechheit erlebt – mir wurde gesagt, dass die Stelle ja eigentlich nur intern ausgeschrieben war. Aber groß und breit in der Zeitung stand.
    Was ich am Schlimmsten finde, ist dieses Spiel mit der Hoffnung.
    Liebe Nessy, Sie haben weit mehr drauf und so eine Stelle ganz bestimmt nicht nötig! Ich drücke Ihnen die Daumen, dass es beim nächsten Vorstellungsgespräch klappt!

    1. Nessy sagt:

      Hat bereits, danke. Das Gute war natürlich: Ich hatte keine Not, sondern eine schöne Stelle. Ich möchte mich nur gerne weiterentwickeln, mehr Perspektive, noch was Neues machen (und lernen). Das ist dann schon eine komfortable Situation.

  25. Eona sagt:

    Durch meinen Job in einer absoluten Männerbranche bin ich ja viel gewohnt – auch Fragen nach meiner Familienplanung etc. – aber da wäre ich wohl vom Stuhl gefallen.
    Gut, dass ich jetzt einen Job habe, bei dem sowohl meine Kollegen als auch mein Chef samt Personalabteilung voll hinter mir stehen.
    Hut ab vor Ihrer Reaktion.

  26. podruga sagt:

    Ar.schlöc.her .

  27. Klar, Fachkräfte suchen, die das Unternehmen voranbringen, aber nix dafür zahlen wollen… Da krieg ich das große Würgen! Bei der Einstellung (die leider weit verbreitet ist) braucht sich doch keiner wundern, wenn uns die Fachkräfte ausgehen.

  28. vienna-beads sagt:

    So eine Sauerei! Gibst es da nicht so Portale wo man sich über Arbeitgeber auslassen kann? Ich denke da würden Ihnen so 1-2 Sätze über diesen Arbeitgeber einfalen *fg*

  29. Boeke sagt:

    „Vielleicht hätte ich antworten sollen, dass gerade für mich als alleinerziehende Mutter von vier Kindern, deren drei Väter keinen Unterhalt zahlen – wie denn auch, im Strafvollzug – das Einkommen von zentraler Bedeutung ist.“

    Frau Nessy, DAS hätten Sie antworten MÜSSEN! Diese Personaler sind oft so von Selbstüberschätzung gebeutelt, dass ihnen ein (verbaler) Tritt in die E*er sehr gut tun würde.

    „Umsonst“ war Ihre Bewerbungsreise ja ganz und gar nicht. Sie hat sie immerhin Zeit gekostet, dafür sind sie nun um eine große Erfahrung reicher …

    Habe ich richtig gelesen? Sie haben woanders einen Job bekommen? Glückwunsch!

  30. Stina sagt:

    Das „Ja also, eigentlich ist es gar nicht vollzeit und unbefristet schon mal gar nicht, und äh, die Gehaltsangaben in der Anzeige sind auch nur Näherungswerte“-Phänomen kenne ich nur zu gut. *nick* Von den Fragen, die man sich als Frau zwischen 20 und 35 gefallen lassen muss, mal ganz zu schweigen.

    1. Nessy sagt:

      Mal davon abgesehen, dass bei irreführenden Ausschreibungen Angebot und Nachfrage nicht zusammenkommen, denke ich auch:

      Wenn die Firma schon in der Stellenausschreibung A sagt, aber B meint – wie gestaltet sich das Verhältnis dann erst, wenn man dort arbeitet? Der Arbeitgeber erwartet von mir zurecht, dass ich zuverlässig und redlich bin. Anders herum erwarte ich das aber doch von meinem Arbeitgeber auch.

    2. meerfrau sagt:

      Diese Fragen hören nicht auf mit 35. Eine Freundin hat sich vor einer Weile auch fragen lassen müssen und sie war zu dem Zeitpunkt 39, gestandene Beraterin mit abgeschlossener Familienplanung. Solange man noch so aussieht, als ob da noch ein Hauch von einer Chance wäre, dass man vielleicht ja doch noch oder doch noch mal … solange hören diese Fragen nicht auf. Hat man dagegen schon welche, kommen auch noch die Betreuungsfragen, wobei ich noch nie von einem Mann gehört habe, der im Vorstellungsgespräch gefragt wurde: „Sie haben zwei kleine Kinder, wie machen sie das denn, wenn eines krank wird? Ihre Frau ist ja schließlich auch voll berufstätig.“

  31. Das Traurige daran ist, dass sich innerhalb des Bewerbermarathons eine Frau finden wird, die nicht nur bereit ist, zu diesen Bedingungen zu arbeiten, sondern noch dankbar sein wird für den Einwand mit der Familienplanung. Dann kann das Unternehmen seine ausbeuterischen und chauvinistischen Einstellungen beibehalten.

  32. Martin W. sagt:

    Leider ist es bittere Realität, dass die Vorstellungen eines Arbeitssuchenden mit denen des Unternehmens zu oft diametral auseinander gehen. Meine Erfahrungen hierzu würden einen ganzen Blog füllen. Besonders im Bereich der Leiharbeit, wo diese gelackten Typen doch ernsthaft glauben, sie würden ein gutes Angebot unterbreiten, wenn sie eine kaufmännische Vollzeitstelle für 1200 Euro Brutto anbieten, kann man „lustige“ Dinge in Massen erleben.
    Und ich muß hier mal betonen, dass es dort sehr oft die weibliche „Businessgewandete-Latte-Fraktion“ ist, die solche Posten bekleidet.
    Also nicht nur ein Männerphänomen. Wohl dem, liebe Frau Nessy, wenn man nicht auf einen Stellenwechsel angewiesen ist.

    1. jpr sagt:

      Ohne die Leiharbeitsbranche wirklich im Detail zu kennen (das ist mir erspart geblieben), muss ich doch sagen, dass es mich dort nicht wundert. So wie ich das verstehe ist das Modell dort ja eigentlich genau das: Wir suchen Dir Leute, die verzweifelt genug sind alles zu tun, verhoekern sie guenstig und behalten davon auch noch was ein, damit man nicht so echt davon leben kann. Oh, und wenn Ihr deswegen Leute rauswerft: hier sind unsere Bewerbungsformulare.

    2. Nessy sagt:

      Leih- oder Zeitarbeit an sich verurteile ich gar nicht, nur die Ausgestaltung der ganzen Sache. Das Unternehmen bezahlt für einen Leiharbeit doch genau das, was es seinen eigenen Leute auch zahlt – nur fließt ein Teil der Summe an die Leiharbeitsfirma, beim Arbeitnehmer kommt deshalb nur die Hälfte an. Das Unternehmen erwirbt durch die Leiharbeit den Vorteil der Flexibilität – zu gleichen Kosten. Und das ist doch der Haken: Mir will nicht in den Kopf, warum diese Flexibilität nichts kostet, zumal Leiharbeiter dazu da sein sollen, Produktions-Hochs abzufangen, also vor allem in Zeiten einer guten Auftragslage eingesetzt werden (in der Theorie).

      Würden die Leih-Kosten auf den regulären Lohn obendrauf kommen, wäre allen geholfen, hätte der Leiharbeiter einen marktüblichen Lohn, die Leiharbeitsfirma ebenso ihr Geld – nur der Auftraggeber müsste mehr zahlen. Aber dadurch erwirbt er ja auch den Vorteil, den Arbeitgeber direkt wieder loswerden zu können, wenn er sich nicht mehr rechnet.

    3. jpr sagt:

      Das stellen Sie absolut richtig dar. Ich denke fuer die Idee an sich gibt es Anwendungen (Freischaffende Consultants leben ja im Prinzip genau davon).
      Nur ist mein Eindruck eben – wie Sie sagen – dass in den grossen organisierten Leihfirmen der eigentliche Arbeitnehmer benachteiligt wird und die anderen Beteiligten die Vorteile mitnehmen, moeglicherweise ohne sich dessen bewusst zu sein.

    4. Nessy sagt:

      Ich bin mir relativ sicher, dass das Bewusstsein vorhanden ist.

    5. jpr sagt:

      Aus Sicht des eigentlichen Abreitgebers macht es das natuerlich auch erst interessant. Flexibilitaet gewinnen, ohne dass es mehr kostet – wer wuerde das nicht wollen?

    6. energist sagt:

      Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt, daß es auch Leih-/Zeitarbeit auf hohem Niveau gibt, die sich Firmen auch entsprechendes kosten lassen. Nicht Jeder mag gern selbständig sein.

      Leute rauszuschmeißen und dann als Leiharbeiter weiterzubeschäftigen ist allerdings… hm.

  33. FF sagt:

    Ich glaube nicht an „Bewerbungsgepräche“.

    Wenn es wirklich etwas zu verteilen gibt (Einkommen, Prestige, Perspektive) gibt es in 95 von 100 Fällen den „internen“ Kandidaten, den die Jungs vorher über ihr old-boys-network rekrutiert haben.

    „Bewerbungsgespräche“ mit Externen gibt’s nur, um die äußere Form zu wahren und notfalls dem Bundesrechungshof gegenüber eine „korrekte“ Ausschreibung dokumentieren zu können.

    Ach ja, Firmen, die sich ins Gespräch bringen oder ihr unglaubliches Wachstum „am Markt“ eindrucksvoll belegen wollen, schalten in den einschlägigen Postillen gerne mal ein Dutzend Stellenanzeigen.

    Rein fiktiv, natürlich.

    1. Nessy sagt:

      Das ist schon so. Wobei ich nicht immer üble Kungelei unterstellen würde, sondern den Wunsch, sich jemanden ins Unternehmen zu holen, den ein anderer empfohlen hat – weil man dann besser einschätzen kann, wen man kriegt.

      Wenn man sich manchmal die AG-Seite anhört, hört man auch Haarsträubendes, z.B.: 40 Bewerbungen auf eine Stelle als Lkw-Fahrer, davon zehn ohne Führerschein, weil gerade entzogen. Weitere zehn wollen nur in der näheren Umgebung eingesetzt werden und nur zwischen 7 und 18 Uhr. Zehn schreiben eine, weil das Arbeitsamt ihnen sonst den Hahn zudreht; Musterschreiben – oder sie erscheinen gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch. Fünf sind gesundheitlich eingeschränkt, können die Ware nicht verladen. Bleiben fünf brauchbare.

      Das ist ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis. Da kann man manchmal auch die AG-Seite verstehen, wenn er einfach nur rumfragt: „Kennste einen, der was sucht?“

  34. muellerf sagt:

    Kann man eigentlich noch irgendwo hoffen, eingestellt werden?

    – ab 45 ist man zu alt
    – mit 25 ist man zu jung
    – ab 2 Kinder ist man Asso
    – in der firmeinternen Bewerbung ist man zu kritisch
    – allg. ist man zu fett
    – im besonderen hat man Magersucht
    – als Frau ist man prophylaktisch IMMER schwanger … besser wäre es also, wenn man aus dem gebärfähigen Alter schon raus ist … aber halt: dann ist Frau ja wieder zu alt !
    – grundsätzlich ist man zu unflexibel

    und wenn Mann mal zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, dann wird eineinhalb Stunden ein Stapel Papier mit „ISO-Zertifizierungs-Audit-Fragen“ abgearbeitet und abgehakt, die nichts mit der Person selbst oder dem Job zu tun haben, bis das ganze bei einer internen Bewerbung dann in der Frage gipfelt: „Was würden Ihre Freunde dazu sagen, wenn sie erfahren würden, daß Sie sich hier bei uns intern auf die und die Stelle beworben haben?“

    hallo!!!!!!!!!!???????

    Genau an der Stelle habe ich kopfschüttelnd den Raum verlassen …

  35. jpr sagt:

    Die Angelegenheit ist schon eine rechte Frechheit auf diverse Arten, wie ja auch schon vielfach festgestellt ist sowohl die Herangehensweise, wie auch das Gesellschaftsbild der Herren die Sie getroffen haben doch schon recht fragwuerdig. Soweit koennen Sie dann froh sein, dass das schon im Bewerbungsgespraech herauskommt und nicht erst spaeter (Probezeit ist fuer sowas natuerlich auch gut, produziert im Zweifel aber viel mehr Aufwand).

    Was mich aber fast mehr schockiert ist die Einhelligkeit, mit der in den Kommentaren klar wird, dass die meisten Firmen offenbar wirklich nur noch „Human Resources“ und nicht Mitarbeiter suchen (also, moeglichst auf dem jeweiligen Gebiet promoviert, aber auf 400 Euro Basis, sonst fallen ja so viel Kosten an) und vor allem eben die Seite sehen von „kostet ja so viel“ ohne zu sehen, was man eigentlich in einem gesunden Verhaeltnis auch an Leistung zurueckbekommt.
    Schockieren tut mich das, weil mein Eindruck ist, dass die andere Seite der Denke („Du kannst ja sowieso froh sein, wenn Dich ueberhaupt einer nimmt“) eben sehr konstant und schon von sehr frueh in den Koepfen der Leute platziert wird (fuer mich ist Leiharbeit dabei eigentlich schon das Extrembeispiel). Das fuehrt beinahe zwangslaeufig dazu, dass jemand kommt der die Stelle zu genau den Konditionen annimmt (und sich dabei noch gluecklich schaetzt) und der Firma das Gefuehl vermittelt alles richtig gemacht zu haben. Ein sich selbst verstaerkender Regelkreis.

    Umso mehr braucht es Reaktionen wie die Ihre von Leuten die wissen, was sie koennen und was sie wert sind und die verstanden haben, dass es ja zumindest eine geteilte Situation ist: der Laden will ja auch was von Ihnen, also darf man auch Ansprueche haben. (Und natuerlich fallen einem die besten Antworten immer erst am naechsten Tag oder im Zug nach Hause ein).

    1. Nessy sagt:

      Zuvor hatte ich keine negativen Erfahrungen gemacht – weder während der Ausübung einer Tätigkeit noch in den Zeiten, in denen ich mich neu umgesehen habe. Deshalb kann ich die „Humankapital“-Einschätzung aus persönlichem Erleben nicht ganz teilen. Umso erstaunter war ich deshalb über das obige Gespräch.

      Natürlich muss man sich immer bewusst sein, dass man ersetzbar ist und auch ein anderer den Job machen könnte. Andererseits hat man mit ein wenig Berufserfahrung und Qualifikation auch Stärken entwickelt, die interessant und ein Grund sind, sich eben nicht zu Einsteigerkonditionen zu verkaufen

    2. energist sagt:

      @jpr: Ich glaube, dieses Verständnis von Mitarbeitern und ihrem Wert, das hier so wiedergegeben wird, ist nicht so verbreitet, wie es scheint.
      Meiner zugegeben sehr selektiven Erfahrung nach sind das verhältnismäßig wenige Personaler und „Manager“, die so ticken. Vorzugsweise die solcher Unternehmen mit ausgeprägtem Ego. Die ticken dafür umso penetranter und bleiben natürlich mit Aktionen wie den bisher genannten auch in Erinnerung.

    3. jpr sagt:

      Wenn es wirklich nur die schwarzen Schafe sein sollten, die dann auch jeweils in der Erzaehlungen aufscheinen, waere es mir nur so recht. Ich persoenlich bin auch von richtig schlechten Erfahrungen im wesentlichen verschont geblieben.
      Aber den Level von meinem aktuellen Laden hat gefuehlt eben auch niemand erreicht. Hier gibt es so nach ca. 8 – 10 Wochen ein Gespraech mit dem Chef (als letztes einer laengeren Reihe von Gespraechen mit relevanten Leuten) und die erste Frage, die da gestellt wird ist sinngemaess: war alles okay, als Du angefangen hast? Also nicht: „Was hast Du fuer uns getan“, sondern „haben wir fuer Dich alles korrekt vorbereitet“. Ich muss zugeben mit *der* Frage nicht gerechnet zu haben, finde aber Retrospektiv, dass sie absolut Ihre Berechtigung hat.

    4. Nessy sagt:

      Wow. Da wäre ich auch überrascht gewesen.

    5. jpr sagt:

      War ich auch. Positiv allerdings. Verdirbt dann halt ein wenig die Massstaebe fuer alle weiteren moeglichen Arbeitgeber.

  36. DasSan sagt:

    Sowas ist ja nicht nur problematisch, weil es sexistisch ist, sondern weil Unternehmen anscheinend tatsächlich der Ansicht sind, es sei vertretbar, von den Angestellten hoch qualifizierte Vollzeitarbeit zu Aushilfsgehältern zu verlangen.
    Dazu bedient man sich dann eben verschiedener Tricks, z.B. indem man die Leute als Trainees oder Praktikanten einstellt, obwohl sie schon fertig ausgebildet sind und natürlich übernehmen sie dann auch nicht nur Aufgaben für Anfänger, aber sehr wohl zum Anfängergehalt. Leider findet sich wohl doch meistens jemand, der gerade dringend eine Stelle braucht und sie auch zu solchen Bedingungen annimmt.

    1. Nessy sagt:

      Ob es sexistisch ist, bin ich mir gar nicht mal sicher. Ich weiß ja nicht, ob sie (jungen) Männern nicht das Gleiche sagen und es vielmehr darum geht, eine preiswerte Arbeitskraft zu bekommen.

    2. DasSan sagt:

      Ja, leider begegnen mir solche Tricks selbst in der Firma, in der ich arbeite, dort ist es auch egal ob Mann oder Frau, nur mit dem Unterschied, dass die Stellen nicht vorher falsch deklariert werden.

  37. shivani sagt:

    Ein wenig Wertschätzung würde die Firma voranbringen… wann die das wohl kapieren?

    1. Nessy sagt:

      Vermutlich zu spät. Die demographische Entwicklung spricht jedenfalls gegen sie.

  38. frollein sagt:

    Die beiden Herren und Personaler, die das ausgeschrieben haben, sind wahrscheinlich noch total mit sich im reinen, weil sie ja immerhin einen Trainee und nicht „nur“ einen Praktikanten suchen. Das sind doch vielerorts auch die Leistungsträger der Wirtschaft…

    Die Doppelmoral, der wir Frauen genügen müssen, ist einfach wirklich nur traurig. Zum einen werden wir benachteiligt, ob wir es nun aktiv merken oder nicht, weil wir z.B. gar nicht erst in ein V-Gespräch geladen werden, weil wir Frauen im gebärfähigen Alter sind und damit zu viel Risiko bedeuten.

    Wenn wir dann Stellen ergattern, dann aber bitte immer gleich etwas schlechter bezahlt, denn das ganze Risiko, dass die Frau womöglich schwanger wird und ausfällt, dass muss man sich als AG gleich von Anfang an irgendwo „reinholen“. Im besten Falle gipfelt das wie bei Ihnen darin, dass wir Frauen überhaupt keine „qualifizierten“ Tätigkeiten mehr bekommen, weil wir im beruflichen Sinne eh nicht „fertig“ werden, weil uns ja IMMER die Familie dazwischen kommt.

    Was mich am meisten ankotzt: Ein Mann wird nie, nie, NIE im VG angesprochen, wie es denn mit der Familienplanung aussieht. Dabei können Männer genauso zuhause bleiben und ihre Elternzeit nehmen.

    Dieser durchaus mögliche Fall wird aber anscheinend doch so statistisch unbedeutend eingeschätzt, dass sich diese Frage erübrigt.

    Und wenn es schon so ist, dass immer die Frauen zu hause bleiben (müssen), dann macht man uns dafür auch noch das Leben in der Berufswelt schwer? Ich denke, auch diese zwei Herren brauchen noch ein paar Kinder, die Ihnen die Rente zahlen…

    Es ist und bleibt zum Kotzen.

    1. Nessy sagt:

      Bei Männern wird es in einigen Branchen ganz gerne gesehen, wenn sie Familienväter sind, habe ich den Eindruck. Gehört irgendwie zum guten Ton.

  39. Aava sagt:

    In meinen 20ern bin ich bei einem 2-stündigen Bewerbungsgespräch, das gefühlte 10 Stunden gedauert hat, mal auf Folgendes freundlicherweise hingewiesen worden:

    Personalerdepp: „Ja, Frau Aava, Sie wissen schon, wenn Sie es mit der höheren Führungsebene zu tun haben, müssen Sie auch viel Wert auf ihr Äußeres und Ihre Kleidung legen!“

    Frau Aava innerlich: „????“, „grmpf“, „Was soll das jetzt?“, „Seh`ich so scheiße aus?“, „Bin ich so minderwertig?“, „Sieht mein feines Kostümchen nicht fein genug aus?“, „Will der mich verkackeimern?“, „Ist der nicht sinnvoll erzogen worden?“, usw, usw. Erstaunlich, was man sich in einer Zeitspanne von 5 Sekunden so alles denken kann. Raus kam aber nur:

    Frau Aava äußerlich: „Wie darf ich das bitte verstehen?“

    Personalerdepp: „Naja, Frau Aava. Es ist doch so. Sie haben nun mal ein großes Problem: Sie sind eine Frau. Und das müssen Sie durch Ihr Äußeres wieder wett machen!“

    Danach bin ich gegangen.

    In echt passiert und ich war in echt sprachlos.

    1. Nessy sagt:

      „Ach … deswegen legen Sie selbst so wenig Wert … jetzt verstehe ich.“

  40. bee sagt:

    Hihi… wenn ich die obigen Kommentare zum Thema Familienplanung so lese (es ist übrigens tatsächlich so, daß überwiegend Frauen sowas gefragt werden, natürlich muß man darauf nicht wahrheitsgemäß antworten (ist höchstrichterlich entschieden), aber andererseits möchte man ggü. seinem zukünftigen Arbeitgeber ja vielleicht doch ehrlich sein oder zumindest nicht offensichtlich lügen), dann kommt mir in den Sinn, was wohl so ein Arbeitgeberseitenmann sagen würde, wenn man als Bewerber dann auf die Familienplanungsfrage anwortet: „Und wie sieht es bei Ihnen so mit der Zeugungsfähigkeit aus? Könnten Sie denn, wenn Sie wollten?“

    Den Job wird man dann auch nicht bekommen, hat aber auf jeden Fall richtig was zu erzählen später.

    In Bayern kann man auf die Frage nach dem Kinderwunsch übrigens, soweit zutreffend, auch antworten (in empörtem Tonfall): „Hören Sie mal, ich bin ja nicht einmal verheiratet!“

    1. Friederich sagt:

      Ach, Sie sind noch nicht verheiratet?
      Herr Müller, sind Sie dann mal bitte so nett, dem Frollein das Formblatt »Einverständniserklärung des Ehemannes« gegen das Formblatt »Einverständniserklärung des Vaters« auszutauschen?

  41. FF sagt:

    Ein Geschichtlein ist mir auch noch eingefallen.

    Bewarb ich mich doch dereinst als promovierter Historiker auf eine für drei Jahre befristete Stelle. Irgendeine Quellenedition. Hatte ich schon gemacht, konnte ich.

    Frug mich doch der Obergipskopf, ein in Bonn weltberühmter Historiker: Ob es nicht zu riskant sei, sich auf eine befristete Stelle zu bewerben. Ich solle ihm doch bitte schildern, was ich „danach“ zu machen gedenke. Ach, das wisse ich noch nicht? Besorgtes Kopfschütteln. Hüsteln. Mißbilligend über die Lesebrille schauen. Achselzucken.

    Es gibt Idioten.

    1. Nessy sagt:

      Sie hatten nicht direkt den fertig formulierten Antrag für das nächste DFG-Projekt in der Tasche? Das hätten Sie doch mal vorbereiten können!

    2. jpr sagt:

      Dann haette er Herrn FF verstaendlicherweise nicht genommen. Der ist ja nicht mit Enthusiasmus dabei, sondern hat schon seinen Ausstieg vorbereitet.

  42. Kirschbluete sagt:

    Erinnert mich an eine Bewerbung, wo eine Bürokauffrau für das Sekretariat und alle üblichen, anfallenden Bürotätigkeiten in Vollzeit und unbefristet gesucht wurde.
    Vor Ort war es dann eine Teilzeitstelle mit 3 Schichtbetrieb in einem Callcenter für Erotik-Chats! Solche Leute müsste man echt anzeigen.
    Aber gut pariert haben Sie.

  43. kundrys sagt:

    Oh, dear…

    Ich muss gestehen, ich glaubte es ja auch nicht, bis ich es selber erlebte.

    Dabei war besonders interessant: Ich (w) befand mich in der Endphase meiner Promotion – zeitgleich mit einem Kollegen (m) aus dem Nachbarlabor. Nun, die Stellen in unserem Bereich sind begrenzt, natürlich haben wir uns auf die gleichen beworben.

    So kam es, dass wir gemeinsam zu einem Vorstellungsgespräch gingen.

    Wir hatten also ein eng definiertes Versuchsfeld: Ähnliches Alter, ähnlicher Studienverlauf, Promotion im gleichen Arbeitskreis, Bewerbung auf die gleiche Stelle….

    Dreimal dürfen Sie raten, wer gefragt wurde, warum denn ausgerechnet an diesem Ort und was denn der Partner dazu sage…..

    1. Nessy sagt:

      Dabei erlebe ich die Frauen in meinem Umfeld als recht straight. Entweder haben sie keinen Partner und sind deshalb auch beruflich ungebunden. Oder ihre Männer sind in der gleichen Situation, und man führt ohnehin eine Fernbeziehung. Dass die Frauen für ihre Männer zurückstecken, erlebe ich unter Akademikern selten, um nicht zu sagen: nie.

  44. Vanessa Boysen sagt:

    Eine Freundin von mir hat mal ein Praktikum für 6 Monate gemacht. Danach wurde sie in Vollzeit in ein auf 3 Monate befristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Sie bekam weiterhin gutes Feedback von ihrer Vorgesetzten und den Teamkollegen. Gegen Ende der Befristung musst sie zum Chef und zur Personalerin. Man sei dann doch nicht so zufrieden, sie würden ihr aber gerne noch mal 3 Monate PRAKTIKUM anbieten. Sie meinte, dass sie erstens sehr überrascht sei von dieser negativen Rückmeldung und verwies darauf, dass sie auch schließlich von irgendetwas leben müsse. Darauf die Personalerin: „Aber du hast doch einen Freund.“
    Ich bin selbst lange Personalleiterin gewesen und muss sagen, dass ich froh bin, die Kollegin nie getroffen zu haben, weil es mir bis heute sehr schwer fallen würde, da die Ruhe zu bewahren.
    Meine Freundin hat das Ganze so mitgenommen, dass sie sich nie wieder irgendwo beworben hat, sondern sich sofort selbständig gemacht hat und es bis heute ist.

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