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Gelesen

2. 04. 2010  •  1 Kommentar  •  Aus der Kategorie »Lektüre«
Colin Cotterill. Dr. Siri und seine Toten
Dr. Siri, Anfang 70, ist der einzige Leichenbeschauer Laos‘. Er arbeitet mit schlechter Austattung, und wenn er doch einmal etwas herausfindet, lässt das Regime seine Erkenntnisse unter den Tisch fallen, weil sie politisch unerwünscht sind. Doch Dr. Siri ermittelt eigenmächtig und mit einer guten Mütze Verschrobenheit weiter. Ein wunderbar ungewöhnlicher Krimi mit kleinen Einblicken in die fremde Kultur. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Sara Gruen. Wasser für die Elefanten
Ein Zirkus kommt in die Stadt. Der alte Jacob sieht es aus dem Fenster seines Altersheims. 70 Jahre zuvor, in der Zeit der Großen Depression, arbeitete er selbst bei einem Wanderzirkus – mit Artisten, Tieren und einer Dicken Dame. Er verliebt sich: in Rosie, den Elefanten, die nichts kann außer fressen, und Marlena, die verheiratete Dressurreiterin.

Es ist ein Buch mit zwei Jacobs: dem heutigen, der im Kampf gegen seinen geistigen und körperlichen Verfallen lebt, und dem damaligen, der unbedarft bei „Benzini’s Spektakulärster Show der Welt“ anheuert. Ein fröhliches und ein trauriges Buch, eine außergewöhnliche Geschichte, ein aufrichtiger Protagonist. Lesenswert.

Katharina Hagena. Der Geschmack von Apfelkernen
Tante Bertha stirbt. Nichte Iris erbt das Haus. Sie küsst den Bruder einer Kindheitsfreundin und erzählt in Rückblicken die Geschichte ihrer Tante und ihrer Kusinen. Rührselige Geschichte, eindimensionale Handlung. Keine Ahnung, warum das Buch auf den Bestsellerlisten steht. Wahrscheinlich, weil ganze Bataillone von Mittvierzigerinnen sie ihren Freundinnen schenken.

Heinz Strunk. Die Zunge Europas
Markus Erdmann ist Gagschreiber, macht aber die meiste Zeit nichts. Jeden Sonntag besucht er seine grantelnde Großmutter. Mit seiner Freundin Sonja hat er sich in behaglicher Gleichgültigkeit eingerichtet. Dann trifft er die gut aussehende und witzige Janne im Zug. – Eine Woche im Leben des Misanthropen Markus Erdmann: Lebenskrise trifft Zynismus trifft Beobachtungsgabe. Seltam gut, wenngleich ohne große Handlung und bisweilen zu selbstverliebt.

Markus Zusak. Die Bücherdiebin
Ein Buch, dessen Erzähler der Tod ist. Ein Mädchen, das um des Lesens willen liest. Ihre Pflegeeltern, die an ein Versprechen gebunden sind. Und rundherum der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, die Geborgenheit des Straßenfußballs – und Rudi.

Der Erzähler ist distanziert, aber emphatisch; sein Sprachstil ist erfreulich einfach – was das Grauenvolle der 1930er und 40er Jahre noch grauenvoller macht und womit er der Hauptfigur, die kleine Bücherdiebin Liesel Meminger, in ihrem Charakter mit jeder Seite mehr Tiefe schenkt. Ein klasse Tipp, der mich am Ende ein paar Tränen gekostet hat. Lesen!

[Fortsetzung folgt. Bin ja erst am Anfang.]

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