Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Heute reißen sie einen auf

28. 02. 2011  •  47 Kommentare

Samstagabend in der U-Bahn.

Im Vierer nebenan sitzen zwei Mädels von calmundscher Leibesfülle, die Körper in fusselige Wollpullover gehüllt. Sie sind 16, vielleicht 18, tragen Irokesenschnitt, Piercings und lila Lippenstift.

Chick One: Was ziehstu ’ne Fresse, ey?
Chick Two: Hab kein Bock.
Chick One: Wenn du immer nich‘ Bock hast, lernen wir nie einen kennen.
Chick Two: Fick dich.
Chick One: Wir müssen rausgehen, ey. Glaubstu, wenn du zu Hause bleibst, der Prinz kommt zur dir nach Hause, oder was? Glaubstu, der schellt an deine Tür, so wie der scheiß Typ von der scheiß Post und sacht: Ey, gucksdu hier, ich bin dein Prinz, küss mich und so?!
Chick Two: Halt die Fresse.
Chick One: Heute gehen wir raus und reißen einen auf. Wofür hast du dich geschminkt, ey? Heute reißen wir einen auf.
Chick Two: Typen stehen voll nicht auf Fette.
Chick One: Scheiß egal, ey, in dem Schuppen ist es voll dunkel, da merkt der gar nicht, dass du fett bist. Der sieht nur deine Augen, und wenn du dann schon mit ihm gehst, merkt er erst, wie fett du bist. Dann ist es aber voll zu spät, weil du hast ihn ja schon aufgerissen.
Chick Two: Du bist voll der scheiß Spinner, ey.
Chick One: Was glaubst Du, scheiß Spinner. Ich hab noch Hoffnung, ey. Im Gegensatz zu dir.

Dann steigen sie aus.

Beobachtungen aus der Promillewelt

25. 02. 2011  •  90 Kommentare

Es ist schon erstaunlich, wie viele Leute Alkoholiker sind.

Ungefähr bei jedem zweiten Einkauf steht ein Mensch vor mir in der Schlange, der drei Flaschen namenlose Cola und zwei Flaschen Weinbrand kauft, manchmal auch Korn, manchmal auch Wodka,  es tut nichts zur Sache. Dazu eine Packung Mortadella und eine Packung geschnittenes Brot – vielleicht, weil er es essen möchte, vielleicht, weil er damit den Alkohol nach einem normalen Einkauf aussehen lassen will. Er hebt kein einziges Mal den Blick, legt dem Kassierer das Geld aufs Band,  stopft das Brot, die Wurst und die Flaschen in einen Rucksack und verlässt den Laden, ohne jemanden angeschaut zu haben.

So ist es im Ghettonetto. Dort erkennt man sie sofort. Im Ghettonetto erwartet man sie schließlich auch. Rotnasig, aufgequollen, in abgetragenen Strickwesten und mit steifen, zittrigen Händen.

Männer kaufen Bier und Schnaps. Frauen kaufen Bier, Sekt und manchmal Wein aus dem Tetrapack. Männer sagen nichts, Frauen schieben mit dem Geld auch eine Entschuldigung zum Kassierer. „Meine Freundin aus Breckerfeld kommt heute zu Besuch, wa.“ Dabei hat der Kassierer gar nicht gefragt. Er weiß sowieso, was los ist, und die Frau weiß auch, dass er weiß, dass die Freundin schon seit drei Jahren nicht mehr da war und in den nächsten drei Jahren auch nicht kommen wird. Dass sie erst wiederkommt, wenn die Alte sich zu Tode gesoffen hat, mit einem Kranz und einem schlechten Gewissen.

Am Bahnhofsyormas steht eine andere Klientel. Da sind es nicht die, denen man ansieht, dass sie verloren haben. Da sind es die Berufstätigen, die Dienstbeflissenen. Aber nicht die Anzugträger. Meistens sind es Männer vom Typ Buchhalter in Bundfaltenhose und einem Pullover, der niemals modern war. Es ist später Nachmittag, und sie sind auf dem Heimweg zu ihrer Frau; die Kinder sind längst aus dem Haus. Oder sie kehren in ihr Zwei-Zimmer-Appartment mit Kochnische zurück, das sie seit der Scheidung bewohnen. Sie stellen ihre Aktentasche auf die Ablage vor der Glastheke, hinter der sich die Salamibaguettes stapeln. Sie sagen „Zwei Bier, bitte“, wühlen in ihrer ausgebeulten Ledertasche und holen drei leere Dosen Pfand heraus. In dem Moment weißt du: Die hat er sich heute morgen gekauft, bevor es ins Büro ging. Dann bezahlt er, steckt eine Dose ein, die zweite öffnet er schnalzend und setzt sie sofort an. Ein kühles Blondes nach der Arbeit, wer will ihm das verdenken.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Leute Alkoholiker sind. Achten Sie mal darauf.

Glotzauge, sei wachsam

21. 02. 2011  •  36 Kommentare

Montagmorgen,

eine bezaubernde, neue Woche lächelt uns an. Wir wollen ihr gerne herausfordernd zuzwinkern, aber Müdigkeit drückt bleiern auf unseren sonst wachen, energischen Blick. Dabei stecken wir doch voller Tatkraft, Tüchtigkeit und Liebreiz!

Sie kennen das? Fühlen es sogar gerade (vielleicht abgesehen von der Tatkraft)? Aus Japan kommt nun eine Antwort auf das Problem: Eye Talk. Was das Auge vermittelt, braucht der Mund nicht erzählen.

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Ab 0:45 deutet sich eine Lösung für das leidige Montagsschlupflid an. Erste Ergebnisse ab 01:25. Es folgen Variationen, auch für Meetings, in denen Ihnen die Augen zufallen.

In diesem Sinne: Frisch auf! Genießen Sie die Woche!

Nudeln

17. 02. 2011  •  45 Kommentare

Zwei Chicks in der U-Bahn.

Chick One: ‚Schab voll Hunger auf Nudeln.
Chick Two: Komm, wir gehen Italiener.
Chick One: Nä, Pizza hab’isch kein Bock.
Chick Two: Boah, du Versager! Nudeln sind auch italienisch.
Chick One: Nudeln sind voll muslim!  Mein Freund is‘ Türke und isst nur Nudeln, weil is‘ ohne Schweinefleisch!
Chick Two: Und Spaghetti Bolognese, hä?
Chick One: Is‘ mit Gehacktes, nich‘ mit Fleisch!

Essen vor dem Sport

16. 02. 2011  •  62 Kommentare

Dieses Blog ist ja ein Serviceblog.

Nach meinen gestrigen Erfahrungen mit Honig-Senf-Dressing, zu mir genommen um 15 Uhr, und dem – nicht wirklich anschließenden – Training um 19 Uhr möchte ich Ihnen ein paar Tipps zum Essen vor dem Sport nicht vorenthalten.

Honig-Senf-Dressing: Wie gesagt. Man denkt, Salat ginge immer. Aber probieren Sie mal Honig-Senf-Dressing vor dem Training. Ein Geschmack, der niemals vergeht.

Cornflakes mit Milch: Die Massenträgheit von Flüssigkeiten ist auch im Körper nicht zu unterschätzen. Besonders bei Übungen wie: SitUps an der Grundlinie – Spurt zur Mittellinie – Liegestütz – Spurt zurück zur Grundlinie – Strecksprünge – und so fort. Spätestens nach den Strecksprüngen verbleiben die Cornflakes im oberen Drittel Ihres Halses und stecken dort für Stunden fest.

Zwiebeln und Knoblauch: Nicht wegen des Geruchs. Sondern, weil Sie beim Training einen Brand bekommen, dass Sie für fünf trächtige Kühe saufen möchten. Schon nach der ersten Laufeinheit halluzinieren Sie, ein Tankwagen mit Isostar führe neben Ihnen her.

Banane: Von wegen, Banane vor dem Sport sei super. Mussten Sie schon einmal eine Trainingseinheit lang Banane aufstoßen? So einen Mundgeruch hat nicht mal ein ausgewachsener Ameisenbär.

Weintrauben und WasserDer Garant für Magenkrämpfe und böse Unglücke. Sollten Sie sich beim Joggen im Wald befinden, ist es nicht so tragisch. Es gibt ja Bäume und Sträucher in der Nähe. Heißer Tipp: Nehmen Sie stets einen Zweig zur Hand – für den Fall, dass Sie ein freilaufender Hund in ungebührlicher Haltung hinter einem Busch antrifft. Werfen Sie das Stöckchen dann fort zum Apportieren und beeilen Sie sich.

Fester Kuchen: Geht hingegen immer. Unzählbar die Tore, die ich dem Nusskuchen von Opa Konni zu verdanken habe.

Falls Sie die Liste mit Ihren persönlichen Erlebnissen ergänzen möchten: Fühlen Sie sich frei.

Just his 10 Cents

14. 02. 2011  •  37 Kommentare

Klaviermusik in der Einkaufsstraße.

Zwischen Parfümerie und Papeterie sitzt ein junger Bursche an seinem Instrument. Er trägt Sweatshirt und Jeans. Seine Chucks drücken wippend die Pedalen nieder. Er ist vielleicht 18 oder 19 Jahre alt und spielt Chartmusiken.

Ich bleibe stehen. Er spielt gut. Schnell bildet sich eine Traube kichernder Mädchen in seinem Rücken. Geschminkte Frauen mit Lederhandtaschen bleiben stehen, ebenso Familien mit Kindern. Ein Bettler auf Krücken kommt herangehumpelt. Er hat nur ein Bein. Sein Stumpf steckt in einer ausgeleierten Jogginghose, die ihm fleckig um den Körper hängt.

Der Bursche spielt jetzt „Numb“ von Linkin Park. Die jungen Mädchen necken sich, schubsen sich zu der roten Mütze mit den Geldstücken, werfen Münzen hinein, lächeln schüchtern dem Musikanten zu und hüpfen übermütig wieder zurück zu ihrer Gruppe. Die Damen mit den Lederhandtaschen unterhalten sich leise miteinander, blicken zum Klavier und nicken anerkennend, als seien sie in der Oper.

So stehen wir eine Weile da. Coldplay, Nirvana und nochmal Linkin Park, diesmal Crawling.

Nach 20 Minuten verbeugt sich der junge Musiker und klappt den Deckel auf die Tastatur. Die Mädchen stehen ein bisschen unschlüssig herum, dann gehen sie untergehakt davon. Die Handtaschendamen zerstreuen sich.

Als der Klavierspieler gerade seine Mütze einstecken möchte, humpelt von hinten der Bettler heran, stoppt, klemmt seine Krücke unter, fischt zehn Cent aus seiner schlabbrigen Hose und legt sie in die Mütze. „Mach deinen Weg. Ich hab’s nicht geschafft“, sagt er und berührt den Burschen flüchtig mit der freien Hand an der Schulter.

Dann nimmt er seine Krücken, dreht sich um und hinkt fort.

Einfach mal den Mund halten

10. 02. 2011  •  66 Kommentare

Liebes Tagebuch,

falls du dich fragst, warum ich nur Dinge esse, die nicht höher als ein halber Zentimeter sind: Ich habe mir gestern den Kiefer ausgerenkt.

Nein, mich hat kein Handball getroffen. Ich habe auch keine Oma vor einem bösen Räuber gerettet und dabei einen Kinnhaken eingesteckt. Ich habe nur ein Storck Riesen gegessen, das mir ein Kollege ohne Warnung vor seiner Gefährlichkeit angeboten hat.

Ich nehme mein Schicksal als Hinweis, zwischen den Mahlzeiten nicht mehr zu naschen. Obwohl das Lutschen von Schokostücken gerade am besten geht.

P.S.: Ich schaue mal, ob ich noch ein paar Bananen da habe.

Mein Beitrag zur Frauenquote

7. 02. 2011  •  138 Kommentare

Dieser Tage wurde viel über Frauen in Führungspositionen diskutiert. Und über die Frauenquote.

Ich habe zur Quote keine Haltung. Ich kann nur erzählen, warum Sie mich niemals in einer Chefetage finden werden, egal ob mit oder ohne gender mainstreaming. Nicht, weil mir die Tätigkeit an sich keinen Spaß machen würde. Oder weil ich Verantwortung scheue. Ich glaube, beides – Aufgabe und Verantwortung – könnten mir Freude bereiten. Warum ich es nicht will, hat drei andere Gründe:

Erstens. Ich möchte nicht jahrelang 70 Stunden in der Woche arbeiten. Das hat nichts mit Kinder und Familie und Vereinbarkeit zu tun. Sondern das hat etwas damit zu tun, dass ich nicht auf dieser Welt bin, um mein Leben vollends einem Konzern zu widmen.

Um eins an dieser Stelle noch kurz klarzustellen, denn auf diesen Gedanken könnten Sie jetzt kommen: Ich bin weder faul noch unloyal. Ich arbeite gerne. Meine Arbeit macht mir viel Spaß. Ich arbeite oft mehr, als mein Arbeitsvertrag vorsieht. Weil es spannend ist. Weil ich für ein Projekt brenne. Weil ich es für meine Leute tue. Zugegeben – manchmal auch, weil es mein Pflichtgefühl erfordert. Ich finde, alles vier sind ehrenwerte Motive.

Ich weiß auch: Wer gewinnen will, muss Leistung bringen; ohne Training keine Tore, ohne Tore kein Sieg – so ist das beim Handball und woanders auch. Aber bei allem Brennen für ein Projekt: Ich bin nicht mein Job, und mein Job ist nicht ich. Es gibt eine Frau Nessy außerhalb des Jobs. In meiner Familie. Bei Freunden. In der Zeit mit mir selbst. Diese Momente sind mir kostbar. So kostbar, dass ich sie keiner Firma dauerhaft unterordnen möchte – schon gar nicht als Lebensprinzip. Denn ich glaube nicht, dass ich mit 80, wenn ich in meinem Schaukelstuhl sitze und reminiszierend vor mich hin wippe, denke: „Hättest du mal mehr Tage im Büro verbracht!“

Überhaupt: die Anwesenheitskultur in diesem Deutschland, in dem Home Office ein Synonym für „Urlaub“ ist. Wo Fleiß bedeutet, in der Firma zu sein, und wo Leistung heißt, so lange für seine Aufgaben zu brauchen, bis es draußen dunkel ist. Wo es sinnvoller ist, vor sich hin zu wurschteln und öfter mit den richtigen Leute an der Kaffeemaschine zu stehen, als sich zu organisieren und sein Ding effektiv durchzuziehen. In dieser Welt bin ich nicht zu Hause.

Zweiter Grund – und das muss ich an dieser Stelle so deutlich sagen: Die zahlreichen Streber, Blender und Arschkriecher, die ich in meinem Berufs-und sonstigen Leben schon getroffen habe, kotzen mich an. In der Mitte auf dem Weg nach oben gibt es so viel Täuschung, Korruptheit und Unaufrichtigkeit, dass mir übel wird. Ich bin ein sozialer Mensch. Ich arbeite gerne im Team. Ich bin kein verkappter Einzelkämpfer, der im entscheidenden Moment die anderen beiseite boxt, um als Einziger ehrlos zu profitieren. Legen Sie es mir als mangelnden Kampfgeist oder fehlende Eier aus – egal: Ich möchte darüber definiert werden, wer ich bin und was ich kann, nicht über das, was ich darstelle.

Ich spiele außerdem – dritter Punkt – nicht bei diesem ganzen Networking-Quatsch mit. Damit meine ich nicht nur Xing oder Facebook oder whatever, sondern auch die Offline-Variante: zielgerichtete Zweckfreundschaften und verlogen-kumpelhaftes Auf-die-Schulter-Klopfen, nur um irgendwann von diesen Verbindungen zu profitieren. Männer pflegen dazu pseudomaskulines Ritualgetue, das man als Frau gar nicht erst versuchen sollte mitzumachen. Als Alternative bleibt nur die angestrengte Gegenbewegung des leicht beleidigten Frauennetzwerkens in Gesprächskreisen und Podiumsdiskussionen. Muss ich beides nicht haben.

Ich möchte arbeiten, ausreichend Geld verdienen und Spaß dabei haben. Gerne auch in einer Führungsposition. Aber ich sehe nicht, dass das in diesem Land funktioniert, ohne dass ich mich aufgebe.

Zahnärzte und ich

4. 02. 2011  •  47 Kommentare

Ich mag Zahnärzte, die mit mir scherzen.

Etwa beim Bohren. „Huch, was ist das denn? … Oh … oje … Haha, Spaß! Atmen Sie weiter, Frau Nessy.“ Oder beim Weisheitszahnziehen: „Verdammt, so ein Mist … abgebrochen … Quatsch, nee, ist fertig. Spülen Sie aus.“ Humor in misslichen Momenten – finde ich super.

Meine neue Zahnärztin ist auf Angstpatienten spezialisiert. Ich bin zwar keiner, aber kann ja nicht schaden, dachte ich mir. Doch irgendwie fehlt dabei der Spaß. Dieses Einfühlsame – ich weiß nicht. Sie ist so wahnsinnig ernsthaft bei der Berufsausübung. Dabei gibt es beim Zahnarzt viel Interessantes zu sehen.

Nessy: Was verstecken Sie denn da neben dem Stuhl?
Supersensible Zahnärztin: Das ist die Spritze.
Nessy: *brummt freudig (Entdeckermodus)
Supersensible Zahnärztin: Ich halte sie immer außerhalb des Sichtfelds. Sie könnte sonst bedrohlich wirken.

Wir müssen wohl erst noch zueinander finden. Allerdings wird das etwas dauern. Wegen zu schöner Zähne.



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