Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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Seit dem Urlaub …

24. 02. 2010  •  Keine Kommentare
… gelesen:

Andrew Sean Greer. Die Nacht des Lichts
Astronomen, deren Leben dem Lauf eines Kometen folgt. Alle sechs Jahre treffen sie sich wieder. Dazwischen leben sie, lassen sich leben, kreuzen sich ihre Wege, laufen sie auseinander. Ein intelligent konstruiertes Mosaik – doch kommt man als Leser nie an die Figuren heran. Ein Manko.

Andrew Sean Greer. Geschichte einer Ehe
„Wir glauben, die zu kennen, die wir lieben“, denkt Pearlie und erlebt genau das Gegenteil. Doch: Was ist Liebe? Dem Ehemann ein angenehmes Leben bescheren, indem man die schlimmen Nachrichten aus der Zeitung ausschneidet? Oder für ihn auf den eigenen Lebenstraum verzichten? Auch hier: eine Geschichte, interessant konstruiert, aber fern davon, Empathie zu erzeugen.

Jo Nesbo. Der Fledermausmann
Kommissar Harry Hole soll in Australien den Mord an einer Norwegerin aufklären. Er begegnet dabei den Mythen der Aborigines, allerlei verschrobenen Figuren – und verliert sich darin so sehr, dass ich den Krimi nicht zu Ende gelesen habe. Zu langatmig, zu verworren, zu dünne Story, zu wenig stringent erzählt.

Isabell Allende. Das Siegel der Tage
Geschichte der Familie Allendes nach dem Tod von Tochter Paula. Zwei lesbische, buddhistische Nonnen nehmen sich eines elternlosen Säuglings an, der Sohn muss drei Kinder durchfüttern, Allendes Mann versucht sich am Schreiben, sein Buchhalter bestellt eine Frau aus dem Katalog. Alles sehr nett, manchmal ein bisschen zu gefühlig, aber alles in allem gut in der Bahn zu lesen. Definitiv ein Frauenbuch.

Aktuell auf dem Nachttisch: Ian Rankin. So soll er sterben.
Ein Ausländer wird erstochen. Im Keller eines Pub finden sich zwei Skelette. Eine Bürgertochter verschwindet. Die Kommissare Rebus, Clarke und ihre Kollegen ermitteln. Bis Seite 200 – dort bin ich jetzt – ist allerdings wenig Schwung in der Geschichte. Größtes Problem: zu viele Ermittler an zu vielen verschiedenen Orten. Ich werde aber trotzdem weiterlesen. So arg schlecht wie „Der Fledermausmann“ ist es bislang nicht.

Fazit: alles nicht der Burner. Hat jemand Lesetipps?

Störungen im Betriebsablauf

2. 02. 2010  •  Keine Kommentare
Bist Du erstmal im Harz, lässt er dich so schnell nicht wieder fort.

Am Gleis sind es minus 10 Grad, vielleicht minus 15. Wie Pfähle stehen die Menschen im Schnee und starren auf die Schienen. Atemwolken steigen auf. Die Minuten vergehen.

Dröhnend und knirschend zieht eine Diesellok drei Waggons vor deine Füße. In der Bahn: Hitze, Langlauffreunde, Wehrdienstleistende und eine Gesellschaft spaßwillliger Hausfrauen. Ich steige zu. Ein Seesack stürzt sich aus der Kofferablage auf mich herab. Der Zug fährt an. Ich plumpse neben einen Burschen in Flecktarn.

Ringelheim. Die Gruppe likörschwangerer Hausfrauen liest sich aus dem „Männerhasserbuch“ vor. „Warum ist ein Mann nur einssechzig wert?“ Wildes Gackern. Der Zug bebt. Ich sehe aus dem Fenster. Der Schnee bedeckt, was noch bleibt vom Restlicht des Tages. Die Sonne senkt sich hinter den Horizont.

Baddeckenstedt. „Wie lange muss ein Mann kochen?“ Die Frauen kreischen und reichen kleine Feiglinge herum. Der Wehrdienstleistende neben mir scharrt mit den Kampfstiefeln. Er liest ein Buch mit einer silbernen Axt auf dem Einband. Ich erwarte Böses.

Derneburg. Die einsetzende Dunkelheit verschweigt dem Reisenden, ob er noch im Diesseits fährt oder durch ein schwarzes Loch hindurch in eine andere Galaxie gelangt ist. Die Männerhasserinnen und ich – Vertreter des Planeten Erde auf dem Weg zu Centaurus A.

Groß Düngen. Themenwechsel von Männern zu Bohnen, marginal, wie sich zeigt: anschwitzen oder nicht, pfeffrig oder laff? Die Langläufer erheben sich knisternd, verpackt wie Geschenke in ihren Thermohosen und wattierten Jacken, und holen ihre Skier aus den Ablagen. Nur knapp entgehe ich meiner Erdolchung. Wir nähern uns also dem Ziel.

Die Diesellok zieht mich, die Skiläufer und die Hausfrauen ins Licht. Nicht Centaurus A, kein Quasar, sondern Hannover. Endlich. Eine halbe Stunde Aufenthalt ist vorgesehen. Zeit für eine Brezel und ein Wasser, dann hinein in den ICE gen Süden. Doch es kommt anders.

Weiße Schrift auf blauem Grund zeigt 30 Minuten Verspätung an. Der Wind auf dem Gleis macht kalte Ohren, kriecht die Beine hinauf und frostet dein Gemüt. Raucher drängeln sich zusammen. Auf einem Servicewägelchen schunkeln als heiß gekennzeichnete Kaltgetränke. Die Menge schweigt.

Dann: „Aufgrund von Störungen im Betriebsablauf verzögert sich die Einfahrt des ICE acht – vier – sechs nach Trier um weitere 20 Minuten.“ Erboste, zornerfüllte Münder speien hässliche Worte über den Bahnsteig. Gewalt gegen das Servicewägelchen bricht aus. Dann Gemurmel. Schicksalsergebene Ruhe. Du kommst nicht heraus aus der Gegend, sie hält dich fest.

Nach 30 Minuten Aufenthalt und 50 Minuten Verspätung: Der ICE, der dich fortbringt. Erwartungsfrohes Füßescharren auf dem Bahnsteig. Neben mir harren zwei Bayern auf Einstieg. „Näkste Mal kimma mit’m Radl.“ – „Da samma schneller.“ – „Und kälter is a net!“

Wir betreten den Waggon und fahren fort aus dem Harz.
Es geht also doch.



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