Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Vorbereitung auf die Vorbereitung

11. 04. 2011  •  28 Kommentare

Die Saison ist vorbei.

Am Wochenende hatten die Hühner und ich unser letztes Spiel. Ergebnis: Tabellenzweiter. Für den Trainer ist deshalb klar: Das Ziel der nächsten Saison heißt Aufstieg!

Mit Blick auf dieses Vorhaben hat er „eine intensivere Vorbereitung als in den vergangenen Jahren“ angekündigt. Er denke aktuell an „eine konzentriertes sechs- bis achtwöchiges Training für die Grundlagenausdauer“ im Juni und Juli mit „drei bis vier Einheiten pro Woche“. Natürlich „ohne Ball“. Erst danach gehe es in die Halle für ein „intensives Wurf- und Schnellkrafttraining“.

Und das mir. In meinem Alter. Als Ausdauerhonk und Konditionsklaus. //*gruselt sich wild

Das kann nur bedeuten: Ich muss sofort mit der Vorbereitung auf die Vorbereitung beginnen. Denn es ist mitnichten so, dass die angekündigten Ausdauereinheiten mit leichtem Walking starten. Vielmehr stellt sich der Trainer in den Park, breitbeinig, Stoppuhr in der Hand: „Wir beginnen ganz locker … zwei Runden … sieben, acht Kilometer … Sunny gibt das Tempo vor. Danach treffen wir uns noch am Weiher für eine kleine Sprinteinheit.“

Ab morgen also Vorbereitungsvorbereitung für verdiente Handballsenioren. Mit gelenkschonendem Wippen auf dem Crosstrainer.

Beim Frisör

7. 04. 2011  •  32 Kommentare

Mein Viertel steckt voller interessanter Geschäftsmodelle.

Neben Einszehn, dem Trinkhallenchamäleon mit der besonderen Preisstruktur, und Franco Gelatti, dem Vorreiter des Cross-Selling, verfolgt auch mein Frisör ein innovatives Konzept zur Kundenbindung. Schalten Sie Ihren Ton an und besuchen Sie mit mir den „Salon Chic“ von Sedat und Valentina:

Wenn ich zum Frisör gehe, gehe ich zu Sedat. Oder, wie man hier im Viertel sagt: Geh isch Haare, geh isch Sedat.

Sedat ist der Frisör hier um die Ecke, neben Einszehn. Einszehn kennen Sie noch, ne? Jedenfalls – Sedat gehört der Laden nicht, weil Sedat nämlich gar kein Frisör ist. Der Laden gehört seiner Frau – Valentina. Sie hatte gelernt die Frisör in die Heimat. Valentina hat auch die Hosen an. Sie sagt Sedat immer, was er tun muss, mit einem leichten Vorwurf: „Sedat! Kuksdu! Maksdu wekke die Haare von die Boden! Is alles voll von die Haare hier!  Gehte Kundin nache Hause, hatte die Fell an die Fuße!“ Dann nimmt Sedat den Besen und fegt die Haare weg.

Sedat selbst schneidet aber auch, obwohl er es nie gelernt hat. „Pflege isch die Kunst von die intuitive Schneiden, aber mache isch nur bei Männer! Mach isch brrrrrr mitti Maschine, haste du gute Frisur passend für Auto.“

Ich sitze im Damenbereich und lasse mir die Haare von Valentina machen. „Maken wir die Farbe und die Spitzen!  Musse schneiden die Spitzen, is ganz voller Spliss! Musse maken die Ansatz, is nicht uuubsch.“ Und wie ich so unter meiner Folie sitze, gucke ich zu Sedat rüber.

Und da kommt so ein junger Typ rein, keine Haare auf der Brust, aber Glitzerkette, und sagt: „Aaaah, was geht, Sedat? Kannsu Haare schneiden?“ Und Sedat sagt: „Kumm rain, bissu mein Freund, kann isch Haare schneiden.“ Er macht brrrrrr mit der Maschine, und der Typ geht wieder, ohne zu bezahlen, ohne alles. Dann kommt der nächste: „Aaaah, Sedat, Kannsu Haare schneiden?“ Und Sedat schneidet Haare.

Als ich dann an der Kasse stehe, frage ich: „Ist hier für Männer eigentlich umsonst?“ Und Sedat sagt: „Iss auch fur Frauen umsonst. Wenn du haste sehn Haarschnitt, hassu elfte Haarschnitt umsonst.“ – „Also hatten die gerade alle ihren elften Haarschnitt?!“ – „Nä, hatte auch neunte Haarschnitt und funfte, aber bessahlen ihre Umsonst-Haarschnitt in Voraus.“

So ist das hier in der Gegend. Hier kannst du deinen Umsonst-Haarschnitt im Voraus bezahlen.

Die Entenfrau

3. 04. 2011  •  32 Kommentare

Gegenüber meiner Wohnung befinden sich Zechenhäuser:

Kleine, bunt angemalte Häuschen mit schmalem Grundriss, zwei Fenster unten, zwei Fenster oben und ein ausgebauter Spitzboden. Zur Straße hin sind sie winzig, dahinter aber liegt eine beachtliche Scholle, auf der meine Nachbarn, verrentete Bergleute und krummrückige Stahlarbeiter, Tomaten züchten oder breitbeinig in quietschenden Hollywoodschaukeln und auf bunt gepolsterten Alustühlen sitzen, während Andrea Berg aus einem Kassettendeck schwülstige Lieder singt.

In jenem Haus, auf das ich von meinem Balkon aus blicke, wohnt die Entenfamilie. Die Entenfamilie besteht eigentlich nur aus Muddi und Vaddi, heißt aber so, weil aus dem Fenster im ersten Stock eine vergilbte Sammlung unterschiedlich großer Porzellanenten auf die Straße schaut. Muddi und Vaddi sind beide deutlich übergewichtig und modisch im Segment Hauskittel und Feinrippunterhemd anzusiedeln.

Muddi besitzt neben ihrem natürlichen Stil & Chic eine besondere Fähigkeit: Sie hat das absolute Gehör. Sobald ein Geräusch die Straße hinunter hallt, steckt sie ihren matronenhaften Körper in die Haustür, beugt sich über die Vordertreppe hinaus auf den Bürgersteig, schaut nach links, schaut nach rechts und prüft mit gerunzelter Stirn und zusammengekniffenen Augen die Lage. Meistens ist nichts los. Dann watschelt sie wieder hinein, die Tür laut hinter sich zuschlagend.

Vaddi interessiert sich hingegen weniger für das Geschehen in der Nachbarschaft. Er ist nur auf den Parkplatz vor seinem Haus bedacht. Deshalb hat er neben seiner Haustür ein Schild mit dem Text „Reserviert für 19“ angebracht. Gemeint ist der öffentliche Parkstreifen vor dem Haus. 19 ist Vaddis Hausnummer.

Weil allerdings nicht jeder Dahergefahrene sein Schild achtet, blockiert Vaddi den Parkplatz zusätzlich mit einem Anhänger, auf dem er im Herbst einmalig Kaminholz transportiert hat. Der Anhänger steht im Gestrüpp neben dem Parkstreifen. Wenn Muddi und Vaddi nun einen Ausflug machen, steigt Vaddi ins Auto und setzt es rückwärts vom Seitenstreifen auf die Straße. Derweil zerrt Muddi den Anhänger aus dem Gebüsch und platziert ihn mittig vor dem Haus. Kommen die beiden zurück, fährt Vaddi an den Parkstreifen heran, Muddi steigt aus, zerrt den Anhänger zurück ins Gebüsch, und Vaddi parkt an seiner Statt auf Parkplatz 19.

Seit einigen Wochen beobachte ich nun eine weitere Regelmäßigkeit, nämlich, wie pünktlich nach den Tagesthemen gegenüber das Licht ausgeht. Erst in den unteren Räumlichkeiten, dann in den oberen. Fünfzehn Minuten später allerdings geht das Licht unten wieder an. Dann steht Muddi mit einem Telefonhörer am Ohr am erleuchteten Fenster, während Vaddi oben schläft.

Erst dachte ich, dass sie einen Nebenerwerb am Laufen hat („Süße Bergarbeiterfrauen – heiß und willig“). Inzwischen bin ich mir allerdings sicher, dass sie sich gemeinsam mit einem nächtlichen Geliebten ein unbeschwertes Leben ohne Anhängerzerren erträumt. Vielleicht erlebe ich noch, wie er eines Tages vorfährt, in einem Auto ohne Anhängerkupplung, hupt und ihr durch die heruntersurrende Seitenscheibe zuruft: „Komm, Entenfrau! Jetzt oder nie!“ Dann watschelt sie in einem frisch gebügeltem Kittel aus dem Haus, steigt zu, und die beiden verschwinden ins Abendrot in Richtung Bochum.

Lotto Queen Nessy

1. 04. 2011  •  51 Kommentare

Gewönne ich 24 Millionen,

… würde ich niemandem etwas sagen.

… würde ich weiterarbeiten. Teilzeit. Oder freiberuflich. Nur noch nette Sachen.

… würde ich drei Monate im Jahr in den Urlaub fahren. Vielleicht in den Himmalaya, den Manaslu-Treck. Und nach Peru. Und nach Namibia. Oder einfach mal an die Ostsee, so zwischendurch. Und nach Kopenhagen.

… würde ich mir ein Auto kaufen und den vollen Werkstatt-Service gleich dazu. Weil ich keine Ahnung von Autos habe und ich mich um den Quatsch nicht kümmern möchte. Birne vorne rechts kaputt, Anruf beim Autobjörn, der die Kutsche dann abholt und die Birne wechselt. So in der Art.

… würde ich mir eine Bahncard 100 kaufen und mich durch die Gegend fahren lassen, wie es mir gefällt. Erster Klasse. Ich würde Sie alle besuchen und mit Ihnen ein Mädchenbier trinken.

… würde ich mir eine Wohnung kaufen, ein paar schnittige Handwerkergesellen engagieren und die Hütte nach meinen Vorstellungen renovieren. Wenn ich nicht auf Reisen bin, stöbere ich schöne Möbel auf und richte mich ein.

… würde ich mir ein Klavier kaufen und Klavierspielen lernen.

… würde ich mir, weil sich 24 Millionen praktisch von selbst vermehren und ich gar nicht weiß, wie ich sie für mich allein verwenden soll, etwas Gutes ausdenken. Nicht für einarmige Baumwollpflücker in La Paz, sondern ein Projekt nebenan. Für Kinder und für Alte. Müsste ich drauf rumdenken.

Allerdings: Wenn ich das alles tue, kann ich nicht verheimlichen, dass ich im Lotto gewonnen habe. Vielleicht sollte ich einfach sagen, ich hätte 4 statt 24 Millionen gewonnen. Das klingt nicht so total verrückt. Was meinen Sie?

Bitte antworten Sie schnell. Ich muss das bis morgen wissen.



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