Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

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S 31 Altona – Neugraben

14. 12. 2009  •  Keine Kommentare
Ich steige zu – und damit gleichzeitig in das Gespräch im benachbarten Vierersitz ein:

[…]
Oma: … nur Brei und Saft im Altersheim.
Opa: Keinen Schnaps?
Oma: Frau Fahlbusch sagt, nein.
Opa: Frau Fahlbusch liegt auch schon.
Oma: Sie hat doch so gerne Croissants gegessen.
Opa: [nachdenklich] Nur Brei und Saft …
Oma: Kein Eis.
Opa: Kein Bier. Dann lieber gleich in die Kiste.
Oma: Sternschanze, die nächste?
Opa: Dammtor.
Oma: Dann muss ich raus.
Opa: Einkaufen?
Oma: Kino.
Opa: Allein?
Oma: Möchten Sie etwa mit?
Opa: Wenn es Ihnen nichts ausmacht. Ich esse auch noch feste Nahrung.
Oma: [kichert mädchenhaft]
Opa: [galant] Darf ich Sie auf ein Popcorn einladen?
Oma: Gerne.
Opa und Oma: [steigen gemeinsam aus]

Wolfi

6. 12. 2009  •  Keine Kommentare
Weihnachtsfeier der Handballhühner. Ort ist ein Partykeller im Ruhrgebiet – mit Tresen, rustikalem Fliesenspiegel und Eiche-Sitzgarnitur. An den Wänden hängen Hertha-Wimpel, verstaubte Trollfiguren, ein Grillmeister-Diplom und ein Foto mit alten Männern in engen Trikots, Titel: „Helden der Kreisklasse“. Zweite Reihe, dritter von links: Wolfi, der Hausherr.

Wolfi, Zeitnehmer meiner neuen Mannschaft, ist ein Mann mit braunen Knopfaugen, einem kurzen, silbernen Bart und grauem, strubbeligen Haar. In diesen Tagen könnte man ihn – auch figürlich – für den Weihnachtsmann halten, trüge er einen roten Mantel und kein kariertes Flanellhemd.

Wolfis Platz ist hinter der Theke. Links von ihm, dort, wo der Tresen seinen Schwung zur Wand macht, steht neben dem Plattenspieler sein Juwel: seine Sammlung Maxi-Singles. Während er seinen jungen Gästen Bier zapft, streicht er zärtlich über die Cover. Rechts von ihm, in einer gemauerten Nische neben dem Tresen, klemmt der Rest seiner Plattensammlung; 200, vielleicht 300 Scheiben sind es. „Kennste die?“ fragt er und zieht die Bay City Rollers hevor. Ich bin mir nicht sicher.

Ich stelle mir vor, wie Wolfi, wenn an einem verregneten Herbstsonntag seine melancholische Ader pulsiert, in karierten Pantinen in seinen Partykeller hinabsteigt, wie er sich einen Barhocker hinter die Theke zieht, ein Bierchen zapft und sich Platten auflegt – eine nach der anderen. Draußen wird es dunkel, das Bier im Glas ist nicht mehr das erste, und als es nach zwei Stunden mit Wolfi durchgeht, moscht er wippend, aber immer noch auf dem Hocker sitzend, zum Rhythmus der Musik.

Als es spät wird, gibt Wolfi tatsächlich den DJ. Die Mädels tanzen auf den Fliesen vor seinem Grillmeisterdiplom. Wolfis Wangen glühen rot unter seinem grauen Bart – vor Wärme und vor Freude, wenn er mit „Born to be alive“ die Twenty-Somethings in Bewegung hält. Dass zwischen den Liedern immer eine Pause bleibt, während er die Platten wechselt, stört die Mädchen nicht. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt, die Stille füllen sie mit ihrem Lachen.

Wolfi ist glücklich.



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